Archiv für den Monat November 2016

Der Nussknacker

präsentiert vom New York City Ballet

illustriert von Valeria Docampo

aus dem Englischen übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Verlag: mixtvision, 2016

 

 

Das berühmte Weihnachtsmärchen vom Nussknacker und Mäusekönig von E.T.A.Hoffmann aus dem Jahr 1816 wurde von Peter Tschaikowski vertont und von dem Petersburger Tänzer und Choreographen George Balanchine 1954 für das New York City Ballett inszeniert; auch noch heute wird es in dieser Weise aufgeführt.

Auf der Grundlage dieser traumhaften Inszenierung ist ein Bilderbuch entstanden, welches von Valeria Docampo, die uns bereits mit bezaubernden Bilderbüchern wie „Die große Wörterfabrik“, „Im Garten der Pusteblumen“ und „Der Bär und das Wörterglitzern“ zum Schwärmen brachte, illustriert.

Auf der Buchtitelseite tanzt eine Ballerina, einen Nussknacker in den Händen haltend und diesen bewundernd, vor einem großen, mit Lichtern geschmückten Weihnachtsbaum. Ihr rotes Zopfband windet sich, in der Form einem Notenschlüssel ähnlich, um ihren zarten Körper.

Dieser Nussknacker ist ein besonderes Weihnachtsgeschenk für die kleine Marie von ihrem Patenonkel Herrn Drosselmeier, einem Spielzeugerfinder. Marie schließt den Nussknacker sofort in ihr Herz und nimmt ihn zum Schlafen mit in ihr Bett. In der Nacht aber ereignen sich plötzlich wundersame Begebenheiten: Große Mäuse huschen durchs Zimmer, der Weihnachtsbaum beginnt in die Höhe zu wachsen, lebendig gewordene Spielzeugsoldaten kämpfen gegen die Mäuse und ihren Anführer, den Mäusekönig. Auch Maries Nussknacker wird lebendig und wächst auf Menschengröße heran. Nun führt er die Schlacht gegen die Mäuse an, kann sie besiegen und die Krone des Mäusekonigs erobern. Daraufhin verwandelt sich der Nussknacker in einen wunderschönen Prinzen, steigt mit Marie in ein Walnussboot und fährt mit ihr ins Land der Süßigkeiten, wo sie von der Zuckerfee begrüßt und mit phantasievollen Tänzen verehrt werden, bis sie schließlich das Fest mit einem fliegenden Rentierschlitten wieder verlassen und in den Nachthimmel aufsteigend  entschwinden.

Dieses wunderschöne Bilderbuch wird von den Ballettszenen getragen, die Valeria Docampo in grazile poesievolle Bilder verwandelt hat, die uns zum träumerischen Schwelgen in Farben und Formen einladen, uns erfreuen und staunen lassen.

 

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Black Stories – Science-Fiction Edition

Kartenset mit 50 Karten

Text: Elke Vogel

Illustration: Bernhard Skopnik

Verlag: moses., 2016

 

 

Das Titelbild der Kartenschachtel mit den drei rotäugigen und weißhäutigen Aliens vor schwarzem Hintergund lässt unschwer erkennen, dass es sich bei dieser Ausgabe der vor allem bei Teenagern sehr beliebten Black-Stories- Kartenspiele diesmal alles um Science Fiction dreht, – darunter aktuellere Movies und Klassiker wie zum Beispiel Star Wars, Star Trek, Akte X, E.T., Avatar,  Inception, Terminator, Matrix,  Independence Day und 12 Monkeys. Science-Fiction-Movie-Junkies sind hier natürlich klar im Vorteil!

Beim Spiel stehen sich der „Gebieter“ und das „Ratevolk“ gegenüber. Der Gebieter zieht nach und nach beliebige Karten aus dem Stapel und liest die Fragestellung von der Vorderseite dem Ratevolk vor , den Text auf der Kartenrückseite behält er für sich. Zur Lösung der Black Stories tasten sich nun die Rater allmählich vor, indem sie geschickte Fragen stellen, die vom Gebieter mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Mitunter sollte der Gebieter darauf hinweisen, wenn eine Frage nicht relevant ist, um die Geduld des Ratevolks nicht unnötig lange zu strapazieren.

Zum Teil handelt es sich um sehr absurde Fälle, die nur sehr schwer mit Ja/Nein-Fragen zu lösen sind. Manche Fälle wiederum sind recht einfach zu lösen, wenn der entsprechende Film den Ratern bekannt ist. Am meisten Spaß machen deshalb die mittelschwer lösbaren Fälle.

Die rot-schwarzen Illustrationen auf den Karten wurden entsprechend der Thematik geheimnisvoll gestaltet und können zum Teil ein wenig unterstützend bei der Antwortfindung sein.

 

Was sitzt im Wald und winkt?

Text: Moni Port

Illustration: Jörg Mühle

Verlag: Klett Kinderbuch, 2016

 

„Huhu!“ scheint der freundlich winkende Uhu uns zuzurufen, womit sich die erste titelgebende Frage „Was sitzt im Wald und winkt?“ aus dem neuen urkomischen Quatschfragen-Rätselbüchlein von Jörg Mühle und Moni Port bereits wie von selbst beantwortet hat.

Oder: „Was ist lila und bedient im Restaurant?“ Natürlich die Obergine!

Oder: „Was ist weiß und tanzt im Wald ums Feuer?“ Ganz klar, ein Rumpelpilzchen!

Und weil´s so schön ist, noch eins: „Was ist grün, glücklich und springt von Grashalm zu Grashalm?“ Das kann nur eine Freuschrecke sein!

Wie die Freuschrecken freuen wir uns nun, dass das erfolgreiche Vorgängerbüchlein „Was sitzt am Strand und redet undeutlich?“ (=die Nuschel!) einen nicht minder lustigen Nachfolger mit neuen Rätselfragen, deren Antwortfindung mit Unterstützung der herrlich originellen Illustrationen nicht allzu schwer ist und überdies einen Riesenspaß macht, bekommen hat.

Jede der 19 Doppelseiten widmet sich in Text und Bild einer der 19 Rätselfragen. Auf der linken Buchseite wird vor verschiedenfarbigem Hintergrund die Frage gestellt; die passende Antwort findet sich gleich darunter in einem auf den Kopf gestellten weißen Schriftzug, welchen man zur Erhöhung der Schwierigkeit und Steigerung der Spannung insbesondere in Gruppen zunächst noch kurz mit der Hand abdecken kann. Ein Blick auf die  rechte Buchseite mit einer der jeweiligen Rätselfrage zugeordneten illustrativen Verbildlichung lässt die Antwort meistens nicht lange ausbleiben. Die gemeinsame Suche danach ist sehr lustig!

Die letzte Doppelseite ermuntert zu eigenen Text- und Bildideen – was wir nach der gemeinsamen allseits erheiternden Buchlektüre in unserer Kindermalgruppe mit  Stiften, Pinseln und Farben nur allzu gern sogleich in die Tat umgesetzt haben.

 

Das tolle ABC-Buch

Das tolle ABC-Buch

Bilder, Geschichten und Gedichte

Text und Illustration: Joke van Leeuwen

Übersetzung aus dem Niederländischen: Hanni Ehlers

Verlag: Gerstenberg, 2016

 

Wenn ein Buch recht selbstbewusst bereits im Titel verspricht, ein tolles zu sein, weckt das natürlich schon gleich mal hohe Erwartungen beim Leser und Betrachter.

Wir lieben Bücher, die Schatzkisten gleichen; in die man beliebig oft hineingreifen kann, um immer wieder neue Anregungen zum Nachdenken, Miteinander-Sprechen, Geschichtenerfinden, Zeichnen und Malen zu finden. Ein solches Schatzkisten-Buch ist auch „Das tolle ABC-Buch“, in welchem sich wunderbare Bilder, Geschichten, Gedichte, Comics, Buchstaben- und Wortspiele, die einfach Freude machen und Impulse zum Weiterspinnen geben, entdecken lassen.

Zur Einstimmung am Anfang stösst der Leser auf die überzeugend vorgetragene Feststellung, wie toll es doch sei, dass es Buchstaben gibt, aus denen sich Wörter formen lassen und aus diesen dann Sätze, aus denen Geschichten werden. Doch schöne Wörter und schöne Sätze und schöne Geschichten sollen es sein – wie das Comic mit dem Titel „Ein schönes Wort“ verdeutlicht. Darin gesellt sich zum A, welches nicht allein bleiben will, geschwind ein M und schon ordnen sich beide zum AM. Nun fragt das U, ob es auch mitmachen darf – MAU wird daraus. Mit dem herbeieilenden R entsteht ein RAUM und damit ein Raum zum Neuordnen und Ausprobieren. Zusammen mit dem T wird getestet, wie sich ARMUT anfühlt, aber solch ein Wort wollen sie lieber nicht sein. Schnell wird sich zum TRAUM umgeordnet – wie schön und erleichternd!

Wunderbar miteinander philosophieren lässt sich über kleine tiefgründige Geschichten wie jene vom Nilpferd, das sich klein machen wollte,  vom Esel, der nicht Nein sagen konnte, vom Wolf, der lieber ein Schaf sein wollte, vom Hund, der auf zwei Pfoten lief, vom Kälbchen, das in die Luft guckte oder von der Schnecke, die etwas erleben wollte. Die Gefühlswelt der  tierischen Protagonisten unglaublich intensiv widerspiegelnden  Porträtzeichnungen gehen berührend ins Herz des Betrachters.

Mit Staunen bewundern lässt sich das Turner-ABC, welches sogleich die Lust zum sportlichen Nachstellen der Buchstabenfiguren weckt, um Geist und Körper gleichermaßen zu mobilisieren. Auch der gemeinsame Bummel durch das Buchstabenviertel, in welchem sich überall Buchstaben in den Häuserformen entdecken lassen, macht Spaß. Wahre Augenweiden angesichts ihres graphischen Detailreichtums sind das Schau- und das Monster-ABC, die Inspiration für eigene zeichnerische Buchstaben-Experimente werden können. Das verblüffende Zufalls-ABC zeigt am Beispiel von Fotografien, wie oft sich Buchstaben in alltäglichen Dingen -wie beispielsweise ein E im Türscharnier, ein G im Treppengeländer oder ein V in einer Wolkenformation- verbergen und beim genauen Hinschauen entdecken lassen.

Bemerkenswert und unterhaltsam sind auch die eingestreuten Comic-Dialoge zwischen einer Gabel und einem Löffel alias Gabella und Löffelino, das Auffinden von Antworten auf Rätselfragen, die sich gleichzeitig im selben Text verbergen, die grandiose Bildcollage einer langnasigen und kleinherzigen Riesin, das Nachdenken über die in Gedichtform gestellte Frage, wie es wäre, wenn alles anders wäre oder der  Schritt für Schritt allmählich alles ausradierende und damit zum Buch-Ende führende Radiergummi.

Letztendlich lässt sich feststellen, dass das im Titel völlig zu Recht präsentierte Eigenlob eigentlich fast noch viel zu bescheiden klingt und mindestens durch „supertoll“ ersetzt werden könnte.

Nilas und die Piraten

Text: Tina Birgitta Lauffer

Puppen, Bühne und Fotos: Robert Mädge

Verlag Monika Fuchs, 2016

 

Wenn ein kleiner Junge, der von großen Abenteuern träumt, plötzlich selbst in ein solches gerät, verspricht das ziemlich spannend zu werden.

So ergeht es Nilas, welcher von Pira, Tochter des Piratenkapitäns Knurrbart, auf ein echtes Piratenschiff entführt wird. Die beiden Piraten glauben, Nilas wäre der Neffe des Piratenkapitäns Blackbart, weil das so in seinem Notizbuch steht. Dabei hat er sich doch diese Geschichte nur ausgedacht und aufgeschrieben wie so viele andere, während er die Ferien bei Oma und Opa am Meer verbringt und es dort manchmal etwas langweilig findet. Nun aber flunkert Nilas munter weiter und erzählt, er habe den legendären Schatz von Piratlantis gefunden. Dorthin soll Nilas seine Entführer nun natürlich begleiten. Jetzt ist er  damit ganz schön in der Zwickmühle! Bevor Nilas aus dieser geschickt wieder herausfindet, wird er den Piraten noch etwas Wichtiges beibringen und eine abenteuerliche Wasserschlacht überstehen …

Tina Birgitta Lauffer gelingt es, mit ihrer in diesem kleinen Büchlein ebenso warmherzig wie spannend erzählten Piratengeschichte, welche Fotografien der liebevoll gestalteten Szenerien ihres gleichnamigen Puppentheaterstücks begleiten, die besondere Atmosphäre eines Puppenspiels, bei der sich die Zuhörer des Fiktiven meistens durchaus bewusst sind und dennoch mit den Helden unmittelber mitfühlen, spürbar einzufangen und zur Freude der kleinen wie größeren Leser zu erhalten.

Schlinkepütz, das Monster mit Verspätung

Text: Susanne Kreller

Illustration: SaBine Büchner

Verlag: Carlsen, 2016

 

Ein länglich-ovales Wesen mit großen Stauneaugen, Wuschelfrisur, breitem Grinsemund und daraus hervorstehenden Zähnen, Segelohren und hellblauem Fell mit einem zart durchscheinendem Leopardenmuster, mit an Zuckerstangen erinnernden blau-lila-gestreiften  Ärmchen und Beinchen und ebensolchen fühlerartigen Kopfantennen sowie spärlich bekleidet mit einer orange-gelb-gestreiften Krawatte  – das ist Schlinkepütz, das sympathische kleine Monster, welches wir bereits aus der -übrigens sehr empfehlenswerten- GECKO-Bilderbuchzeitschrift kennen und ins Herz geschlossen haben.

Nun hat der Carlsen-Verlag zu unserer großen Freude die Schlinkepütz-Geschichten zu einem Buch gemacht. Lustige Begebenheiten aus dem Leben des liebenswert-tollpatschigen kleinen Monsters werden in 6 Kapiteln auf 80 Buchseiten vorgestellt, wobei lustige pastellbunte Zeichnungen die mitunter zu Lachsalven führenden Texte begleiten.

Schlinkepütz, der gern Filme mit Häuptling Apfelstrudel anschaut, sich im Triangelspiel übt, Briefmarken sammelt, sich nur ab und zu die Zähne putzt, oft nicht grüßt, zuweilen lauthals rülpst und manchmal ältere Damen in der Straßenbahn erschreckt, begegnet uns in diesen Geschichten als ein Monster, welches arge Probleme mit der Pünktlichkeit hat, im Frühling der Putzwut verfällt, im November -dem Geburtsmonat aller Monster- mit seinen witzigbunten Monsterkumpels eine Geburtstagsparty mit anfänglichen Hindernissen feiert, von einem hartnäckigen Ohrwurm befallen wird und sich als Briefträger oder Monster-Babysitter zu bewähren versucht.

Das (Vor-)Lesen und Anschauen der urkomischen Bildergeschichten ist für alle Beteiligten immer wieder mit großem Spaß verbunden und hat unsere Kindermalgruppen bereits zum Malen vieler toller Schlinkepütz-Bilder inspiriert.

 

Kneipenquiz-Das Original

Text: Tom Zimmermann, Darren Gundorf

Spielkonzept: Marco Teubner, Heinrich Glumler

Grafik/Gestaltung: Kreativbunker

Verlag: moses., 2016

 

Die Kneipenquiz-Spielidee kommt ursprünglich aus Großbritannien und Irland, wo es traditionell häufig in Pubs in großer Runde gespielt wird. Gundorf und Zimmermann, die auf das Spiel zuerst in Reykjavik gestoßen sind, brachten die Idee anlässlich der Bareröffnung eines Freundes in Altona nach Deutschland, wo sich das gemeinsame Rätseln über Fragen aus verschiedensten Themengebieten ebenfalls bald großer Beliebtheit erfreute.

Das Spiel muss natürlich nicht zwingend in einer Kneipe gespielt werden, genausogut geht das auch in geselliger Runde zuhause oder beispielsweise in einem Atelier (wo wir es ausprobiert haben). Je größer und geselliger die Spielrunde, umso besser. Es geht nämlich darum, dass die Runde gegen dasSpiel selbst antritt. Je mehr Teilnehmer, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass unter ihnen einige die Fragen beantworten können. Denn die kniffligen Fragen sind anspruchsvoll und daher auch erst für Mitspieler ab ca. 16 Jahren geeignet.

Es gibt mehrere unterschiedlich schwierige Spielvarianten, wobei wir uns zum Einstieg für die leichteste namens Easy-peasy entschieden haben. Im Team, das eine Eule als Spielfigur erhält, wird in insgesamt 5 Runden gegen 4 fiktive Gegner in Form verschiedenfarbiger Bierflaschen gespielt, wobei eine Sanduhr die Dauer einer Runde jeweils auf 5 Minuten begrenzt. Einer der Mitspieler wird zum Quizmaster ernannt und liest die Fragen auf der gezogenen Quizfragenkarte vor. Zusammen einigt man sich dann -immer mit Blick auf die Sanduhr- auf die richtigen Antworten oder versucht sie zu erraten. Bis zur Auflösung mit Verlesung der richtigen Antworten auf der Kartenrückseite heißt es, strategisch vorzugehen und die fünf Werteplättchen, die in jeder Runde neu ausgegeben werden, so umzuordnen, dass die Wahrscheinlichkeit zum Vorrücken der Eule in Bezug auf die Bierflaschen entsprechend der Einschätzung der mutmaßlich richtig beantworteten Fragen am größten wird. Das Fiese ist nämlich, dass trotz richtig gegebener Antwort neben der Eule auch die Bierflaschen entsprechend der angegebenen grünen Zahl auf dem Werteplättchen trotzdem vorrücken dürfen. Bei falscher Antwort rücken nur die auf dem Plättchen angegebenen Bierflaschen im Sinne der roten  weiter. Glück hat man dann, wenn zusätzliche Bonuspunkt-Eulen auf den Plättchen auftauchen. Nach fünf Runden ist das Spiel am Ende.

Einerseits macht die gemeinsame Suche nach den richtigen Antworten großen Spaß und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Andererseits kann die Spielfreude aber schnell dadurch getrübt werden, dass die Spielrunde  von den Bierflaschen allzu früh überrundet und chancenlos abgehängt wird, was der eigenwilligen Punktevergabe geschuldet ist und schnell demotivierend wirken kann. Das ließe sich vielleicht mit kreativer Auslegung der Spielregeln etwas abmildern. Bei einigen Antworten auf der Kartenrückseite hätten wir uns zur Erklärung noch etwas mehr zusätzliche Hintergrundinformationen gewünscht. Sehr gut gefallen hat uns das ansprechende Design des Spiels mit den integrierten Schubladen für das Spielezubehör. Allerdings müssen die Spielfiguren nach Spielende immer wieder auseinandergebaut werden, wenn man alles Zubehör in den Schubladen verstauen will. Deshalb dürfte das Format der Kiste insgesamt etwas größer sein.

Der schwarze Hund

Der schwarze Hund

Wie man Depressionen überwindet und Angehörige und Freunde dabei helfen können

Text und Illustration: Matthew Johnstone

Übersetzung aus dem Englischen: Nils Thomas Lindquist und Sabine Müller

Verlag: Antje Kunstmann, 2016

 

In Matthew Johnstons Zeichnungen zum Buch „Der schwarze Hund“, welches aktuell in einer limitierten kleinformatigen Sonderausgabe -resultierend aus seinen beiden sich zu Standardwerken  entwickelten Bilderbüchern über Depressionen „Mein schwarzer Hund“ und „Mit dem schwarzen Hund leben- erschienen ist, übermittelt das in Hundegestalt verkörperte Bild die Symptomatik einer klassischen klinischen Depression und macht so für Betroffene und deren Angehörige auf eine verblüffend einfache, einfühlsame und humorvolle Weise deutlich, was diese Erkrankung bedeutet und wie man mit ihr umgehen kann. Aufschlussreiche Vor- und Nachbemerkungen des Autors, seiner Partnerin und von Medizinern ergänzen die Ausgabe ebenso hilfreich wie das Aufzeigen eines Plans B im Falle von Verschlimmerungen, einer Übersicht der professionellen Hilfsangebote, Literaturhinweise und weiterführender hilfreicher Webseiten.

Der große schwarze Hund geistert seit vielen Jahren durch dasLeben des Protagonisten, eines Mannes mittleren Alters. Sobald der Hund auftaucht, spürt der Mann eine lähmende Leere, macht, dass er sich älter fühlt als er ist und auch so aussieht, dass sein Appetit verlorengeht, sein Selbstvertrauen schwindet, die Konzentration nachlässt und jegliche Unternehmung zum Kraftakt wird.

„Wenn man einen schwarzen Hund hat, fühlt man sich nicht nur ein bisschen niedergeschlagen, traurig oder melancholisch. Im schlimmsten Fall fühlt man überhaupt nichts mehr.“

Mit diesem Satz beschreibt Johnstone die Dramatik der Situation Betroffener und verdeutlicht sie zeichnerisch mit der von einem Eisblock umhüllten Gestalt des Mannes, die der schwarze Hund umkreist.

So wie es viele verschiedene schwarze Hunderassen gibt, so vielgestaltig sind die  Formen von Depressionen – alle sind jedoch mit dem Auftreten mehr oder weniger negativer Stimmungen und Gedanken und dem Verlust der Lebensfreude verbunden, im schlimmsten Fall mit einer gesteigerten Gefahr von Suizidalität.

Angehörige und Freunde stehen oft ratlos dem Erkrankten gegenüber, der trotz  gutgemeinter Bemühungen und aufmunternder Worte weiter in seinem Stimmungstief versinkt. Dass Ermunterungen wie  „Das Wetter ist doch so schön …“ oder, schlimmer noch, „Lass dich doch nicht so hängen …“ wenig hilfreich bis kontraproduktiv sind, ist ihnen nicht bewusst. Dass die Betroffenen unter Umständen dringend professioneller Hilfe bedürfen, oft ebenfalls nicht. Mit zunehmender Dauer des beidseitigen Missverständnisses geraten Ehen, Freundschaften, Arbeitsplätze und im schlimmsten Falle das Leben in die Gefahr des Verlustes. Zuerst einmal braucht es also eine Diagnostik.

In schwerwiegenden Fällen kann die professionelle Hilfe medikamentös in Form von Antidepressiva (im Buch „Schwarzer-Hund-Blocker“) erfolgen, ergänzt von psychotherapeutischen Verfahren, welche vor allem mit psychoedukativen Methoden die Auseinandersetzung mit der Problematik und deren Verarbeitung unterstützt, womit sich Einstellung und Verhalten gegenüber der Erkrankung ändern und neuer Mut gefasst werden kann. Wichtig ist dabei die Vermittlung des Gefühls, nicht allein mit dem Problem zu sein.

Bücher wie „Der schwarze Hund“ können in diesem Prozess eine wertvolle Hilfe sein. Sehr plastisch und  voller Humor erfasst der Autor anhand seiner comicartigen Zeichnungen die vielfältigen Alltagssituationen und  zeigt Lösungsmöglichkeiten  auf, indem er beschreibt, wie er mit dem schwarzen Hund zu leben gelernt, ihn gezähmt und an die Leine gelegt hat. So gelingt ihm mit der Kraft der Bilder mehr, als tausend Worte manchmal zu schaffen vermögen.

Der Drache mit den sieben Köpfen

Der Drache mit den sieben Köpfen

Geschichten zu Michaeli, Sankt Martin und Nikolaus

Herausgeber: Ineke Verschuren

Illustrationen im Buch: Robert Heunick

Coverillustration: Sanne Dufft

Verlag: Urachhaus, 2016

 

Mit der kühleren Jahreszeit, insbesondere um Michaeli, Sankt Martin und Nikolaus, begann in prädigitalen Zeiten sich so manche Familie traditionell in gemütlicher Runde um den Kamin zu versammeln, um sich gegenseitig Geschichten, vor allem Märchen, vorzulesen. Dieses schöne Ritual, welches Geborgenheit vermitteln, den familiären Zusammenhalt stärken und Anlass für weiterführende Gespräche bieten kann, ist etwas aus der Mode gekommen, jedoch besteht kein Grund, es mit einer Geschichtensammlung wie „Der Drache mit den sieben Köpfen“ ganz bewusst -auch mit dem Hintergrund des Wissens über die kathartische Wirkung von Märchen und Geschichten- nicht wieder aufleben zu lassen.

Es handelt sich bei diesem 300seitigen Buch um eine Auswahl von hierzulande eher weniger bekannten Märchen, Geschichten und Legenden aus verschiedensten Quellen wie beispielsweise Drachenbüchern, Sagen aus dem Alten und Neuen Testament, Geschichten aus dem Leben der Jungfrau von Orleans, Grimmschen Märchen, rumänischen, französischen, niederländischen, irischen (Elfen-) oder norwegischen Märchen, welche von Generation zu Generation weitererzählt wurden und von Autoren wie Selma Lagerlöf, Leo Tolstoi, Erika Dühnfort, Michael Bauer, Jakob Streit und vielen weiteren bearbeitet und aufgeschrieben wurden.

Das erste der insgesamt vier Kapitel, auf welches sich auch die Titelgebung bezieht, widmet sich vor allem Märchen und Geschichten, die sich um furchterregende Drachen ranken – hier fließt also einiges Blut und rollt so mancher Kopf. Auch  manche der beschriebenen Szenen kriegerischer Auseinandersetzung in den weiteren Kapiteln wie zum Beispiel in der Beschreibung aus dem Leben der Jungfrau von Orleans oder der eine oder andere Auftritt des Teufels eignet sich vermutlich eher für robuste größere Kinder und Erwachsene und ist meines Erachtens nicht unbedingt Lesestoff für die Kleineren oder ganz zart Besaiteten. Es gibt jedoch auch Geschichten in der Sammlung, die sich  wie in der vom Verlag angegebenen allgemeinen Altersempfehlung ab Sechs schon für Jüngere eignen. Da sollte vor dem Vorlesen je nach Zusammensetzung des Zuhörerkreises doch eine gewisse Vorauswahl getroffen werden.

Die weiteren Kapitel wandeln auf den Spuren des heiligen Michael, widmen sich herbstlichen Themen, der Martinslegende und  Geschichten um Sankt Nikolaus. Einige davon sind sehr spannend zu lesen.

Schwarz-weiße Buchillustrationen von Ronald Heuninck begleiten manche der Geschichten und unterstreichen detailreich deren jeweilige Stimmung. Die Titelseite mit dem siebenköpfigen Drachen, der einem mutigen Jungen gegenübersteht, wurde von Sanne Dufft farbig gestaltet.

 

Aschenputtel

Illustration: Mehrdad Zaeri

Textbearbeitung: Christina Laube

Verlag: Knesebeck, 2016

 

Ein Mädchen blickt hoffnungsvoll in das Blattwerk eines Baumes. Orange leuchten die Blätter ebenso wie die Mädchengestalt vor dem tiefschwarzen Hintergrund der Buchtitelseite. Seitlich der Baumkrone schweben hunderte kleine blattförmige Pünktchen, die sich aus deren Mitte heraus gelöst zu haben scheinen, um sich im Dunkel der Nacht auszubreiten. Einige wenige  unter den zahlreichen orangenen Blättern sind weiß geblieben, weiß wie der schlichte Schriftzug des Titels, aus dem sich nur der erste Buchstabe A mit kunstvollen Verschnörkelungen hervorhebt.  Das A gehört zu Aschenputtel, dem beliebten Märchen, welches wir wohl alle seit Kindertagen kennen.

Die Umschlaggestaltung ist ebenso wie die Gestaltung des gesamten Buches atemberaubend schön. Spätestens beim Abnehmen des schwarzen Schutzumschlages stellt sich heraus, dass das leuchtende Orange des glänzenden Buchdeckels durch filigrane Scherenschnitte hindurchschimmert. Wird der Umschlag etwas angehoben, bilden sich über eine äußere Lichtquelle je nach Einfall des Lichts die Schattenrisse von Baum, Blattwerk und Mädchengestalt auf dem orangefarbigen Untergrund nochmals deutlich  ab, so dass man geneigt ist, mit den Schatteneffekten zu spielen.

Das Märchen vom Aschenputtel, welches nach dem Tod der geliebten Mutter fortan mit einer bösen Stiefmutter nebst deren nicht minder bösen Töchtern leben und sich von diesen wie ein Dienstmädchen, dem der ersehnte Ballbesuch verboten wird, behandeln lassen muss, dem es aber wie durch ein Wunder dennoch gelingt, auf dem königlichen Ball mit dem Prinzen zu tanzen und dabei seine Liebe zu gewinnen, wird von Christina Laube in einer auf das Wesentliche reduzierten Form in einer ebenso klaren wie liebevollen Sprache nacherzählt und von Mehrdad Zaeri wunderschön bebildert.

Die interessanten Kombinationen aus zeichnerischen Elementen auf abwechselnd hellen und dunklen Buchseiten, die mal bis ins Detail ausgearbeitet, mal fast skizzenhaft erscheinen, und meisterhaften Scherenschnitten, deren Schattenwürfe beim Umblättern der Seiten zu inhaltlichen Bestandteilen der vorhergehenden oder nachfolgenden Abbildungen werden, lassen mich beim Betrachten immer wieder innehalten und staunen.

Ein Buch, welches man wie eine seltene Kostbarkeit behandeln und, ja, ein Bilderbuch-Meisterwerk nennen möchte!

Hanna Nebe-Rector (malkastl.de)

Diese Besprechung erscheint ebenfalls bei Buecherkinder.de