Vom Suchen und Finden

Text: Hanna Nebe-Rector

Januar 2016

 

Kommen Menschen in die Jahre,
verliern sie Brillen oder Haare.
Unerträglich wird die Pein,
vermissen sie den Führerschein.

Frau N. hat einst ein großes Ziel,
damit sie werden kann mobil.
Der Weg dorthin war voller Tücken.
Für Fahrlehrer wohl kein Entzücken.

Zwar war sie ein Genie
in grauer Theorie.
Der Schein, der sehr begehrt,
blieb praktisch ihr verwehrt.

Gleich zweimal gabs ne lange Nase
beim Praxisprüfen auf der Straße.
Den Prüfern war es keine Freude
trotz der überreichen Beute.

Im Spiegel eine Straßenbahn
leider nur die andren sahn.
Und das übersehne Schild
macht die Polizei ganz wild.

Beim dritten Teste gab man ihr
das heißbegehrte Stück Papier.
Der Schein fand einen Ehrenplatz.
In ihrem Ohr klingt noch der Satz:

„Im Führerschein ein nettes Bild
macht die Kontrolle halb so wild.“
Das Jugendbild im Führerschein
nahm niemand mehr in Augenschein.

Nach weitren fünfundzwanzig Jahren
bedrohn Frau N. erneut Gefahren:
Nicht nur die Jugend -„Ach, oh Schreck …“-
auch das Papier war plötzlich weg!

Monatelanges Suchen,
Bangen, Zittern, Fluchen …
zwecklos – dieser Schein blieb weg,
fand sich in keinerlei Versteck.

Zerknirscht stellt sich Frau N. die Frage
(und die Frage wurd zur Plage …),
ob sie erneut bestünd den Test
und man sie weiterfahren lässt.

Dennoch fuhr sie noch mit Haltung,
vermied den Weg zur Fahrverwaltung,
doch plagte sie nun ihr Gewissen
ob sie´s nicht sollte melden müssen.

Neulich wars der Schmuck fürs Ohr,
den sie schon hundertmal verlor.
Wieder fing sie an zu suchen,
und zu wüten und zu fluchen …

Das Etui war auch noch leer! –
Nicht effektiv und doppelt schwer
ist die Suche ohne Brille
(wenn auch beflügelt war ihr Wille).

Aus des Sofas finstrer Ritze
kramt sie mit der Fingerspitze
ein Gewöll aus Staub und Haaren
mit angeekeltem Gebaren.

„Wo ist nur mein Ohrenschmuck?“,
frug sich Frau N. mit Nervendruck.
„Muss ich neuen Schmuck mir kaufen,
es ist doch zum Haare-Raufen!“

Beim Suchen in der Sofaecke
saß die Katze auf der Decke
und verfolgte Frau N.´ s Mühen
mit neugierigem Augenglühen.

Hilfreich sprang zur Seit die Katze,
angelte mit ihrer Tatze
lässig aus der Sofaritze
… den Führerschein! – Frau N. rief: „Spitze!“

Die Brille fand Frau N. dann auch
unter einer Stange Lauch.
Mit der Brille auf der Nas
macht das Suchen doppelt Spaß!

Frau N. fährt wieder ganz entspannt
zum Einkaufen in Stadt und Land.
Der Ohrschmuck blieb bislang verschwunden.
Frau N. hat den Verlust verwunden.

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