Das Schaf im himmelblauen Morgenmantel

Herausgeberin: Christine Knödler

Texte: Isabel Abedi, Wieland Freund, Dagmar Geisler, Beate Hanika, Alexandra Helmig, Saskia Hula, Nikola Huppertz, Heinz Janisch, Kilian Leypold, Kai Lüftner, Susanne Lütje, Arne Rautenberg, Oliver Scherz, Antonie Schneider, Martina Wildner

Illustrationen: Verena Ballhaus, Rotraut Susanne Berner, Quint Buchholz, Nadia Budde, Renate Habinger, Stefanie Harjes, Alexandra Junge, Regina Kehn, Ole Könnecke, Vitali Konstantinov, Reinhard Michl, Jens Rassmus, Kathrin Schärer, Katrin Stangl, Susanne Straßer, Karsten Teich

Verlag: Mixtvision, 2016

 

„Das Schaf im himmelblauen Morgenmantel“ ist ein ganz und gar außergewöhnliches Buch. So wie auf der Titelseite unterschiedlichste Bild- und Wortteile wie Puzzleteilchen auf einem Faden aufgereiht zu einem Ensemble werden, so ist auch die in diesem Buch erzählte Geschichte Ergebnis und Dokument eines überaus spannenden Experiments, in welches 16 Illustratoren und 15 Autoren eingebunden sind.

Wie im „Cadavre exquis“, einem kreativen Spiel der Surrealisten, werden Bilder und Geschichtenfragmente des einen zum Ideengeber ihrer Fortsetzung durch einen anderen Künstler. Bilder, die sich in Texten fortsetzen, generieren dabei neue Bilder, die wiederum in Texten münden. Was dabei letzlich heraukommt, ist -vergleichbar mit der „stillen Post“- ungewiss, denn jeder der Lesenden und Betrachtenden assoziiert von eigenen Lebenswirklichkeiten und -erfahrungen herrührende unterschiedliche Bilder, Deutungen, Handlungsstränge und neue Figuren, mit denen er/sie die Geschichten und Bilder weiterspinnt und ihnen die individuelle Prägung mit auf den Weg gibt. So entstehen mitunter völlig unerwartete Wendungen, die ohne das spannende Konzept der Vielstimmigkeit sicher so nicht vorherzusehen gewesen wären.

Angeregt und schließlich mit der Herausgabe des Ergebnisses zu einem Abschluss geführt hat das interessante literarische Experiment Christine Knödler, freie Journalistin, Kritikerin und Herausgeberin für verschiedene Verlage, Zeitschriften und Zeitungen sowie Lehrbeauftragte der Buchwissenschaft an der LMU München, die auch selbst Schreibwerkstätten konzipiert und leitet sowie entsprechende Workshops moderiert.

Jeweils zwei Wochen hatten die an dem Spiel Beteiligten Zeit, um sich mit der literarischen oder bildnerischen Vorlage des vorhergehenden Künstlers auseinanderzusetzen und den Handlungsfaden ein stückweit weiterzuspinnen, um es danach an den nächsten Künstler zu dessen erneuter Anregung weiterzugeben.

Nur den Autoren, nicht aber den Illustratoren, wurde zum Vorläufer-Bild eine knappe Zusammenfassung des bisher Geschehenen gegeben, was verständlich ist, damit der Handlungsfaden nicht völlig verfitzt oder Figuren ihre bisherigen Namen behalten.

Den Rahmen der daraus entstandenen, teilweise herrlich abstrusen, schrägen, unterhaltsamen, originellen wie phantasievollen Geschichte, deren einzelne Kapitel und begleitenden Illustrationen stilistisch wunderbar gegensätzlich sind, bilden Zeichnungen der beiden renommierten und unter den Beteiligten an Lebensjahren reichsten Illustratoren Quint Buchholz und Rotraut Susanne Berner.

Quint Buchholz´Auftaktbild zeigt zwei vor einem Abend- oder Morgenhimmel kurz vor Sonnenauf- oder -untergang an einer Bushaltestelle wartende Pinguin-Silhouetten. Rotraut Susanne Berner´s Schlussbild zeigt dagegen weder Pinguine noch Bushaltestelle, sondern eine auf den ersten Blick schwer entschlüsselbare Bilderbotschaft, deren Ingredienzien ein sich an einem Käfig entlanghangelndes Mädchen und ein Junge in offenbar misslicher Lage, eine Dame mittleren Alters, eine überdimensional große rötliche Tigerkatze, ein ebenso großer Maikäfer, verschiedenfarbige Bauklötze, ein Messer sowie ein Schlüssel sind. Was zwischen diesen beiden Bildern liegt und diese miteinander verbindet, ist die gemeinsam erzählte Geschichte , in welcher rauschende nächtliche Feste, verträumte Tänze, skurrile Musikanten, das Dach der Welt, schwarze und weiße schlafende und „nicht-schafende“ Schafe, ein Koffer, Wölfe, perlenkettentragende Kröten und Nashörnerinnen, gelbe Bären, laubblasende Käfer, rasenmähende Katzen mit Hut sowie vor allem die Kinder Nida und Till eine Rolle spielen.

Herausgekommen ist ein bemerkenswertes Gesamtkunstwerk, an dem spielbegeisterte Wortliebhaber und Bilderdeuter große Freude haben werden und das sehr inspirierend für ähnliche Experimente -insbesondere für die kreative Gruppenarbeit mit Kindern- werden kann.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

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