Das schönste und größte Bildwörterbuch der Welt

Illustration und Text: Tom Schamp

Übersetzung aus dem Niederländischen: Birgit Erdmann

Verlag: Gerstenberg, 2016

 

Der Beweggrund, ein Bildwörterbuch zur Hand zu nehmen, ist meist der Wunsch, sich mit Hilfe eines Bild- und Textmediums die umgebende Welt zu erschließen und zugleich darüber miteinander zu kommunizieren. Dabei sind unterschiedliche Konstellationen wie Eltern und Kind,  Kind und Kind, Lehrer und Schüler oder zwei Menschen unterschiedlicher Herkunft denkbar und auch allein betrachtet kann ein Bildwörterbuch informieren, den Wortschatz und den Horizent erweitern, Blickwinkel und Sichtweisen verändern und darüber hinaus Freude beim Betrachten machen.Die ganze Welt zwischen zwei Buchdeckel pressen zu wollen, ist ein großes Ziel.

Sehr ambitioniert und humorvoll geht diese vermeintlich unerfüllbare Aufgabe der niederländische Illustrator Tom Scharp an und setzt mit dem recht unbescheidenen Titel, welcher das größte und schönste Bildwörterbuch der Welt verspricht, hohe Erwartungen an sein Werk. Zur Lehre und zur Belustigung soll es dienen, kündigen die freischwebenden Fähnchen unter dem Titel an. Strukturgeber im Dschungel der 100 Dinge und Begebenheiten dieser Welt sind ein kleiner Kater namens Otto nebst Familie, Verwandten und Weggefährten, die zu Anfang vorgestellt werden und dem Leser auf den folgenden Buchseiten in den verschiedensten Alltags- und Lebenssituationen -so beim Einkaufen, im Garten, Zuhause, in der Stadt, beim Sport, in der Schule, beim Musizieren, in der Welt der Künste oder beim Weihnachtsfestfeiern- inmitten eines bunten Gewimmels und Getümmels an Bildern und Wörtern wiederbegegnen.

Das übersichtliche und grafisch interessant gestaltete Inhaltsverzeichnis gibt  Orientierung bei der Suche nach dem favorisierten Themenbereich. Ist dieser gefunden, bietet sich auf je einer Doppelseite der insgesamt 61 großformatigen Buchseiten zum entsprechenden Thema eine wahre Flut von Wimmelbildern und Worterklärungen, mit denen sich die Betrachter eingehend beschäftigen können – diese meist in deutscher, hin und wieder auch in einer anderen Sprache, was zuweilen kurz verwirrt, jedoch andererseits nicht wirklich stört.

Die angebotenen Möglichkeiten der Wissenserweiterung für ein breitgefächertes Publikum aller Altersstufen sind immens: So können wir nach dem ausführlichen Studium der Vorsatzpapierseiten, welche in die Fahnen- und Länderkunde einfühen und sich zum Lernen und Rätseln anbieten, weil nur auf den hinteren Seiten die Begriffe zugeordnet werden, weiterhin erfahren, dass Zuhause ein sehr dehnbarer Begriff ist, der für den einen das Apartmenthaus ( genauer das „Apartmenschhaus“- schönes Wortspiel!), für den anderen das „Pizzahüt(t)chen“ und für den nächsten die Hundehütte umschreibt; dass es je zwei Arten von großen Menschen (nämlich Kaffee-und Teetrinker) und kleinen Menschen (nämlich Krümelmonster und Körnerkinder) gibt; dass komische Vögel die Phantasie beleben und Vogelfuttersuppe eklig ist; dass Wale keine Fische sind, Fischen ein Verb ist und sich Fische in Cafe´s oder Bars in der Tiefsee treffen; welche Unmenge an Eissorten es gibt und dass die Qual hat, wer die Wahl hat; dass Städte in der Nacht einem Fiebertraum gleichen und sich am Tag ständig verändern; dass der Herbst vom 21.September bis zum 20.Dezember dauert; dass gemeinsam musizierende Tiere recht taktlos den Takt nicht treffen; dass eine Kakofonie herauskommt, wenn alle durcheinander spielen (was eine trenchcoat- und koffertragende Giraffe weise feststellt) und dass die Welt zugleich klein und groß und das Weltall noch vie größer ist. Noch Fragen? …

Je mehr ich mich in dieses Bildwörterbuch, welches unernst und ernst zugleich daherkommt, vertiefe (und fast darin verliere) umso mehr stelle ich nach leichter anfänglicher Skepsis fest, dass es dem Anspruch seines unbescheidenen Titels nicht nur gerecht wird, sondern die Erwartungen, die dieser weckt, noch übertrifft, weil es eine hervorragende Melange aus gewitzten Bildern und gewitzten Texterklärungen sowie auflockernd eingestreuten Redewendungen (die sich auf diese Weise Kindern gut erklären lassen) ist, die über die Vorstellung von einem richtig gut gemachten Bildwörterbuch sogar hinausgehen.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

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2 Gedanken zu “Das schönste und größte Bildwörterbuch der Welt

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