John F. Kennedy – Zeit zu handeln

Text: Shana Corey

Illustration: R.Gregory Christie

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Elisa Martins

NordSüd Verlag, 2017

 

Am 29.Mai 2017 wird anlässlich des 100.Geburtstags von John F.Kennedy, dem 35.Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gedacht, dessen besonderes Charisma, untrennbar verbunden mit seinen Bemühungen und Verdiensten um die Bürgerrechte, wieder verstärkt in unser aller Blickfeld rücken. So wie uns heute die aktuelle amerikanische Präsidentschaft aus vielerlei Gründen nicht unberührt lässt, war auch Kennedy in einer der bewegtesten Zeiten der Weltgeschichte amtierender Präsident. Diese Zeiten und deren Umstände auch für das kindliche Verständnis in einem Bilderbuch wieder aufleben zu lassen und erklärbar zu machen, ist an sich schon anerkennens- und begrüßenswert; kann ein solches Buch doch verstärkt Anlass dazu geben, miteinander über Fragen von Rassismus, Ausgrenzung und Menschenrechten ins Gespräch zu kommen.

Im farbig illustrierten Buch begleiten wir John F.Kennedy, der bereits als Kind gern Geschichtsbücher las, und im Buch nur kurz John genannt wird, womit wir ihm gewissermaßen auf Augenhöhe begegnen, als einen Menschen, der Geschichte schrieb. Dass diese die Weltgeschichte bewegenden Personen auch ganz normale Menschen wie du und ich sein können, streicht der  durchweg interessant und verständlich geschriebene Text in besonderer Weise heraus.

Wir erleben hier John F.Kennedy als einen Menschen, der sich schon frühzeitig für seine Mitmenschen interessierte und einsetzte – anfänglich am Beispiel der bemerkenswerten Rettung von Schiffbrüchigen unter Einsatz des eigenen Lebens oder als aufstrebender junger Senator, der nebenbei ein vielbeachtetes Buch über Zivilcourage schrieb und sich schließlich 1960 -in den schwierigen Zeiten des Kampfes der schwarzen amerikanischen Bevölkerung um die Bürgerrechte- um das Amt des Präsidenten bewarb, welches er mit nur 42 Jahren dann auch antrat. Im Sinne Abraham Lincolns versprach Kennedy, sich für die Rechte aller Bürger, also auch der schwarzen Bevölkerung, einsetzen zu wollen. Engagiert bemühte er sich gegen die Inhaftierung des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Kennedys Antrittsrede, die inhaltlich die Bürgerrechte hochhob, wurde legendär: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt“, heißt es darin und ist heute nicht minder aktuell.

Wir erfahren weiter, wie intensiv Kennedy an friedlichen Beziehungen zur damaligen Sowjetunion arbeitete, von seiner berühmten „Ich bin ein Berliner“-Rede, aber auch davon, dass er hin und wieder zauderte, wenn es um die Einhaltung seiner Versprechen um die Bürgerrechte ging. Erst ein Jahr nach seinem tragischen Tod -seiner Ermordung im Jahr 1963- wurden die geforderten Rechte schließlich in einem Bürgerrechtsgesetz festgeschrieben, aber auch noch heute, wie wir wissen, nicht vollumfänglich eingehalten.

Dass Geschichte nicht nur aus Worten besteht, sondern wir selbst sie Tag für Tag verändern und damit selbst Geschichtsschreiber werden können, unsere Stimme erheben und für unsere Werte einstehen sollten, ist eine klare und deutliche Botschaft am Buchende, die auch schon Kinder verstehen und verinnerlichen können.

Inhaltlich hat mich, nicht zuletzt auch wegen der für Kinder sehr gut verständlichen Sprache, das Buch sehr beeindruckt, die Illustrationen hingegen überzeugen mich nur bedingt, erzeugen sie doch durch eine zuweilen allzu aufgesetzt wirkende Plakativität und zum Teil wenig nachvollziehbare Proportionalitätsverschiebungen bei mir eine merkwürdige Ambivalenz. Andererseits bestechen einige der Abbildungen gerade durch eine besonders starke Ausdruckskraft und interessante Dynamik und Farbigkeit. Meinen Kindern -und damit der Zielgruppe- haben die Illustrationen jedoch durchweg gut gefallen.

Hanna Nebe-Rector, http://www.malkastl.de

 

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