Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

Autor: Tim Parks

Übersetzung aus dem Englischen: Ulrike Becker und Ruth Keen

Verlag: Antje Kunstmann Verlag, 2016

 

Worüber wir -Leser, Autoren, Kritiker wie Juroren- sprechen, wenn wir über Bücher sprechen, beleuchtet Tim Parks, der in Manchester geborene, in London aufgewachsene und  in Italien lebende, wegen seiner  Romane und erzählenden Sachbücher hochgelobte Autor, Kritiker und Übersetzer umfassend  und äußerst unterhaltend von allen nur erdenklichen Seiten, indem er vor allem zahlreiche Fragen aufwirft – Fragen, mit denen buchaffine Menschen tagtäglich mehr oder weniger konfrontiert werden und die nicht in jedem Falle einfach oder eindeutig zu beantworten sind wie beispielsweise solche, ob jedes angefangene Buch zuende gelesen werden sollte, was literarischen Stil auszeichnet und wie sich dieser bildet oder was es ist, das das individuelle Lesen prägt.

Die  klare und auffällige, farblich jedoch gleichzeitig zurückhaltende Covergestaltung, bei der die einzelnen Buchblöcke eines Bücherstapels den Rahmen für den Titeltext liefern, führt  ansprechend und zielgerichtet ins Buchthema. Die graphische Gestaltung des Vorsatzpapiers -hunderte schräg nach einer Seite ausgerichtete kleine Bleistiftstummel, unter denen ein einziger sowohl farblich als auch richtungsmäßig aus der Reihe tanzt- verrät bei genauerem Hinschauen die subtile Ironie, welche sich auch im Text wiederfindet.

Es ist ein beinahe perpetuum-mobile-artiges Buch über Bücher, es sind Gedanken über das Lesen und das Schreiben, über diejenigen, die den Stoff liefern, den die andere Seite konsumiert und über diejenigen, die wiederum darüber schreiben. Was treibt die eine wie die andere Seite an beim Schreiben wie beim Lesen? Lässt sich vorhersehen, ob ein Buch zum Erfolg führt und was definiert diesen? Brauchen wir Geschichten wirklich? Was passiert beim Übersetzen eines Buches? Ist es danach noch das gleiche Buch?

Mit zahlreichen Beispielen aus der gegenwärtigen Literatur illustriert und untermauert Tim Parks seine Überlegungen und Thesen und stellt damit so manche Widersprüchlichkeiten bloß. Der zuweilen provokante und sarkastische Unterton des Autors, den er anschlägt, wenn es um das Verfassen von Rezensionen, die Literaturforschung und den Literaturbetrieb im Allgemeinen und im Besonderen geht, ist nicht zu überhören und gibt seinen Ausführungen und Gedankenspielen die entsprechende Würze, die das Lesen zum überaus lesenswerten, unterhaltsamen Genuss macht.

Auf der letzten Seite angekommen möchte man sofort wieder von vorn beginnen- mit dem Lesen und mit dem Über-Bücher-Sprechen!

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

 

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