Archiv der Kategorie: Biografie

Frida Kahlo und ihre Tiere

Text: Monica Brown

Illustration: John Parra

Übersetzung aus dem Englischen: Elisa Martins

Verlag: NordSüd, 2017

 

Das Leben der wunderbaren mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo wird in diesem bemerkenswerten Bilderbuch nachgezeichnet.

Frida wird als neugieriges kleines Mädchen aus der Casa Azul, welches gern malt, sich mit Vorliebe in bunten traditionellen Gewändern kleidet und sich mit zahlreichen Tieren umgibt, porträtiert. Fridas Haustiere, zwei Affen, ein Papagei, drei Hunde, zwei Truthähne, ein Adler, eine schwarze Katze und ein Rehkitz -allen hat sie liebevoll Namen gegeben- inspirieren das Mädchen immer wieder aufs Neue zum Malen und Zeichnen ihrer typischen farbenfrohen und üppigen ornamentalen Bilder, mit denen sie später berühmt wird.

Die behütete Kindheit der wissbegierigen und lebhaften Frida mit einem Vater, der auf Fridas besonderen Blick auf die Welt verständnisvoll durch förderliche Zuwendung eingeht, die Episoden einer schweren Kinderkrankheit, in denen das Mädchen dank ihrer blühenden Phantasie dennoch stets fröhlich und kreativ bleibt, Fridas Lernfreude, ihr Unabhängigkeitsdrang, ihr Gefühl von Ungebundensein an einengende Konventionen und  schließlich Fridas schwerer schicksalhafter Verkehrsunfall im Alter von 18 Jahren werden auf kindgerechte Weise thematisiert. Selbst die Folgen des Unfalls, die sie zunehmend ans Bett fesseln, können den unbändigen Willen Fridas, zu malen und nicht zu verzagen, brechen. Das Porträt überzeugt mit kindgerechter Sprache und beeindruckenden Illustrationen, die sich am Stil und der Bildsprache Frida Kahlos orientieren. Am Buchende finden sich ergänzende biografische Informationen.

Der strahlende Optimismus, das temperamentvolle Wesen, die Freude am kreativen Schaffen, die innige Liebe zu den Tieren und zum Leben werden eindrucksvoll herausgearbeitet und erklären die besondere Magie der Kunst von Frida Kahlo, womit das Buch einen schönen Impuls zur weiteren Beschäftigung mit der Künstlerin und ihren eindrucksvollen Bildern gibt.

 

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John F. Kennedy – Zeit zu handeln

Text: Shana Corey

Illustration: R.Gregory Christie

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Elisa Martins

NordSüd Verlag, 2017

 

Am 29.Mai 2017 wird anlässlich des 100.Geburtstags von John F.Kennedy, dem 35.Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gedacht, dessen besonderes Charisma, untrennbar verbunden mit seinen Bemühungen und Verdiensten um die Bürgerrechte, wieder verstärkt in unser aller Blickfeld rücken. So wie uns heute die aktuelle amerikanische Präsidentschaft aus vielerlei Gründen nicht unberührt lässt, war auch Kennedy in einer der bewegtesten Zeiten der Weltgeschichte amtierender Präsident. Diese Zeiten und deren Umstände auch für das kindliche Verständnis in einem Bilderbuch wieder aufleben zu lassen und erklärbar zu machen, ist an sich schon anerkennens- und begrüßenswert; kann ein solches Buch doch verstärkt Anlass dazu geben, miteinander über Fragen von Rassismus, Ausgrenzung und Menschenrechten ins Gespräch zu kommen.

Im farbig illustrierten Buch begleiten wir John F.Kennedy, der bereits als Kind gern Geschichtsbücher las, und im Buch nur kurz John genannt wird, womit wir ihm gewissermaßen auf Augenhöhe begegnen, als einen Menschen, der Geschichte schrieb. Dass diese die Weltgeschichte bewegenden Personen auch ganz normale Menschen wie du und ich sein können, streicht der  durchweg interessant und verständlich geschriebene Text in besonderer Weise heraus.

Wir erleben hier John F.Kennedy als einen Menschen, der sich schon frühzeitig für seine Mitmenschen interessierte und einsetzte – anfänglich am Beispiel der bemerkenswerten Rettung von Schiffbrüchigen unter Einsatz des eigenen Lebens oder als aufstrebender junger Senator, der nebenbei ein vielbeachtetes Buch über Zivilcourage schrieb und sich schließlich 1960 -in den schwierigen Zeiten des Kampfes der schwarzen amerikanischen Bevölkerung um die Bürgerrechte- um das Amt des Präsidenten bewarb, welches er mit nur 42 Jahren dann auch antrat. Im Sinne Abraham Lincolns versprach Kennedy, sich für die Rechte aller Bürger, also auch der schwarzen Bevölkerung, einsetzen zu wollen. Engagiert bemühte er sich gegen die Inhaftierung des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Kennedys Antrittsrede, die inhaltlich die Bürgerrechte hochhob, wurde legendär: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt“, heißt es darin und ist heute nicht minder aktuell.

Wir erfahren weiter, wie intensiv Kennedy an friedlichen Beziehungen zur damaligen Sowjetunion arbeitete, von seiner berühmten „Ich bin ein Berliner“-Rede, aber auch davon, dass er hin und wieder zauderte, wenn es um die Einhaltung seiner Versprechen um die Bürgerrechte ging. Erst ein Jahr nach seinem tragischen Tod -seiner Ermordung im Jahr 1963- wurden die geforderten Rechte schließlich in einem Bürgerrechtsgesetz festgeschrieben, aber auch noch heute, wie wir wissen, nicht vollumfänglich eingehalten.

Dass Geschichte nicht nur aus Worten besteht, sondern wir selbst sie Tag für Tag verändern und damit selbst Geschichtsschreiber werden können, unsere Stimme erheben und für unsere Werte einstehen sollten, ist eine klare und deutliche Botschaft am Buchende, die auch schon Kinder verstehen und verinnerlichen können.

Inhaltlich hat mich, nicht zuletzt auch wegen der für Kinder sehr gut verständlichen Sprache, das Buch sehr beeindruckt, die Illustrationen hingegen überzeugen mich nur bedingt, erzeugen sie doch durch eine zuweilen allzu aufgesetzt wirkende Plakativität und zum Teil wenig nachvollziehbare Proportionalitätsverschiebungen bei mir eine merkwürdige Ambivalenz. Andererseits bestechen einige der Abbildungen gerade durch eine besonders starke Ausdruckskraft und interessante Dynamik und Farbigkeit. Meinen Kindern -und damit der Zielgruppe- haben die Illustrationen jedoch durchweg gut gefallen.

Hanna Nebe-Rector, http://www.malkastl.de