Willkommen

Illustratoren:

Judith Drews, Nina Dulleck, Marion Elitez, Kristina Fransbach, Betina Gotzen-Beek, Franziska Harvey, Nikolaus Heidelbach, Günther Jakobs, Regina Kehn, Lilli L´Aronge, Paul Maar, Stephan Pricken, Barbara Scholz, Tina Schulte, Markus Spang, Annabelle von Sperber, Alexander Steffensmeier, Michael Vogt, Matthias Weinert, Patrick Wirbeleit

Verlag:

S.Fischer Verlag

2015

 

Eine wirklich schöne Idee: Bilder zum Entdecken, Staunen, Lernen und Lachen, honorarfrei zur Verfügung gestellt von 20 bekannten deutschen Kinderbuchillustratoren, werden in einem 48seitigen Büchlein zusammengefasst, um zu uns geflüchteten Kindern eine Freude zu machen und sie mit diesem Geschenk in unserer Mitte willkommen zu heißen. 5000 Exemplare dieses Büchleins wurden vom Fischerverlag bereitgestellt, um sie über verschiedene Hilfsorganisationen kostenlos Flüchtlingskindern zu überreichen.

„Willkommen“ ist in vielen Sprachen auf der von Judith Drews gestalteten Titelseite zu lesen. Freundlich winkt ein sommersprossiges Mädchen mit lustigen rot-weißen Ringelstrümpfen einem ein wenig unsicher schauenden schwarzgelockten Jungen, der einen Rucksack mit sich trägt,  zu.

Die einladende Symbolik weckt Erwartungen beim Betrachter, die sich im Buch nur teilweise erfüllen. Jede der überwiegend doppelseitigen Bildgeschichten gibt vielerlei Anlässe zum gemeinsamen Schauen und Entdecken und hat gewiss -für sich genommen- ihren eigenen Reiz, doch fehlt meines Erachtens insgesamt das verbindende Element, der rote Faden. Mehr und mehr drängt sich mir die Frage auf, was der jeweilige Illustrator der besonderen Zielgruppe, den Flüchtlingskindern, eigentlich genau damit sagen möchte. Ohne Zweifel, auch diese Kinder werden Spaß an lustigen Begebenheiten wie der sich in einer Hängematte verheddernden Kuh (unserem Auge vertraut aus den beliebten Lieselotte-Bilderbüchern von Alexander Steffensmeier) haben. Oder sie werden vielleicht schmunzeln über eine verrückte Wimmel-Welt, in der sich Oktopusse im Kinderwagen spazierenfahren lassen, Teddybären mit Hut auf Nashörnern reiten, die auf Hausdächern bebrillten Hirschen begegnen oder Fische ein Rauchwolken-Schaumbad auf Schornsteinen nehmen. Das ist gut gemeint und lustig, aber auch irgendwie unadressiert, ja fast beliebig, wenn man sich die Vorstellung vergegenwärtigt, was zu großen Teilen traumatisierte Kinder, die sich mit einer völlig neuen Umgebung auseinandersetzen müssen, in erster Linie brauchen: Stabilität, Hilfe zur Orientierung und ein Gefühl der Sicherheit. Genau deshalb wäre etwas weniger Surrealismus hier bestimmt hilfreicher gewesen.

Überzeugender in diesem Sinne und auch im Sinne eines Willkommens-Buches sind dann auch eher jene Seiten verschiedener Illustratoren (so Franziska Harvey oder Regina Kehn), die sich mit Begriffserklärungen zu Zeichnungen alltäglicher Dinge oder Begebenheiten befassen oder in betont ruhige, phantasievolle Traumwelten entführen, wie sie zum Beispiel der Traum-Baum von Tina Schulte zeigt.

Schade, dass insofern viel der ursprünglichen Buchidee innewohnendes Potential ungenutzt geblieben ist. So ist in der zusammenfassenden Betrachtung das Büchlein  eine nette Willkommensgeste – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Hanna Nebe-Rector

http://www.MALKASTL.de

 

 

 

 

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