Archiv für den Monat Februar 2020

Heinrich will brüten!

Heinrich übt sich darin, ein stolzer Hahn wie sein Papa zu werden und seine Kräh-Versuche klappen auch immer besser. Nur mit der Lautstärke hapert es noch etwas.

Wer später auf den Hühnerhof achtgeben, die Hühnerschar vor Feinden warnen oder die Katze verjagen will, muss laut krähen können, sagt Heinrichs Papa. Und Heinrichs Mama meint, dass der Hahn kräht und die Hennen Eier legen, ist nun mal eben so. Heinrich erinnert sich, wie liebevoll Mama auf ihn aufgepasst hat. Er stellt sich vor, wie toll es wäre, auch auf kleine Küken aufpassen zu können. Eigentlich mag er sogar viel lieber Küken hüten als den Hühnerhof bewachen …

Heinrich braucht ein Ei zum Ausbrüten! Erste Versuche mit einem auf der Kuhweide gefundenen Fußball scheitern. Schließlich zeigt Mama Erbarmen und überlässt Heinrich eines ihrer Eier zum Ausbrüten. Nun merkt Heinrich, dass das Brüten ein recht anstrengendes Geschäft ist. Aber er hält tapfer durch und wird schließlich ein stolzer „Bruderpapa“. Sein „Bruderküken“ nimmt sich vor, schön laut krähen zu lernen wie seine beiden Papas. Und falls es mal brüten will, kann ihm bestimmt sein „Bruderpapa“ Heinrich dabei helfen.

Mit einem kindgerechten Text und detailreichen, lustigen Zeichnungen zeigt das Bilderbuch auf liebenswerte Weise, dass festgeschriebene Vater- und Mutter- Rollenmodelle nicht in Stein gemeißelt sein müssen.

 

Text: Annette Thumser

Illustration: Nikolai Renger

Magellan, 2020

Letzte Runde Geisterstunde

Eine bunte Truppe amorpher Gestalten blickt uns vom Buchcover entgegen. Der größte unter den neun Geistern hat die Form eines blauen Baumes mit großen gelben Augen angenommen. Weitere Vertreter seiner Spezies versammeln sich in imposanter Weise das Vorsatzpapier bedeckend, während sich im Nachsatz allerlei illustre Geisterporträts mit namentlicher Kennzeichnung (wie Hektor, Roberto, Liese oder Flocke) zeigen. Auf dem Buchrücken formt sich aus dem Dampf eines Teekessels eine indifferent blickende Geistergestalt und dazu die mit der Bilderbuchlektüre zu ergründende Frage, woher sie denn eigentlich kommen, diese Geister.

Nadia Budde versucht dieser Frage  in ihrem ganz eigenen und unverwechselbaren, von Humor und Augenzwinkern geprägten erzählerischen und gestalterischen Stil auf den Grund zu kommen. Verschiedene Arten von Geistern, in verschiedensten Farrben, Formen und Mustern, solo oder in Gruppen, erleben wir in verschiedensten Fortbewegungs- und Lebensformen – wie sie Geisterbus fahren,  sich  mit feuchten Händen durch Kellerwände schieben, schwere Eisenketten schleppen, unter Gitterbetten klopfen, mit verstellten Stimmen seufzend ihre gelben Augen glimmen lassen, nachts durch Geisterschiffe schleichen, über morsche Knochen jammern, Geistergulasch kochen, in der Geisterbahn schuften, schlecht bekleidet sind und fast nie Urlaub machen.

Die vielen Wald-, Luft-, Nebel-, Polter-, Wasser- , Feuer-, Plage-, Flaschen- und sonstigen Geister (und nicht zu vergessen die Geistermeister) sowie die sich stellenden Fragen, woher sie denn nun eigentlich stammen – aus Geisterländern, von Förderbändern, aus Kitteltaschen oder leeren Flaschen … ??? – bleiben im Nebulösen wie die Geister selbst, doch entscheidend  ist vielmehr die sich einstellende Erkenntnis, dass wir sie entweder bleiben lassen (weil sie bei genauerer Betrachtung eigentlich gar nicht so unsympathisch oder beängstigend sind) oder aber auch ziemlich wirksam (und zwar mit ihren eigenen Methoden) vertreiben können. Sehr beruhigend zu wissen.

 

Letzte Runde Geisterstunde

Illustration & Text: Nadia Budde

Kunstmann, 2020