Archiv für den Monat Oktober 2018

Opa Rainer weiß nicht mehr

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Es ist bitter für alle Beteiligten, wenn in Familien  ein Mitglied plötzlich vieles nicht mehr so kann und weiß wie früher. Dann kehren sich Verantwortlichkeiten um und ändern sich so manche Abläufe. Mit der neuen Situation gelassen und achtsam umzugehen, müssen alle erst allmählich lernen.

Früher haben Opa Rainer und Mia Wettläufe auf dem Weg zur Schule gemacht und Opa war immer der Gewinner. Aber nun passiert Opa  so manches Malheur und er weiß oft nicht mehr, wo seine Schuhe sind, was er mit dem Stecker vom Wasserkocher anstellen soll, wie man richtig isst, welcher Tag heute ist oder wer eigentlich all die Leute um ihn herum sind. Nicht einmal den Namen seiner Enkelin Mia weiß Opa mehr.

Dass es wenig Sinn macht, Opa noch verändern zu wollen, sondern dass alle viel mehr Freude aneinander haben können, wenn sie sich Opas neuer Gefühls- und Gedankenwelt anpassen , macht diese einfühlsam erzählte, behutsame und berührende, von humorvollen Illustrationen – in denen Opas Wirrwarr im Kopf durch ihn wild umkreisende, farbgewaltige Pinselstrichspuren verdeutlicht werden – begleitete Bilderbuchgeschichte deutlich. So wird Opa, der nicht mehr weiß, wofür ein Unterhemd da ist und es sich über den Pullover zieht, kurzerhand zum Anführer einer verrückten Unterhemdenbande erklärt und Mia und ihr Bruder machen es einfach Opa mit seiner unkonventionellen Bekleidung nach – man kann ein Unterhemd schließlich auch mal um den Kopf gewickelt als Turban tragen …

Dass Früher eben Früher war und nie mehr so sein wird, dass Schokoladenkekse eben Schokoladenkekse waren und völlig unkompliziert zu essen, sie heute aber für Opa „aufgemacht“ werden, ist ein pragmatischer Erkenntnisgewinn.

Liebevoll und nachsichtig, unterstützt durch detailreiche und ausdrucksstarke Bilder, nähert sich die Geschichte auf kindgerechte Weise einem allgegenwärtigen Familienthema und kann so  unterstützende Hilfe sowie Anlass zum Nachdenken, für Gespräche und gelassen-humorvollen Umgang miteinander sein.

 

Text: Kirsten John

Illustration: Katja Gehrmann

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN: 9 783957 280640

 

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50 MINDSHOTS

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Zeitlose und aktuelle Lebensthemen unterschiedlicher Bereiche und mit ihnen verknüpfte umgangssprachliche Wendungen und Begriffe, die bestimmte Abläufe oder Gefühlswelten assoziieren, wie beispielsweise IMMER ONLINE, PRESSEFREIHEIT, ZEITNOT, DAS FREIE SPIEL DER KRÄFTE, ALKOHOLISMUS, BURNOUT,  NICHT NEINSAGEN KÖNNEN, SMARTPHONEJUNKIE, HAPPY HOUR, DEADLINE oder CYBERMOBBING fasst der Illustrator Sergio Ingravalle seine grafischen Reflektionen,  sogenannte „ Mindshots“,  in  50 stilistisch reduzierten wie prägnanten, konsequent 4-farbig in schwarz , weiß, rot und grau gestalteten Sinnbildern, die sich weit mehr als jede ausführliche schriftliche Abhandlung ins Gedächtnis brennen, zusammen.

Wer zuweilen glaubt, von BLA, BLA, BLA – Phrasendreschern umzingelt zu sein, wird möglicherweise  ein Gefühl der  inneren  Bestätigung beim Anblick der gewaltigen kreisrunden Sprechblase, die von einem durch eine herannahende Hand vermittelten gezielt gesetzten Nadelstich augenblicklich zu zerplatzen droht, empfinden.

Die drohende Gefahr der SELBSTISOLATION, bei der das Gesicht eines in einem dunklen Käfig hockenden Mediennutzers, das mit dem abgestrahlten Licht  seines Laptop-Bildschirms zu verschmelzen scheint, wird dem Betrachter in eindringlicher Intensität bewusst.

Unter ZEITNOT Leidende wird das innere Bild, gefesselt an den Zeiger einer riesengroßen Uhr mit dem Blick auf das unausweichliche Ertrinken zuzusteuern, so schnell nicht mehr loslassen.

Die Notwendigkeit IMMER ONLINE zu sein hinterfragt der eine oder andere Netzbesessene

beim Anblick der bettlägerigen Figur mit dem Netzzeichen über dem Kopf und bekommt sie so schnell nicht mehr aus dem eigenen Kopf.

Zu ALKOHOLISMUS entwickelt Ingravalle das eindringliche Bild eines überdimensionierten Rotweinglases, in welches eine winzige Figur vom Sprungturm aus zum freien Fall ansetzt.

Wer gegen das NICHT NEIN SAGEN  KÖNNEN ankämpfen will, wird bei einem unfreiwillig gehauchten JA an das  riesengroße NO in der Gehirn-Sprechblase der Silhouette eines Kopfes denken und seinem Gegenüber endlich entgegenschmettern wollen – oder mit diesem inneren Bild endlich auch können.

Ingravalles Mindshots üben mit erstaunlicher Treffsicherheit Gesellschafts- oder Sozialkritik ohne moralinsauer den Zeigefinger zu heben und bringen zum Nachdenken wie Schmunzeln.

 

50 Mindshots

Sergio Ingravalle

Knesebeck, 2018

ISBN 9 783957 282033

 

Wir feiern durch das ganze Jahr

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Gerade jetzt, im schönen goldenen Oktober, gibt es viel zu feiern – wie das Erntedankfest, an dem die Nachbarn und Freunde zum Erntedankessen eingeladen werden oder Gärten, Plätze und Kirchenräume mit kunstvoll gelegten Mandalas aus Früchten, Blüten, Samen und bunten Herbstblättern geschmückt werden.

Warum der dritte Oktober unser Nationalfeiertag geworden ist oder auf welchem geschichtlichen Hintergrund das jüdische Laubhüttenfest beruht, weiß bestimmt noch nicht jedes Kind und vielleicht auch nicht jeder Erwachsene.

Das rauchige Aroma von in der Glut gegarten Kartoffeln verbreitet sich allerorts mit den herbstlichen Kartoffelfeuern.

In den Weinanbaugebieten, in denen jetzt die Weinlese in vollem Gange ist, werden üppige Weinfeste ausgerichtet, bei denen man saisonal Köstliches wie Zwiebelkuchen und dazu Federweißer genießen kann.

In den evangelisch geprägten Bundesländern wird Ende Oktober der Reformationstag -in Sachsen gibt es in den Tagen zuvor köstliche Reformationsbrötchen in den Bäckereien -und zeitgleich in vielen anderen Gebieten seit einigen Jahren verstärkt das amerikanisch geprägte Halloween-Gruselfest, welches das Licht lustig oder schaurig geschnitzter Kürbislaternen begleitet, gefeiert.

Feste und Bräuche des Jahreslaufs wie diese und zahlreiche bekannte, weniger oder nur regional bekannte oder auch einige aus anderen Kulturen  – wie Ostern, Pfingsten, Nikolaustag, Martinsumzüge, Weihnachten, Dreikönigstag, Muttertag, Sommersonnenwende, Allerheiligenfest, Martinsfest, Buß- und Bettag, Silvester, Neujahr, Ramadan oder Chanukka, Walpurgisnacht, Rosenmontagsumzüge, Raunächte und Perchtenläufe, Lichterfeste und vieles mehr-  werden in diesem wunderschönen, sehr aufwändig gestalteten Familien- Hausbuch leicht verständlich, unterhaltsam und sehr informativ vorgestellt. Neben den ausführlichen Beschreibungen der Abläufe gibt es interessante Erläuterungen zu deren geschichtlichen Hintergründen. Zusätzlich werden jeweils dazu passende Rezepte oder Spiel- und Bastelideen als Anregung zum Nachmachen beschrieben.

Eine Fülle an ausgesprochen liebevoll gestalteten Illustrationen, die durch zeichnerische Darstellungen kindlicher Figuren und zahlreiche  interessante und phantasievolle drucktechnische Details auffallen und die entsprechend der jeweiligen Jahreszeit in einer charakteristischen Farbigkeit imponieren, verbinden sich mit dem Text zu einer Einheit.

Eine wahre Fundgrube für Familien, Kindergärten, Schulen und alle an Festen und Bräuchen Interessierten und ebenso Nachschlagewerk wie Schatzkiste zum Immer-wieder-Hineinschauen und Inspirieren-Lassen.

 

Wir feiern durch das ganze Jahr – Das Hausbuch der Feste und Bräuche

Text: Ilka Sokolowski

Illustration: Sophie Schmid

Verlag Gerstenberg, 2018

ISBN 978-3-8369-5906-3

Schlaf gut, Max!

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector  (Malkastl.de):

 

Max, der kleine schwarze Kater mit den riesengroßen gelben Augen, ist schon ziemlich müde.

Er hat seine Milch getrunken, seine Zähne geputzt, sich hinter den Ohren gewaschen, dem Goldfisch, seiner Spielkiste und sogar der Hausspinne eine gute Nacht gewünscht. Als er aus dem Fenster schaut und nun auch dem Mond „Gute Nacht!“ sagen will, kann er diesen nirgends entdecken.

So geht Max hinaus in die stille, dunkle Nacht, um den Mond zu suchen, trifft unterwegs auf einen schlafenden Hund, klettert auf einen hohen Baum und über die Hausdächer, auf ein Hochhaus und einen Berg. Als der Wind die Wolken wegbläst, ist auf einmal der helle Mond riesengroß am Nachthimmel zu sehen und flüstert Max etwas zu, das ihn, nachdem er den Rückweg über Dächer, Baum und vorbei am schlafenden Hund genommen hat,  von nun an immer ruhig und zufrieden einschlafen lässt.

Die einfache und klare, liebevolle Sprache und die ebenso klaren, in eine wunderbare Nacht-Farbigkeit getauchten Illustrationen, die sich auf das wesentliche beschränken und dabei eine ganz eigene Bild-Poesie vermitteln, kennzeichnen diese schöne, leise, Zuversicht gebende Bilderbuchgeschichte, die wunderbar in eine gute Nacht geleiten kann.

 

Text und Illustration: Ed Vere

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN: 978 3 95728 129 6

 

 

Zwei für mich, einer für dich

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Wie teilt man gerecht drei Pilze auf, wenn zwei Leute davon essen wollen?

Bär und Wiesel scheinen gute Freunde zu sein, die in einer Art Wald-WG zusammenleben. Aber beim Essen hört der Spaß auf …

Hat eigentlich derjenige das Recht auf die größere Portion, der die Pilze gefunden hat (=der Bär)? Oder derjenige, der aus ihnen ein köstliches Gericht zubereitet, sie in der Pfanne schmoren lässt und kräftig mit Salz, Pfeffer und Petersilie würzt (=das Wiesel)?

Steht dem Bär ein Pilz mehr zu, weil er groß ist und deshalb viel essen muss oder dem kleinen Wiesel, welches noch wachsen muss?

Erhöht das Wissen um das Rezept, die Größe des Hungers, die Tatsache, dass es die eigene Leib- und Magenspeise sei, der lauter knurrende Magen, das vorherige Tischdecken oder die Idee, Pilze essen zu wollen, die Größe der Anrechte an der gemeinsamen Mahlzeit?

Bär und Wiesel können sich nicht einigen, der Streit droht zu eskalieren, die Freundschaft gar daran zu scheitern …

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Fuchs schnappt sich das überzählige Objekt der Begierde und lässt sich den Pilz genüsslich munden. In der Entrüstung über den frechen Pilz-Dieb sind sich Bär und Wiesel plötzlich wieder einig und können endlich dazu übergehen, sich die gemeinsame Mahlzeit schmecken zu lassen.

Aber da bahnt sich schon neuer Konfliktstoff an, als das Wiesel drei Walderdbeeren als Nachtisch serviert …

Liebenswerte detailreiche Zeichnungen begleiten diese entzückende Bilderbuchgeschichte, welche schon die ganz Kleinen zum Nachdenken über Gerechtigkeit und Teilen anregen kann.

 

Text und Illustration: Jörg Mühle

Moritz Verlag, 2018

ISBN: 978 3 89565 357 5