Dornröschen

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Es gibt Bücher, die möchte man wie kleine Kostbarkeiten behandeln – das Märchenbilderbuch „Dornröschen“ von Christina Laube und Mehrdad Zaeri ist so eines.

Wie schon das vorangegangene „Aschenputtel“ (Knesebeck, 2016) ist das frei nach den Gebrüdern Grimm nacherzählte Märchen vom Dornröschen begleitet von atemberaubend schönen Scherenschnitten und silhouettenartigen Illustrationen, welche wunderbar mit dem Text und der Buchgestaltung samt Schutzumschlag korrespondieren und beim Umblättern der Buchseiten eindrucksvolle Spiele mit Licht und Schatten ermöglichen.

Die Dimension des rauschenden Festes, welches das Königspaar zur großen Freude über die Geburt der langersehnten Tochter ausrichtet, wird augenblicklich deutlich durch die unzähligen Silhouetten emporgereckter Hände, die im Überschwang des Feierns Hüte, Blumen und Girlanden in die Höhe werfen. Auch zwölf Feen – diese in unterschiedlichen Erscheinungsformen nebeneinander aufgereiht in einem Scherenschnitt – sind zum Fest geladen und beschenken allesamt das gefeierte Kind mit guten Wünschen. Die dreizehnte Fee aber wird wegen des fehlenden dreizehnten goldenen Tellers ausgeladen. Dennoch erscheint sie zum Fest und verkündet aus Wut über den Affront ihren unheilvollen Fluch, den die letzte der guten Feen nur noch etwas abmildern, aber nicht aufheben kann: Im Alter von 15 Jahren soll sich die Königstochter an einer Spindel stechen und mitsamt dem ganzen Hofstaat in einen hundertjährigen Schlaf fallen.

Ausdrucksstark ist das Bild der unzähligen aufgetürmten Spinnräder, welche der König in seiner verständlichen Sorge um die Königstochter vernichten lassen will. Eines jedoch übersah der König und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Die um das in den Schlaf versunkene Königshaus bedrohlich wuchernde Dornenhecke wird fühl- und greifbar in den nun folgenden Scherenschnitten (die sich beim Blättern jedoch leider recht schnell mal ineinander verhaken – hier ist Fingerspitzengefühl beim Entwirren des filigranen Geflechts gefragt oder aber vorsorglich ein Blatt Papier zum Dazwischenlegen). Mit den Jahren wird das Ereignis zur Legende. Nach hundert Jahren aber -wieder einmal ist ein Königssohn (auf einem prächtigen Scherenschnitt-Ross) unterwegs zum Dornröschen-Schloss – tut sich ein Meer von duftenden Rosen vor dem Prinzen auf und macht den Weg frei zur schlafenden Prinzessin, welche durch seinen Kuss erwacht und mit ihr das ganze Königreich. Und wieder wird ein rauschendes Fest gefeiert.

Ein Fest für die Sinne ist auch diese märchenhaft schöne Bilderbuch-Kostbarkeit, die beim Betrachten ein ästhetisches Erlebnis verspricht.

 

Dornröschen

von Christina Laube und Mehrdad Zaeri

Knesebeck, 2019

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s