Archiv der Kategorie: Bilderbuch

Wir feiern durch das ganze Jahr

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Gerade jetzt, im schönen goldenen Oktober, gibt es viel zu feiern – wie das Erntedankfest, an dem die Nachbarn und Freunde zum Erntedankessen eingeladen werden oder Gärten, Plätze und Kirchenräume mit kunstvoll gelegten Mandalas aus Früchten, Blüten, Samen und bunten Herbstblättern geschmückt werden.

Warum der dritte Oktober unser Nationalfeiertag geworden ist oder auf welchem geschichtlichen Hintergrund das jüdische Laubhüttenfest beruht, weiß bestimmt noch nicht jedes Kind und vielleicht auch nicht jeder Erwachsene.

Das rauchige Aroma von in der Glut gegarten Kartoffeln verbreitet sich allerorts mit den herbstlichen Kartoffelfeuern.

In den Weinanbaugebieten, in denen jetzt die Weinlese in vollem Gange ist, werden üppige Weinfeste ausgerichtet, bei denen man saisonal Köstliches wie Zwiebelkuchen und dazu Federweißer genießen kann.

In den evangelisch geprägten Bundesländern wird Ende Oktober der Reformationstag -in Sachsen gibt es in den Tagen zuvor köstliche Reformationsbrötchen in den Bäckereien -und zeitgleich in vielen anderen Gebieten seit einigen Jahren verstärkt das amerikanisch geprägte Halloween-Gruselfest, welches das Licht lustig oder schaurig geschnitzter Kürbislaternen begleitet, gefeiert.

Feste und Bräuche des Jahreslaufs wie diese und zahlreiche bekannte, weniger oder nur regional bekannte oder auch einige aus anderen Kulturen  – wie Ostern, Pfingsten, Nikolaustag, Martinsumzüge, Weihnachten, Dreikönigstag, Muttertag, Sommersonnenwende, Allerheiligenfest, Martinsfest, Buß- und Bettag, Silvester, Neujahr, Ramadan oder Chanukka, Walpurgisnacht, Rosenmontagsumzüge, Raunächte und Perchtenläufe, Lichterfeste und vieles mehr-  werden in diesem wunderschönen, sehr aufwändig gestalteten Familien- Hausbuch leicht verständlich, unterhaltsam und sehr informativ vorgestellt. Neben den ausführlichen Beschreibungen der Abläufe gibt es interessante Erläuterungen zu deren geschichtlichen Hintergründen. Zusätzlich werden jeweils dazu passende Rezepte oder Spiel- und Bastelideen als Anregung zum Nachmachen beschrieben.

Eine Fülle an ausgesprochen liebevoll gestalteten Illustrationen, die durch zeichnerische Darstellungen kindlicher Figuren und zahlreiche  interessante und phantasievolle drucktechnische Details auffallen und die entsprechend der jeweiligen Jahreszeit in einer charakteristischen Farbigkeit imponieren, verbinden sich mit dem Text zu einer Einheit.

Eine wahre Fundgrube für Familien, Kindergärten, Schulen und alle an Festen und Bräuchen Interessierten und ebenso Nachschlagewerk wie Schatzkiste zum Immer-wieder-Hineinschauen und Inspirieren-Lassen.

 

Wir feiern durch das ganze Jahr – Das Hausbuch der Feste und Bräuche

Text: Ilka Sokolowski

Illustration: Sophie Schmid

Verlag Gerstenberg, 2018

ISBN 978-3-8369-5906-3

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Schlaf gut, Max!

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector  (Malkastl.de):

 

Max, der kleine schwarze Kater mit den riesengroßen gelben Augen, ist schon ziemlich müde.

Er hat seine Milch getrunken, seine Zähne geputzt, sich hinter den Ohren gewaschen, dem Goldfisch, seiner Spielkiste und sogar der Hausspinne eine gute Nacht gewünscht. Als er aus dem Fenster schaut und nun auch dem Mond „Gute Nacht!“ sagen will, kann er diesen nirgends entdecken.

So geht Max hinaus in die stille, dunkle Nacht, um den Mond zu suchen, trifft unterwegs auf einen schlafenden Hund, klettert auf einen hohen Baum und über die Hausdächer, auf ein Hochhaus und einen Berg. Als der Wind die Wolken wegbläst, ist auf einmal der helle Mond riesengroß am Nachthimmel zu sehen und flüstert Max etwas zu, das ihn, nachdem er den Rückweg über Dächer, Baum und vorbei am schlafenden Hund genommen hat,  von nun an immer ruhig und zufrieden einschlafen lässt.

Die einfache und klare, liebevolle Sprache und die ebenso klaren, in eine wunderbare Nacht-Farbigkeit getauchten Illustrationen, die sich auf das wesentliche beschränken und dabei eine ganz eigene Bild-Poesie vermitteln, kennzeichnen diese schöne, leise, Zuversicht gebende Bilderbuchgeschichte, die wunderbar in eine gute Nacht geleiten kann.

 

Text und Illustration: Ed Vere

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN: 978 3 95728 129 6

 

 

Zwei für mich, einer für dich

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Wie teilt man gerecht drei Pilze auf, wenn zwei Leute davon essen wollen?

Bär und Wiesel scheinen gute Freunde zu sein, die in einer Art Wald-WG zusammenleben. Aber beim Essen hört der Spaß auf …

Hat eigentlich derjenige das Recht auf die größere Portion, der die Pilze gefunden hat (=der Bär)? Oder derjenige, der aus ihnen ein köstliches Gericht zubereitet, sie in der Pfanne schmoren lässt und kräftig mit Salz, Pfeffer und Petersilie würzt (=das Wiesel)?

Steht dem Bär ein Pilz mehr zu, weil er groß ist und deshalb viel essen muss oder dem kleinen Wiesel, welches noch wachsen muss?

Erhöht das Wissen um das Rezept, die Größe des Hungers, die Tatsache, dass es die eigene Leib- und Magenspeise sei, der lauter knurrende Magen, das vorherige Tischdecken oder die Idee, Pilze essen zu wollen, die Größe der Anrechte an der gemeinsamen Mahlzeit?

Bär und Wiesel können sich nicht einigen, der Streit droht zu eskalieren, die Freundschaft gar daran zu scheitern …

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Fuchs schnappt sich das überzählige Objekt der Begierde und lässt sich den Pilz genüsslich munden. In der Entrüstung über den frechen Pilz-Dieb sind sich Bär und Wiesel plötzlich wieder einig und können endlich dazu übergehen, sich die gemeinsame Mahlzeit schmecken zu lassen.

Aber da bahnt sich schon neuer Konfliktstoff an, als das Wiesel drei Walderdbeeren als Nachtisch serviert …

Liebenswerte detailreiche Zeichnungen begleiten diese entzückende Bilderbuchgeschichte, welche schon die ganz Kleinen zum Nachdenken über Gerechtigkeit und Teilen anregen kann.

 

Text und Illustration: Jörg Mühle

Moritz Verlag, 2018

ISBN: 978 3 89565 357 5

Schnurzpiepegal

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (malkastl.de)

Ein Männerbein links, ein Frauenbein rechts, seines in orange-rot-karierter Hose, ihres mit kräftiger Wade und blau-stöckelbeschuht aus einem mittelblauen Rock mit dunkelblauem Kringelmuster ragend. Zu jedem Bein gesellen sich extravagant aussehende Hunde, der linke ziemlich beleibt und … blau mit Kringeln (!), der rechte schlank und mit … man ahnt es … orange-rotem Karomuster. Ebenso schön-schräg wie das Cover ist diese Bilderbuchgeschichte samt ihrer gegensätzlichen Protagonistenpaare: die pummelige Leonora, deren Herz für Opern schlägt mit ihrem zierlichen orange-rot-karierten Hund Fidelio, der ihr so gar nicht ähnlich sieht und der dünne Joschka mit seiner pfundigen Hündin Pistazia – jedes Paar miteinander eigentlich sehr zufrieden, glücklich und unzertrennlich.

Leonora und Joschka mit ihren Hunden entsprechen also so gar nicht dem gängigen Klischee, welches besagt, dass alle Hunde Ähnlichkeiten mit ihren Herrchen oder Frauchen aufweisen würden. Das ist ihnen aber eigentlich auch egal … oder doch nicht so ganz?

Jedenfalls gefällt es weder Leonora noch Joschka, dass sie sich in der Stadt mit ihren ganz und gar unpassenden Hunden beim Gassi-Gehen zum Gespött der Leute machen.

Dabei wissen die Leute nicht, wie gut sie jeweils miteinander harmonieren: Leonora tanzt zu Opernklängen aus dem alten Grammophon und Fidelio tanzt dazu; Joschka stellt gern Pralinen her und seine Hündin Pistazia mag diese zum Fressen gern, was man ihr auch ansieht.

Leonora und Joschka leben zwar in derselben Stadt nur zwei Straßen voneinander entfernt, aber kennen sich nicht; sie gehen zu unterschiedlichen Zeiten mit ihren Hunden spazieren. Als aber eines Tages Leonoras Grammophonnadel kaputtgeht und sie eher zum Spazierengehen mit Fidelio aufbricht, um sich eine neue zu kaufen, begegnet sie Joschka mit Pistazia. Ihre Blicke begegnen sich ohne Worte und sofort ist klar, was sie tun werden: sie tauschen ihre Hunde, denn blaugekringelt und dick gehört schließlich zu blaugekringelt und dick und orange-rotkariert und dünn gehört schließlich zu orange-rotkariert und dünn – und wie sie es erwarteten, hören die Leute fortan auf mit dem Gespött und alles scheint perfekt zu sein. Aber irgendetwas stimmt dennoch nicht und fortan herrscht vierfache unerklärliche Traurigkeit.

Als sie sich ein zweites Mal beim Spazierengehen begegnen, weil Joschka beim Pralinenmachen zum ersten Mal in seinem Leben die Schokolade anbrannte und er wegen des Topf-Schrubbens erst zwei Stunden später als sonst aufbrach , sich erneut vielsagend ihre Blicke treffen und plötzlich das vier-fache traurige Gefühl wie weggeblasen ist, wissen sie endlich, wie es wirklich perfekt ist und was zu tun ist: zu viert ist alles schöner – sie hören zusammen Musik, singen, lachen und tanzen und machen gemeinsam Pralinen. Dass die Leute schon wieder spotten, weil weder die Hunde noch Herrchen und Frauchen zusammenpassen, ist ihnen nun wirklich SCHNURZPIEPEGAL.

Die herrlich skurrile Bilderbuchgeschichte, welche witzige Illustrationen der kauzigen Charaktere und ihrer Lebensumstände begleiten, ist  ausgesprochen unterhaltsam für alle Altersklassen und gleichzeitig tiefgründig und führt uns überzeugend vor Augen, wie SCHNURZPIEPEGAL Äußerlichkeiten und die Meinung der Leute dazu in Wirklichkeit sind.

 

Schnurzpiepegal

Text und Illustration: Barbara Steinitz

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN 978-3-95728-055-8

 

 

Der kleine Bagger

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Zahlreiche Kinder, kleine und große, versammeln sich während der Leipziger Buchmesse im März 2018 in gespannter Erwartung schon vorzeitig am Reprodukt-Verlagsstand, um die als Comiclesung mit Zeichenworkshop angekündigte Buchvorstellung nicht zu verpassen.

Mir bietet sich ein Bild von -in den bereits zuvor ausgeteilten druckfrischen Buchexemplaren- blätternden kleinen und großen Menschen, die offensichtliche Freude am Buchinhalt haben und wohl schon im Vorfeld versucht sind, den Inhalt der auf 38 Seiten über viele bunte Bilder erzählten Baustellengeschichte zu erfassen. Auf dem hellblauen Cover des Buches postieren sich bunte Baufahrzeuge mit Gesichtern -im Bildregister am Buchende als Raupenbagger Baga, Radbagger Armando und  Walzenfahrzeug Zdenek beschrieben- und lassen sogleich Erinnerungen an die Bob-der-Baumeister-Euphorie meiner inzwischen längst dem Bilderbuchalter entwachsenen drei Söhne aufkommen.

Der kleine Bagger Baga steht vor einem Problem, denn ein großer Steinbrocken liegt vor seiner Tür und es gelingt Baga trotz aller Bemühungen nicht, diesen wegzubaggern. Und unter dem nächsten, kleineren, Stein, den Baga wegzubaggern versucht, liegt eine Spinne. Und Baga graust es vor Spinnen! Als es aber darum geht, seinen neuen Freunden, den großen Baufahrzeugen vom Bauplatz, auf dem der kleine Bagger Baga sogar zeitweise mitarbeiten darf, aus einer misslichen Lage, an der Baga nicht ganz unschuldig ist, zu helfen, überwindet der pfiffige kleine Bagger sogar seine Spinnenphobie und merkt dabei, dass es manchmal sogar ganz nützlich sein kann, klein zu sein.

Inzwischen hat die Veranstaltung begonnen. Mit Spannung folgen die Kinderaugen und –ohren der mit Verve zelebrierten Comiclesung von Stephan Lomp und Mathias Wieland, bei der beat-box-mäßig reichlich gedröhnt, gescheppert, gebuddelt und gebaggert –und auf Seiten des Publikums ebenso viel gelacht-  und voller Konzentration der spannenden Baustellenstory gelauscht wird. Im Anschluss an die Lesung werden am Flipchart nützliche Tipps und Tricks zum Comiczeichnen verraten, die mit Buntstiften auf Zeichenblättern gleich praktisch umgesetzt werden dürfen.

Für das mitgenommene Buchexemplar wünsche ich mir noch zahlreiche kleine und große Betrachter, die ebenso wie die Lesungsgäste Spaß am gemeinsamen Erkunden dieser abenteuerlichen Buch-Baustellen-Welt rund um den kleinen Bagger Baga haben werden.

Der kleine Bagger – Abenteuer auf der Baustelle

von Stephan Lomp

Verlag REPRODUKT, 2018

ISBN978-3-95640-154-1

Plötzlich war Lysander da

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Als der Briefträger Post für die dicke Dora, den langen Luis und die kleine Kathinka ins Mauseloch bringt, können sie es erst kaum glauben: Im Brief vom Bürgermeister steht geschrieben, dass jemand bei ihnen einziehen soll. Die Mäuse sind beunruhigt und befürchten, weder genug Platz noch genug Kartoffeln für einen mehr zu haben. Und schon platzt am Abend der neue Mitbewohner, ein roter Lurch namens Lysander, ins beschauliche Leben der kleinen Mäusefamilie. Der Lurch ist recht freundlich, hat jedoch völlig andere Gewohnheiten als die Mäuse, die ein wenig empört sind darüber, dass Lysander alles durcheinanderzubringen scheint. Und ein wenig Angst vor dem Unbekannten ist wohl auch mit im Spiel. So verdächtigt die kleine Kathinka den neuen Gast gar, mit dem Verschwinden ihrer Puppe etwas zu tun zu haben. Als sie aber beobachtet, was Lysander mit seinen mitgebrachten Körnchen und Erde in der Badewanne, die ihm als Platz zugewiesen wurde, anstellt, wird sie zunehmend neugierig. Und siehe da, am nächsten Morgen gibt es eine wunderbare Überraschung, die alle sehr erfreut und sie schneller als gedacht zu einer neuen Familiengemeinschaft zusammenwachsen lässt.

Es ist erstaunlich, wie hervorragend es Antje Damm gelingt, ein komplexes und hochaktuelles Thema – die Konfrontation mit dem Fremden und die damit verbundenen Ängste – in eine auch für jüngere Kinder gut verständliche Bilderbuchform zu bringen und die zu Herzen gehende Geschichte dank einer interessanten Collagetechnik, die große Freude beim Anschauen bereitet und zuweilen den Eindruck vermittelt mitten im Geschehen zu sein, ausdrucksstark und liebenswert zu illustrieren.

Sehr zu empfehlen, wunderbar anzuschauen und bestens geeignet, um über potentielle Vorurteile, aufkommende Ängste, aber auch Möglichkeiten bei der Begegnung und im Umgang mit Neuem und Unbekanntem miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Und plötzlich war Lysander da

Antje Damm

Moritz Verlag

2017

ISBN 978 3 89565 344 5

Kleine Nachteule Aurelia

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Das Drama spielt sich täglich abends in unzähligen Familien ab: die lieben Kleinen wollen nicht ins Bett. So auch Aurelia, welche nicht schlafen gehen will, weil sie überhaupt noch nicht müde ist, in Dorothea Flechsigs neuem Bilderbuch aus dem Glückschuh Verlag.

Aurelia, die wir schon aus dem Bilderbuch „Kleiner Dreckspatz Aurelia – wasch dich doch mal!“ kennen, ist ein kleiner Wirbelwind, wissbegierig, voller Tatendrang und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Auch die anbrechende Nacht kann kleine Abenteurer wie Aurelia kaum stoppen.

Wie schon im ersten Buch thematisiert die Autorin, welche ursprünglich mal Tierforscherin werden wollte, alltägliche Familienthemen und verknüpft diese mit Wissenswertem aus der Natur und Tierwelt. Auch diesmal bekräftigt Aurelias Papa seine Argumente mit tierischen Beispielen, um zu betonen, dass jeder mal schlafen müsse wie dies auch kleine Nachteulen, Fledermäuse, Igel, Erdmännchen, Flamingos tun müssen, um sich von den täglichen Abenteuern zu erholen. Pfiffig, wie Aurelia ist, belässt sie es nicht dabei, sondern will erst einmal ganz genau wissen, wie die genannten Tiere denn eigentlich in den Schlaf finden. Aurelias Papa gibt bereitwillig darüber Auskunft. Und sogleich wird erstmal alles auf Schlaftauglichkeit ausprobiert – zusammengekauert wie eine Eule, kopfüberhängend wie eine Fledermaus, eingerollt wie ein Igel, auf einem Haufen voller Gefährten (in diesem Fall müssen Aurelias Kuscheltiere dafür herhalten) liegend, auf einem Bein wie der Flamingo stehend oder „im Flug“ wie die Mauersegler einzuschlafen. Und weil das ziemlich anstrengend ist, all die verschiedenen Schlafpositionen auszuprobieren, ist Aurelia nun auch entsprechend müde. Zum Einschlafen fehlt nur noch der entscheidende Hinweis von Papa, welcher seiner neugierigen Tochter erklären soll, wie die Gorillas schlafen (nämlich wie wir Menschen aneinandergekuschelt) – und endlich ist es soweit: Beide schlafen gorillamäßig ein.

Die liebenswerte Einschlaf-Geschichte, einfühlsam, detailreich und farbenfroh bebildert von Suse Bauer, ist die ideale Lektüre für kleine Nachteulen und deren Eltern und eignet sich hervorragend, den Nachwuchs mit einem schönen – und nebenbei lehrreichen wie sportlichen – Familienritual in den Schlaf zu begleiten.

 

Kleine Nachteule Aurelia – Schlaf doch mal!

Dorothea Flechsig/ Suse Bauer

Glückschuh Verlag

2018

ISBN: 978-3-943030-60-0

Oje, ein Buch!

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Oje, ein Buch! – Fast ein Ausruf des Entsetzens, den die Smartphone-affine Frau Asperilla da ausstößt, als ihr der kleine Juri freudig das Buchgeschenk von Herrn Schnippel (wer auch immer das sein mag) präsentiert und Frau Asperilla tatsächlich denkt, dass sie angesichts eines scheinbaren Irrtums etwas wiedergutzumachen hätte. Juri, der zwar weiß, dass ein Buchgeschenk niemals ein Fehler sein kann, geht auf das Wiedergutmachungsangebot nur zu gern ein und schlägt dazu das gemeinsame Anschauen des Buches vor. Ganz schön clever, denkt der (Vor)leser und ahnt bereits, dass Frau Asperilla wohl leider zu jenen Zeitgenossen zu gehören scheint, die mit Büchern wenig bis gar nichts anzufangen wissen – ganz im Gegensatz zu Juri. Der kann sich das Gehabe von Frau Asperilla eigentlich nur so erklären, dass sie ihn nur auf den Arm nähme (aber leider ist es bittere Realität), als sie tatsächlich nicht zu wissen scheint, dass sich Bücher nicht von selbst vorlesen, man sich beim Lesen etwas vorstellen muss, es immer von links nach rechts geht und dass man nicht wischen sondern umblättern muss, um zu wissen, wie es weitergeht. Und Bilder werden in Büchern auch nicht größer, wenn man sie zwischen Daumen und Zeigefinger auseinanderzuziehen versucht, muss Frau Asperilla enttäuscht feststellen.

Weil aber Juri für Frau Asperilla ein ausgesprochen geduldiger und kundiger Vorlese-Lehrer ist, von dem man auch so nützliche Sachen übers Vorlesen lernt wie zum Beispiel, dass man doch möglichst krächzen sollte, wenn im Buch ein krächzendes Monster etwas sagt, gewinnt auch sie – zögerlich, aber stetig – Gefallen an dem mysteriösen Medium Buch, wird neugierig wie ein Kind auf dessen Inhalt, fiebert ängstlich mit im Zuge des Geschehens in der Geschichte, als mäusefangende Katzen und Monster darin auftauchen. Und ebenso lernt sie durch Klein-Juris philosophische Erkenntnis (die gleichzeitig in einer Mini-Geschichte in der Geschichte – von zwei Vögeln und einem roten Faden- verdeutlicht wird)  auch, dass die Sichtweise auf die Dinge davon abhängt, von welcher Seite aus man sie anschaut.

Die  Umkehrung von Klischees gelingt hier als interessanter und überraschender  Aspekt des parallelen Erzählens von drei  geschickt miteinander verknüpften Geschichten, welche mit augenzwinkernder Leichtigkeit daherkommen und mit frischen, reduzierten und gleichzeitig aussagestarken Buntstiftzeichnungen bebildert sind.

Wie viel zwischen zwei Menschen, die sich gemeinsam ein Buch anschauen, passieren kann, zeigt das Buch, welches als Anlass zum Nachdenken und Miteinander-Reden für alle großen und kleinen Leseratten ebenso wie für alle Buchmuffel und Smartphone-Junkies sehr zu empfehlen ist, auf geniale Weise.

 

Oje,ein Buch!

Lorenz Pauli/ Miriam Zedelius

Verlag atlantis

2018

ISBN 978-3-7152-8742-1

Kurt der Bär ist viel zu ….

Illustration und Text: Peng

Verlag: Kunstmann, 2018

 

Der österreichische Cartoonist Peng, welcher zusammen mit Hu (Rudi Hurzlmeier) als Peng+Hu die phänomenalen Hirameki-Bücher entwickelte, hat sein erstes Kinderbuch als Papp-Bilderbuch veröffentlicht.

Ein  viel zu schwerer Bär, ein Einhorn mit sehr ungewöhnlich platziertem Horn am Allerwertesten, eine schielende lange grüne Schlange, ein Hase im weißen Unterhemd  mit roter Pappnase  und Kussmund-Spuren nebst Verehrerinnen, ein besonders witziges und mit blonder Föhnfrisur ausgestattetes bebrilltes Krokodil namens Emil, welches -Zufall?-  irgendwie an einen amerikanischen Präsidenten erinnert, ein boxendes Känguru mit ebenfalls boxendem Baby im Beutel, ein golfender Wolf, ein rosa gelockter und Nudeln schlürfender Pudel, ein im Liegestuhl chillendes Huhn, eine urbayrische Gans in Lederhose mit Brezel und  andere tierische Protagonisten bekommen hier ihren Auftritt in Form lustiger Cartoons und Verse, die zu vervollständigen sind und dabei Kleinen wie Großen viel Spaß am Schauen und Reimen versprechen.

Smon Smon

Illustration, Text und Buchgestaltung: Sonja Danowski

Verlag: NordSued, 2018

 

Die Berliner Bilderbuchkünstlerin Sonja Danowski entführt uns in die phantastische Welt des Planeten Gon Gon, wo das entzückende kleine Smon Smon lebt und lässt uns an einem Tag seines einesteils beschaulichen und andererseits abenteuerlichen Lebens teilhaben.

Das Smon Smon hat sein letztes Ron Ron neben sein Won Won an ein Lon Lon gehängt, um in einem Ton Ton davonzuschwimmen zu den großen Pon Pons, wo Lon Lons und Ron Rons wachsen. Als das Smon Smon in ein tiefes, dunkles Zon Zon fällt, helfen ihm Klon Klons und zum Dank hilft das Smon Smon den Klon Klons mit den schweren Ston Stons. Als das Smon Smon in einem weichen Pon Pon schlummernd mit diesem in die Höhe wächst, hilft ihm zum Glück ein vorbeifliegendes Flon Flon aus der misslichen Lage. Das Smon Smon schenkt dem Flon Flon dafür sein Ton Ton mit dem Lon Lon und trifft zu guter Letzt auf ein zweites Smon Smon, mit dem es sich zufrieden in die Won Wons kuschelt.

Alles klar? Keine Sorge – beim Betrachten der traumhaften Illustrationen erschließt sich nicht nur recht schnell, was Ron Rons, Won Wons oder Lon Lons sind, sondern es entwickelt sich nach anfänglicher kurzer Verwirrung ob der ungewöhnlichen Begrifflichkeiten eine große Freude daran, deren Bedeutung zu entschlüsseln und dabei in eine phantastische Bildwelt einzutauchen. Wunderschön!