Thomas & Mary

Autor: Tim Parks

Verlag: Kunstmann, 2017

 

Die Symbolik des am Strand verlorenen Eheringes zerstreut bereits zu Beginn alle Illusionen: die Ehe von Thomas und Mary ist schon lange bevor es beide zu realisieren beginnen, in Auflösung begriffen, war vielleicht von Anfang an eine Farce.

Thomas und Mary, Eltern zweier erwachsenwerdender Kinder, haben sich eingerichtet in der Belanglosigkeit und leiden doch darunter, spüren den beginnenden Auflösungsprozess und die unvermeidlichen Konsequenzen.

Mit der Präzision eines Seziermessers setzt Tim Parks überall dort an, wo dieser Auflösungsprozess markiert wird – sei es während der beinahe voyeristisch anmutenden Szenen, die den Leser die Sex-Vermeidungsstrategien der Beiden miterleben lassen, das Ausweichen vor konstruktiver Kommunikation, das beiderseitige Ersticken im Alltags-Einerlei, das notorische Fremdgehen, die ungestillte Sehnsucht nach Veränderung.

Es sind  aufflackernde Erinnerungsfetzen,  -meistens jene von Thomas, aber auch des Sohnes, der Eltern oder von Freunden, nur Marys Empfindungen bleiben dabei sonderbar blass- brilliant und doch unsentimental, ja nüchtern erzählt, die sich aus Vergangenem und Gegenwärtigem speisen, die keiner geradlinigen Chronologie folgen, sondern die zentrale Problematik aus unterschiedlichen Entfernungen und Perspektiven umkreisen und so zum Puzzle einer schmerzlichen Chronik aus Szenarien einer unglücklichen Ehe werden.

Zuweilen mag man das Buch erschöpft weglegen, weil die Schmerzlichkeit des Verlustes nur schwer erträglich ist. Und doch besitzt es eine Anziehung, die es schafft, sich der Lektüre immer wieder zuzuwenden – und das letztlich mit Gewinn.

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