Auch solche Tage gibt es

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Aus ungewöhnlicher Perspektive schauen wir von oben auf folgende Szenerie: Ein kleiner rotbrauner Bär mit gelben Stiefeln läuft einen Weg entlang durch einen beängstigend dunklen Wald. Ganz winzig und verloren sieht er im Vergleich zu den hohen Bäumen des Waldes aus. Und so fühlt er sich auch – sehr allein. In der Ich-Form kommentiert der kleine Bär dem Bilderbuchleser seine bedrückende Befindlichkeit. Sein Gang wird immer schwerer, sein Kopf gesenkt und voller Kummer. Dunkle Wolken ziehen am Himmel auf und es beginnt zu donnern. Die Körperhaltung des kleinen Bären drückt tiefes Leid aus und ihn umgeben immer dunkler werdende  Farben der Trostlosigkeit. Der kleine Bär beginnt zu weinen und mit dem einsetzenden Regen, der sich in seiner Stärke mehr und mehr steigert, wird auch sein Weinen immer mehr. Völlig erschöpft und schluchzend lässt er sich am Ufer eines Sees zu Boden sinken – ein herzerweichendes Bild des Jammers. Vom anderen Ufer des Sees wird er von einem kleinen grünen Frosch, der einen regenbogenbunten Schirm hält, beobachtet. Der Frosch kommt näher, nun bemerkt ihn auch der kleine Bär, welcher aus seiner misslichen Lage heraus einen vorsichtigen Blick aus tränennassen Augen zum Frosch riskiert. Und schon beginnen die Farben des Himmels sich zu verändern – aus Schwarz wird Grau, aus Grau wird Weiß. Und mit der heller werdenden Himmelsfarbe werden auch die Farben der Umgebung freundlicher. Inzwischen ist der Frosch auf den Kopf des sich nun schon aufrichtenden Bären gekrabbelt und versucht, seinen ziemlich kleinen regenbogenbunten Schirm schützend über diesen zu halten – ein rührender, hoffnungsvoller Anblick. Die Sonne kommt wieder  und mit ihr die Wahrscheinlichkeit, gleich einen Regenbogen zu sehen. Alles wird gut … Jetzt patschen Bär und Frosch vergnügt und übermütig durch die Pfützen. Den Weg zurück nehmen die Beiden Hand in Hand in einem berührenden Abschlussbild –das Erinnerungen an eine Szene aus Winnie-Puh-Büchern weckt- durch einen nun blütenbunten und sonnendurchfluteten Wald. Der aufgespannte Schirm bleibt liegen. Vielleicht braucht ihn noch jemand anderes?

Im Anschluss an die metaphernreiche Bilderbuchgeschichte wendet sich der Frosch in einfühlsamen Worten in Briefform noch einmal direkt an einen „Kleinen Freund“ und versucht diesem zu verdeutlichen, dass man mit ähnlichem Kummer nicht allein sei, sondern Viele mit Gefühlen der Einsamkeit konfrontiert werden, damit umgehen müssen, diese aber auch überwinden können. Man solle sich die Einsamkeit einfach mal als Regen vorstellen und den regenbogenbunten Schirm als alles, was diese überwinden hilft.  Weiterhin gibt es einige hilfreiche  Hinweise und Fragen- bzw. kreative Aufgabenstellungen für Eltern und/oder Therapeuten und die Kinder selbst.

Die liebenswert erzählte und sehr ausdrucksstark bebilderte Geschichte hilft Kindern und ihren Bezugspersonen, über  Gefühle der Einsamkeit oder Traurigkeit miteinander ins Gespräch zu kommen, diese quasi als  „unangemeldete Besucher“ zu akzeptieren und gibt ihnen damit die Möglichkeit, mit Verstimmungsgefühlen besser umgehen zu lernen.

 

Auch solche Tage gibt es

Von Young-ah Kim (Text) und Ji-soo Shin (Illustration)

Aus dem Koreanischen von Andreas Schirmer

aracariVerlag, 2018

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