Ein Garten für den Wal

Autor: Toon Tellegen

Illustration: Annemarie van Haeringen

Übersetzung aus dem Niederländischen: Andrea Kluitmann

Verlag: Gerstenberg, 2016

 

Ein Wal, der sich wünscht, auf seinem Rücken einen Garten anzulegen, ist keine alltägliche Vorstellung, sondern erscheint eher wie die Sequenz eines zauberhaften Traumes – ebenso wie dieses zauberhafte Buch keineswegs alltäglich ist.

Eine traumhafte Tiergeschichte hat Toon Tellegen aus jener Vorstellung gemacht, die ebenso traumhafte Bilder von Annemarie van Haeringen begleiten.

Auf der Titelseite schwimmt uns vor zartgrünem Hintergrund ein imposanter, freundlich lächelnder Wal entgegen, der seine Fontäne voller Lebensfreude auf bunte Tuschegebilde, die wohl jenen besagten Garten andeuten, sprudeln lässt. Allerlei gezeichnetes Meeresgetier zeigt das Vorsatzpapier, darunter wie zufällig auch Gartenrechen, Eimer und Gießkanne, die auf den ersten Blick nicht so recht dazuzupassen scheinen.

Der etwas einsam scheinende, mitten im Ozean lebende Wal, träumt von einem eigenen Garten mit einer Bank, einem Springbrunnen (den er ja schon hat) und vielen Blumen. Er stellt sich vor, wie schön es wäre, dort Gäste zu empfangen wie zum Beispiel das Eichhorn, welches ihn selbst schon einmal im Traum mit einem Boot besuchte. So wie die Sterne, die er allesamt kennt, Gäste des Mondes wären,  wenn dieser ein Fest gäbe. Und wer weiß, vielleicht würde der Mond auch einmal ihn zu einem Besuch einladen.

Beim betriebsamen Grashüpfer, der ein Allroundgeschäft am Waldesrand betreibt, wird also ein Garten per Brief bestellt. Mit einem Boot macht sich der unermüdliche Grashüpfer auf den beschwerlichen Weg zum Wal und legt diesem einen wunderbaren Garten auf seinem Rücken an: mit Gartenbank, Schlängelpfaden, Apfel- und Birnenbaum,  herrlich bunten Blumen, vielen Sträuchern, Sonnenschirm und sogar einer Schaukel. Selbst an einen Spiegel, den er dem Wal auf die Nase stellt, damit dieser seinen Garten überblicken kann, hat der Grashüpfer gedacht. Fast wäre der Wal vor Freude hochgesprungen, aber das durfte er ja nun wegen des Gartens nicht mehr; ebenso wie das laute Lachen nun verboten war, damit die Äpfel und Birnen nicht vorzeitig vom Baum fallen.

Bald stellen sich erwartungsgemäß viele Besucher und Bewunderer des Gartens ein. Aber Nilpferd und Nashorn sind im Doppelpack zu schwer für die fragile Gartenbank und das tollpatschige Walross achtet nicht auf die schönen Gladiolen und Schwertlilien, als es sich im Garten des Wals verläuft.

Zunehmend erkennt der Wal, dass er der Einzige ist, der den Garten nicht wirklich genießen kann, dass er sich niemals auf seiner Gartenbank zurücklehnen kann, um den Rosenduft einzuatmen und die Sonne im Gesicht zu spüren … – und befreit sich von der schönen Last.

Diese poetische und beinahe zu Tränen rührende Tiergeschichte, die wie eine sehnsuchtsvolle Melodie nachzuklingen vermag, ist derart schön, dass man sie wieder und wieder lesen und sich an ihrer liebenswert-eigenwilligen Sprache und den wunderbaren Bildern erfreuen und berauschen möchte.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

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