Archiv für den Monat Dezember 2016

Der Mensch oder Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner

Text: Jan Paul Schutten

Illustration: Floor Rieder

Übersetzung aus dem Niederländischen: Verena Kiefer

Verlag: Gerstenberg, 2016

http://www.gerstenberg-verlag.de

Nach dem vor zwei Jahren ebenfalls bei Gerstenberg erschienenen und bemerkenswert schönem Sachbuch für Kinder von Jan Paul Schutten und Floor Rieder mit dem Titel „Evolution oder Das Rätsel von allem was lebt“, welches uns bereits durch seine hervorragende Mischung aus spannend erzählter Sachinformation und ergänzender wunderbarer Gestaltung begeisterte, halten wir nun mit großer Freude das nicht minder schöne und  hochinteressante Kindersachbuch „Der Mensch oder Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner“ in den Händen.

Die Titelseite zeigt einen Schnitt durch den Kopf- und Brustbereich eines Menschen. Wie in  einer Puppenstube gibt es dort unterschiedliche Abteilungen -wie beispielsweise im Stirnbereich die „Verwaltung“, gekennzeichnet durch Ordner und Büromobiliar, in Höhe der Augen ein Filmvorführapparat und in der Mitte ein flaschenzugähnliches Gebilde- die schnell erkennbar stellvertretend für bestimmte Funktionsbereiche des menschlichen Körpers stehen.

Nach einem einführenden Vorwort geht es in 10 Kapiteln auf 160 Seiten auf eine überaus spannende Entdeckungsreise durch den menschlichen Körper, in welcher in Wort und Bild hochinteressante Fakten erläutert und zahlreiche damit einhergehende Fragen gestellt und beantwortet werden – Fragen wie zum Beispiel, warum in jeder Zelle kleine Motoren stecken, warum Viren Ninja-Roboter sind, warum unser Gehirn so groß und unser Darm klüger ist als wir denken, warum Affen keine Mathegenies sind, warum wir nicht bestimmen können, in wen wir uns verlieben, warum ein Hochdruckgebiet über Skandinavien einen Krieg auslösen kann, warum wir schlafen und auch mal Blutzellen müde werden, warum wir Ohrenentzündungen bekommen und Nasenhaare praktisch sind, warum Rassismus so dumm ist oder Schmusen gesund ist und vieles andere mehr.

Jedes Kapitel liest sich wie eine spannende Geschichte, wobei der Leser sehr oft direkt angesprochen und dadurch unmittelbar einbezogen wird. In den zahlreichen wunderbaren Zeichnungen verbergen sich weitere zusätzliche Informationen oder kleine comicartig erzählte zum Thema passende Anekdoten. Manche der Abbildungen wie etwa jene zum Bauch und seiner Billionen Bewohner sind kleine Kunstwerke für sich.

Mit viel Sachkenntnis, Humor und deutlich spürbarer Fabulier- und Zeichenfreude ist  ein lehrreiches Buch über den menschlichen Körper entstanden, wie man es sich besser fast nicht vorstellen kann und das man allen Eltern für ihre Kinder nur wärmstens empfehlen möchte.

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Der Sternenhase

Text: Martin Klein

Illustrationen: Jochen Stuhrmann

Verlag: Tulipan, 2016

http://www.tulipan-verlag.de

 

Auf dem nachtblauen Buchcover scheint ein Hase nach den Sternen zu greifen …

Wenn in sternenklaren Nächten etwas, das wie ein Hase aussieht, wie eine Sternschnuppe vorbeihuscht, könnte das Nebo, der Sternenhüter sein.

Wie der Hase Nebo zum Hüter der Sterenbild-Tiere wurde, davon erzählt diese reizende Bilderbuchgeschichte: Schon von Kindesbeinen an will Nebo Hüte-Hase werden, während seine Geschwister zu Kuschel-, Stall- oder Osterhasen werden. Aufmerksam kümmert er sich um Ohrenkneifer und Tausendfüßer und beschützt die kleineren Hasenkinder vor Fuchs und Marder. Später zieht er hinaus in die Welt, hilft dem Schäferhund vorbildlich beim Schafe-Hüten, bringt ein verirrtes Kälbchen und ein entlaufenes Fohlen zu ihren Herden zurück und schafft es schließlich sogar, für Ordnung bei den riesigen Arbeitselefanten zu sorgen. Wenn aber sogar dieser stärkste Beweis seiner Kunst auf Erden von den Menschen nicht anerkannt und stattdessen nur verlacht wird, muss Nebos Platz woanders sein. So halten die Elefanten Rat und befördern daraufhin Nebo schwungvoll in den Himmel. Fortan sorgt der mutige Hüte-Hase dafür, dass es beim Großen Bären, Südlichem Fisch, Kleinem Löwen und all den anderen Sternenbilder-Tieren ordentlich und friedlich zugeht.

Auf liebevolle Weise und mit wunderbaren Bildern wird in der Nebo- Geschichte Sternenkunde und Phantasievolles verwoben.

Wer dieses warmherzige Bilderbuch kennengelernt hat, wird nicht anders können, als beim nächsten Blick in den Sternenhimmel Ausschau nach Nebo zu halten.

 

 

Nussknacker und Mäusekönig

Text: E.T.A.Hoffmann

Übersetzung aus dem Englischen: Gundula Müller-Wallraff

Illustration: Robert Ingpen

Verlag: Knesebeck, 2016

http://www.knesebeck-verlag.de

Es gibt zahlreiche Variationen dieses Weihnachtsmärchen-Klassikers von E.T.A.Hoffmann, wobei vor allem das gleichnamige Ballett zur Musik von Peter Tschaikowski berühmt wurde und noch immer traditionell zur Weihnachtszeit aufgeführt wird.Bei diesen veröffentlichten Variationen handelt es sich zum großen Teil um gekürzte Fassungen des Originaltextes, die meist die weitere „Geschichte in der Geschichte“, das Märchen von der harten Nuss, welches nicht unwesentlich den Zauber der Handlung und deren Verständnis beeinflusst, sowie viele weitere Details leider ausspart.

In dieser von Robert Ingpen phantastisch illustrierten Ausgabe können wir uns jedoch  an der ungekürzten, hier 144 Seiten umfassenden, gebundenen und mit einem Schutzumschlag versehenen Originalfassung, die behutsam der deutschen Rechtschreibung angepasst wurde, erfreuen. Im Nachwort des Illustrators gibt dieser der Hoffnung Ausdruck, dass er in der Kombination phantastischer und fast bizarr realistischer Elemente die tiefere Struktur hinter E.T.A.Hoffmanns Geschichte habe freilegen können.Das ist ihm zweifellos gelungen.

Die geheimnisvolle Szenerie auf der Buchtitelseite, auf der ein von einem hellen Lichtstrahl beschienener rotuniformierter Nussknacker kampfesbereit sein Schwert, dessen Spitze den Blick auf drei überdimensional große, bekronte Mäuseköpfe weist, hochhält und sich linksseitig drei Soldaten, über deren Köpfen eine Ballerina zu schweben scheint, postiert haben, zeigt wesentliche Details der erzählten Geschichte, die damit beginnt, dass sich die Familie des Medizinalrats Stahlbaum aufwändig auf das bevorstehende Weihnachtsfest vorbereitet. Unmittelbar fühlt sich auch der Leser in die weihnachtliche Atmosphäre und gespannte Erwartungshaltung der Kinder, Marie und Fritz, hineingezogen.

Unter ihren vielen Weihnachtsgaben entdeckt Marie schließlich auch jenen Nussknacker, ein Geschenk ihres Paten Herrn Droßelmeier, der sie sofort fasziniert.Weil ihr übermütiger Bruder Fritz aber sogleich allzu harte Nüsse mit ihm zu knacken beginnt, verliert der Nussknacker einige seiner Zähne und Marie nimmt sich des verwundeten Holzmannes an. In der darauffolgenden Nacht geschehen seltsame Dinge in Maries Zimmer, der Nussknacker und die Husarenfiguren des Bruders Fritz werden lebendig und aus allen Ritzen erscheinen riesengroße Mäuse nebst ihrem siebenköpfigen Mäusekönig. Sehr detailreich und außerordentlich spannend wird nun das Entspinnen einer furiosen Schlacht, in welcher sich die vom Nussknacker angeführte Husarenarmee und der gruselige Mäusekönig mit seinem Heer gegenüberstehen, beschrieben. Mit einem beherzten Eingreifen ins Geschehen kann Marie die drohende Niederlage der Nussknackerfraktion verhindern, trägt jedoch eine Verletzung durch eine Glasscherbe davon und muss zur Vermeidung des befürchteten Wundfiebers einige Zeit das Bett hüten. Pate Droßelmeier erzählt während seines Besuchs an Maries Krankenbett die geheimnisvolle Geschichte von der verwunschenen Prinzessin Pirlipat, der harten Nuss Krakatuk, der Hexe Frau Mauserinks, Mutter des siebenköpfigen Mäusekönigs, und dem kunstfertigen Uhrmacher, der kein anderer als der Pate Droßelmeier selbst ist, sowie dessen Neffe aus Nürnberg, welcher zum Nussknacker verwandelt wurde und dem der Hofastronom voraussagt, dass er einst König werde und seine Missgestalt verschwindet, wenn der siebenköpfige Sohn von Frau Mauserinks von seiner Hand fällt und ein Mädchen ihn trotz seines Aussehens liebgewinnt.

Marie erahnt bald die wahre Identität ihres Nussknackers und wird im folgenden Geschehen zugleich staunende Zeugin und unmittelbar Beteiligte der Prophezeiung.

Die Erzählung entwickelt einen ungewöhnlich spannungs- und phantasiereichen Sog beim Lesen sowie beim Betrachten der traumhaften Bilder, dem man sich schwer entziehen kann und so lässt sich der Leser die in ihm entstehenden finalen Bilder von Zuckermandeln, Bonbonwiesen, Mandelmilchsee, Konfitürenhain und Marzipanschloss genießend gemeinsam mit Marie und dem Nussknacker förmlich auf der Zunge zergehen und in weihnachtliche Hochstimmung versetzen.