Axel Hacke: Wozu wir da sind

Der Autor Walter Wemut  – welch passende Namensgebung! – veröffentlicht jeden Samstag unter der Rubrik „Die Toten der Woche“ Nachrufe auf das Leben Verstorbener und macht dies so gut, dass ihm selbst überlassen wird, wen oder wieviele er jeweils auswählt, prominente oder ganz normale Menschen.

Der nun erteilte  Auftrag , eine Rede zum achtzigsten Geburtstag einer Freundin vorzubereiten, um damit etwas ganz allgemein über das gelungene Leben zu sagen, wird zu einer neuen Herausforderung, die ihn gedanklich zu verschiedensten Menschen springen lässt, welche in der Vergangenheit mehr oder minder seinen eigenen Lebensweg tangierten oder dies aktuell noch tun, wobei er – auch  bedingt durch seine Sammelleidenschaft in Bezug auf literarische Fundstücke verschiedenster Art  und  Versuche, diese wiederzufinden –  mitunter den Faden zu verlieren scheint und doch immer wieder zielgerichtet an vorangegangene Gedankensplitter anzuknüpfen vermag. So kommt er monologisch in anekdotenhaften Erzählungen zu den persönlichen, filmischen, musikalischen oder literarischen Begegnungen, Freunden und Weggefährten seines Lebens wie etwa den drei Zeitungshändlern, die er in dreißig Jahren in seiner Straße erlebt hat, zu seinem lebensklugen Friseur Agim, zu Simenon, ja selbst zu  Schotty dem Tatortreiniger oder dem einsamen Mann auf der Parkbank, der nur darauf zu warten schien, dass mal jemand fragt, wie es ihm geht,  dem Freund, der sich 25jährig vor die U-Bahn warf oder dem Mann, der mit einem Lottoschein zugleich einen Millionengewinn wegwarf.

Es sind bemerkenswerte, mal tieftraurige, mal poetische, mal  skurrile oder überaus lustige Anekdoten und Gedankenassoziationen, die Walter Wemut in den Sinn kommen, ihn über ein gelungenes Leben mit verblüffender Leichtigkeit philosophieren lassen und uns als Lesende derart wunderbar unterhalten und bereichern, dass es durchaus passieren kann, nach Ende dieser großartigen Lektüre sogleich wieder von vorn beginnen zu wollen.

 

Wozu wir da sind

Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben

von Axel Hacke

Kunstmann, 2019

 

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