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Über chamaleonsbuchblog

Das ChaMALeon ist Maskottchen der Kunstwerkstatt MALKASTL, einem Raum für kreatives Denken und Tun, Experimentieren und Entspannen. Aus dem prallgefüllten Atelier-Bücherregal präsentiert es seine Entdeckungen. www.MALKASTL.de

Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Zusammen mit Professor Albert, einem rundlichen, weißhaarigen und -bärtigen , Einstein nicht unähnlichem Wissenschaftler entdecken wir bzw.  stellvertretend für uns,  aufgeweckte Kinder wie neugierig gebliebene Erwachsene gleichermaßen, ein wissbegieriges kleines Mädchen mit Pferdeschwanz-Frisur begeben wir uns auf eine spannende Entdeckungsreise in die erstaunliche Welt der Quantenphysik. Ohne diese nämlich wären Erfindungen, denen wir mittlerweile wie selbstverständlich in unserem Alltag begegnen, wie Smartphone und Computer, Röntgenaufnahmen, LED-Lampen, Lasergeräte, Mikrowellen- oder Induktionsherde nicht möglich gewesen oder künftige Entwicklungen wie Nanoroboter oder Teleportation nicht vorstellbar.

Zur Einführung in die faszinierende Thematik werden Modelle verschiedener Kulturen zum Weltverständnis vorgestellt. Mit Newton und Galilei begann eine wissenschaftliche Betrachtung der Rätsel der Welt. Newtons Gravitationsgesetz zum Beispiel konnte nun wissenschaftlich erklären, warum Dinge zu Boden fallen oder Planeten um die Sonne kreisen und seine drei Bewegungsgesetze begründen, wie und warum sich Dinge bewegen. So lassen sich mit Naturgesetzen fast alle Erscheinungen mathematisch erklären. Die Forschungen von Max Planck, der Quanten als unteilbare Energiepakete beschrieb, ließen erahnen, dass die Welt noch ganz anderen Gesetzen gehorcht, als bisher vermutet wurde. Über Rückblicke auf die Geheimnisse des Lichts und dessen merkwürdiges Verhalten erfolgt eine Annäherung an die Quantentheorie.

Der Aufbau der Atome und Moleküle und das Periodensystem der Elemente werden, begleitet von zahlreichen, hervorragend gestalteten farbigen Abbildungen, ebenso erklärt wie atomare Spektren, erste Vorstellungen vom quantisierten Atom, das Doppelspaltexperiment, der eigenartige Versuchsaufbau mit Schrödingers Katze, Heisenbergs Unschärferelation, das Geheimnis der Antimaterie, Quantenverschränkung, Radioaktivität, Tunneleffekt und Teilchenbeschleuniger – und zwar erfreulicherweise so, dass auch physikalische Laien etwas damit anfangen können, erhellende Aha-Effekte erleben und vielleicht sogar ein wenig  mehr Begeisterung für Physik entwickeln können.

 

Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik

Sheddad Kaid-Salah Ferron/Eduard Altarriba

Knesebeck, 2019

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Paul und der Krieg

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Im Februar 1943 mitten im kalten Winter während des zweiten Weltkrieges werden der fünfzehnjährige Paul Haentjes   und seine Mitschüler aus einer Kölner Schule wie deutschlandweit  34000 andere Jungen zwischen 15 und 17 Jahren aus ihrem Schüler-Alltag herausgerissen und als Luftwaffenhelfer der Flak (= Flugabwehrkanonen) einberufen.

Zunächst ist es Spannung und Abenteuerlust, die in der Luft liegt, als sich die Jungen der Klasse 6 der Oberschule (entspricht der heutigen Klasse 10) in Erwartung der neuen Aufgabe an der Bahnstation versammeln.  Über seine Zukunftspläne nach dem Abitur hat Paul sich zu diesem Zeitpunkt noch keine allzu konkreten Vorstellungen, vielleicht würde er  einmal Architektur studieren  oder Journalist werden wollen. Doch nun muss das Schmieden von Zukunftsplänen erst einmal in den Hintergrund treten, im Kriegsgeschehen zählen mehr die ständige Sorge um die Angehörigen und Freunde, den nächsten Tag oder das Überleben an sich, wie Paul bald merken wird.

Nachdem bei der Schlacht um Stalingrad 150 000 deutsche Soldaten ums Leben kamen und weitere 110 000 in Gefangenschaft gerieten, braucht die deutsche Wehrmacht dringend neue Kämpfer. Die bisherigen Soldaten der Luftabwehr werden ins Feld abkommandiert und sollen durch Schüler wie Paul ersetzt werden.

Pauls Erlebnisse in den darauf folgenden zwei Jahren bis zum Kriegsende werden anhand von Briefen an seinen Bruder Werner, zeitgeschichtlichen oder privaten Fotografien und Dokumenten, Erklärungen zur Einordnung der historischen Zusammenhänge und Erläuterungen der Autorin, der Tochter von Paul, auf höchst interessante und anschauliche Weise den jugendlichen Leser*innen nahegebracht. Auch Pauls allmähliche Wandlung vom indoktrinierten Hitlerjungen zum durch die erlebten Schrecken des Krieges zunehmend nachdenklicher und erwachsener werdenden Soldaten werden eindrücklich deutlich.

Pauls zeitlebens gepflegtes Hobby des Sammelns, Archivierens und Fotografierens und seine zahlreichen Briefe liefern die Basis für das dokumentarische Buch der Tochter über den Vater als einen Stellverteter der immer rarer werdenden Zeitzeugen und als eine Quelle der Vermittlung historischer Ereignisse und Zusammenhänge, die hoch interessant für das jugendliche Lesepublikum, aber auch weit darüber hinaus,  vermittelt werden und sich als Mahnung vor den Grauen eines Krieges ins Gedächtnis einschreiben, mehr als es je ein trockenes Lehrbuch vermag.

 

Paul und der Krieg

Als15-jähriger im Zweiten Weltkrieg

von Dorothee Haentjes- Holländer

arsEdition, 2019

 

Alles war See

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Eine Frau und ein Mann leben in scheinbar idyllischer Beschauligkeit  und liebevoller gegenseitiger Achtsamkeit zusammen mit ihren Tieren – Hühner, Katze, Hund, Tauben, Schafe und Kaninchen – in einem alten kleinen Haus, welches sie lieben, hegen und pflegen ebenso wie ihre Tiere und den umgebenden Garten. Eigentlich ist es an der Zeit, den Blumenkohl zu pflanzen, aber draußen tobt der Sturm …

Alle, der Mann und die Frau und ihre Tiere, müssen im schützenden Haus bleiben. Als der Sturm vorüber ist, merken sie, dass das Hausdach repariert werden muss und sie machen sich an die Arbeit. Sie schmieden Pläne für ein neues Haus unten am See und setzen sie alsbald in die Tat um, der Blumenkohl muss weiter warten. Als das nächste Unwetter mit sintflutartigem Regen alles unter Wasser setzt, beschließen sie, das neue Haus ganz oben auf den Berg zu versetzen und schaffen das scheinbar Unmögliche mit vereinten Kräften, selbst die Tiere helfen mit. Doch auch da steigt das Wasser bedrohlich an, so dass sie wieder einen Umbau beschließen. Mehr und mehr nimmt das Haus die Gestalt eines Schiffes an – einer Art Arche Noah, die nun auch die aus Wald und Feld vor dem Wasser flüchtenden Tiere aufnimmt.

Als alles um sie herum zum See wird, löst sich das Haus-Schiff vom Berg und schwimmt davon, hin zu neuen Ufern und zu einem neuen Anfang in einer neuen mediterran aussehenden Heimat , in der sie wieder glücklich zu sein scheinen  und glauben, dass alles gut werden wird und wo sie beschließen, dem Schiff noch Flügel zu bauen – und so der Blumenkohl weiter warten muss.

Die wie eine biblische Metapher anmutende poetische Geschichte wird begleitet von wunderbaren Bildern, die teilweise recht humorvoll und in hervorragender künstlerischer Qualität noch weitaus mehr als der Text erzählen und die märchenhafte Handlung illustrieren.  Die nahende Bedrohung durch Naturgewalten (automatisch drängt sich hier ein Bezug zum Klimawandel auf) wird weder verharmlost, noch wird je die Hoffnung auf neue Lösungen aufgegeben. Die treibende Kraft dabei aber, trotz aller Widrigkeiten nie mutlos zu werden oder gar aufzugeben, scheint allein eine allumfassende Liebe zu sein.

Alles war See

Text: Lorenz Pauli

Illustration: Sonja Bougaeva

atlantis, 2019

 

Hackes Tierleben

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Axel Hackes Tierkunde-Klassiker von 1995 gibt es wieder- aktualisiert und in neuem Format.

Ob der Leser oder die Leserin nun ausgesprochenen tierlieb ist oder eher tierfern lebt – nach der Lektüre (für Hacke-Fans natürlich Pflichtliteratur) wird man das Buch, welches sich mit 26 mehr oder weniger ernstgemeinten oder wissenschaftlich fundierten Charakterstudien und Psychogrammen von Tieren befasst, die Michael Sowa mit wunderbaren Illustrationen begleitet, liebevoll in seine Bibliothek einreihen oder als Geschenk an liebe Freunde weiterreichen wollen, um sie mit dem Hacke-Virus zu infizieren.

Eine Hommage gilt der Giraffe, der das Buchcover gewidmet ist – dem  stillen Tier, welches den Wolken Gedichte zuflüstert. Ebenso dem berühmtesten deutschen Wellensittich Putzi Ragotzi, dessen Sprachschatz 300 Wörter umfasste und der Worte wie Schnupperle und Pupperle  eigenständig zu Schnuppupperle zusammensetzen konnte, gilt es einfach gebührende Aufmerksamkeit und bleibendes Gedenken zu schenken.

Hackes nachdenkliche Betrachtungen über den sich ganzjährig mit Paarungsvorbereitungen befassenden Rothirsch münden in Überlegungen zur Sicherung von Filmrechten für einen potentiellen Hollywood-Schinken, in dem der von den Rehen unverstandene, von den Hirschen geächtete und von den Feldhasen verlachte kahlköpfige Hirschbock wirren Gemüts auf einer verschneiten Lichtung in den Armen seines Revierförsters verendet. Wem würde es angesichts dieser Vorstellung nicht Tränen in die Augen treiben? Doch damit nicht genug – das Sinnieren über die bildliche Vorstellung eines Geweih-bewehrten Menschen-Mannes, dem Hacke schlussendlich gar eine Art Freud´schen Geweih-Neids unterstellt, der eine Herausforderung für die heimische Hut-Industrie oder das Friseurhandwerk und problematisch in der U-Bahn oder beim Fahren japanischer Autos wäre, andererseits aber neue Möglichkeiten für das Tragen von Aktentaschen mit sich brächte, bringt uns zum Philosophieren und den zu Lachkrämpfen Neigenden an die Grenzen des Aushaltbaren.

Betrachtungen zum Wal führen neben dem Ausdenken von Bestrafungsszenarien für walfangende Nationen zur nüchternen Feststellung, dass ein Pottwal einen Mann im Ganzen schlucken könne, umgekehrt aber, falls der Mensch einen Pottwal essen wolle, diesen kleinschneiden müsse – die Rückkehr aus dem Magen des Fressenden also nur in dem einen Fall theoretisch möglich wäre. Wie gut zu wissen.

Wie rührend die Geschichte vom treuen Regenwurm Erich, der unter der Erde all unsere Wege verfolgt, um ab und zu gegen unseren großen Zeh zu stubsen. Poetisch fabuliert Hacke über eine geheime Regenwurmwelt nahe am Erdmittelpunkt, wo die Würmer an der Garderobe ihre braune Haut abgeben, aus dieser ein wunderschönes regenbogenfarbenes Geschöpf zum Vorschein kommt, um Regenwurmorgien zu feiern. Rechtzeitig bevor wir weiter in schwärmerisches Sinnieren abgleiten, werden wir mit der Feststellung, dass die Erde letztlich nichts als ein gigantischer Haufen Regenwurmscheiße ist, in die Realität zurückgeführt.

Erhellend auch das Wissen um die Bedeutung des Goldhamsters, der tausendfach in Laufrädern  radelnd  in Kellern unter Finanzfilialen diese mit Strom versorgt und zu der Überlegung Anlass gibt, ob von der unverschämten Gebührenpolitik der Banken Enttäuschte dereinst erbost die Hamsterkeller in Frankfurt stürmen.

Bewundernd betrachten wir die multiplen Fähigkeiten des sich entsprechend seiner Gemütslage lila vor Behagen verfärbende Chamäleon, welches auf dem Sofa liegend mit dem linken Auge einen Liebesfilm sehend und mit dem rechten Auge ein Buch lesend dann und wann seine Schwungfederzunge in die Schale mit den Kartoffelchips hinüberhüpfen lässt – ein Sinnbild des Genusses!

Ebenso genüsslich sollten wir uns dieser Lektüre widmen, die uns neben den genannten noch über Charakteristiken vieler weiterer Tiere wie Bären, Flamingos, Schafe, Kakerlaken, Hyänen, Hühner, Heringe, Möpse und anderer Arten aufklärt und schmunzeln lässt und uns  nie mehr Matjes nach Hausfrauenart ohne schlechtes Gewissen verzehren oder Schokohasen im Kühlschrank neben der Wurst aufbewahren lässt.

 

Hackes Tierleben

Text: Axel Hacke

Illustration: Michael Sowa

Verlag: Kunstmann, 2019

Dornröschen

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Es gibt Bücher, die möchte man wie kleine Kostbarkeiten behandeln – das Märchenbilderbuch „Dornröschen“ von Christina Laube und Mehrdad Zaeri ist so eines.

Wie schon das vorangegangene „Aschenputtel“ (Knesebeck, 2016) ist das frei nach den Gebrüdern Grimm nacherzählte Märchen vom Dornröschen begleitet von atemberaubend schönen Scherenschnitten und silhouettenartigen Illustrationen, welche wunderbar mit dem Text und der Buchgestaltung samt Schutzumschlag korrespondieren und beim Umblättern der Buchseiten eindrucksvolle Spiele mit Licht und Schatten ermöglichen.

Die Dimension des rauschenden Festes, welches das Königspaar zur großen Freude über die Geburt der langersehnten Tochter ausrichtet, wird augenblicklich deutlich durch die unzähligen Silhouetten emporgereckter Hände, die im Überschwang des Feierns Hüte, Blumen und Girlanden in die Höhe werfen. Auch zwölf Feen – diese in unterschiedlichen Erscheinungsformen nebeneinander aufgereiht in einem Scherenschnitt – sind zum Fest geladen und beschenken allesamt das gefeierte Kind mit guten Wünschen. Die dreizehnte Fee aber wird wegen des fehlenden dreizehnten goldenen Tellers ausgeladen. Dennoch erscheint sie zum Fest und verkündet aus Wut über den Affront ihren unheilvollen Fluch, den die letzte der guten Feen nur noch etwas abmildern, aber nicht aufheben kann: Im Alter von 15 Jahren soll sich die Königstochter an einer Spindel stechen und mitsamt dem ganzen Hofstaat in einen hundertjährigen Schlaf fallen.

Ausdrucksstark ist das Bild der unzähligen aufgetürmten Spinnräder, welche der König in seiner verständlichen Sorge um die Königstochter vernichten lassen will. Eines jedoch übersah der König und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Die um das in den Schlaf versunkene Königshaus bedrohlich wuchernde Dornenhecke wird fühl- und greifbar in den nun folgenden Scherenschnitten (die sich beim Blättern jedoch leider recht schnell mal ineinander verhaken – hier ist Fingerspitzengefühl beim Entwirren des filigranen Geflechts gefragt oder aber vorsorglich ein Blatt Papier zum Dazwischenlegen). Mit den Jahren wird das Ereignis zur Legende. Nach hundert Jahren aber -wieder einmal ist ein Königssohn (auf einem prächtigen Scherenschnitt-Ross) unterwegs zum Dornröschen-Schloss – tut sich ein Meer von duftenden Rosen vor dem Prinzen auf und macht den Weg frei zur schlafenden Prinzessin, welche durch seinen Kuss erwacht und mit ihr das ganze Königreich. Und wieder wird ein rauschendes Fest gefeiert.

Ein Fest für die Sinne ist auch diese märchenhaft schöne Bilderbuch-Kostbarkeit, die beim Betrachten ein ästhetisches Erlebnis verspricht.

 

Dornröschen

von Christina Laube und Mehrdad Zaeri

Knesebeck, 2019

Fredy flunkert

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Dass dem gängigen Sprichwort gemäß Lügen kurze Beine haben, wird im Untertitel dieses Bilderbuchs zum Thema Flunkern in „Lügen haben lange Hälse“ umgedeutet – der langen Lama-Hälse wegen.

Lama Fredy, der Buchheld, immer „gut drauf“ und „voll cool“, flunkert, dass die Funken fliegen. Zum Beispiel, als er seinem Freund und Mitbewohner Fauli, dem Faultier, voller Stolz berichtet, dass das Konzert mit seiner Lama-Rockband „The Dalai Lamas“ ein voller Erfolg und komplett ausverkauft gewesen wäre und er nun einen Plattenvertrag in der Tasche hätte. Oder dass er als Schuhverkäufer auf dem Markt ebenfalls überaus erfolgreich war. Oder dass er mit drei hübschen Lama-Damen zum Essen verabredet wäre. All das findet Fauli ziemlich seltsam, als er erfährt, dass das Rockkonzert ein Flop war oder entdeckt, dass sich im Wandschrank die unverkauften Schuhe stapeln. Die Vermutung, dass wohl auch die Verabredung mit den drei Lama-Damen, die Fredy seinem Freund nach dessen Bericht über ein bevorstehendes romantisches Picknick mit Faultierdame Lola entgegengesetzt hat, frei erfunden oder zumindest reichlich übertrieben war, liegt nahe. Nach Faultier-Art ist Fauli das tiefer gehende Nachdenken darüber allerdings meist auch etwas zu anstrengend. Als Fredy dann aber auch noch von seinem Ufo-Flug berichtet, wird es selbst dem trägen Fauli zu viel und er zieht wütend aus und bei der neuen Freundin Lola ein, ohne zu ahnen, dass Fredy diesmal die Wahrheit gesagt hat. Die Erkenntnis, dass es trügerisch ist, mehr gemocht zu werden, wenn man erfolgreich ist, stellt sich alsbald ein und mit großem Lama-Ehrenwort verspricht Fredy seinem Freund Fauli, ihn nie mehr anflunkern zu wollen.

Die Gegensätzlichkeiten der beiden tierischen Charaktere und die Folgen ihres Tuns werden schlüssig und humorvoll in Wort und Bild herausgearbeitet, wenn auch die Story insgesamt etwas zu sehr konstruiert und vordergründig auf Coolness getrimmt wirkt. Im Vor-und Nachsatz sind interessante „coole Facts“ über Lamas und Faultiere nachzulesen, welche in der eigentlichen Bilderbuchgeschichte dann nur in Ansätzen aufgegriffen werden. Das Potential für weitere lustige Bilderbuch-Stories mit den beiden trotz ihrer Schwächen sympathischen Buchhelden ist auf jeden Fall vorhanden.

Idee, Text, Illustrationen: Jaqueline Kauer

Idee, Text, Buchgestaltung: Daniel Kauer

Kalea Books, 2018

Mein Jimmy

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Pressetermin des Tulipan-Verlags in München,  Arena-Kino: Dem feuchtkühlen Januarabend steht erwärmende Vorfreude  zur Bilderbuchpremiere von „Mein Jimmy“ entgegen. Im Foyer wärmen sich die buchaffinen Gäste an heißen Getränken und nehmen dabei den Bücherstapel in Augenschein. Das in zurückhaltender Farbigkeit gestaltete Cover des neuen Bilderbuches zeigt das Porträt eines Nashorns, zwischen dessen Nasen-Hörnen sich breitbeinig ein keckes Vögelchen justiert hat und dem Nashorn direkt in die Augen blickt. Aus dem Blickwechsel der Beiden scheint eine tiefe Vertrautheit zu sprechen. Vertrauen und ewige Verbundenheit sind auch das Grundthema des Bilderbuches.

In der Geschichte blickt Hacki, der Madenhacker, nachdem er sich  von seinem geliebten Beschützer und Freund Jimmy, dem alten Nashorn, mit dem er anfangs so manches Abenteuer erlebte, welches  dann aber immer schwächer wurde und sich eines Tages für immer zur Ruhe legen musste, trennen muss,  auf die gemeinsam erlebte Zeit  zurück.

Zur Premiere anwesend sind der Autor Werner Holzwarth mit seinem Sohn Tim und der Illustrator Mehrdad Zaeri. Holzwarth spricht vor der Lesung zur Vorgeschichte der Buchentstehung, zu deren Beginn der Autor 67 Jahre und sein Sohn 5 Jahre alt waren. Er hat die berührende Geschichte von Jimmy und Hacki, eine Geschichte über das Leben, zu dem das Sterben ebenso gehört wie Freude und Trauer, im Bewusstsein über die eigene Endlichkeit und die relative zeitliche Begrenzung der bevorstehenden gemeinsamen Zeit für seinen  Sohn geschrieben , dem er vermitteln wollte, dass Beides, Glück ebenso wie Trauer,  seine Zeit hat, dass man auch nach der Zeit der Trauer wieder glücklich sein kann und darf. Mit Begeisterung hatte der Sohn damals die vom Vater vorgelesenen Szenen der Geschichte in bemerkenswert ausdrucksstarke Zeichnungen umgesetzt, von denen es nun einige zu bewundern gibt. Auch der BuchiIllustrator Mehrdad Zaeri, der anschließend mit dem inzwischen einige Jahre älteren Tim in ein  ernsthaftes wie humorvolles und auch zeichnerisch-praktisches Zwiegespräch  tritt, ist begeistert von Tims Zeichnungen. Schön, dass es zwei von Tims ursprünglichen Zeichnungen nun auch im Vorsatz des fertigen Buchs gibt, sie rahmen die Geschichte gewissermaßen ein.

Die Verlegerin Mascha Schwarz erzählt davon, dass sie vom Buchmanuskript sofort tief berührt  und fest entschlossen war, dieses Buchprojekt zu realisieren. Dass es nicht unmittelber dazu kam, liegt nicht zuletzt an der Arbeitsweise des Wunsch-Illustrators Zaeri, für den, wie er selbst sagt, die Bildideen zu einem Buch erst eine Zeit reifen müssen – und das dauere bei ihm eben etwa zwei Jahre. Dennoch sollte es dieser und kein anderer Illustrator für sein Buch sein, betont Holzwarth. Die Zeit der Reife ist den immer sehr tiefgründigen und berührenden Zeichnungen von Mehrdad Zaeri  durchaus anzusehen. Eine beeindruckende und sehr inspirierende Kostprobe seiner Arbeitsweise führt der Illustrator dann auch gleich mal live dem Publikum vor: Beginnend mit blind gekritzelten Liniengebilden und Strukturen entwickelt er daraus erste Bildideen und verknüpft diese mit weiteren sich spontan einstellenden zeichnerischen und philosophischen Eingebungen – und schon ist in wenigen Minuten eine unverkennbare Mehrdad-Zaeri-Illustration in ihrer typischen, ganz eigenen  Bildsprache entstanden.

Das nun entstandene Gemeinschaftswerk ist, trotz der traurigen, aber auch humorvollen Geschichte, ein zutiefst berührendes Buch über das Leben, welches alle Altersstufen gleichermaßen anzusprechen vermag und zeigt, dass innige Verbundenheit nicht mit dem Tod endet.

Text: Werner Holzwarth

Illustration: Mehrdad Zaeri

Verlag: Tulipan, 2019

Napoleon Chamäleon

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Napoleon, das Chamäleon, lebt im tiefsten Dschungel auf einem schicken Ast (Gibt es „schicke“ Äste?). Mindestens so schick wie sein Ast ist Napoleon selbst. Da er nach Chamäleon-Art ein Meister der Tarnung ist, wird er jedoch meist übersehen – und genau das ist sein Problem.

Denn Napoleon hätte gerne Freunde wie Papagei Polly oder Affe Micky. Um von ihnen bemerkt zu werden, gibt sich der niedliche kleine Kerl alle erdenkliche Mühe: er macht Komplimente, winkt, scharwenzelt, präsentiert sich in den schönsten Farben, flicht aus Zweigen eine Matte mit „Hallo“-Schriftzug, baut für Papagei Polly eine Trompetenblumen-Vogeltränke, beginnt gar zu schielen. Alles vergebens, keiner scheint das arme Chamäleon  zu sehen. Nun setzt Napoleon noch eins drauf und versucht es mit einem Kopfstand, um Aufmerksamkeit zu erregen. Als dieser final misslingt , Napoleon abstürzend mit seiner langen klebrigen Zunge in den Zweigen hängenbleibt und aus der misslichen Lage heraus die potentiellen Freunde lispelnd um Hilfe bittet, werden sie auf ihn aufmerksam und bemerken seine schönen Farben. Endlich hat Napoleon in Polly und Micky Freunde gefunden, die ihn mögen und mit ihm spielen. Am liebsten spielt er Verstecken, und das kann er ja auch besonders gut. Man freut sich wirklich mit, dass Napoleons Bemühungen schließlich doch, wenn auch auf Umwegen, zum Ziel geführt haben.

Und doch komme ich ins Grübeln über sich aufdrängende Fragen: Muss mir erst ein Missgeschick passieren, damit ich endlich gesehen werde? Wenn die Tiere Napoleon aus nachvollziehbaren Gründen schon nicht SEHEN, warum HÖREN sie ihn aber auch nicht, als er sie direkt anspricht? Warum übersehen sie sein Flechtwerk und die Vogeltränke? Warum steht im Text, dass niemand hinschaut, wenn im Bild sehr wohl jemand, nämlich ein Kolibri, hinschaut? Ist das Absicht? Vielleicht ist das Leben eben einfach manchmal ungerecht und Glück mitunter dem Zufall überlassen? Oder aber soll die Erkenntnis reifen, dass man sich nicht krampfhaft verbiegen sollte, um Freunde zu finden, sondern einfach so sein, wie man wirklich ist? Aber genau das hat Napoleon getan. Oder nicht? Man weiß es nicht genau … ist aber auch nicht wirklich schlimm, denn über Fragen lässt sich herrlich philosophieren.

Auch wenn sich mir die Botschaft (Braucht es überhaupt eine solche?)nicht eindeutig erschließen will und einige Fragen offen bleiben, ist es ein schönes, farbenfrohes Bilderbuch zum Schauen und Entdecken mit einem herzallerliebsten Helden, für den man sich freut, dass er zu guter Letzt endlich gesehen wird und Freunde findet.

 

Text: Kurt Cyrus, Andy Atkins

Illustration: Christine Faust

Verlag: Magellan, 2019

MONSTA

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Monsta, das blaue Fellknäuel namens Harald (welch herrlich unpassender Monster-Name!) auf zwei dünnen Beinchen gibt sich alle erdenkliche Mühe, monstermäßig Angst und Schrecken bei seinem „Kint“ zu verbreiten, aber: das Kind, welches sich Monsta zum Erschrecken extra ausgesucht hat und unter dessen Bett eingezogen ist, um dort diensteifrig seiner geregelten Arbeit nachzugehen, obwohl es als Nachkomme des weltbesten Yeti-Erschreckers und größten Gruslers aller Zeiten beste Chancen auf eine Karriere in Gruselkabinetten oder Folterkammern gehabt hätte, dieses Kind gruselt sich einfach nicht!

Dabei hat Monsta alles versucht, das ganze Monster-Standard-Reportoire aufgeboten, hat jede Nacht gerüttelt, gegrollt, gefletscht und geklappert, seine Zähne gefeilt, Masken gebaut, sein Fell aufgestellt, an Pfosten genagt, Türen quietschen und Knochen knacken lassen, Puppen versteckt, an der Decke gezerrt … nichts, aber auch gar nichts ist passiert. Welche Tragik für ein Monster! Es schließt daraus, dass mit dem „Kint“, das sich nicht gruselt, das trotz aller seiner Bemühungen einfach seelenruhig weiterschläft, etwas nicht stimmen kann. Und so gibt sich Monsta weiter Mühe und setzt noch eins drauf, um das Grauen wachsen und gedeihen zu lassen, legt Monsterfell in den Bauchnabel des Kindes, verknotet dessen Haare, trainiert Augenrollen, verstellt seine Stimme, lässt sich spinnengleich von der Decke hängen und wagt todesmutige Sprünge aufs Kinderbett – dennoch: nichts! Schließlich, als auch diese Bemühungen nicht fruchten, gibt das arme Monster enttäuscht auf, es kündigt und schreibt seinem „Kint“ noch einen erklärenden Abschiedsbrief, bevor es sein Monsterglück anderswo suchen wird und verschwindet.

Die Sympathien des Bilderbuchlesers neigen sich zunehmend diesem bedauernswert erfolglosen wie trotz seines Monster-Habitus überaus niedlichen Kinder-Erschreckers zu. Großartige Illustrationen, die über witzige Details und ausdrucksstarke mimische Variationen die ganze Tragik des kleinen glücklosen Monsters offenbaren, begleiten den originellen Text in Briefform, welcher sich als Klageschrift direkt an das gruselresistente „Kint“ richtet.

Ganz gleich, ob sich die Bilderbuchleser eher zur Kategorie der Ängstlichen (diese werden vielleicht froh und ein wenig stolz sein, das eigene Haus- Monster nicht derart zu enttäuschen und zur Erkenntnis gelangen, dass die kleinen Monster auch nur ihre Arbeit tun und halb so gefährlich sind, wie sie scheinen) oder der Mutigeren (diese werden vielleicht in Zukunft etwas nachsichtiger sein und sich gemäß Watzlawicks Symptomverschreibung gefälligst ein bisschen mehr zum Gruseln hinwenden) zählen – in jedem Falle bereitet dieses wunderbare Monsterbilderbuch einfach große Freude beim Lesen und Anschauen.

 

MONSTA

Text: Dita Zifel

Illustration: Mateo Dineen

Tulipan, 2018

Tief im Wald

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Ornamentale Muster umgeben ein Oval im Zentrum des Buchcovers, in dem sich einige der tierischen Protagonisten vor einem ungewöhnlich aussehenden Häuschen im Wald versammelt haben. Ebenso ungewöhnlich erscheint auch die Farbgebung – immer wieder setzen nicht nur auf dem Titelbild, sondern auch in den zauberhaften Buchillustrationen knallige Leuchtfarben und außergewöhnliche Farbzuschreibungen überraschende Akzente, welche sich insbesondere auf dem Vorsatzpapier zu einem leuchtend bunten Farbfeuerwerk floraler und kleintierischer Diversitäten vereinen – wirklich ein Hingucker! Und ein schöner Auftakt ins Bilderbuchgeschehen …

Mitten im Wald steht ein kleines Holzhaus, leuchtend weiß gestrichen, mit neun Fenstern und einer roten Haustür. Eine kleine Maus findet Gefallen daran, bezieht das Häuschen und richtet es liebevoll ein. Nach und nach stellen sich weitere tierische Mitbewohner ein: Frosch, Kaninchen, Biber, Fuchs, Hahn, Hirsch, Eichhörnchen, Eule, zwei Elstern und ein Specht. Sie alle finden, dass es das schönste Zuhause sei, dass man sich nur vorstellen kann. Die glücklichen Tiere beschließen, ein Einzugsfest zu feiern, dessen fröhliche Begleitmusik dem Braunbären zu Ohren kommt. Nun klopft auch dieser an die rote Haustür und bitte um Einlass, doch die Bewohner meinen bedauernd, es gäbe für so einen großen Bären nun wirklich keinen Platz mehr im Haus. Das aber will der Bär nicht so ohne weiteres akzeptieren und versucht mit aller Mühe, das Haus doch noch beziehen zu können, was erstmal ziemlich schiefgeht und das Häuschen schließlich zusammenstürzen lässt. Aber dann kommt dem Bären mit dem berechtigten schlechten Gewissen doch noch die rettende Idee, in deren Folge es noch einmal etwas zu feiern gibt.

Das liebevoll nacherzählte russische Volksmärchen vermittelt den unschätzbaren Wert von Freundschaft und Zusammenhalt und wird von phantasievollen bunten Bildern begleitet, die zum Staunen und Schauen einladen und für uns auch eine wunderbare Inspiration zum Malen sind.

 

Christopher Corr: Tief im Wald

aracari, 2018