Archiv für den Monat Oktober 2017

Kleiner Eisbär – Lars und die verschwundenen Fische

Text und Illustration: Hans de Beer

Übersetzung: Birgit Erdmann

Verlag: NordSüd Verlag, 2017

 

Die beliebten und kindgerecht erzählten und in einem ganz eigenen Stil illustrierten Geschichten um den liebenswerten kleinen Eisbären Lars von Hans de Beer sind weltbekannt und wurden bereits mit  zahlreichen Auszeichnungen bedacht.

Mit der neuen Bilderbuchgeschichte „Lars und die verschwundenen Fische“ widmet sich de Beer einem aktuellen Umweltthema und führt damit schon die Kleinsten behutsam an die Problematik des Klimawandels und der zerstörerischen Veränderung der Lebensräume der Eisbären und anderer arktischer Tiere heran.

Als die Eisbärenfamilie frühlingsluftschnuppernd ihre Nasen aus der Winterhöhle reckt, bemerkt sie einige Veränderungen – es ist viel zu warm, so dass das Eis zu schmelzen beginnt und immer mehr Menschen mit ihren Hubschrauber-„Rostmöwen“ besiedeln die heimische Fischbucht, so dass die Fische als Nahrungsgrundlage immer weniger werden. Der neugierige und mutige kleine Eisbär beschließt, vom Hunger getrieben, die missliche Lage genauer zu erkunden und wagt sich sogar durch eine gefährliche Eisschlucht zur Fischbucht. Dort trifft er auf den kleinen Seehund Berti und die Seeschwalbe Isa, die sich zunächst gegenseitig als Ursache des Futtermangels bezichtigen, dann jedoch gemeinsam erkennen, dass es die zunehmend in ihren Lebensraum eindringenden Menschen mit ihren riesigen Schiffen, Bojen und Funkstationen sind, die die Fische verteiben.

Gemeinsam entwickeln die drei Freunde einen gewagten Plan: Isas zahlreiche Vogelfreunde picken mit ihren scharfen Schnäbeln die Funkstation kaputt und Bertis Seehundfreunde versenken mit vereinten Kräften eine Boje. Ohne Funkstation und Boje verschwinden auch die Schiffe aus der Meeresenge, so dass sich die Eisdecke langsam wieder zu schließen beginnt und es zumindest einen ganzen Sommer lang genug für alle zu essen gibt.

Die erwachsenen Vorleser mögen sich vielleicht fragen, ob derartige Maschinenstürmer-Aktivitäten angesichts der Komplexizität sich weltweit verändernder Umweltbedingungen nicht doch allzu naiv anmuten. Eine warmherzig erzählte und liebevoll illustrierte Bilderbuchgeschichte wie diese, in der es nicht zuletzt auch darum geht, zu zeigen, dass man gemeinsam Großes bewirkt, kann jedoch ein kleiner Anstoss sein, auch mit den Kleinsten schon über Umweltprobleme ins Gespräch zu kommen, sie für wichtige Themen der Zukunft zu sensibilisieren, ohne sie mit allzu komplexen Sachverhalten zu überfordern.

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Leben

Text: Cynthia Rylant

Illustration: Brendan Wenzel

Übersetzung aus dem Englischen: Thomas Bodmer

Verlag: NordSüd Verlag, 2017

 

Weiß, klar, schnörkellos und doch bedeutungsgeladen erscheint der mittig platzierte Titelschriftzug vor dem nächtlichen Sternenhimmel, unter einem prallen Vollmond,  umrankt von blauschwarzem Blattwerk, in dem sich allerlei Lebendiges versteckt – wie Vögel, Schlange oder Affe, bei näherem Hinschauen erkennbar vor allem an den weißen Augenpaaren – und den Betrachter unmittelbar mit dem Nachdenken darüber konfontiert, was das Leben eigentlich ausmacht: dass es klein anfängt, wächst und sich stetig verändert, dass jedes Lebewesen sein besonderes Elixier – wie der Habicht den Himmel, das Kamel den Sand oder die zischelnde Schlange „dasss Grasss“- auf unserem Lebensraum Erde findet, dass nicht nur die Sonnen-, sondern auch die Schattenseiten zum Leben gehören, dass es zuweilen Durststrecken gibt, die es zu überwinden gilt, dass sich immer wieder neue Wege auftun und vor allem, dass es überall auf der Welt etwas gibt, was einem das Herz öffnet, das man beschützen will oder für das es sich zu leben lohnt.

Wunderbare Illustrationen von farbstarken Landschaften, in denen sich die verschiedensten Tierarten tummeln, begleiten den poetischen, mutmachenden, tröstenden und lebensbejahenden Text in diesem zeitlos schönen Bilderbuch über das Leben, das für Menschen aller Altersstufen eine Quelle der Lebensfreude sein kann.

 

Der Bär mit dem roten Kopf

Text: Michael Stavaric

Illustration: Ulrike Möltgen

Verlag: aracari, 2017

 

Der kleine Bär mit dem roten Kopf fragt sich, warum es unter den unzähligen Rottönen wie mohnrot, krebsrot, ziegelrot oder rostrot eigentlich kein bärenrot gibt. Ein offizielles Bären-Rot würde vieles erleichtern, so dass sich der Bär mit der seltsamen Farbe nicht vor Scham im Wald verstecken müsste. Fuchs, Ente und Vogel versuchen zwar, den kleinen Bären aufzumuntern und sehen keinen Grund, dass der Bär sich verstecken müsste. Doch der rotköpfige Bär ist untröstlich und würde am liebsten irgendwohin auswandern, wo alle Bären rot sind.

Als der kleine Bär jedoch einer grünköpfigen Leidensgenossin begegnet und sich augenblicklich verliebt, sieht die Welt gleich ganz anders aus, denn Bären-Rot und Bären-Grün ergeben ein wunderschönes Bären-Braun!

Vor allem besticht dieses Bilderbuch durch seine künstlerisch herausragenden Illustrationen mit wunderbar phantasievollen Bildkompositionen aus Druck-, Scherenschnitt- und Collagetechniken, die zum Staunen und Träumen einladen.

Frida Kahlo und ihre Tiere

Text: Monica Brown

Illustration: John Parra

Übersetzung aus dem Englischen: Elisa Martins

Verlag: NordSüd, 2017

 

Das Leben der wunderbaren mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo wird in diesem bemerkenswerten Bilderbuch nachgezeichnet.

Frida wird als neugieriges kleines Mädchen aus der Casa Azul, welches gern malt, sich mit Vorliebe in bunten traditionellen Gewändern kleidet und sich mit zahlreichen Tieren umgibt, porträtiert. Fridas Haustiere, zwei Affen, ein Papagei, drei Hunde, zwei Truthähne, ein Adler, eine schwarze Katze und ein Rehkitz -allen hat sie liebevoll Namen gegeben- inspirieren das Mädchen immer wieder aufs Neue zum Malen und Zeichnen ihrer typischen farbenfrohen und üppigen ornamentalen Bilder, mit denen sie später berühmt wird.

Die behütete Kindheit der wissbegierigen und lebhaften Frida mit einem Vater, der auf Fridas besonderen Blick auf die Welt verständnisvoll durch förderliche Zuwendung eingeht, die Episoden einer schweren Kinderkrankheit, in denen das Mädchen dank ihrer blühenden Phantasie dennoch stets fröhlich und kreativ bleibt, Fridas Lernfreude, ihr Unabhängigkeitsdrang, ihr Gefühl von Ungebundensein an einengende Konventionen und  schließlich Fridas schwerer schicksalhafter Verkehrsunfall im Alter von 18 Jahren werden auf kindgerechte Weise thematisiert. Selbst die Folgen des Unfalls, die sie zunehmend ans Bett fesseln, können den unbändigen Willen Fridas, zu malen und nicht zu verzagen, brechen. Das Porträt überzeugt mit kindgerechter Sprache und beeindruckenden Illustrationen, die sich am Stil und der Bildsprache Frida Kahlos orientieren. Am Buchende finden sich ergänzende biografische Informationen.

Der strahlende Optimismus, das temperamentvolle Wesen, die Freude am kreativen Schaffen, die innige Liebe zu den Tieren und zum Leben werden eindrucksvoll herausgearbeitet und erklären die besondere Magie der Kunst von Frida Kahlo, womit das Buch einen schönen Impuls zur weiteren Beschäftigung mit der Künstlerin und ihren eindrucksvollen Bildern gibt.

 

Klappers Reise

Titel: Klappers Reise oder Wo, bitte, geht´s nach Afrika?

Text und Fotos: Tina Birgitta Lauffer

Puppen und Bühne: Robert Mädge

Verlag: Monika Fuchs, 2017

 

Klapper, der kleine Jungstorch, kann zwar recht laut mit seinem Schnabel klappern, was ihm auch seinen Namen verlieh, ist jedoch sonst ein wenig verträumt und ängstlich. Mit dem Fliegenlernen lässt sich Klapper Zeit, glaubt er doch, dass ihn seine Flügel noch nicht tragen können. Als ihn seine beiden flugbegeisterten Geschwister jedoch verspotten, zum Sammelplatz ausfliegen und allein im Nest zurücklassen, packt Klapper der Ehrgeiz und mutig wagt er erste Flugversuche. Weil das Fliegen so aufregend ist, fliegt er immer weiter und weiter. Als Klapper ins Nest zurückkehrt, sind die anderen Störche schon alle auf die Reise ins Winterquartier gen Afrika aufgebrochen. Oh weh, wo geht es denn eigentlich nach Afrika? Ratsuchend wendet sich der kleine Storch auf der Suche nach seiner Familie an verschiedene Tiere, denen er auf seinem weiten Weg über Wälder, Wiesen, Felder, Berge, Seen, Städte und Dörfer begegnet. Dank der vielen guten Tipps der freundlichen Tiere gelingt es Klapper über einige Umwege tatsächlich bis nach Afrika und dort schließlich zu den anderen Störchen zu finden. Ganz stolz sind nun Klappers Geschwister auf ihren mutigen kleinen Bruder, der die weite Reise ganz allein geschafft hat.

Die entzückende und überdies auch lustige und lehrreiche neue Abenteuer-Bilderbuchgeschichte der überaus kreativen Autorin, Illustratorin, Komponistin, Liedermacherin, Bauchrednerin und Puppenspielerin Tina Birgitta Lauffer ist liebevoll erzählt und reizend bebildert mit Bühnenszenerien aus dem gleichnamigen Puppenspiel, zu welchem es neben dem broschierten kleinen Büchlein auf einer CD obendrein noch die eingängige und ohrwurmverdächtige Begleitmusik gibt, ebenso wie die Musik zu den vorangegangenen Büchern und Puppenspielen der Autorin wie „Der Schneemann und der Hase“ und „Nilas und die Piraten“ – ein rundum gelungenes Gesamtpaket, das kleinen wie größeren Kindern große Freude macht!

Ich bin Doodle Cat

Text: Kat Patrick

Illustration: Lauren Marriott

Übersetzung aus dem Englischen: Ilse Layer

Verlag: aracari, 2017

 

Die knallrote Kritzelkatze Doodle Cat ist ein gutgelauntes und verspieltes Energiebündel, die von sich behauptet, nur Dinge zu kennen, die sie liebt: Tanzen, Lärm, sich im Meer treiben lassen, Pupsen, allerlei Kleingetier und vieles mehr, ja sogar ihre Entwurmungstabletten liebt sie (… allerdings nur, um damit zu spielen!) – und nicht zuletzt natürlich Malen und Kritzeln.

Die lustigen Kritzeleien von Doodle Cat -darunter herrlich komisch eine illustre Katzenparade, bestehend aus 33 sehr unterschiedlichen kunterbunten Exemplaren ihrer Art- sind in diesem inspirierenden Bilderbuch versammelt, welches immer wieder zum Schauen einlädt, garantiert gute Laune macht und dazu anregt, es Doodle Cat gleichzutun und alle Dinge zu malen, die wir lieben.

Kleine Schwester

Text: Barbara Gowdy

Übersetzung aus dem Englischen: Ulrike Becker

Verlag: Antje Kunstmann, 2017

 

Der eindringliche Blick des Mädchens auf dem Cover mutet ebenso mysteriös an wie die erzählte Geschichte: Rose, die junge Protagonistin des Romans, ist fasziniert wie irritiert von surrealen Empfindungen, die sie insbesondere während Gewittern heimsuchen. Dann befindet sie sich plötzlich im Körper einer anderen, real existierenden Frau namens Harriet, welche auf beunruhigende Weise ihrer im Kindesalter verstorbenen Schwester Ava ähnelt. Sie, die selbst nach einer Operation keine Kinder mehr bekommen kann, empfindet die widerstreitenden Gefühle von Harriet angesichts einer ungewollten Schwangerschaft, als wären es ihre eigenen. Außerhalb von Harriets Körper sehnt Rose jedes aufziehende Gewitter herbei, um Harriets Entscheidungen zu beeinflussen. Ihr ganzes Denken und Tun wird von der ungewöhnlichen Situation mehr und mehr vereinnahmt. Daneben beherrschen die eigenen Beziehungsgeflechte und die Sorge um die an Demenz erkrankte Mutter, mit der sie ein Programmkino führt sowie die sich aufdrängenden Erinnerungen an die Kindheit Roses Gedankenwelt. Fragen von Schuld, Sehnsucht und ungelebtem Leben verweben sich mit der spannenden Handlung des Romans, der eine derartige Sogwirkung entwickelt, dass man das Buch kaum aus der Hand zu legen vermag.

Das feministische Mach-Mit-Buch

Illustration und Text: Gemma Correll

Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Keen

Verlag: Antje Kunstmann, 2017

 

Wenn Feminismus und Frauenpower Spaß machen soll, dann auf jeden Fall mit dem neuen Mal- und Kritzelbuch von Gemma Correll!

Das Cover des äußerst amüsanten kleinen Kreativbüchleins versammelt auf scharzem Grund umherfliegende Attribute der Weiblichkeit in Pink und Weiß. Tampons, Bikinioberteile, zweckentfremdete Menstruationstassen und andere diverse Utensilien, die sonst wohl auf Titelbildern eher unterrepräsentiert sind, machen neugierig auf den Buchinhalt. Und der hat es in sich: Weiblicher Widerstand gegen Frauenverachtung und Sexismus kann sich hier lustvoll und augenzwinkernd über kreative Inspirationen anbahnen, formieren und abarbeiten lassen. Sei es mit einem Kritzel-ABC des Feminismus, Menstruationsobjekte, die respektlos zu stylischen Hütchen für kleine Haustiere und anderen sinnvollen Accesoires umfunktioniert werden, herrlich albernen Kondomdesigns, Suchbildern, Ausmal-Kämpfen gegen Werbe-Verarsche, feministischen Playlists, T-Shirt-Parolen oder Verdienstorden zum Selbermachen, Buchstabenrätseln, Labyrinthen, Männernippeln, Wutseiten, Sexspielzeug zum Ausmalen, Bastelbögen und weiteren Kuriositäten rund um die feministische Lebenswelt – hier kann frau mal richtig kreativ-subversiv Dampf ablassen und Lachfältchen kultivieren.

Ich war´s nicht, sagt Robinhund

Illustration und Text: Alice Lima de Faria

Verlag: Mixtvision, 2017

 

Robinhund ist einer, der immer irgendwie aus der Reihe tanzt, der überall aneckt.

Am liebsten spielt Robinhund (… ja, tatsächlich ist es ein niedliches dackelartiges Hundewesen mit großen langen Hasenohren, bekleidet mit einem braunen Pullover) mit dem großen verständigen Bruder (eine größere Ausgabe von Robinhund, bekleidet mit einer braunen Hose), dem er alles erzählen kann, im gemeinsamen selbstgebauten Baumhaus. In den Kindergarten hingegen geht Robinhund weniger gern und meint lapidar, dort wären alle doof. Und wie einer selbsterfüllenden Prophezeiung gemäß passieren dort die Missgeschicke und Zusammenstöße mit den anderen Kindern (diese eher sympathischen Phantasiewesen als Kindern ähnlich) am laufenden Band: Milch verschüttet, Fritzi zu hoch geschaukelt, Onno mit dem Ball getroffen … Hedda, die Kindergärtnerin (mit strenger Miene, grünem Kopf und grünen Haaren) ist immer wieder enttäuscht von Robinhund. Dabei war er das doch alles gar nicht – jedenfalls nicht mit Absicht!

Die eigenwilligen, einerseits reduzierten und großflächigen, andererseits mimisch einzigartig differenzierten, tiefe Gefühle preisgebenden Illustrationen der norwegisch-schwedischen Bilderbuchdebütantin sind geradezu herzerwärmend und erzählen liebevoll, einfühlsam und authentisch alltägliche Begebenheiten aus dem Kindergartenalltag, mit denen sich von ähnlichen Sorgen geplagte Kinder unmittelbar identifizieren können.