Aschenputtel

Illustration: Mehrdad Zaeri

Textbearbeitung: Christina Laube

Verlag: Knesebeck, 2016

 

Ein Mädchen blickt hoffnungsvoll in das Blattwerk eines Baumes. Orange leuchten die Blätter ebenso wie die Mädchengestalt vor dem tiefschwarzen Hintergrund der Buchtitelseite. Seitlich der Baumkrone schweben hunderte kleine blattförmige Pünktchen, die sich aus deren Mitte heraus gelöst zu haben scheinen, um sich im Dunkel der Nacht auszubreiten. Einige wenige  unter den zahlreichen orangenen Blättern sind weiß geblieben, weiß wie der schlichte Schriftzug des Titels, aus dem sich nur der erste Buchstabe A mit kunstvollen Verschnörkelungen hervorhebt.  Das A gehört zu Aschenputtel, dem beliebten Märchen, welches wir wohl alle seit Kindertagen kennen.

Die Umschlaggestaltung ist ebenso wie die Gestaltung des gesamten Buches atemberaubend schön. Spätestens beim Abnehmen des schwarzen Schutzumschlages stellt sich heraus, dass das leuchtende Orange des glänzenden Buchdeckels durch filigrane Scherenschnitte hindurchschimmert. Wird der Umschlag etwas angehoben, bilden sich über eine äußere Lichtquelle je nach Einfall des Lichts die Schattenrisse von Baum, Blattwerk und Mädchengestalt auf dem orangefarbigen Untergrund nochmals deutlich  ab, so dass man geneigt ist, mit den Schatteneffekten zu spielen.

Das Märchen vom Aschenputtel, welches nach dem Tod der geliebten Mutter fortan mit einer bösen Stiefmutter nebst deren nicht minder bösen Töchtern leben und sich von diesen wie ein Dienstmädchen, dem der ersehnte Ballbesuch verboten wird, behandeln lassen muss, dem es aber wie durch ein Wunder dennoch gelingt, auf dem königlichen Ball mit dem Prinzen zu tanzen und dabei seine Liebe zu gewinnen, wird von Christina Laube in einer auf das Wesentliche reduzierten Form in einer ebenso klaren wie liebevollen Sprache nacherzählt und von Mehrdad Zaeri wunderschön bebildert.

Die interessanten Kombinationen aus zeichnerischen Elementen auf abwechselnd hellen und dunklen Buchseiten, die mal bis ins Detail ausgearbeitet, mal fast skizzenhaft erscheinen, und meisterhaften Scherenschnitten, deren Schattenwürfe beim Umblättern der Seiten zu inhaltlichen Bestandteilen der vorhergehenden oder nachfolgenden Abbildungen werden, lassen mich beim Betrachten immer wieder innehalten und staunen.

Ein Buch, welches man wie eine seltene Kostbarkeit behandeln und, ja, ein Bilderbuch-Meisterwerk nennen möchte!

Hanna Nebe-Rector (malkastl.de)

Diese Besprechung erscheint ebenfalls bei Buecherkinder.de

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