Nussknacker und Mäusekönig

Text: E.T.A.Hoffmann

Übersetzung aus dem Englischen: Gundula Müller-Wallraff

Illustration: Robert Ingpen

Verlag: Knesebeck, 2016

 

Es gibt zahlreiche Variationen dieses Weihnachtsmärchen-Klassikers von E.T.A.Hoffmann, wobei vor allem das gleichnamige Ballett zur Musik von Peter Tschaikowski berühmt wurde und noch immer traditionell zur Weihnachtszeit aufgeführt wird.Bei diesen veröffentlichten Variationen handelt es sich zum großen Teil um gekürzte Fassungen des Originaltextes, die meist die weitere „Geschichte in der Geschichte“, das Märchen von der harten Nuss, welches nicht unwesentlich den Zauber der Handlung und deren Verständnis beeinflusst, sowie viele weitere Details leider ausspart.

In dieser von Robert Ingpen phantastisch illustrierten Ausgabe können wir uns jedoch  an der ungekürzten, hier 144 Seiten umfassenden, gebundenen und mit einem Schutzumschlag versehenen Originalfassung, die behutsam der deutschen Rechtschreibung angepasst wurde, erfreuen. Im Nachwort des Illustrators gibt dieser der Hoffnung Ausdruck, dass er in der Kombination phantastischer und fast bizarr realistischer Elemente die tiefere Struktur hinter E.T.A.Hoffmanns Geschichte habe freilegen können.Das ist ihm zweifellos gelungen.

Die geheimnisvolle Szenerie auf der Buchtitelseite, auf der ein von einem hellen Lichtstrahl beschienener rotuniformierter Nussknacker kampfesbereit sein Schwert, dessen Spitze den Blick auf drei überdimensional große, bekronte Mäuseköpfe weist, hochhält und sich linksseitig drei Soldaten, über deren Köpfen eine Ballerina zu schweben scheint, postiert haben, zeigt wesentliche Details der erzählten Geschichte, die damit beginnt, dass sich die Familie des Medizinalrats Stahlbaum aufwändig auf das bevorstehende Weihnachtsfest vorbereitet. Unmittelbar fühlt sich auch der Leser in die weihnachtliche Atmosphäre und gespannte Erwartungshaltung der Kinder, Marie und Fritz, hineingezogen.

Unter ihren vielen Weihnachtsgaben entdeckt Marie schließlich auch jenen Nussknacker, ein Geschenk ihres Paten Herrn Droßelmeier, der sie sofort fasziniert.Weil ihr übermütiger Bruder Fritz aber sogleich allzu harte Nüsse mit ihm zu knacken beginnt, verliert der Nussknacker einige seiner Zähne und Marie nimmt sich des verwundeten Holzmannes an. In der darauffolgenden Nacht geschehen seltsame Dinge in Maries Zimmer, der Nussknacker und die Husarenfiguren des Bruders Fritz werden lebendig und aus allen Ritzen erscheinen riesengroße Mäuse nebst ihrem siebenköpfigen Mäusekönig. Sehr detailreich und außerordentlich spannend wird nun das Entspinnen einer furiosen Schlacht, in welcher sich die vom Nussknacker angeführte Husarenarmee und der gruselige Mäusekönig mit seinem Heer gegenüberstehen, beschrieben. Mit einem beherzten Eingreifen ins Geschehen kann Marie die drohende Niederlage der Nussknackerfraktion verhindern, trägt jedoch eine Verletzung durch eine Glasscherbe davon und muss zur Vermeidung des befürchteten Wundfiebers einige Zeit das Bett hüten. Pate Droßelmeier erzählt während seines Besuchs an Maries Krankenbett die geheimnisvolle Geschichte von der verwunschenen Prinzessin Pirlipat, der harten Nuss Krakatuk, der Hexe Frau Mauserinks, Mutter des siebenköpfigen Mäusekönigs, und dem kunstfertigen Uhrmacher, der kein anderer als der Pate Droßelmeier selbst ist, sowie dessen Neffe aus Nürnberg, welcher zum Nussknacker verwandelt wurde und dem der Hofastronom voraussagt, dass er einst König werde und seine Missgestalt verschwindet, wenn der siebenköpfige Sohn von Frau Mauserinks von seiner Hand fällt und ein Mädchen ihn trotz seines Aussehens liebgewinnt.

Marie erahnt bald die wahre Identität ihres Nussknackers und wird im folgenden Geschehen zugleich staunende Zeugin und unmittelbar Beteiligte der Prophezeiung.

Die Erzählung entwickelt einen ungewöhnlich spannungs- und phantasiereichen Sog beim Lesen sowie beim Betrachten der traumhaften Bilder, dem man sich schwer entziehen kann und so lässt sich der Leser die in ihm entstehenden finalen Bilder von Zuckermandeln, Bonbonwiesen, Mandelmilchsee, Konfitürenhain und Marzipanschloss genießend gemeinsam mit Marie und dem Nussknacker förmlich auf der Zunge zergehen und in weihnachtliche Hochstimmung versetzen.

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