Am Sonntag, als das Ei aufging

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Drei  Vorlese- oder auch wegen extra großer Schrift Selbst-Lese-Geschichten vom wunderbaren  Autoren-Illustratoren-Duo Lorenz Pauli und Kathrin Schärer sind unter dem Spannung versprechenden Titel, welcher inhaltlich die erste und letzte Geschichte miteinander verbindet, in einem handlichen Büchlein mit blauem Einband versammelt. Die  ebenfalls Spannung aufbauende Coverillustration zeigt die Protagonisten der Geschichten – Bär, Igel, Vogel, Katze und Hamster – von hinten auf einem sich vom Gewicht des Bären bereits verbiegenden Holzgatter sitzend, über ihnen wie ein Mond am Himmel ein überdimensionales Ei  kurz vor dem Aufplatzen – und verrät hier schon einiges  darüber, was in den Geschichten eine nicht unbedeutende Rolle spielen wird: Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt und hinsichtlich schwer vereinbarer Gegensätze  vielleicht auch ein wenig Konfliktpotential. Während Bär und Igel in ein liebevolles Gespräch oder Katze und Vogel in ihre Gedanken vertieft zu sein scheinen, wendet sich der Hamster, gleichsam einladend zur Lektüre, dem Lesepublikum zu.

Die erste Geschichte („Nach dem Fest“) lässt uns an den philosophischen Betrachtungen der liebevoll verbundenen Freunde Bär und Igel teilhaben. Ein schönes Fest (wahrscheinlich das Geburtstagsfest des Bären) liegt hinter ihnen, alle anderen Gäste sind schon gegangen. Etwas Melancholie liegt in der Luft, als der Bär über den Lauf der Dinge sinniert, dass jetzt die Nacht komme und dann ein neuer Tag, und was dann?  Aus dem Dialog der beiden Freunde entspinnt sich, während sie  in ihre Überlegungen versunken nebenbei mit allerlei Früchten wie Hagebutten, Beeren und Eicheln spielen, ein Gedankenspiel, bei dem sie von Wochentagen zu Monaten und Jahreszeiten kommen, bis sie darüber sinnieren, dass es im nächsten Dezember, in 365 Tagen, wieder ein solches Fest geben werde, auf das sie sich jetzt schon freuen. Und besser, als so lange warten zu müssen, ist erst einmal Winterschlaf zu halten. Bevor sie sich ihren Träumen hingeben, vergewissert sich der Igel noch, dass in den Träumen des Bären ein Platz für ihn ist. Wie rührend!

Die zweite Geschichte („Wanda will weg“)erzählt von einem pfiffigen und abenteuerlustigen Hamster, der einen (Einkaufs-) Zettel gefunden hat, diesen als Einladungsschreiben seines Onkels deklariert, seine Sachen packt und auf Reisen geht. Unterwegs erweist sich der Zettel dank Wandas Gewitztheit als überaus nützliches Requisit, das vor Gefahren schützt und für Essen sorgt und  letztendlich sogar dabei hilft, einen neuen Freund zu finden.

Die dritte Geschichte („Eine schlimme Geschichte“), in welcher ein Vogel ein riesiges Ei ausbrütet und das darin befindliche Wesen liebevoll aufzieht, bis es dieses Wesen wegen makabrer Verhaltensweisen , aber  noch immer in Liebe entlässt,  ist, wie der Titel schon vermuten lässt, keine mit rundum glücklichem Ausgang und dennoch -möglicherweise – glücklich machend, weil das Ende der Geschichte gleichzeitig der Anfang einer neuen Geschichte, einer die wir uns selbst ausdenken sollen.

Liebenswerte Illustrationen, welche die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten auf einzigartige Weise vermitteln, begleiten die drei Bilderbuchgeschichten, die viel zu schön und vielschichtig sind, um sie nur ein einziges Mal oder allein zu lesen.

 

Am Sonntag, als das Ei aufging

Drei Geschichten von Lorenz Pauli (Text) und Kathrin Schärer (Illustration)

Atlantis (Orell Füssli), 2019

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