Goldkind

Titel: Goldkind

Autor: Eva Rottmann

Illustration: Eleanor Sommer

Verlag: mixtvision Verlag München

Erscheinungsjahr: 2015

Wenn Dramatiker für Kinder erzählen, werden aufdringliche Buchcover  überflüssig. Das aparte Goldkind-Cover fällt gerade durch seine minimalistische Gestaltung ins Auge. Naturbelassener Buchbinderkarton als Untergrund, schlicht bedruckt mit dem Titel und einer kleinen feinen Illustration in goldgelber Farbe, eingefasst in ebenfalls goldgelbes Leinen. Mehr braucht es nicht, um ein Versprechen auf den Inhalt zu geben. Und der hat es in sich:

Die freche kleine Illustration eines gelbgefleckten Hundes in unmissverständlicher Pose verdeutlicht bereits eine gewisse Renitenz – diametral dazu die Vorstellung von einem Goldkind. Emma erfüllt zunächst alle Erwartungen an ein solches und wird auch ebenso genannt.

Vom Aufbegehren gegen diese an sie geknüpften Erwartungen erzählt das kleine feine Büchlein auf 66 Seiten. Die wohlerzogene und wohlbehütete neunjährige Emma hat alles, was sich ein Mädchen ihres Alters wünschen kann, nur eben eines nicht – Eltern, die Zeit für sie haben. Sie sind vielbeschäftigte Leute, die erst spätabends heimkommen, auch am Wochenende noch arbeiten und ziemlich viel streiten, was sie „diskutieren“ nennen. Die Lage spitzt sich zu, als beide dasselbe Wochenende verplanen und sich niemand findet, der auf Emma aufpassen könnte. Emma packt kurzerhand ihre Sachen und nimmt unbemerkt von den Eltern Reißaus durchs Fenster. So landet sie bei einer Gruppe Obdachoser, bei der sie das findet, was sie vermisst: Zeit, Zuwendung und Geborgenheit. Die neue Erfahrung bringt sie dazu, ihren Eltern den Vorschlag zu unterbreiten, an besagtem Wochenende allein zu Hause bleiben zu wollen. Diese lassen sich aufgrund fehlender Alternativen darauf ein. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf …

Auf spannende Weise treibt das Geschehen seinem Höhepunkt zu und bewirkt eine Wende in Emmas Leben. Kindgerecht erzählt werden in der Geschichte gesamtgesellschaftliche problematische Entwicklungen  verdeutlicht, ohne ins Klischeehafte abzudriften.

Die ansprechende grafische Gestaltung, konsequent in Gold und Schwarz gehalten, besticht ebenso durch bemerkenswerte Ausdruckskraft.

Hanna Nebe-Rector, malkastl.de

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