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Über chamaleonsbuchblog

Das ChaMALeon ist Maskottchen der Kunstwerkstatt MALKASTL, einem Raum für kreatives Denken und Tun, Experimentieren und Entspannen. Aus dem prallgefüllten Atelier-Bücherregal präsentiert es seine Entdeckungen. www.MALKASTL.de

Die Weisheit des Rotkehlchens

Wenn im Herbst die Schneegänse in wilden Rufen ihre sogenannte Zugunruhe, die von Sehnsucht nach Veränderung geprägt ist, bekunden, weil sie bald gen Süden fliegen, kann das einem Menschen, der diese Rufe bewusst vernimmt, wie eine Botschaft erscheinen:

„Die Schneegänse erinnern uns daran, dass im Laufe des Jahres nicht nur die Jahreszeiten Wechseln, sondern auch Schwierigkeiten sich verändern und wandeln. Mit der Zeit ziehen sie vorüber und nehmen eine neue Gestalt an. Schenkst du den Zeichen dieser neuen und wunderbaren Zeit deine Aufmerksamkeit?“

So kann uns beispielsweise auch der bemerkenswerte Laubenvogel, welcher mit Akribie, Kreativität und Leidenschaft seine Umgebung formt, indem er zur Beeindruckung des Weibchens seine aufwändig gebauten  „Lauben“ mit farbigen Accessoires ausschmückt, lehren, dass wir nicht aufhören sollen, Räume zu erschaffen, die uns glücklich machen.

Oder eine geduldig brütende Henne kann uns möglicherweise offenbaren, dass es an der Zeit sein könnte, sich endlich gedanklich mit einem bestehenden Problem auseinanderzusetzen, statt es beiseitezuschieben und sich mit Ablenkungen zu befassen.

Kraniche, die die Route ihrer Züge erst allmählich von ihren Eltern lernen, bevor sie diese selbständig beherrschen, können uns vergegenwärtigen, dass es mitunter lebenswichtig ist, sich führen zu lassen, nicht ungeduldig zu werden, mit Güte zu lehren und mit Eifer zu lernen.

Das amerikanische Rotkehlchen, auch Wanderdrossel genannt, taucht als Frühlingsbote auf der Nordhalbkugel auf, wenn die Tage wärmer werden und erste Knospen sprießen. Es kann uns ein Zeichen geben, darüber nachzudenken, ob es nicht auch für uns an der Zeit ist, intellektuell und kreativ zu wachsen, den Neubeginn nicht zu verpassen, sondern ihn zu feiern.

In ähnlicher Weise assoziiert die Autorin an 65 Beispielen ihre einfühlsamen Vogelbeobachtungen mit entsprechenden Schlussfolgerungen auf menschliches Tun und gibt – unterteilt in die Kategorien Freude, Kreativität, Geduld, Güte, Widerstandskraft, Austausch, Stärke, Achtsamkeit, Tatkraft und Veränderung – damit vielfältige Denk- und Handlungsanstöße auf unterschiedlichen Ebenen.

Aus jeder ihrer poetischen Zeilen und aus jedem ihrer wunderschönen filigranen Scherenschnitte, die als Illustrationen die Vogelporträts begleiten, spricht Liebe und Dankbarkeit den Vögeln gegenüber, deren Anblick oder Gesang ihr häufig im Leben Mut und Hoffnung schenken konnten. Die zarten, berührenden Worte und Bilder können, wenn man sich ohne Vorbehalte auf die esoterisch anmutende  Sichtweise der Autorin einlässt,  als eine Form von Lebenshilfe auf wunderbare Weise Orientierung  geben und Trost, Kraft und Stärke schenken.

 

Die Weisheit des Rotkehlchens – Was wir von Vögeln für unser Leben lernen können

Text und Illustration: Maude White

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Ulrike Kretschmer

Knesebeck, 2019

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Einmal Katze sein

Wer Katzen beobachtet, kommt früher oder später zu der Erkenntnis, dass so ein Katzenleben einfach wunderbar sein muss und man hin und wieder gern einmal selbst in ihre Rolle schlüpfen würde.

Mit zwanzig  ausdrucksstarken Porträts und einer weiteren Charakterstudie in Blau-Grün auf dem Buchcover setzt Mies van Hout Katzen in den verschiedensten Farben, Formen, Mustern und Stimmungen in Szene und erfasst mit schnellem, präzisem Strich in bunten Bildern die verschiedenen Facetten ihres eigenwilligen Wesens.

Mal abenteuerlustig, mal übermütig, geschmeidig, verspielt, verschmust, aufmerksam, mürrisch, gewitzt, neugierig, chaotisch, gelangweilt, schläfrig, entspannt, wütend, beleidigt, mutig, ängstlich, verwegen, listig, verträumt und noch so vieles mehr können Katzen sein –  Liebhaber der beliebten Stubentiger wissen ihre Vielseitigkeit zu schätzen.

Den phantasievollen Katzenbildnissen begegnen -mal mehr und mal weniger poetische – Gedichte verschiedener niederländischer Autoren, die vom Hang zur Behaglichkeit, vom Jagdfieber, der Lebensfreude, von der Konzentrationsfähigkeit und Geduld, der Wetterfühligkeit, dem Schmusebedürfnis, der Gourmethaftigkeit, von der Abneigung gegen Silvesterböller  der Katzen und darüber hinaus von Übergewicht, Katzenklappen, Wollknäuelspielen, Katzenkämpfen, Begegnungen mit Schnecken und Spiegelbildern, Katzennamen, Flöhen und Haaren und weitere Begebenheiten aus dem Leben der Katzen erzählen.

Nicht nur kleine und große Katzenfans werden das Bilderbuch lieben, immer wieder darin blättern und sich vom Wesen der Katzen inspirieren lassen wollen.

 

Illustrationen: Mies van Hout

Gedichte von Bette Westera, Koos Meinderts, Sjoerd Kuyper, Hans & Monique Hagen

Übersetzung: Rolf Erdorf

aracari, 2019

 

Ein Haus für Harry

Harry, ein etwas übergewichtiger Stubenkater, hat die Welt da draußen bisher immer nur vom sicheren Fensterplatz aus beobachtet und noch nie draußen gespielt. Das freundliche Angebot des Schmetterlings Vera zum gemeinsamen Fangenspielen ist sehr verlockend – also spaziert Harry kurzentschlossen durch das geöffnete Fenster übers Dach nach draußen, immer Vera hinterher, doch die ist nicht zu erwischen und Stunden später plötzlich verschwunden. Nun realisiert Harry, dass er sich verirrt hat und läuft panisch durch die Straßen der unbekannten Stadt, um nach Hause zurückzufinden, bis ihm ganz schwindlig wird. Harry braucht erstmal einen Unterschlupf, den er zunächst in einem Pappkarton findet – bis dieser im Regen aufweicht. Weitere Behausungen für Harry finden sich auf einem Baum (bis der Ast abbricht), unter einem Auto (bis es wegfährt), in einer Hundehütte (bis der rechtmäßige Bewohner ihn davonjagt)und schließlich in einer Mülltonne. In den benachbarten Mülltonnen haben Straßenkatzen ihr Zuhause gefunden. Ihnen erzählt Harry von Vera, die ihm den Weg zurück zu seinem Zuhause zeigen könnte. Die Straßenkatzen kennen Vera und begleiten Harry zum Park, wo Vera wohnt. Nach erneutem gemeinsamen Fangenspielen mit Vera und der ganzen Katzenbande (die ihm Spieleifer gar nicht merkt, dass schon überall auf Plakaten mit Vermisstenanzeigen nach Harry gesucht wird), geht es zurück zu Harrys Haus, wo er freudig begrüßt wird. Harry verabschiedet sich von seinen neuen Freunden und verspricht, morgen wieder zum Spielen rauszukommen.

Begleitet von lustigen Illustrationen erzählt die vergnügliche und spannende Bilderbuchgeschichte von den Abenteuern der Freiheit und davon, wie schön es ist, ein Zuhause und gute Freunde zu haben.

 

Text und Illustration: Leo Timmers

Übersetzung aus dem Niederländischen: Rolf Erdorf

Aracari Verlag, 2019

Neon Leon

Erst mit einiger Verspätung (aber besser spät als nie) sind wir auf ein weiteres schönes Chamäleon-Bilderbuch, welches in unserer Sammlung natürlich nicht fehlen darf, aufmerksam geworden.

Es erzählt von Leon, einem besonderen Chamäleon, welches – während sich dessen Gefährten ganz nach Chamäleonart in der zur Umgebung passenden Farbe zeigen – stetig in einem knalligen Orange präsentiert und damit ziemlich auffällt. Leon wird nicht grün wie die anderen Chamäleons im Blätterdschungel, er wird nicht sandgelb in der Wüste und auch in den grauen felsigen Bergen bleibt Leon neon-orange und ist darüber selbst nicht glücklich. In der Nacht strahlt Leon derart neon-hell, dass die anderen Chamäleons schon ganz ärgerlich werden, weil sie durch Neon-Leons Strahlen nicht gut einschlafen können. Und auch Leon wird immer trauriger über seine farbliche Eigenart. Weil er sich an keinen Ort anpassen kann, sucht Leon nun  einen Ort, der zu ihm passt. Ob er ihn wohl bei den leuchtend orangenen Vögeln findet? Leider nein – die Vögel flattern davon in den strahlend blauen Himmel, vor dem der nun wieder alleingelassene Leon sich besonders kontrastreich abhebt,  verzagt den Kopf hängen lässt und wir mit ihm mitleiden. Ein bisschen lässt er sich aufmuntern, als wir ihm zuflüstern, dass alles gut wird.

Und das wird es: Dort, wo alle Blumen leuchtend orange sind, strahlt Leon schon recht glücklich, weil er endlich einen Ort gefunden hat, an den er passt.

Und noch glücklicher beginnt Leon zu strahlen, als er an dem Ort, an den er passt, jemanden trifft, zu dem er passt – ein zweites orange leuchtendes Chamäleon!

Wunderbar ausdrucksstarke und farbenfrohe Illustrationen komplettieren die liebenswerte Bilderbuchgeschichte, in der die kleinen Leser immer wieder direkt angesprochen werden, um Leon aufzumuntern und ihm beizustehen, beispielsweise indem sie ihm eine gute Nacht wünschen, ihm zuflüstern, dass alles gut wird, mit ihm zählend nach einem geeigneten Ort suchen und sich zu guter Letzt erleichtert mit Leon freuen, dass er mit seinem neuen Freund glücklich neon-orange um die Wette strahlen kann.

 

Text: Jane Clark

Illustration: Britta Teckentrup

annette betz, 2017

Vom magischen Leuchten des Glühwürmchens bei Mitternacht

Wer würde vermuten, dass aus der symbiotischen Beziehung zweier Organismen, gemeint sind hier Algen und Pilze, aus der sich hochinteressante Gebilde wie Flechten formen, ebenso poetische Geschichten formen lassen?

Wer hätte gewusst, dass Wanderdrosseln ein heimliches Doppelleben führen, dass wir von Quallen nur sehr verschwommene Vorstellungen haben, dass Libellen geradezu außerirdische Fähigkeiten besitzen oder dass man mit Glühwürmchen sprechen kann?

Wer würde ahnen, dass es Leute gibt, die den Geruch von Stinktieren lieben oder solche, die Loblieder auf Fliegen singen?

Wer hätte geglaubt, wie spannend Spaziergänge an winterlichen Stränden werden können?

Dass die Natur unzählige kleine Wunder birgt, die es nur aufzuspüren und zu entdecken gilt und uns zum Schwärmen und Staunen bringen können, versteht die vielfach ausgezeichnete amerikanische Naturforscherin und Buchautorin Sy Montgomery ( sehr erfolgreich z.B. mit „Rendezvous mit einem Oktopus“) in 45 kleinen Geschichten aus vier Jahreszeiten derart unterhaltsam, mitreißend, interessant und poetisch zu erzählen, dass es ein freudiges Erlebnis und großes Leseabenteuer ist, mit ihr in die Geheimnisse aus der Tier- und Pflanzenwelt wie in einen spannenden Roman einzutauchen und sich von deren Magie und den wunderschönen begleitenden Illustrationen bezaubern zu lassen.

 

Text: Sy Montgomery

Illustrationen: Tine Pagenberg

Übersetzung: Dr. Cornelia Panzacchi

Knesebeck, 2019

Aus dem Schatten trat ein Fuchs

Aus dem Schatten des nächtlichen Waldes tritt ein Fuchs.

Suchend („Ihm war nach Farbe“ …) blickt er sich um. Sein Weg führt ihn zu den Schlafstellen der Paradiesvögel, einer davon zwitschert leise der Stille der Nacht entgegen, sich ebenfalls nach Farbe sehnend. Zu zweit führt der Weg die schlaflosen Gefährten weiter, sie rasten unter dem Nachthimmel auf einer Sonnenblumenwiese, bevor sie durch Schilf und Dickicht ziehen oder sich übermütig springend und flatternd inmitten an Halmen schlafender Käfer wiederfinden und abermals an einem Boot am See kurz zur Ruhe kommen, um in ihren Gedanken und Träumen zu versinken. Weiter geht es über Berge und Täler, und die Nacht scheint ewig zu währen. Alles sieht so anders aus, „viel zu schön um zu sein“. Fasziniert blickt der Fuchs auf seltsame Wesen, die wohl seiner Phantasie entspringen – gelbe Kühe mit überlangen Hörnen als einziger Farbtupfer im monotonen Schwarz-Weiß der Landschaft. Und dort, noch ein Wesen, diesmal ein menschliches – ein sternschnuppensuchender Junge oben auf dem Ast eines Baumes sitzend. Die Abwesenheit der Farben erzeugt Melancholie und Einsamkeit. Einsam auch das Gehöft mitten im Wald, an dem der Fuchs nun verweilt, eine unbestimmte Hoffnung im Herzen tragend. Noch kämpft er gegen die Müdigkeit an und ergibt sich dann doch der Nacht und dem Schlaf in einer Felsspalte. Nach dem Erwachen folgt er dem Geruch einer Fährte, der anders als alles Bisherige ist. Und siehe da – eine Farbe erscheint und intuitiv weiß der Fuchs, dass es seine Farbe ist. Sie gehört zum Schwanz eines anderen Fuchses, welcher in einer Höhle verschwindet. Während Fuchs und Füchsin dem nahenden Morgen entgegentollend ihre Bestimmung und Erfüllung gefunden zu haben scheinen, singt der Paradiesvogel noch immer sehnsuchtsvolle Lieder.

Die detailreichen, beinahe filigranen Illustrationen der Landschaften, Pflanzen und Tiere sind eine eigenwillige Melange aus naturalistischen und surrealistischen Elementen und entwickeln beim Betrachter einen eigenwillig betörenden Sog, der sich durch die metaphorische, zum Teil gereimte Sprache noch verstärkt. Seltsame Schilder mit Nummern, Buchstaben oder Mustern, Sprechblasen, lädierte Puppen oder –noch verwirrender- aus Blüten ragende Kindsköpfe mit traurigen Gesichtern geben unerklärliche Rätsel auf.

Ein poetisches Bilderbuch, das die Kraft der Sprache mit der Kraft der Kunst in wunderbaren magischen und rätselhaften Bildern verbindet und insbesondere ältere Kinder und Erwachsene zu bezaubern vermag.

 

Illustration und Text: Einar Turkowski

Gerstenberg, 2019

Rabe, Buntspecht, Pinguin

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Bereits sieben Titel dieser schönen Buchreihe aus dem Gerstenberg-Verlag  sind schon erschienen, unter ihnen solche, die sich der Pflanzenwelt widmen wie „Lavendel, Lilie, Löwenzahn“ oder solche, die uns die Tierwelt näherbringen wie „Fliege, Falter, Honigbiene“. Der neue achte Band widmet sich nun der interessanten Welt der Vögel. Von den weltweit vorkommenden etwa 10 000 Vogelarten werden im Buch knapp 80 vorgestellt, stellvertretend für diese stehen titelgebend Rabe, Buntspecht und Pinguin.

Bevor es an die Vorstellung der einzelnen Vogelarten geht, befasst sich eine einleitende Vogelkunde zunächst allgemein mit dem Bau des Vogelkörpers und seiner Federn sowie der unterschiedlichen Arten des Fliegens. Auf den darauf folgenden 59 Tafeln werden in zwei Teilen die einzelnen Vögel behandelt. Der erste Teil mit den Tafeln 1-23 widmet sich den Sperlingsvögeln, während der zweite Teil mit den Tafeln 24-59 schlicht mit „Andere Vögel“ überschrieben wurde, von denen es wiederum 19 verschiedene Unterarten, beispielsweise die Kuckucksvögel, die Spechtvögel, die Greifvögel oder die Papageien gibt.

Zu den Sperlingsvögeln zählen nicht nur die Sperlinge im engeren Sinne, sondern auch Meisen, Rotkehlchen, Raben, Schwalben, Finken, Nachtigallen und einige andere mehr. Eine große Gruppe unter ihnen ist die der sogenannten Singvögel und wir erfahren, dass sie ihr stärker entwickelter Kehlkopf zum „Singen“  befähigt. Ihr Gesang, mit dem sie ihr Revier markieren, wird bei der Vorstellung der einzelnen Vögel näher beschrieben. So zwitschert die Blaumeise ein „Tü-ti-ti-tirr“, piept der Haussperling ein „Tschip-tschip“, singt die Amsel ein „Tik-tik-tik-tik-tik“, während der Buchfink ein „Hüitt-hüitt-hüitt“ pfeift oder aber ein lautes  „Pink“ ruft.

Neben den zarten, detailreichen Illustrationen aus Tusche und Aquarellfarben gibt es zu jedem Vogel Informationen zum lateinischen Namen, zur Körperlänge und Flügelspannweite, zur Lebensweise sowie zu jeweiligen spezifischen Besonderheiten. So erfahren wir zum Beispiel, dass Blaumeisen mitunter in Briefkästen nisten, dass Sperlinge keine Zugvögel sind, aber in Schwärmen leben, dass Stieglitze ihren Namen dem Lautbild ihres Rufes „Stiglit-stiglit“ zu verdanken haben, dass Kolkraben die weltweit größten Singvögel sind, dass das australische Prachtstaffelschwanz-Männchen sein auserwähltes Weibchen mit selbstgepflückten gelben Blüten zu beeindrucken versucht, dass Buntspechte mit bis zu 20 Schlägen pro Sekunde auf Holz trommeln, dass die Rufe des Uhus bis zu 5 km weit zu hören sind, dass das Nest eines Kolibris in eine halbe Nussschale passt oder dass der hellrote Ara ein Vegetarier ist.

Ein wunderschön gestaltetes und sehr interessantes Nachschlagewerk für alle, die noch weitaus mehr  über Vögel als dass diese fliegen können und Eier legen, wissen wollen.

 

Rabe, Buntspecht, Pinguin

Die Welt der Vögel

von Virginie Aladjadi (Text) und Emmanuelle Tchoukriel (Illustration)

Gerstenberg, 2019

 

Am Sonntag, als das Ei aufging

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Drei  Vorlese- oder auch wegen extra großer Schrift Selbst-Lese-Geschichten vom wunderbaren  Autoren-Illustratoren-Duo Lorenz Pauli und Kathrin Schärer sind unter dem Spannung versprechenden Titel, welcher inhaltlich die erste und letzte Geschichte miteinander verbindet, in einem handlichen Büchlein mit blauem Einband versammelt. Die  ebenfalls Spannung aufbauende Coverillustration zeigt die Protagonisten der Geschichten – Bär, Igel, Vogel, Katze und Hamster – von hinten auf einem sich vom Gewicht des Bären bereits verbiegenden Holzgatter sitzend, über ihnen wie ein Mond am Himmel ein überdimensionales Ei  kurz vor dem Aufplatzen – und verrät hier schon einiges  darüber, was in den Geschichten eine nicht unbedeutende Rolle spielen wird: Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt und hinsichtlich schwer vereinbarer Gegensätze  vielleicht auch ein wenig Konfliktpotential. Während Bär und Igel in ein liebevolles Gespräch oder Katze und Vogel in ihre Gedanken vertieft zu sein scheinen, wendet sich der Hamster, gleichsam einladend zur Lektüre, dem Lesepublikum zu.

Die erste Geschichte („Nach dem Fest“) lässt uns an den philosophischen Betrachtungen der liebevoll verbundenen Freunde Bär und Igel teilhaben. Ein schönes Fest (wahrscheinlich das Geburtstagsfest des Bären) liegt hinter ihnen, alle anderen Gäste sind schon gegangen. Etwas Melancholie liegt in der Luft, als der Bär über den Lauf der Dinge sinniert, dass jetzt die Nacht komme und dann ein neuer Tag, und was dann?  Aus dem Dialog der beiden Freunde entspinnt sich, während sie  in ihre Überlegungen versunken nebenbei mit allerlei Früchten wie Hagebutten, Beeren und Eicheln spielen, ein Gedankenspiel, bei dem sie von Wochentagen zu Monaten und Jahreszeiten kommen, bis sie darüber sinnieren, dass es im nächsten Dezember, in 365 Tagen, wieder ein solches Fest geben werde, auf das sie sich jetzt schon freuen. Und besser, als so lange warten zu müssen, ist erst einmal Winterschlaf zu halten. Bevor sie sich ihren Träumen hingeben, vergewissert sich der Igel noch, dass in den Träumen des Bären ein Platz für ihn ist. Wie rührend!

Die zweite Geschichte („Wanda will weg“)erzählt von einem pfiffigen und abenteuerlustigen Hamster, der einen (Einkaufs-) Zettel gefunden hat, diesen als Einladungsschreiben seines Onkels deklariert, seine Sachen packt und auf Reisen geht. Unterwegs erweist sich der Zettel dank Wandas Gewitztheit als überaus nützliches Requisit, das vor Gefahren schützt und für Essen sorgt und  letztendlich sogar dabei hilft, einen neuen Freund zu finden.

Die dritte Geschichte („Eine schlimme Geschichte“), in welcher ein Vogel ein riesiges Ei ausbrütet und das darin befindliche Wesen liebevoll aufzieht, bis es dieses Wesen wegen makabrer Verhaltensweisen , aber  noch immer in Liebe entlässt,  ist, wie der Titel schon vermuten lässt, keine mit rundum glücklichem Ausgang und dennoch -möglicherweise – glücklich machend, weil das Ende der Geschichte gleichzeitig der Anfang einer neuen Geschichte, einer die wir uns selbst ausdenken sollen.

Liebenswerte Illustrationen, welche die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten auf einzigartige Weise vermitteln, begleiten die drei Bilderbuchgeschichten, die viel zu schön und vielschichtig sind, um sie nur ein einziges Mal oder allein zu lesen.

 

Am Sonntag, als das Ei aufging

Drei Geschichten von Lorenz Pauli (Text) und Kathrin Schärer (Illustration)

Atlantis (Orell Füssli), 2019

Als die Tiere im Wald noch nackig waren

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Dass es sich bei diesem entzückenden Bilderbuch  mehr um eine mit einem gehörigen Augenzwinkern (vor-) zu lesende Geschichte und eher weniger auf zoologische Wissensvermittlung gerichtete Kinderliteratur handelt, wird schnell auch den ganz Kleinen klar, wenn sie hören und sehen, dass die Tiere des Waldes früher alle nackig waren und – ohne Fell oder Gefieder – genau das taten, was Waldtiere eben normalerweise so  machen: sich in der Sonne bräunen lassen oder Federballspielen zum Beispiel. Wenn man sich dazu noch die urkomischen Illustrationen der haar- und federlosen Tiere näher betrachtet, ist das Kichern schon auf der ersten Doppelseite garantiert.

In Anbetracht des nahenden Herbstes und der darauf unvermeidlich folgenden Kälte des Winters probieren die Tiere allerlei Möglichkeiten aus, sich zu wärmen – etwa durch kräftiges Schütteln einen Baum zu entlauben, um sich dann in den entstehenden Blätterhaufen zu kuscheln oder sich gemeinsam in Eules  Schal- oder Sonnentuch zu wickeln. Dumm nur, dass man dann nicht mehr so gut Federballspielen kann …

Was also tun? Der Biber weiß zum Glück Rat, denn er betreibt unweit des Waldes eine kleine Schneiderei und hat noch einige Stoffe übrig.  Nun dürfen sich die Tiere alle  etwas aussuchen, aus dem der Biber wärmende Kleider schneidert: für den Igel einen gelben Stoff mit Streifen, für den Tiger lange spitze Stacheln, für den Frosch eine Federboa, etwas Grünes für die Eule, etwas Flauschiges für die Schlange, etwas Enges für den Bären und etwas Weißes für die Schnecke. Doch bald stellt sich die neue Kleidung als ziemlich unpraktisch heraus. Die kluge Eule aber findet die Lösung und lädt zu einer lustigen Kleidertauschparty ein, auf der solange nach Herzenslust getauscht wird, bis alle letztendlich zufrieden sind. Nun wissen wir endlich des Rätsels Lösung, wie die Tiere zu ihren Fellen kamen und darüber hinaus endlich auch, was sie sonst noch so heimlich tun, wenn keiner hinschaut. Und als besonderes Sahnehäubchen gibt es noch eine kleine Überraschung am Buchende: dort findet sich ein eingelegter Anziehpuppen-Bastelbogen zum Ausschneiden, mit dem man nackige Bären und Tiger lustig einkleiden kann, vielfach kombinierbar im Schuppen- oder Streifenlook und für darunter sogar wahlweise eine Herzchen- oder eine Leopardenmuster-Unterhose. Das sorgt für zusätzlichen Spaß und bringt auf viele weitere kreative Ideen für Tiger- oder Bärenmode mit entsprechenden Accesoires.

Ein ziemlich witziges und  originelles, rundum gelungenes Bilderbuch, an dem Kleine und auch Größere große Freude haben und immer wieder neue lustige Details entdecken können.

 

Elfe Marie Opiela

Als die Tiere im Wald noch nackig waren

annette betz, 2019

Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Zusammen mit Professor Albert, einem rundlichen, weißhaarigen und -bärtigen , Einstein nicht unähnlichem Wissenschaftler entdecken wir bzw.  stellvertretend für uns,  aufgeweckte Kinder wie neugierig gebliebene Erwachsene gleichermaßen, ein wissbegieriges kleines Mädchen mit Pferdeschwanz-Frisur begeben wir uns auf eine spannende Entdeckungsreise in die erstaunliche Welt der Quantenphysik. Ohne diese nämlich wären Erfindungen, denen wir mittlerweile wie selbstverständlich in unserem Alltag begegnen, wie Smartphone und Computer, Röntgenaufnahmen, LED-Lampen, Lasergeräte, Mikrowellen- oder Induktionsherde nicht möglich gewesen oder künftige Entwicklungen wie Nanoroboter oder Teleportation nicht vorstellbar.

Zur Einführung in die faszinierende Thematik werden Modelle verschiedener Kulturen zum Weltverständnis vorgestellt. Mit Newton und Galilei begann eine wissenschaftliche Betrachtung der Rätsel der Welt. Newtons Gravitationsgesetz zum Beispiel konnte nun wissenschaftlich erklären, warum Dinge zu Boden fallen oder Planeten um die Sonne kreisen und seine drei Bewegungsgesetze begründen, wie und warum sich Dinge bewegen. So lassen sich mit Naturgesetzen fast alle Erscheinungen mathematisch erklären. Die Forschungen von Max Planck, der Quanten als unteilbare Energiepakete beschrieb, ließen erahnen, dass die Welt noch ganz anderen Gesetzen gehorcht, als bisher vermutet wurde. Über Rückblicke auf die Geheimnisse des Lichts und dessen merkwürdiges Verhalten erfolgt eine Annäherung an die Quantentheorie.

Der Aufbau der Atome und Moleküle und das Periodensystem der Elemente werden, begleitet von zahlreichen, hervorragend gestalteten farbigen Abbildungen, ebenso erklärt wie atomare Spektren, erste Vorstellungen vom quantisierten Atom, das Doppelspaltexperiment, der eigenartige Versuchsaufbau mit Schrödingers Katze, Heisenbergs Unschärferelation, das Geheimnis der Antimaterie, Quantenverschränkung, Radioaktivität, Tunneleffekt und Teilchenbeschleuniger – und zwar erfreulicherweise so, dass auch physikalische Laien etwas damit anfangen können, erhellende Aha-Effekte erleben und vielleicht sogar ein wenig  mehr Begeisterung für Physik entwickeln können.

 

Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik

Sheddad Kaid-Salah Ferron/Eduard Altarriba

Knesebeck, 2019