Der Streik der Farben

Text: Drew Daywalt

Illustration: Oliver Jeffers

Übersetzung: Anna Schaub

Handschrift: Kris Di Giacomo

Verlag:NordSüd Verlag, 2016

 

Witzig und unmissverständlich verrät neben dem Titel bereits das Cover, worum es hier geht: um einen Streik der Farben! Vier zu Strichmännchen personalisierte Farbstifte, buntbeschriebene Protestplakate präsentierend, zeigen in Gestik und Mimik, dass es ihnen mit ihrem Anliegen wirklich ernst ist.

Eines Tages sucht Duncan, der offensichtlich viel und gern malt, vergeblich nach seinen Farbstiften. Stattdessen findet er ein fein verschnürtes Bündel von an ihn adressierten Beschwerdebriefen, die ihm die in Streik getretenen Farbstifte hinterlassen haben. Zwölf Briefe sind es an der Zahl, jeder handschriftlich in der Farbe des jeweiligen Briefeschreibers verfasst. Während Rot beklagt, viel härter als die anderen (und sogar an Feiertagen!) arbeiten zu müssen und Blau angesichts der unzähligen blau gemalten Meere und Himmel ebenfalls erschöpft eine Pause einfordert, fühlt sich das zu Unrecht als Mädchenfarbe deklarierte Pink unterfordert und bittet Duncan um etwas mehr Aufmerksamkeit. Grün, eigentlich wunschlos glücklich, versucht für seine wegen der Farbe der Sonne zerstrittenen Freunde Gelb und Orange zu vermitteln und auch das ordnungsliebende Lila, das verzagte Beige, das von riesigen Nilpferden, Nashörnern und Buckelwalen müdegemalte  Grau, das sich leer fühlende Weiss, das grummelnde Schwarz und das schamhafte Nackt-Rosa tragen -in Kinderhandschrift und -zeichnungen liebenswert und charmant umgesetzt- ihre Argumente zwecks Änderung ihrer bisherigen Verwendung vor. Der arme Empfänger des massiven Protestes, der doch eigentlich nur Bilder malen wollte, kann einem beinahe leid tun. Doch Duncan will seine geliebten Farbstifte wieder glücklich sehen – und kommt auf eine tolle, im Grunde naheliegende, Idee, die unmittelbar zur Nachahmung einlädt.

Das im Erzählstil und Gestaltungsweise überzeugende und  ausgesprochen sympathisch und humorvoll umgesetzte Bilderbuch inspiriert dazu, allzu eingetretene eigene Wege der Farbwahl  zu überdenken und hin und wieder auch einmal ganz bewusst -mit dem Aha-Effekt großer Malfreude!- zu verlassen.

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2 Gedanken zu “Der Streik der Farben

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