Archiv für den Monat Januar 2019

MONSTA

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Monsta, das blaue Fellknäuel namens Harald (welch herrlich unpassender Monster-Name!) auf zwei dünnen Beinchen gibt sich alle erdenkliche Mühe, monstermäßig Angst und Schrecken bei seinem „Kint“ zu verbreiten, aber: das Kind, welches sich Monsta zum Erschrecken extra ausgesucht hat und unter dessen Bett eingezogen ist, um dort diensteifrig seiner geregelten Arbeit nachzugehen, obwohl es als Nachkomme des weltbesten Yeti-Erschreckers und größten Gruslers aller Zeiten beste Chancen auf eine Karriere in Gruselkabinetten oder Folterkammern gehabt hätte, dieses Kind gruselt sich einfach nicht!

Dabei hat Monsta alles versucht, das ganze Monster-Standard-Reportoire aufgeboten, hat jede Nacht gerüttelt, gegrollt, gefletscht und geklappert, seine Zähne gefeilt, Masken gebaut, sein Fell aufgestellt, an Pfosten genagt, Türen quietschen und Knochen knacken lassen, Puppen versteckt, an der Decke gezerrt … nichts, aber auch gar nichts ist passiert. Welche Tragik für ein Monster! Es schließt daraus, dass mit dem „Kint“, das sich nicht gruselt, das trotz aller seiner Bemühungen einfach seelenruhig weiterschläft, etwas nicht stimmen kann. Und so gibt sich Monsta weiter Mühe und setzt noch eins drauf, um das Grauen wachsen und gedeihen zu lassen, legt Monsterfell in den Bauchnabel des Kindes, verknotet dessen Haare, trainiert Augenrollen, verstellt seine Stimme, lässt sich spinnengleich von der Decke hängen und wagt todesmutige Sprünge aufs Kinderbett – dennoch: nichts! Schließlich, als auch diese Bemühungen nicht fruchten, gibt das arme Monster enttäuscht auf, es kündigt und schreibt seinem „Kint“ noch einen erklärenden Abschiedsbrief, bevor es sein Monsterglück anderswo suchen wird und verschwindet.

Die Sympathien des Bilderbuchlesers neigen sich zunehmend diesem bedauernswert erfolglosen wie trotz seines Monster-Habitus überaus niedlichen Kinder-Erschreckers zu. Großartige Illustrationen, die über witzige Details und ausdrucksstarke mimische Variationen die ganze Tragik des kleinen glücklosen Monsters offenbaren, begleiten den originellen Text in Briefform, welcher sich als Klageschrift direkt an das gruselresistente „Kint“ richtet.

Ganz gleich, ob sich die Bilderbuchleser eher zur Kategorie der Ängstlichen (diese werden vielleicht froh und ein wenig stolz sein, das eigene Haus- Monster nicht derart zu enttäuschen und zur Erkenntnis gelangen, dass die kleinen Monster auch nur ihre Arbeit tun und halb so gefährlich sind, wie sie scheinen) oder der Mutigeren (diese werden vielleicht in Zukunft etwas nachsichtiger sein und sich gemäß Watzlawicks Symptomverschreibung gefälligst ein bisschen mehr zum Gruseln hinwenden) zählen – in jedem Falle bereitet dieses wunderbare Monsterbilderbuch einfach große Freude beim Lesen und Anschauen.

 

MONSTA

Text: Dita Zifel

Illustration: Mateo Dineen

Tulipan, 2018

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