Rumpelstilzchen

Nacherzählt und bebildert von Felicitas Horstschäfer

Verlag: Knesebeck, 2016

 

Es ist einer der Grimm´schen Märchenklassiker schlechthin: die Geschichte von Rumpelstilzchen, dem garstigen Zwerg, der seinen seltsamen Namen geheimhält und der schönen Müllerstochter -die wegen der Prahlerei ihres Vaters, dass sie Stroh zu Gold spinnen könne, im Königspalast landet, um dort ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen- seine Hilfe in der ausweglosen Situation anbietet. Im Tausch gegen Schmuck und letztlich gegen ihren erstgeborenen Sohn kann er der frischvermählten Königsgattin immer wieder aus der Patsche helfen. Wenn es ihr gelänge, binnen drei Tagen den Namen des Zwergs zu erraten, müsse sie ihr Kind jedoch nicht hergeben. Nachdem die Müllerstochter den Namen dann aber doch herausfindet und Rumpelstizchen mit dem legendären Aufschrei, dass ihr das der Teufel gesagt hätte, voller Wut entzweispringt, kann die königliche Familie glücklich und zufrieden weiterleben.

Einerseits lässt die stark gekürzte Fassung den Spannungsaufbau und damit den Charme der ursprünglichen Märchenerzählung ein wenig vermissen. Andererseits ist dieses kleine Manko aber eher unwesentlich, denn die bemerkenswert schöne Gestaltung, auf die hier ausdrücklich das Hauptaugenmerk gelegt werden sollte, macht das um ein Vielfaches wieder wett.

Die Illustratorin und Papierkünstlerin Felicitas Horstschäfer verleiht dem Märchen mit meisterhaften Scherenschnitten, die sich zwischen die einzelnen Buchseiten fügen und damit die Konstellationen der ebenfalls scherenschnittartig abgebildeten Silhouetten beim Umblättern nochmals ergänzen und inhaltlich variieren, einen besonderen Zauber, dem man sich nicht entziehen kann und der zum staunenden Eintauchen in die und Spielen mit der Geschichte einlädt.

Geradezu verschwenderisch schön ist auch der zusätzliche Schutzumschlag, der sich durch die mittige Scherenschnitt-Ausstanzung in Form von Blattwerk und Zweigen über die Titelseite legt und mit dem Eindruck des stillen Beobachters den Blick auf das um ein Lagerfeuer tänzelnde Rumpelstilzchen freigibt.

Mit einer Bücher-Kostbarkeit wie dieser ist der Versuch, Stroh zu Gold zu spinnen, in jedem Falle gelungen.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

 

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