Der rote Ballon

Text und Illustration: Liniers (Ricardo Liniers Siri)

Übersetzung aus dem Englischen: Ulrike Becker

Verlag: Kunstmann, 2016

 

Der Autor Liniers, ein argentinischer Comicstar, ließ sich von seinen beiden kleinen Töchtern Matilda und Clementina, welche er in einer Widmung als seine Musen bezeichnet, zu dieser reizenden Comicgeschichte, die sein erstes ins Deutsche übersetzte Buch ist und vom puren Glück des Kind-Seins erzählt, inspirieren.

Es ist Samstag, die Geschwister erwachen. „Hurra, es ist Samstag!“, verkündet voller Lebensfreude die Ältere und denkt laut darüber nach, was man mit diesem schönsten aller Tage, an dem sogar das Frühstück besser schmeckt und überhaupt alles viel mehr Spaß macht, wohl anfangen könnte – vielleicht könnte man ein Picknick machen oder Blumen pflücken. Die Kleine, offenbar noch nicht perfekt des Sprechens mächtig, überlegt laut mit, indem sie einzelne Wörter der Großen wiederholt.

Doch ein Blick aus dem Fenster durchkreuzt ihre Pläne: es regnet in Strömen! Matilda findet den Regen gar nicht so schlimm, aber die kleine Clemmie findet ihn eindeutig zu NASS. Davon, dass Regen auch SPASS machen kann, wie Matilda behauptet, scheint Clemmie noch nicht ganz überzeugt zu sein, als sie gummibestiefelt, aber unentschlossen, der Großen beim übermütigen Toben im Regen zusieht. Mit einem Regenschirm, dessen Tücken sich jedoch bald im Wind zeigen werden, wird die zögerliche kleine Schwester schließlich doch noch zum Mitkommen überredet. Die Große zeigt der Kleinen all die tollen Sachen, die sie im Regen machen können: Wolken beobachten, Regentropfen mit der Zunge auffangen, in Pfützen springen, dass es nur so platscht, Regenwürmer suchen. Und wie wunderbar der Regen riecht! Mit ein wenig Glück kann man sogar einen Regenbogen entdecken! Matilda meint begeistert, dass man dem Regenbogen doch etwas schenken sollte und bringt Clemmies vom letzten Kindergeburtstag übriggebliebenen roten Luftballon ins Spiel. Dass das doch keine so gute Idee war, merkt sie, als Clemmie untröstlich ist, weil der Ballon in die Wolken entschwindet. Dann aber hat Matilda die rettende Idee …

Nun ist der Samstag zum Glück gerettet und alle können sich auf den Sonntag freuen – den allerbesten Tag überhaupt!

Es geschieht gleichzeitig so wenig und doch so viel in dieser behutsam erzählten und zauberhaft mit Tinte, Wasserfarben und Regentropfen (!) gezeichneten Geschichte, die auf ganz besondere Weise -verstärkt durch die Wahl der künstlerischen Mittel- anrührend ist, indem sie sich auf wenige und doch so wesentliche Aspekte einer menschlichen Beziehung wie Freundlichkeit, Offenheit, Zugewandtsein, Vertrauen, Nachsicht und Fürsorge konzentriert – einer Beziehung, aus der heraus erst das Gefühl des kindlichen Glücks und der Freiheit erwachsen kann.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

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