Archiv für den Monat Mai 2016

Der Delfin

Der Delfin. Die Geschichte eines Träumers

Text: Sergio Bambaren

Übersetzung/Nacherzählung: Sabine Cuno

Illustration: Joelle Tourlonias

Verlag: ars Edition, 2016

http://www.arsedition.de

 

Daniel Delfin, der mit seiner Familie beschützt in einer Lagune lebt, träumt vom großen weiten Meer mit seinen wunderbaren Wellen, seitdem Tante Manta bei einem Besuch davon geschwärmt hat.

Daniel ergreift das Fernweh und immer stärker wächst sein Wunsch, sich einmal nach Herzenslust in diesen großen Wellen tummeln zu können. Er fühlt, dass das Meer ihn ruft und auch die Einwände der besorgten Eltern können den kühnen kleinen Delfin nicht davon abhalten, sich auf die erträumte Entdeckungsreise zu begeben.

Zum Glück begegnet ihm die weise Serafina, eine alte Meeresschildkröte, und wird seine Ratgeberin und Begleiterin. Einerseits bremst sie Daniels Übermut und ermuntert ihn zugleich, seinem übermächtigen Willen mit Mut und Vorsicht zu begegnen.

Unterwegs zu den ersehnten Wellen treffen Daniel und Serafina auf weitere Meeresbewohner wie Augustin, den Seehund, den Kraken Luzius, wunderbar glitzernde Quallen, viele große und kleine Fische und Hainer, den böse blickenden Hai, welcher eigentlich gar nicht so böse ist. Sie alle geben dem noch unerfahrenen Delfin wichtige Erkenntnisse und Botschaften mit auf den Weg – bis er sich schließlich mit der nötigen Vorsicht den ersehnten wunderbar mächtigen Wellen stellen  und später seine Familie und Freunde mit seinem bedachtsamen Mut beflügeln kann.

Dass sowohl  Wege Ziele sein können als auch Wünsche mit unerschütterlichem Glauben und starkem Willen erfüllbar sein können, davon erzählt dieses mutmachende Bilderbuch, welches zugleich mit liebevollen Illustrationen die Augen für die Vielfalt und Schönheit der Meereswelt eröffnet.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

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Fang einfach an!

Text/Illustration: Pernilla Stalfelt

Übersetzung aus dem Schwedischen: Birgitta Kicherer

Verlag: Moritz, 2016

http://www.moritzverlag.de

 

Als Geschichtenschreiber, Bilder- und Büchermacher freuen sich die Geisenhausener Buchkinder und Bücherwürmer im Malkastl natürlich auch ganz besonders über jene Bücher, die zeigen, wie das mit dem Geschichtenerfinden geht. Vor allem, wenn sie so inspirierend wie das kleine Ideenbüchlein „Fang einfach an!“ von Pernilla Stalfelt sind.

Auf 25 umfangreich illustrierten und mit kurzen erklärenden Texten versehenen Seiten vermittelt die Autorin kindgemäß und anschaulich, wie viel Spaß das Geschichtenerzählen macht, wenn man einige Kniffe kennt, die den Erzählfluss unterstützen können. So erklärt sie, welche Rolle die Hauptfigur spielt und wie sie entwickelt werden kann. Sie ermuntert ihre schreibenden Leser, sich ihre Hauptfiguren auszumalen, zu zeichnen und sich passende Namen für sie auszudenken.

Was bei der Verwendung von Sprechblasen zu beachten ist, dass es Schrei-, Flüster- und Denkblasen gibt, eckige Roboterblasen oder gruselig auslaufende Gespensterblasen, wie verschiedene Gefühle dargestellt werden können oder Comic(zeichen-)sprache verwendet wird – für all dies und noch mehr werden nützliche Tipps und Tricks verraten, die die Lust aufs Schreiben und Zeichnen sogleich unmittelbar anfeuern.

Nun braucht es nur noch Stifte und Papier und dann gilt es einfach anzufangen!

Das Buch ist eine sehr empfehlenswerte, ebenso nützliche wie unterhaltsame Ideensammlung, die als immer wieder anregendes Nachschlagewerk jede Schreibwerkstatt bereichern kann.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

Auf dem Land

Titel: Auf dem Land. Das faszinierende Leben auf dem Bauernhof

Text/Illustration: Julia Rothmann

Übersetzung aus dem Englischen: Ulrike Becker

Verlag: Kunstmann, 2016

 

Mit viel Liebe zum Detail erkundet die Autorin zeichnend und schreibend die Welt des schönen Lebens auf dem Land, insbesondere das faszinierende Leben auf einem Bauernhof.

Sie erzählt einführend von ihrem Ehemann Matt, der als Siebenjähriger mit seinen Eltern von der Stadt zurück aufs Land zog, um dem kranken Großvater einen Wunsch zu erfüllen: in seinen letzten Jahren noch einmal wie in der Kindheit auf dem Land zu leben.

Als Stadtpflanze ist die Autorin tief beeindruckt vom Frieden des Landlebens, der Natur, den vielen Tieren, den bäuerlichen Traditionen und dem wunderbaren Nachthimmel als einer der ersten Schlüsseleindrücke bei einem gemeinsamen Besuch auf dem Hof der Schwiegereltern, der Longacre Farm in Tabor, Iowa. Viele weitere Besuche folgen und jedesmal lernt sie etwas Neues hinzu, so dass allmählich der Entschluss reift, ein Buch darüber zu schreiben.

In ansprechend schöner graphischer Gestaltung beschreibt sie in sieben Kapiteln auf über 200 Seiten in Text und Bild landwirtschaftliche Abläufe und das dafür nötige Rüstzeug, Tier-, Pflanzen- und Wetterkunde. Das Besondere dabei -und wahrlich eine Augenweide- sind die vielen detailreichen Zeichnungen, die zum Beispiel Bodenbereitung, Hühner-, Kaninchen-, Bienen-, Pferde-, Kuh-, Ziegen-, Schafs- und Schweinehaltung, den Bau von Weidezäunen, den Einsatz verschiedener historischer und neuerer landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen, den Anbau von Früchten und deren Verarbeitung nebst zahlreichen Koch- und Backrezepten sowie traditionelle alte Handwerkstechniken wie Spinnen, Färben, Flechten oder Kerzenziehen anschaulich illustrieren.

Man glaubt beinahe, einen Almanach des nötigen Wissens über das Landleben vor sich zu haben, dessen Studium das erfolgreiche Umsetzen in die Praxis ermöglichen und befördern kann.

In jedem Falle aber ist es ein kleines Kunstwerk in Buchform, das Städter wie Landlebende, Freizeitgärtner, Tierliebhaber und -halter und alle Natur- und Kunstfreunde wahrscheinlich begeistern wird.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

 

Rotraut Susanne Berner: Das große Wimmelbuch

Illustration: Rotraut Susanne Berner

Verlag: Gerstenberg, 2016

http://www.gerstenberg-verlag.de

http://www.wimmlingen.de

 

Auf dem Markt ist heute einiges geboten: Obst-, Gemüse-, Blumen- und Samenhändler bieten ihre Waren feil, erste Kunden beginnen mit den Verkäufern zu verhandeln, während die Kinder am Froschkönig- Brunnen plantschen, drei Nonnen ein fröhliches Schwätzchen mit dem Wirt des Gasthauses halten und bestimmt im nächsten Moment weniger erfreut über die Ladung Staub sein werden, die gerade über ihren Köpfen aus einem Fenster heraus mit dem Putzlappen ausgeschüttelt wird. Auf dem Schornstein des Nachbarhauses sind zwei Störche mit dem Nestbau beschäftigt und unter ihnen schaut aus dem Fenster ein älterer Herr im roten Ringelpullover lächelnd versunken dem Markttreiben zu. Die Schaufensterdekoration der Bäckerei verrät das nahende Osterfest und im Stockwerk darüber wird die Lockenfrisur einer älteren Dame von oben mit Wasser aus einer Gießkanne aus fragwürdigem Grund von einem Herrn, dem man die Tat gar nicht zutraut, benetzt, was dessen Nachbarin fassungslos beobachtet. Katzen tummeln sich auf dem blühenden Kastanienbaum, über ihnen flattern aufgeregt die Vogeleltern angesichts der drohenden Gefahr. Unterm Baum schäkert eine füllige Mutter in Streifenhosen mit ihrem Baby, während auf der Bank nebenan von einer hilfsbereiten Dame jemand mit einem Pflaster verarztet wird …

Unzählige kleine Alltagsgeschichten aus Wimmlingen wie diese auf dem Titelbild werden in liebevoll und detailreich gezeichneten Wimmelbildern erzählt, die sich -bis auf wenige Bilderklärungen vor den einzelnen Kapiteln ganz ohne Worte- in einem praktischen und im Vergleich zu den Einzelbänden preisgünstigen Pappbuch-Sammelband den vier Jahreszeiten widmen und viele schöne gemeinsame Bilderbuchstunden, in denen es viel zu entdecken und zu erzählen gibt, garantieren.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

Ein Garten für den Wal

Autor: Toon Tellegen

Illustration: Annemarie van Haeringen

Übersetzung aus dem Niederländischen: Andrea Kluitmann

Verlag: Gerstenberg, 2016

http://www.gerstenberg-verlag.de

 

Ein Wal, der sich wünscht, auf seinem Rücken einen Garten anzulegen, ist keine alltägliche Vorstellung, sondern erscheint eher wie die Sequenz eines zauberhaften Traumes – ebenso wie dieses zauberhafte Buch keineswegs alltäglich ist.

Eine traumhafte Tiergeschichte hat Toon Tellegen aus jener Vorstellung gemacht, die ebenso traumhafte Bilder von Annemarie van Haeringen begleiten.

Auf der Titelseite schwimmt uns vor zartgrünem Hintergrund ein imposanter, freundlich lächelnder Wal entgegen, der seine Fontäne voller Lebensfreude auf bunte Tuschegebilde, die wohl jenen besagten Garten andeuten, sprudeln lässt. Allerlei gezeichnetes Meeresgetier zeigt das Vorsatzpapier, darunter wie zufällig auch Gartenrechen, Eimer und Gießkanne, die auf den ersten Blick nicht so recht dazuzupassen scheinen.

Der etwas einsam scheinende, mitten im Ozean lebende Wal, träumt von einem eigenen Garten mit einer Bank, einem Springbrunnen (den er ja schon hat) und vielen Blumen. Er stellt sich vor, wie schön es wäre, dort Gäste zu empfangen wie zum Beispiel das Eichhorn, welches ihn selbst schon einmal im Traum mit einem Boot besuchte. So wie die Sterne, die er allesamt kennt, Gäste des Mondes wären,  wenn dieser ein Fest gäbe. Und wer weiß, vielleicht würde der Mond auch einmal ihn zu einem Besuch einladen.

Beim betriebsamen Grashüpfer, der ein Allroundgeschäft am Waldesrand betreibt, wird also ein Garten per Brief bestellt. Mit einem Boot macht sich der unermüdliche Grashüpfer auf den beschwerlichen Weg zum Wal und legt diesem einen wunderbaren Garten auf seinem Rücken an: mit Gartenbank, Schlängelpfaden, Apfel- und Birnenbaum,  herrlich bunten Blumen, vielen Sträuchern, Sonnenschirm und sogar einer Schaukel. Selbst an einen Spiegel, den er dem Wal auf die Nase stellt, damit dieser seinen Garten überblicken kann, hat der Grashüpfer gedacht. Fast wäre der Wal vor Freude hochgesprungen, aber das durfte er ja nun wegen des Gartens nicht mehr; ebenso wie das laute Lachen nun verboten war, damit die Äpfel und Birnen nicht vorzeitig vom Baum fallen.

Bald stellen sich erwartungsgemäß viele Besucher und Bewunderer des Gartens ein. Aber Nilpferd und Nashorn sind im Doppelpack zu schwer für die fragile Gartenbank und das tollpatschige Walross achtet nicht auf die schönen Gladiolen und Schwertlilien, als es sich im Garten des Wals verläuft.

Zunehmend erkennt der Wal, dass er der Einzige ist, der den Garten nicht wirklich genießen kann, dass er sich niemals auf seiner Gartenbank zurücklehnen kann, um den Rosenduft einzuatmen und die Sonne im Gesicht zu spüren … – und befreit sich von der schönen Last.

Diese poetische und beinahe zu Tränen rührende Tiergeschichte, die wie eine sehnsuchtsvolle Melodie nachzuklingen vermag, ist derart schön, dass man sie wieder und wieder lesen und sich an ihrer liebenswert-eigenwilligen Sprache und den wunderbaren Bildern erfreuen und berauschen möchte.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

ZUSAMMEN!

Text und Illustration: Daniela Kulot

Verlag: Gerstenberg, 2016

http://www.gerstenberg-verlag.de

 

Dass in diesem neuen Pappbilderbuch von Daniela Kulot -deren sympathischen Protagonisten mit ihren Kulleraugen, charakteristischen Nasen und großen Köpfen ein hoher Wiedererkennungsfaktor zueigen ist-  eine Geschichte über Freundschaft, Toleranz und Zusammenhalt erzählt wird, erschließt sich bereits beim ersten Blick auf die Titelseite: Aufgereiht auf einer Wiese stehend sind viele Kinder, Mädchen und Jungen unterschiedlicher Größe, Haut- und Haarfarbe -unter ihnen auch eines im Rollstuhl- zu sehen. Die einen blicken fröhlich in die Welt, andere erscheinen eher nachdenklich oder schüchtern, eines gar etwas zornig oder zumindest verstimmt. Auf der Buchrückseite setzt sich die illustre Menschenreihe fort – nun sind mit einem Papa, der ein Baby auf dem Arm trägt und einer Oma mit Gehstock auch zwei Erwachsene dabei. Katze, Vogel und Schmetterling (dieser sogar mit Hut …) haben sich wie zufällig unter die Menge gemischt und vom Titel-Schriftzug, der mit einem Ausrufezeichen versehen wurde, blickt neugierig ein Marienkäfer auf die Gesellschaft.

Die lustigen Reime widmen sich mehr oder weniger alltäglichen Situationen wie Essen, Baden, Verkleiden, aufs Klo gehen oder Äpfel stibitzen, deren Bewältigung zusammen oft viel besser als allein gelingt, wie die knuffigen Zeichnungen mit vielen darin zu entdeckenden kleinen Details (und wer genau hinschaut, wird auf jeder Doppelseite unter anderem auch jenen geheimnisvollen grüngezackten Reptilienschwanz entdecken …) überzeugend verdeutlichen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diejenigen, die etwas zusammen meistern, dünn oder dick, klein oder groß, dunkel oder hell, mit oder ohne Handicap oder sonstwie unterschiedlich sind. Hauptsache ist, sie tun es zusammen!

Zusammen ist dann auch das Verjagen jenes ominösen grünen Reptils (wobei das Verjagen eher wie ein freundlich-neugieriges Hinterherlaufen und das etwas ängstlich dreinblickende Reptil nicht wirklich furchterregend, sondern eher niedlich erscheint …) nur noch eine Kleinigkeit!

Die Freude am gemeinsamen Tun und der Erfolg des Zusammen-stark-Seins wird hier auf  humorvolle Weise und ganz ohne erhobenen pädagogischen Zeigefinger vermittelt.

Hanna Nebe-Rector, http://www.malkastl.de

 

Im Land der Wolken

Text: Alexandra Helmig

Illustration: Anemone Kloos

Verlag: mixtvision, 2016

http://www.mixtvision-verlag.de

 

Große bunte Wolken aus Tuscheflecken -hellblau, dunkelblau, violett, orange, rot und gelb- ziehen auf der oberen Hälfte des Titelbilds an zartgezeichneten farblosen Häuserfassaden vorbei. Die Tusche-Farbkleckswolken scheinen im Begriff zu sein, die ganze Stadt mit ihren Farben einnehmen zu wollen.

Die untere linke Hälfte des Titelbilds zeigt einen kleinen Jungen – uns abgewandt auf einem in grünen Farbnuancen dominierenden Hügel  in nachdenklicher, sinnierender Haltung sitzend.

Der Junge ist Henry, der im Land der Wolken lebt, wo es keine Langeweile gibt, weil beständig neue Ideen in Wolkenform auftauchen, die die Menschen zu stetiger Beschäftigung animieren. Immer soll etwas Spannendes, Lustiges oder Gruseliges passieren.

„Es gibt Wolken, in denen Papierschnipsel Polka tanzen, und Wolken, in denen Tausendfüßler Geschichten spinnen. Es gibt Wolken, in denen Schneeflocken von verliebten Regentropfen singen, und Wolken, in denen Schmetterlinge Wollmäuse kitzeln. Es gibt sogar Wolken, die das blaue vom Himmel versprechen.“

Eine schöne Vorstellung … eigentlich.

Henry aber ist das alles zu viel. Er, der als Außenseiter gilt, bekommt von dieser Ideenflut eher Kopfschmerzen. Den allseits Aktiven, die von Wolke zu Wolke springen, um sich der Ideen zu bedienen, erscheint Henry in seiner Zurückgezogenheit suspekt.

Erst seine neue Freundin Sara, die Gefallen daran findet, gemeinsam mit Henry einfach NICHTS zu tun, auf einer Wiese nebeneinanderzuliegen und in den Himmel zu schauen, reißt Henry aus seiner Einsamkeit. Das macht wiederum die Aktiven und Rastlosen neugierig …

Diese zarte Geschichte, die in poetischen Bildern und bildreicher Sprache eine wichtige Botschaft insbesondere für unsere heutige rastlose Zeit übermittelt, macht überaus deutlich, dass auch Langeweile und Nichtstun ein Glück sein können.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de