Mein Jimmy

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Pressetermin des Tulipan-Verlags in München,  Arena-Kino: Dem feuchtkühlen Januarabend steht erwärmende Vorfreude  zur Bilderbuchpremiere von „Mein Jimmy“ entgegen. Im Foyer wärmen sich die buchaffinen Gäste an heißen Getränken und nehmen dabei den Bücherstapel in Augenschein. Das in zurückhaltender Farbigkeit gestaltete Cover des neuen Bilderbuches zeigt das Porträt eines Nashorns, zwischen dessen Nasen-Hörnen sich breitbeinig ein keckes Vögelchen justiert hat und dem Nashorn direkt in die Augen blickt. Aus dem Blickwechsel der Beiden scheint eine tiefe Vertrautheit zu sprechen. Vertrauen und ewige Verbundenheit sind auch das Grundthema des Bilderbuches.

In der Geschichte blickt Hacki, der Madenhacker, nachdem er sich  von seinem geliebten Beschützer und Freund Jimmy, dem alten Nashorn, mit dem er anfangs so manches Abenteuer erlebte, welches  dann aber immer schwächer wurde und sich eines Tages für immer zur Ruhe legen musste, trennen muss,  auf die gemeinsam erlebte Zeit  zurück.

Zur Premiere anwesend sind der Autor Werner Holzwarth mit seinem Sohn Tim und der Illustrator Mehrdad Zaeri. Holzwarth spricht vor der Lesung zur Vorgeschichte der Buchentstehung, zu deren Beginn der Autor 67 Jahre und sein Sohn 5 Jahre alt waren. Er hat die berührende Geschichte von Jimmy und Hacki, eine Geschichte über das Leben, zu dem das Sterben ebenso gehört wie Freude und Trauer, im Bewusstsein über die eigene Endlichkeit und die relative zeitliche Begrenzung der bevorstehenden gemeinsamen Zeit für seinen  Sohn geschrieben , dem er vermitteln wollte, dass Beides, Glück ebenso wie Trauer,  seine Zeit hat, dass man auch nach der Zeit der Trauer wieder glücklich sein kann und darf. Mit Begeisterung hatte der Sohn damals die vom Vater vorgelesenen Szenen der Geschichte in bemerkenswert ausdrucksstarke Zeichnungen umgesetzt, von denen es nun einige zu bewundern gibt. Auch der BuchiIllustrator Mehrdad Zaeri, der anschließend mit dem inzwischen einige Jahre älteren Tim in ein  ernsthaftes wie humorvolles und auch zeichnerisch-praktisches Zwiegespräch  tritt, ist begeistert von Tims Zeichnungen. Schön, dass es zwei von Tims ursprünglichen Zeichnungen nun auch im Vorsatz des fertigen Buchs gibt, sie rahmen die Geschichte gewissermaßen ein.

Die Verlegerin Mascha Schwarz erzählt davon, dass sie vom Buchmanuskript sofort tief berührt  und fest entschlossen war, dieses Buchprojekt zu realisieren. Dass es nicht unmittelber dazu kam, liegt nicht zuletzt an der Arbeitsweise des Wunsch-Illustrators Zaeri, für den, wie er selbst sagt, die Bildideen zu einem Buch erst eine Zeit reifen müssen – und das dauere bei ihm eben etwa zwei Jahre. Dennoch sollte es dieser und kein anderer Illustrator für sein Buch sein, betont Holzwarth. Die Zeit der Reife ist den immer sehr tiefgründigen und berührenden Zeichnungen von Mehrdad Zaeri  durchaus anzusehen. Eine beeindruckende und sehr inspirierende Kostprobe seiner Arbeitsweise führt der Illustrator dann auch gleich mal live dem Publikum vor: Beginnend mit blind gekritzelten Liniengebilden und Strukturen entwickelt er daraus erste Bildideen und verknüpft diese mit weiteren sich spontan einstellenden zeichnerischen und philosophischen Eingebungen – und schon ist in wenigen Minuten eine unverkennbare Mehrdad-Zaeri-Illustration in ihrer typischen, ganz eigenen  Bildsprache entstanden.

Das nun entstandene Gemeinschaftswerk ist, trotz der traurigen, aber auch humorvollen Geschichte, ein zutiefst berührendes Buch über das Leben, welches alle Altersstufen gleichermaßen anzusprechen vermag und zeigt, dass innige Verbundenheit nicht mit dem Tod endet.

Text: Werner Holzwarth

Illustration: Mehrdad Zaeri

Verlag: Tulipan, 2019

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