Das tolle ABC-Buch

Das tolle ABC-Buch

Bilder, Geschichten und Gedichte

Text und Illustration: Joke van Leeuwen

Übersetzung aus dem Niederländischen: Hanni Ehlers

Verlag: Gerstenberg, 2016

 

Wenn ein Buch recht selbstbewusst bereits im Titel verspricht, ein tolles zu sein, weckt das natürlich schon gleich mal hohe Erwartungen beim Leser und Betrachter.

Wir lieben Bücher, die Schatzkisten gleichen; in die man beliebig oft hineingreifen kann, um immer wieder neue Anregungen zum Nachdenken, Miteinander-Sprechen, Geschichtenerfinden, Zeichnen und Malen zu finden. Ein solches Schatzkisten-Buch ist auch „Das tolle ABC-Buch“, in welchem sich wunderbare Bilder, Geschichten, Gedichte, Comics, Buchstaben- und Wortspiele, die einfach Freude machen und Impulse zum Weiterspinnen geben, entdecken lassen.

Zur Einstimmung am Anfang stösst der Leser auf die überzeugend vorgetragene Feststellung, wie toll es doch sei, dass es Buchstaben gibt, aus denen sich Wörter formen lassen und aus diesen dann Sätze, aus denen Geschichten werden. Doch schöne Wörter und schöne Sätze und schöne Geschichten sollen es sein – wie das Comic mit dem Titel „Ein schönes Wort“ verdeutlicht. Darin gesellt sich zum A, welches nicht allein bleiben will, geschwind ein M und schon ordnen sich beide zum AM. Nun fragt das U, ob es auch mitmachen darf – MAU wird daraus. Mit dem herbeieilenden R entsteht ein RAUM und damit ein Raum zum Neuordnen und Ausprobieren. Zusammen mit dem T wird getestet, wie sich ARMUT anfühlt, aber solch ein Wort wollen sie lieber nicht sein. Schnell wird sich zum TRAUM umgeordnet – wie schön und erleichternd!

Wunderbar miteinander philosophieren lässt sich über kleine tiefgründige Geschichten wie jene vom Nilpferd, das sich klein machen wollte,  vom Esel, der nicht Nein sagen konnte, vom Wolf, der lieber ein Schaf sein wollte, vom Hund, der auf zwei Pfoten lief, vom Kälbchen, das in die Luft guckte oder von der Schnecke, die etwas erleben wollte. Die Gefühlswelt der  tierischen Protagonisten unglaublich intensiv widerspiegelnden  Porträtzeichnungen gehen berührend ins Herz des Betrachters.

Mit Staunen bewundern lässt sich das Turner-ABC, welches sogleich die Lust zum sportlichen Nachstellen der Buchstabenfiguren weckt, um Geist und Körper gleichermaßen zu mobilisieren. Auch der gemeinsame Bummel durch das Buchstabenviertel, in welchem sich überall Buchstaben in den Häuserformen entdecken lassen, macht Spaß. Wahre Augenweiden angesichts ihres graphischen Detailreichtums sind das Schau- und das Monster-ABC, die Inspiration für eigene zeichnerische Buchstaben-Experimente werden können. Das verblüffende Zufalls-ABC zeigt am Beispiel von Fotografien, wie oft sich Buchstaben in alltäglichen Dingen -wie beispielsweise ein E im Türscharnier, ein G im Treppengeländer oder ein V in einer Wolkenformation- verbergen und beim genauen Hinschauen entdecken lassen.

Bemerkenswert und unterhaltsam sind auch die eingestreuten Comic-Dialoge zwischen einer Gabel und einem Löffel alias Gabella und Löffelino, das Auffinden von Antworten auf Rätselfragen, die sich gleichzeitig im selben Text verbergen, die grandiose Bildcollage einer langnasigen und kleinherzigen Riesin, das Nachdenken über die in Gedichtform gestellte Frage, wie es wäre, wenn alles anders wäre oder der  Schritt für Schritt allmählich alles ausradierende und damit zum Buch-Ende führende Radiergummi.

Letztendlich lässt sich feststellen, dass das im Titel völlig zu Recht präsentierte Eigenlob eigentlich fast noch viel zu bescheiden klingt und mindestens durch „supertoll“ ersetzt werden könnte.

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