Archiv für den Monat November 2018

Bäume

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Das imposante Porträt eines Eichen-Baumriesen-Gesichts schmückt das Cover dieses fantastischen Sachbilderbuchs von Piotr Socha und macht sogleich neugierig auf den Inhalt.

Nachdem uns Socha vor zwei Jahren mit seinem grandiosen Bienen-Buch begeisterte, gelingt ihm das nun mit dem ebenso großformatigen wie großartigen Bäume-Buch, in dem er auf farbigen Bildtafeln, begleitet von wissenswerten Informationen (diese in Fließtext-Spalten neben den Bildtafeln) von Wojciech Grajkowski, die faszinierende Welt der Bäume beleuchtet. Ihre erstaunliche Vielfalt wird uns mit detailreichen Illustrationen und  interessanten Informationen ausführlich vor Augen geführt:

Beginnend mit einem großen ornamentalen und  farbenprächtigen Bild eines mexikanischen Lebensbaumes, dem magische Kräfte zugeschrieben werden, widmet sich jede der darauffolgenden Doppelseiten speziellen Themengebieten wie solchen, in denen Bäume von Nicht-Bäumen unterschieden, Blattformen, Früchte, Wurzeln oder Baumkronenformen miteinander verglichen oder jahreszeitliche Veränderungen der Bäume erkundet werden und vieles andere mehr. Hochinteressante Fakten wie die Tatsache, dass eine Riesenschildkröte auf Mauritius das Aussterben der dort ansässigen Ebenholzbäume verhinderte, dass manche Baumarten nur in sehr eng begrenzten Arealen der Erde vorkommen, dass Baobab-Bäume in ihren voluminösen flaschenartigen Stämmen große Wassermengen speichern oder dass in den Kronen marokkanischer Arganbäume Ziegen hausen, führen zu überraschenden Erkenntnissen. Sehr anschaulich werden die Dimensionen der verschiedenen Bäume vermittelt, wenn wir sie in unmittelbarer Nachbarschaft der Cheops-Pyramide, von Big Ben oder eines gewöhnlichen Einfamilienhauses vorfinden und vergleichen können oder uns die gewaltige Dicke eines Baumstammes vorstellen, um den sich kreisbildend mehr als 20 an den Händen fassende  Menschen ranken. Die Altersbestimmung heute noch lebender Bäume und deren Gegenüberstellung zugehöriger kultureller Epochen stellt einen interessanten, vernetztes Denken fördernden  Ansatz der Naturbetrachtung dar. Ausführlich wird weiterhin auf den aus Bäumen gewonnenen Rohstoff Holz  über Betrachtungen zur Arbeit der Holzfäller,  hölzerne Gebäude, Objekte, Musikinstrumente oder Kunstwerke aus Holz eingegangen, wobei abenteuerlustige Kinder wohl besonders die Vorstellung verschiedenster Baumhäuser begeistern wird. Auch Interessantes über Bonsais und andere „frisierte Bäume, Darwins Lebensbaum, Stammbäume, Bäume in Religionen, heilige Bäume, Waldlegenden, Baumungeheuer oder Urwälder ist zu erfahren und lässt immer wieder staunen.

Ein Plädoyer für das Bäume-Pflanzen rundet dieses wunderbare Sachbilderbuch ab, für das sich Kinder wie Erwachsene  in gleichem Maße begeistern und damit immer wieder aus einer umfangreichen Wissens-Schatzquelle schöpfen können.

 

Bäume

von Piotr Socha (Illustration) und Wojciech Grajkowski (Text)

Übersetzung aus dem Polnischen von Thomas Weiler

Gerstenberg Verlag, 2018

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Blauer Hund

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Die als eines der stärksten Bilderbuchgeschichte im Moritz-Programm inzwischen mehrfach aufgelegte  Bilderbuchgeschichte der 1955 in Ägypten geborenen und später im Libanon und in Frankreich lebenden  Autorin und Illustratorin Nadja ist  bereits ein Klassiker und erinnert in der Erzählweise zuweilen an ein Märchen:

Ein geheimnisvoller großer Hund mit blauem Fell und grünen Augen besucht eines Tages das kleine Mädchen Charlotte, als sie spielend mit ihrer Puppe auf der Treppe vorm Hauseingang sitzt. Sie streichelt und füttert den Hund und spielt mit ihm. Von nun an kommt der Hund täglich abends zu Charlotte. Die Mutter jedoch möchte den blauen Streuner nicht im Haus haben und verbietet der Tochter mit ihm zu spielen. Schweren Herzens schickt das Mädchen den Hund weg, als er sie wieder abends am Fenster besucht. Als sich Charlotte aber beim Beerenpflücken im Wald verirrt, ist es der blaue Hund, der sie vor dem Nachtgeist in Gestalt eines schwarzen Panthers beschützt, mit diesem kämpft und am nächsten Morgen wieder sicher zu den besorgten Eltern nach Hause bringt. Aus Dankbarkeit erlauben die Eltern Charlotte nun doch, den Hund zu behalten.

Die Illustrationen zur Geschichte sind ausgesprochen ausdrucksstark und  naturalistisch, wobei der blaue Hund mit seinem unergründlichen und  geheimnisvollen Blick und der ungewöhnliche Farbe an eines der Tierwesen von Franz Marc erinnert, dazu in interessantem und eigenwilligem Kontrast steht. Die kräftigen Farben, allen voran das in vielen Motiven immer wieder auftauchende hell leuchtende Gelb, das Orange, verschiedene Grüntöne und das kräftig satte Blau des Hunde lassen Assoziationen zu expressionistischen Gemälden entstehen und sind wunderschön. Die Kampfszene mit dem Panther könnte zartbesaitete kleine Bilderbuchgucker wegen ihrer arg realistischen Darstellung der scharfen Krallen, funkelnden Augen und blitzenden Fangzähne allerdings auch ein wenig ängstigen – hier muss der Blick vielleicht dann besser nicht allzu lange verweilen.

Mit Spannung und farbgewaltigen Bildern, die sich magisch ins Gedächtnis brennen, schafft  es diese Bilderbuchgeschichte, dass die Kinder mit der tapferen kleinen Protagonistin hoffen und bangen und sich letztlich über den glücklichen Ausgang umso mehr freuen.

 

Blauer Hund

Text und Illustration: Nadja

Moritz Verlag, 3. Auflage der Neuausgabe in verändertem Format, 2013

Professor Astrokatz – Reise durch den Körper

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Nach seinen bisherigen spannenden  und abenteuerlichen Ausflügen ins Universum („Professor Astrokatz –Universum ohne Grenzen“) und in die Welt der Physik („Professor Astrokatz – Physik ohne Grenzen“) entführt uns der superschlaue Kater Professor Astrokatz diesmal auf eine Forschungsreise durch den menschlichen Körper. Zusammen mit seinen Freunden Evi, Gilbert, Martha, Astromaus, Felicity und dem menschlichen „Gehilfen“ Dr. Dominic Walliman erklärt er uns dessen hochkomplexe Funktionsweise und Anatomie.

Beginnend mit einführenden Erläuterungen der Grundkategorien des Lebens und einem systematischen Überblick über unsere unterschiedlichen Bestandteile und Organsysteme geht die Forschungsreise immer weiter ins Detail bis hinein in mikroskopisch kleine Bestandteile der Zellen, so dass wir Hochinteressantes über unseren Körper und sein Skelett, seine Muskeln, das Wunderwerk Haut, die Sinnesorgane Nase, Ohren und Augen, das Gehirn und seine Funktionen, die Körperorgane das Nerven-, Hormon- und Immunsystem und die Fortpflanzung erfahren. Weitere Themengebiete befassen sich mit den Wachstumsprozessen, der Genetik, der gesunden Ernährung, der Medizin, dem Leben mit Beeinträchtigungen und spannenden Ausblicken in die Zukunft und deren mögliche Technologien.

Das alles geschieht mit Hilfe von vielen knallig bunten Illustrationen, in denen sich Professor Astrokatz und seine Freunde voller Tatendrang und Wissbegier durch den menschlichen Körper bewegen, derart lebendig, anschaulich und faszinierend, dass die Forschungsreise niemals langweilig oder zu trocken rüberkommt: Sie mikroskopieren, beleuchten Knochen oder Muskeln mit ihren Taschenlampen oder heben sie wie schwere Gewichte in die Höhe, hangeln sich wie in einem Dickicht über die Kopfhaut von Haar zu Haar, springen munter von Zahn zu Zahn, arbeiten sich unerschrocken durch grünen Nasenschleim und Gehörgänge hindurch, klettern sportlich über die Netzhaut, durch Neuronennetze oder Bronchialbäume, schwimmen munter an Blutkörperchen vorbei und in Herzkammern hinein, wandern lustig durch Magen und Darmzotten, bauen Mauern aus Kohlenhydraten, versuchen sich als Küchenhelfer, ärztliche Assistenten oder Cyborg-Entwickler, dass es eine wahre Freude ist.

Wenn schwierige wissenschaftliche Sachverhalte und Zusammenhänge derart anschaulich,  unterhaltsam und interessant vermittelt werden, kann das Lernen riesengroßen Spaß machen!

 

Text: Dr. Dominic Wallmann

Illustration: Ben Newman

Übersetzung aus dem Englischen: Sylvia Prahl

NordSüd, 2018

Schlaft recht schön

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Fünf Tierfamilien werden in diesem Pappbilderbuch für die ganz Kleinen in den Winterschlaf verabschiedet. Bevor sie sich zur Ruhe legen, beobachten wir sie bei den Vorbereitungen für die lange Schlafenszeit:

Eine Marienkäferfamilie trägt mit großem Eifer gemeinsam Reisig und Blätter zusammen und bereitet sich daraus ein gemütliches Bett, bevor wir ihnen zurufen: „Schlaft recht schön, ihr Marienkäfer!“ Die Froschfamilie bettet sich genüsslich auf Seerosenblätter und Familie Eichhörnchen legt sich Wintervorräte aus Zapfen, Beeren und Nüssen an, bevor sie sich im Blätterbett zusammenkuschelt. Eine Igelfamilie macht sich bereit für den Winter, indem für alle Löcher als gemütliches Schlaflager gegraben wird. Noch ein herzhaftes Gähnen, dann kann der Schlaf kommen. Und die Bärenfamilie ist im Wald auf der Suche nach Ästen, die später als Kopfkissen dienen.          Auf der letzten Doppelseite schauen wir auf eine verschneite Winterlandschaft und in die Schlafstätten, in denen die fünf Tierfamilien friedlich schlummern, bis es wieder Frühling wird.

Besonders schön an dieser warmherzigen Gute-Nacht-Geschichte sind die liebevoll gezeichneten Bilder der japanischen Illustratorin Tomoko Ohmura, mit denen kleine Menschenkinder wunderbar in den Schlaf begleitet werden können.

 

Tomoko Ohmura: Schlaft recht schön

Moritz, 2018

ISBN 978 3 89565 364 3

Raupe Berta hoch im Baum

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Hoch oben im Baum (dieser übrigens ganz unkonventionell mit knallig rosafarbener Rinde)sitzt die türkisfarbene Raupe Berta und widmet sich der Körperpflege – genauer gesagt, sie rasiert sich ihren Haarflaum mit einem elektrischen Rasierapparat (der Strom dazu kommt aus der Steckdose im Baumstamm). Erschreckt durch einen Vogelklecks von noch weiter oben verliert Berta ihren Rasierer und dieser purzelt in die Tiefe. Zwecks der Suche nach dem Rasierapparat klettert Berta abwärts, wobei sie verschiedenen Tieren (auch diese überwiegend wieder in ungewöhnlicher Farbgebung) in den unteren Baum-Etagen begegnet und diese nach dem herabgefallenen Teil befragt. Knapp geben die Tiere auch darüber Auskunft, wollen Berta jedoch viel lieber in Gesprächsthemen zu ihren eigenen Befindlichkeiten verwickeln. Und so berichtet ein pinkfarbener Tausendfüßler mit orangenen Schuhen voller Stolz über seine Fortschritte beim Üben des Schuhschleifen-Bindens, die mit bunten Farbklecksen übersäte orangefarbene Schnecke braucht eine Farbberatung beim Streichen ihres Häuschens, wobei sie sich nebenbei noch über den Verlust ihres Eimers mit der violetten Farbe beklagt, den der herabfallende Rasierer mit sich gerissen hat, der Sprecht fordert Bewunderung für sein Schnitzkunstwerk ein und die Spinne, welche mit dem Flicken ihres Netzes, durch das der Rasierer gefallen ist, beschäftigt ist, versucht die Raupe –erfolglos- in ihr Netz zu locken. Schließlich landet  Berta etwas unsanft unten bei den Baumwurzeln an, wo sich auch der Rasierer wiederfindet. Mit diesem hat sich inzwischen ein Igel eine flotte Frisur verpasst. Und wer beim Lesen und Schauen gut aufgepasst hat, errät nun auch, warum der Igel violette Stacheln hat.

Mit viel Situationskomik nimmt die in flotten Reimen spannend erzählte und farbenfroh bebilderte Geschichte ihren Lauf, wobei eine besondere Dynamik entsteht, die Leser und Vorleser mitreißt und zum Lachen bringt.

 

Raupe Berta hoch im Baum

Dirk Schmidt (Illustration) & Barbara Schmidt (Text)

Kunstmann, 2018

 

Edison

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Hinter den prallvollen Regalen einer zeitlos schönen Buchhandlung gibt es eine geheime Universität – die Universität der Mäuse. Unzählige  Mäusestudenten  lauschen dort hochkonzentriert den wissenschaftlichen Vorträgen ihres Mäuseprofessors.

Eine dieser wissbegierigen Mäuse, Pete, ein etwas schüchterner junger Mäuserich, nimmt all seinen Mut zusammen und bittet nach einer Vorlesung den Professor um dessen Hilfe. Pete ist auf der Suche nach einem Schatz. Einer seiner Vorfahren hat einen geheimnisvollen Zettel hinterlassen, der auf einen Schatz und eine Reise nach Amerika hinweist. Seit langer Zeit ist dieser Zettel nun schon in Familienbesitz und der neugierige Pete will der Sache endlich auf den Grund gehen. Der Professor hilft Pete und sucht in alten Aktenordnern nach entsprechenden Hinweisen. Wie sich herausstellt, hat Petes Vorfahre versucht, mit dem Schiff über den Atlantik nach Amerika zu gelangen, aber das Schiff verunglückte. Glücklicherweise wurden aber alle Passagiere gerettet. Ob aber auch Mäuse zu den geretteten Passagieren zählten? Alles deutet darauf hin, dass der besagte Schatz mit dem Schiff  auf den Meeresgrund gesunken ist. Am liebsten will sich Pete zusammen mit dem Professor sogleich dorthin auf den Weg machen, aber  der Professor  fühlt sich für derartige Forschungsreisen schon zu alt. Aber Pete gibt nicht auf. In der Badewanne unternimmt er erste Tauch-Experimente mit einer von ihm entwickelten Tauchglocke, was beinahe schiefgeht. Jedoch ist der Professor rechtzeitig zur Stelle. Ihm imponiert Petes Forscherdrang und nun will er doch bei der Schatzsuche behilflich sein. Jetzt wird gemeinsam weitergeforscht und so mancher Ansatz nach Missgeschicken wieder verworfen, bis schließlich der Plan eines U-Boot-Baus in die Tat umgesetzt wird. Als blinde Passagiere gehen die beiden Mäuse an Bord eines Schiffes, von dem aus sie an der passenden Stelle mit ihrem selbstgebauten U-Boot über Bord gehen wollen. Von Fischschwärmen umkreist gehen sie auf Tauchgang, bis sie an die Stelle des damals versunkenen Schiffes, welches nun als Wrack auf dem Meeresboden liegt, gelangen. Und dort entdecken sie tatsächlich eine Mäuse-Schatzkiste und darin das Tagebuch eines Erfinders, bei dem die letzten Seiten fehlen. Mit detektivischem Gespür kommen die Mäuse schließlich hinter das Geheimnis seiner Erfindung.

Torben Kuhlmann, der Autor und Illustrator dieser spannenden Mäuse- Abenteuer- und Wissenschafts-Bilderbuchgeschichte, hat schon zuvor große Erfolge mit weiteren Mäuse-Abenteuerbüchern wie „Lindbergh- Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“ (2012) und „Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“ (2016) feiern können. Mit dem neuen Mäuseabenteuer, das diesmal in die Tiefe des Meeres geht, wird er seine Leser bestimmt wieder ähnlich begeistern können. Wie schon in den vorhergehenden Bänden sind diese gefesselt von den wunderbaren Zeichnungen, welche Szenarien aus Mäuseperspektive in atmosphärischer Dichte zeigen, die  verwoben sind mit zahlreichen Details der jeweiligen Zeit und bereichert durch zahlreiche wissenschaftliche Skizzen und Notizen, welche an Aufzeichnungen eines Leonardo da Vinci erinnern.

Dass die Protagonisten niedliche Mäuse sind, macht die Geschichte zugänglicher und geschmeidiger für ein Bilderbuch, für das sich Kinder wie Erwachsene gleichermaßen begeistern können.

 

Torben Kuhlmann: Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes

Verlag NordSüd, 2018

 

Die große Holzwerkstatt

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Wir lieben die Bastelbücher von Sabine Lohf! Nahezu unerschöpflich scheint ihre Phantasie, ihre Freude am Basteln und ihr anregender Ideenreichtum zu sein.

In ähnlicher Flexcover-Aufmachung wie die neue Holzwerkstatt stehen bereits „Das große Buch vom Basteln und Spielen“, „Das große Naturbastelbuch“, „Das große Ratzfatz-Bastelbuch“ und „Das neue Weihnachts- Bastelbuch“ in unserem Atelier-Bücherregal und inspirieren unsere Malgruppenkinder immer wieder aufs Neue zu eigenen Werken.

Nun also geht es speziell um den spannenden Werkstoff Holz. Über 150 kreative Ideen rund um den Werkstoff Holz sind in diesem Buch versammelt. So einzigartig wie jedes Holzstück  – ob nun beim Spazieren in der Natur gefunden oder aus der Baumarkt-Reste-Tonne zusammengestellt – sind auch die Dinge, die daraus gebastelt und gebaut werden können. Schon das Suchen geeigneter Stücke kann zum spannenden Abenteuer werden. Ein spezieller „Waldknigge“ erläutert Wissenswertes zum Verhalten im Wald und Sammeln von Holz. Was das besondere Material Holz alles kann, erfahren wir in einem weiteren Kapitel. Die zur Holzbearbeitung geeigneten Werkzeuge und weitere Tipps und Tricks werden zur Einführung ausführlich vorgestellt.

Mit etwas Glück finden sich auf der Erkundungstour durch den Wald Baum- und Wurzelteile, die an Tierkörper erinnern. Mit entsprechenden Nacharbeiten werden mit Hilfe von Farbe, Leim, Knete, Wattebäuschen, Stoffen, Papier, Fäden, kleinen Stöckchen, Rindenteilen, Federn und anderem mehr einheimische oder exotische Tiere wie Igel, Eulen oder Elefanten, Figuren wie Zwerge, Zauberer, Indianer oder Nikoläuse. Was auch immer es ist, alle diese Basteleien strahlen etwas besonders Liebenswertes aus. Mein persönlicher Favorit ist der herzallerliebste Rehbock auf Seite 19, den ich mir zumindest ebenso gut wie die verschmitzt schauende Streifenkatze für das Titelbild vorstellen könnte!

Wie auf einer Bühne können sich nun ganze Szenerien  aus Figuren und Requisiten entwickeln. So treffen Borkengeist und Wildschwein, Rindenkrokodil und Bootspiraten aufeinander und lassen unsere Phantasie spielen und überlegen, was weiter geschieht. Welcher Besuch wohl heute im Zwergen-Baumhaus auftauchen könnte? Und worüber sich wohl die bunten Holzpuppen so angeregt unterhalten?

Auch allerlei weiteres Spielzeug, Dekoratives oder Praktisches für Büro und Haushalt und ideal zum Verschenken, kann aus den Holzfundstücken entstehen – so ein Suppenquirl fürs Hexen-Picknick, Marionetten, Schmuckanhänger, künstlerische Holzskulpturen, Puppentheater-Figuren , lustige Tiere aus Holzklammern, Hampelmänner, Windräder, Lege- oder Würfelspiele, Vogelhäuschen oder Insektenhotels, Advents- und Weihnachtsdekoration und vieles Schöne mehr.

Wie beim Basteln vorzugehen ist, wird leicht verständlich und nachvollziehbar, meist anhand von Fotos für die einzelnen Arbeitsschritte und das benötigte Material und Werkzeug, erklärt. Und doch bleibt genügend Freiraum für eigene Ideen und Abwandlungen. Nichts sieht hier in abschreckender Weise so perfekt aus, dass einen der Mut zum Nachbauen schon im Vorfeld verlassen könnte. Ganz im Gegenteil – wir fühlen uns wunderbar inspiriert.

Eine wahre Fundgrube an tollen Holz-Bastelideen eröffnet sich schon allein beim Anschauen des Buches. Bald darauf kribbelt es in Fingern und Füßen, denn es zieht uns magisch in den nächsten Wald oder Baumarkt, um diesen nach Bastelmaterial zu durchkämmen.

 

Sabine Lohf: Die große Holzwerkstatt

Gerstenberg, 2018

ISBN  9 783836 956154