So geht Kunst

Titel: So geht Kunst: Die heutige Kunstwelt verstehen und vielleicht lieben lernen

Originaltitel: Playing to the Gallery: Helping Contemporary Art in its Struggle to be Understood (Penguin Books LTD)

Text und Illustration: Grayson Perry

Übersetzung aus dem Englischen: Sofia Blind

Verlag: Prestel, 2017

Der 1960 geborene englische Künstler Grayson Perry, 2003 ausgezeichnet mit dem Turner-Preis, sagt augenzwinkernd über sich selbst: „Sogar mich, einen Töpfer und Transvestiten aus Essex, hat die Kunstmafia hereingelassen.“ – So kann Perry also aus dem Nähkästchen plaudern, wenn er in seinem Buch „So geht Kunst“ außerordentlich unterhaltsam die Mechanismen des zeitgenössischen Kunstbetriebs beschreibt und vielfältig aufs Korn nimmt.

Auf 140 Seiten erklärt Perry die breitgefächerten Werte und Bräuche der Kunstwelt, formuliert und beantwortet zugleich all die im Kunstkontext auftauchenden grundsätzlichen Fragen, die sich dem kunstinteressierten und Ausstellungen besuchenden Menschen mehr oder weniger aufdrängen, die sich aber möglicherweise  so mancher nicht laut zu fragen wagt, um nicht als naiv, unwissend oder unzeitgemäß abgestempelt zu werden. Perry hingegen glaubt fest daran, dass quer durch alle sozialen Schichten  Menschen in der Lage sind, Kunst zu verstehen und zu genießen, wozu es eben nur etwas Ermutigung und Übung braucht. Mit praktikablen Tipps zur Kunstrezeption wie dem von ihm empfohlenen Gedankenexperiment, sich den Käufer eines Kunstwerks in einem Gespräch in 100 Jahren vorzustellen, wie er in einer Zukunftsversion der Kunst-und-Krempel-Fernsehsendung das betreffende Werk schätzen lässt, nimmt er dem Kunstrezipienten die Verkrampftheit im Umgang mit Kunst und allem, was als solche bezeichnet wird. Wer wider Erwarten am Ende der Lektüre dennoch von der Kunstwelt überfordert, verunsichert oder unschlüssig beim Kunstkauf sein sollte, für den hält Perry einen genial einfachen „Kunstqualitätsmaßstab“  samt Anleitung („Karte neben Kunstwerk halten, feststellen, an welchem Ort es am passendsten wirken würde, dann Wert ablesen“) bereit, wobei eine Farbskala den geigneten Ort (beispielweise Provinzkunstfestival, Garagenflohmarkt, Eingangshalle eines Oligarchen oder Mutters Gästezimmer) auswählen hilft. Gleichzeitig spricht Perry mit seinen humorvoll-ironischen Anspielungen und Erläuterungen (wobei die begleitenden Comics eine Klasse für sich sind) aber auch alle Künstler als diejenigen, die „in ihren Ateliers vor sich hin klecksen und meißeln“ und ihre Fähigkeit zur Selbtreflexion an.

Sehr vielsagend und erhellend empfinde ich Perrys Begründung zur Titelwahl der englischen Buchausgabe (Playing to the Gallery), die „für die Galerie spielen“ und nicht „einer akademischen Elite in den Hintern kriechen“ meint. Sehr gekonnt spielt auch Perry in seinem -sowohl für Künstler als auch für Kunstbetrachter- unglaublich interessanten wie amüsanten So-geht-Kunst-Buch mit Worten, Einsichten und Bildern, dass dessen Lektüre eine wahre Freude ist.

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