Im Club der Zeitmillionäre

Im Club der Zeitmillionäre. Wie ich mich auf die Suche nach einem anderen Reichtum machte

Autorin: Greta Taubert

Verlag: Eichborn Verlag, 2016

 

„Ich will raus aus dem Hamsterrad des Müssens, rein ins Karussell des Könnens. Ich will nicht mehr einer ungewissen Zukunft mit meiner Leistungsbereitschaft dienen, sondern konkreten Momenten meine Leidenschaft widmen. Kann man das Hamsterrad in ein Karussell verwandeln? Wenn der Augenblick, das Jetzt, der Moment alles ist, was uns übrig geblieben ist, dann sollte er uns heilig sein. Aber kann das funktionieren – kann man der Logik des Kapitalismus die Idee des Momentalismus entgegensetzen? … Ich will reich sein, reich an Momenten. Warum sollte eigentlich nur immer Geld anzeigen, wie gut es mir und der Gesellschaft geht? …“

Ein Spätsommerabend im Leipziger Kolonnadenviertel. Das beliebte Szenecafe, welches im Buch den Namen „Cafe Nichtsnutz“ trägt und im richtigen Leben irgendwie ähnlich und doch ganz anders heißt, hat zur Lesung mit Greta Taubert eingeladen. Genau hier in ihrem Kiez, in dem einige der im Buch beschriebenen „Zeitmillionäre“, Künstler oder Lebenskünstler ihr an Momenten reiches Leben leben und sich wie in einem gemeinsamen Wohnzimmer zum Essen, Trinken und Austauschen treffen, will die  Journalistin und Autorin mit dem umwerfend sympathischen Lächeln erstmals ihr neues Buch vorstellen. Im Schein der Straßenlaternen wird schnell die halbe Straße vor dem Cafe zum erweiterten Wohnzimmer, die Großfamilie schaut sich bei einem Glas Wein gemeinsam den gelungenen Buchtrailer an, lauscht Greta Tauberts im Laufe ihres spannenden Zeitmillionarprojekts niedergeschriebenen und nun in Auszügen vorgetragenen Worten und den Klängen der musikalischen Begleitung. Mir gefällt die besondere Atmosphäre ebenso wie das Thema des Buches mit dem außergewöhnlichen und wunderbar passenden goldfarbenen Cover (welches ich mir, beflügelt von der Lesung, selbstverständlich gleich danach am bereitgestellten Büchertisch kaufe) und später dann auch dessen zum Nachdenken anregende Lektüre.

Wie fühlt sich das an, wenn man sich wie Greta Taubert einem Lebensexperiment im Selbstversuch unterzieht, das existenzielle Fragen dazu, wie wir leben wollen und können, aufwirft? Wie ist es, sich zeitweise von bisher eingefahrenen Verpflichtungen loszusagen, weniger zu arbeiten, mehr und intensiver zu leben, hautnah zu ergründen, ob und wie lange dieses Lebenskonzept funktionieren kann? Um sich derartige Fragen zu beantworten, besucht und beobachtet Greta Taubert nicht nur Menschen, die auf unterschiedlichste Weise versuchen, Zeitmillionäre zu sein, sondern lebt zeitweise deren Leben mit, begibt sich mitten hinein ins Geschehen, driftet mit ihnen durch Raum und Zeit und beschreibt die gewonnenen Eindrücke und Einsichten plastisch und unterhaltsam. Wie von selbst driftet der Leser mit  und kommt sowohl während des Lesens  wie auch noch eine lange Zeit danach nicht umhin, das eigene Leben einem kritischen Blick zu unterziehen.

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