Die Schwalbe, die den Winter sehen wollte

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Iris ist eine neugierige junge Schwalbe, die im Frühling immer als Erste in ihren Heimatwald zurückkehrt, um bald schon über die blühenden Kirschbäume zu fliegen und im Sommer den Insektenschwärmen nachzujagen und die Kirschen reifen zu sehen.

Als sich im Herbst wie immer alle Schwalben zum Abflug in den Süden versammeln, wird Iris nachdenklich. Sie fragt sich und die anderen, was eigentlich in ihrem schönen Wald geschieht, wenn die Schwalben nicht da sind. Weil keine Schwalbe jemals im Winter dageblieben ist, kann niemand ihre Frage beantworten. Iris aber möchte auch den Winter einmal erleben und beschließt dazubleiben. Zum Abschied schenkt ihr die alte Schwalbe eine goldene Eichel-Kette. (Zum Glück, wie sich später erweisen wird …)

Iris erlebt nun, wie die Insekten immer weniger werden, wie sich die Blätter färben und von den Bäumen fallen, wie es immer ruhiger im Wald wird, wie es immer kälter wird und eines Tages der erste Schnee fällt. Die kleine Schwalbe friert und schläft erschöpft am Fuße eines Baumes ein, in dem Sam das Eichhörnchen wohnt. Sam interessiert sich für die golden glitzernde Eichel, die da im Schnee am Boden liegt. Von Iris selbst ist außer der goldenen Eichelkette  in der weißen Schneedecke fast nichts mehr zu sehen. Beinahe hätte Iris´ Entdeckerdrang sie das Leben gekostet, wenn das Eichhörnchen sie nicht gerade noch rechtzeitig zu sich in den warmen Bau geholt, beruhigende Geschichten erzählt und zusammen mit Iris nach Eicheln und letzten Insekten unterm Schnee gesucht hätte.

So kann Iris im nächsten Frühling gemeinsam mit ihrem neuen Freund Sam die aus dem Süden heimkehrenden Schwalben begrüßen und wieder die Kirschbäume blühen sehen, im Sommer reichlich Insekten jagen und den Herbst kommen sehen. Diesmal zieht sie wieder mit den Schwalben mit und es heißt, Abschied von Sam zu nehmen. Aber nicht für immer, denn im nächsten Frühling wird Iris bereits sehnsüchtig von Sam erwartet …

Der ewige Kreislauf der Jahreszeitenwechsel wird in dieser wunderbar bebilderten Geschichte eindrucksvoll deutlich gemacht. Wir sehen die erwachende Natur in ihrer ganzen Fülle, die leuchtenden Farben des Sommers, das Mysterium der Sternenbilder, feuerrot und golden leuchtende Herbstbäume und die  beinahe farblose winterliche Kargheit.

 

Die Schwalbe, die den Winter sehen wollte

Text und Illustration von Philip Giordano

Aus dem Französischen von Ingrid Ickler

Knesebeck, 2018

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