Löwen zählen

Text: Katie Cotton

Illustration: Stephen Walton

Verlag: Freies Geistesleben

2016

 

Dieser großformatige Bildband ist in mehrfacher Hinsicht ein Erlebnis. Uns begegnen darin aus nächster Nähe verschiedene Tierarten; teils von Angesicht zu Angesicht als Porträt, teils in ihren Beziehungen innerhalb einer Gruppe von Artgenossen. Besonders faszinierend ist diese Begegnung im Wissen, dass es sich nicht -wie beim ersten Anschein vielleicht zu vermuten wäre- um Fotografien handelt, sondern um erstaunlich präzise Kohlezeichnungen von Stephen Walton, die dem Betrachter umso mehr dadurch, dass die porträtierten Tiere weitgehend aus dem Kontext ihres natürlichen Lebensraumes genommen und stattdessen überwiegend vor reinweißem Hintergrund gezeigt und damit auf die Essenz ihres Wesens fokussiert werden, spürbar in deren Innerstes, in die Seele des Tieres blicken lassen. Das berührt unmittelbar und geht mehr als jede noch so gute Fotografie unter die Haut – wahrscheinlich deshalb, weil die innere Beteiligung des Künstlers beim Zeichnen dieser Tiere auf erstaunliche Weise für den Betrachter nachvollziehbar wird.

Eine zweite Bedeutungsebene ist, dass wir uns nicht nur von diesen phantastisch gezeichneten Tieren unmittelbar beeindrucken lassen, sondern sie auch zählen sollen: ein Löwe, zwei Gorillas, drei Giraffen, vier Tiger, fünf Elefanten, sechs äthiopische Wölfe, sieben Pinguine, acht Schildkröten, neun Aras, zehn Zebras. Mit dem Zählen vergegenwärtigen wir uns die traurige Tatsache, dass einige dieser Tierarten in ihrem Fortbestand stark gefährdet sind und dass es sie möglicherweise in einiger Zeit unwiederbringlich nicht mehr geben könnte. Darauf geht Virginia McKenna, die berühmt wurde durch ihre Filmrolle der Joy Adamson im Klassiker „Frei geboren – die Königin der Wildnis“ von 1966, mit eindringlichen Worten in ihrem Vorwort zum Buch ein.

Die kontrastierend zu den schwarz-weißen Tierporträts in warmen Rottönen abgedruckten Gedanken und Assoziationen der Autorin Katie Cotton zur jeweiligen Tierart begleiten und unterstreichen in poetischer Weise die künstlerische Bildaussage.

Am Buchende finden sich zusätzliche interessante Informationen zu den vorgestellten Tieren und deren Gefährdungsstatus sowie weiterführende Internetadressen.

„Tiere zählen“ ist ein wunderschönes Buch für Kinder und Erwachsene, das uns die Achtung vor dem Tier auf besonders berührende Weise nahebringt und in dem man immer wieder blättern, schauen und staunen kann.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

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