Archiv der Kategorie: Comic

Hirameki-Party-Tischsets

von Peng+Hu

Verlag Antje Kunstmann, 2017

http://www.kunstmann.de

 

Kritzeln ist etwas Wunderbares, es macht Spaß, es entspannt und fast alle tun es – Kinder kritzeln während öder Unterrichtsstunden in ihre Schulhefte, Erwachsene tun es bei sich endlos hinziehenden Telefonaten …

Die Künstler Peng+Hu sind Meister des Kritzelns. Ihre inspirierende Hirameki-Technik kultiviert das Kritzeln, indem sie Zufallsprodukten wie Farbklecksen oder Flecken durch Hinzuügen weniger Tuschestriche gegenständlichen oder figürlichen Sinn verleiht.

In unförmigen Gebilden lassen sich mit ein wenig Phantasie Vögel, Fische, Blumen, Landschaften, Monster, Fabelwesen und vieles mehr entdecken, welche sich durch prägnante graphische Ergänzungen herauskristallisieren.

Von den bisherigen Hirameki-Büchern haben sich bereits zahlreiche kleine und große Menschen in unseren Malgruppen zu eigenen Kritzelkunstwerken begeistert inspirieren lassen!

Nun gibt es in einem großen Abreißblock mit 36 Blättern den Hirameki-Spaß in Form von Tisch-Sets aus Papier, die sich sowohl als lustige Unterlage für ein Gedeck als auch zur kreativen Beschäftigung im Anschluss an das Essen wunderbar für Kindergeburtstage und alle anderen Partys eignen. So kommt garantiert keine Langeweile auf! Durch Essensreste verursachte Flecken sind hierbei kein Problem, können diese doch gleich mit in die Ideenfindung einbezogen werden.

Wir sind begeistert und freuen uns schon sehr auf die nächste Hirameki-Kritzel-Party!

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Das feministische Mach-Mit-Buch

Illustration und Text: Gemma Correll

Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Keen

Verlag: Antje Kunstmann, 2017

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Wenn Feminismus und Frauenpower Spaß machen soll, dann auf jeden Fall mit dem neuen Mal- und Kritzelbuch von Gemma Correll!

Das Cover des äußerst amüsanten kleinen Kreativbüchleins versammelt auf scharzem Grund umherfliegende Attribute der Weiblichkeit in Pink und Weiß. Tampons, Bikinioberteile, zweckentfremdete Menstruationstassen und andere diverse Utensilien, die sonst wohl auf Titelbildern eher unterrepräsentiert sind, machen neugierig auf den Buchinhalt. Und der hat es in sich: Weiblicher Widerstand gegen Frauenverachtung und Sexismus kann sich hier lustvoll und augenzwinkernd über kreative Inspirationen anbahnen, formieren und abarbeiten lassen. Sei es mit einem Kritzel-ABC des Feminismus, Menstruationsobjekte, die respektlos zu stylischen Hütchen für kleine Haustiere und anderen sinnvollen Accesoires umfunktioniert werden, herrlich albernen Kondomdesigns, Suchbildern, Ausmal-Kämpfen gegen Werbe-Verarsche, feministischen Playlists, T-Shirt-Parolen oder Verdienstorden zum Selbermachen, Buchstabenrätseln, Labyrinthen, Männernippeln, Wutseiten, Sexspielzeug zum Ausmalen, Bastelbögen und weiteren Kuriositäten rund um die feministische Lebenswelt – hier kann frau mal richtig kreativ-subversiv Dampf ablassen und Lachfältchen kultivieren.

Greta, Lotti & Bauer Hansen

Text & Bilder: Carsten Eichler

Verlag: Knesebeck, 2017

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Greta und Lotti, die Kühe von Bauer Hansen, sind keine gewöhnlichen Kühe. Frühmorgens beginnen sie den Weidetag mit einer Gymnastikstunde. Im Gegensatz zu seinen sportlichen und auch sonst überdurchschnittlich begabten Kühen ist dem Bauer Hansen die Energie etwas abhanden gekommen. Den Grund dafür gesteht der Bauer seinen Kühen beim gemeinsamen Morgentee und Kartenspiel auf der Dachterasse: Er, der von der Küste stammt, sehne sich nach dem Meer, wohin er wegen der vielen Arbeit auf dem Bauernhof, gar nicht mehr komme. Im Tüftlerschuppen der  erfinderisch und handwerklich begabten schwesterlichen Kühe werden alsbald geheime Pläne geschmiedet und in die Tat umgesetzt – es wird eine Woche lang gesägt, gehämmert und geschraubt, was das Zeug hält, bis schließlich ein fertiges Flugzeug einsatzbereit auf dem Bauernhof steht. Beladen mit Liegestühlen, Rucksäcken, Proviant sowie den drei Passagieren hebt das Fluggerät mit Raketenantrieb Richtung Meer ab, wo man gemeinsam einen ganzen Tag lang Sandburgen baut, picknickt, Drachen steigen sowie die Seele baumeln lässt – bevor es beglückt und voller neuer Energie zum heimischen Bauernhof zurückgeht.

Vor allem besticht die ungewöhnliche, turbulente und amüsante Bilderbuchgeschichte durch die Gestaltung der Szenerien mit aufwändigen Arrangements und Figuren aus Knete, Silikon und Draht im Stil der britischen Aardman-Studio-Helden Wallace & Groomit. Mit sichtbarer Liebe zum Detail und Einfallsreichtum werden die Protagonisten um in  mühevoller Kleinarbeit gebastelte Häuser, Landschaften, Mobiliar und Werkzeuge gruppiert. Einige Szenerien erscheinen ganzseitig, andere wie eingeklebte Erinnerungsfotos in einem Familienalbum.

Zum Glück hat der Erfinder dieser sympathischen Charaktere „nicht mehr alle Nadeln an der Tanne“ (wie er in seiner doppelseitigen Danksagung an alle Mitwirkenden mehrfach betont) , so dass er uns hoffentlich auch weiterhin mit  neuen lustigen Abenteuern von Greta, Lotti und Bauer Hansen beglücken kann.

Der siebente Bruder oder Das Herz im Marmeladenglas

Text und Illustration: Øyvind Torseter

Übersetzung aus dem Norwegischen: Maike Dörries

Verlag: Gerstenberg, 2017

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Ein König hatte sieben Söhne; sechs von ihnen waren in die Welt gezogen und sollten dem zu Hause verbliebenen Bruder eine Prinzessin als Braut von der Reise mitbringen, doch es kam anders. Sie kehrten nicht nach Hause zurück, denn ein furchterregender Troll hatte die Königssöhne samt ihrer Bräute in Steine verwandelt. Nun machte sich also der zurückgebliebene siebente Bruder auf den Weg, um die Vermissten zu suchen …

Was zunächst wie ein herkömmliches Märchen beginnt, wird zu einer recht skurrilen Comicgeschichte. Der Prinz mit der seltsamen Physiognomie eines Gesichts, das hauptsächlich aus Nase besteht, begibt sich mit einem klapprigen Gaul, mit welchem er unterwegs den Leser sehr erheiternde Zwiegespräche führt, nach seinen Brüdern suchend auf den Weg, auf dem das illustre Paar seltsame Dinge wie ein herumliegendes Saxophon oder einen Elefanten mit in einem Baumstumpf eingeklemmten Rüssel findet. Das Saxophon wird mitgenommen – wer weiß, wofür es noch nützlich sein könnte – und ganz nach Märchenmanier verspricht auch der befreite Elefant zukünftige Hilfe in Notlagen. Nach der Begegnung mit einem rüpelhaften Wolf, dem sie trickreich einen Hinweis zum Fundort der Trollhöhle und hilfreiche Tipps zum Umgang mit dem Troll -nämlich dessen Herz zu vernichten- entlocken, ist das erstrebte Ziel bald gefunden. Der lässige Gaul zieht es vor, draußen Wache zu schieben, während der Prinz zu allem entschlossen die Höhle inspiziert. Dort befindet sich neben den versteinerten Brüdern und Prinzessinnen ein lebendiges weibliches Wesen, welches vom Troll gefangengehalten wird und sich sogleich freundlich anbietet, dem Prinzen noch schnell die Höhle zu zeigen, bevor sein letztes Stündlein geschlagen hat. Überdies weiß sie zu berichten, dass sich das Herz des Trolls, welches es zu vernichten gilt, nicht in der Trollbrust, sondern in einem Marmeladenglas befände. Wo dieses zu finden ist, wäre nun noch gemeinsam zu ergründen. Nun kommen Elefant und Saxophon ins Spiel …

Wie zu erwarten, findet letztlich alles ein märchenhaftes Happy End. Wunderbar erfrischend ist vor allem Torseters zeichnerisches Fabulieren, mit dem sich dem Leser noch weit mehr als über die textlichen Informationen aus den Sprechblasen erschließt und das auch beim wiederholten Betrachten -dessen man angesichts der Einzigartigkeit der Bilder nimmermüde wird – immer wieder Neues, teils herrlich Absurdes in unzähligen zeichnerischen Details zutage bringt.

Ein ungewöhnliches, intelligentes, tiefgründiges und vor allem sehr unterhaltsames Märchen-Vergnügen!

Hier kommt keiner durch!

Text: Isabel Minhos Martins

Illustration: Bernardo P.Cavalho

Übersetzung aus dem Portugiesischen: Franziska Hauffe

Verlag: Klett Kinderbuch, 2016

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Die Eingangszenerie auf dem Titelbild zeigt gleich unmissverständlich, was Sache ist: „Hier kommt keiner durch!“, brüllt energisch der General hoch zu Ross (namens Ramba-Zamba) in Phantasieuniform, welcher zu gern Held in einem Kinderbuch wäre, wie man bald erfahren wird. Und vor lauter Bestimmereifer sind sein Gesicht und vor allem die lange Nase bereits tiefrot angelaufen.

An wen sich die autoritäre Botschaft richtet, ist die illustre Gesellschaft, die auf den Vorsatzpapierseiten in kindlich-naiven Tuschestiftkritzeleien vorgestellt wird. Hier erscheinen -sogar namentlich- zahlreiche kleine und große Menschen wie die Fußballjungen Marc, Silvio, Hassan und Rafaelin, ein Paar mit Fahrrädern, ein Polizist, die Sträflinge Uli und Sepp, Herr Albino, ein Musiker und viele, viele andere mehr nebst einigen Tieren wie beispielsweise Hund Fiffi, die im Folgenden nach und nach Teil der erzählten Bildergeschichte werden.

Zunächst beginnt diese auf beinahe leeren Buchseiten, auf diese sich zuerst zaghaft von links oben ein kleines Hündchen (Fiffi) wagt. In der Mitte vor der vom General postulierten Grenze zur rechten Buchseite, hat sich ein bewaffneter stoischer Aufpasser postiert, scheinbar fest entschlossen, hier niemanden durchkommen zu lassen, warum auch immer. Der Grund ist über Sprechblasen auszumachen: Sein General hat sich das Recht herausgenommen, die rechte Buchseite weiß zu belassen, so dass er in die Geschichte hineinkommen kann, wann immer er es möchte. „Aber das ist doch verrückt“, ereifert sich ein Mann, vielleicht Fiffis Herrchen, dessen Name laut der Vorsatzpapier-Aufstellung Niklas lautet. Zunehmend wird die linke Buchseite bevölkert, die rechte hingegen bleibt aus den bekannten Gründen weiß. Alle reden durcheinander, begreifen das absurde Verbot nicht, Aufruhr scheint sich anzubahnen. Vorgetragene Argumente werden rigoros abgeschmettert. Doch dann …

… BOING, BOING, BOING, … hüpft ein kleiner roter Ball aus der Menge heraus in die Verbotszone. Aus dem Wirrwarr von eben wird ein gemeinschaftlich erschrockenes Starren nach rechts. Zwei Jungen, Lionel und Cristiano, rennen los, Fiffi bellend hinterher. Auslöser allgemeiner Grenzüberschreitung! Dem Aufpasser geht die Herrschaft über die Lage verloren, er ergibt sich dem Willen der aufrührerischen Menge, deren Held er nun wird und die lautstark gegen seine drohende Verhaftung zu protestieren beginnt. Selbst Ramba-Zamba, das Pferd des Generals, widersetzt sich seinem Herrn und galoppiert auf die andere Buchseite.Die Massen stürmen nach rechts, bis nur noch unzählige herumliegende verlorene Dinge als Überbleibsel von der soeben stattgefundenen Revolte künden, die der grummelnde Oberaufpasser nun einsammelt, bevor er konstatiert, die Geschichte verlassen zu wollen. (Denn wer will schon Held in einem Kinderbuch sein?)

Wer beim Anschauen dieses witzigen grenzüberschreitenden Wimmelbilderbuchs, in welchem sich auch nach häufigerem Anschauen immer wieder Neues entdecken lässt, nicht aktuelle oder historische Parallelen assoziieren will oder kann, wird dennoch Freude daran haben, denn es zeigt augenzwinkernd und überzeugend, dass ein wenig Renitenz und Hinterfragen scheinbarer Allgemeingültigkeiten im wahrsten Sinne befreiend und beflügelnd wirken kann.

Was sitzt im Wald und winkt?

Text: Moni Port

Illustration: Jörg Mühle

Verlag: Klett Kinderbuch, 2016

http://www.klett-kinderbuch.de

 

„Huhu!“ scheint der freundlich winkende Uhu uns zuzurufen, womit sich die erste titelgebende Frage „Was sitzt im Wald und winkt?“ aus dem neuen urkomischen Quatschfragen-Rätselbüchlein von Jörg Mühle und Moni Port bereits wie von selbst beantwortet hat.

Oder: „Was ist lila und bedient im Restaurant?“ Natürlich die Obergine!

Oder: „Was ist weiß und tanzt im Wald ums Feuer?“ Ganz klar, ein Rumpelpilzchen!

Und weil´s so schön ist, noch eins: „Was ist grün, glücklich und springt von Grashalm zu Grashalm?“ Das kann nur eine Freuschrecke sein!

Wie die Freuschrecken freuen wir uns nun, dass das erfolgreiche Vorgängerbüchlein „Was sitzt am Strand und redet undeutlich?“ (=die Nuschel!) einen nicht minder lustigen Nachfolger mit neuen Rätselfragen, deren Antwortfindung mit Unterstützung der herrlich originellen Illustrationen nicht allzu schwer ist und überdies einen Riesenspaß macht, bekommen hat.

Jede der 19 Doppelseiten widmet sich in Text und Bild einer der 19 Rätselfragen. Auf der linken Buchseite wird vor verschiedenfarbigem Hintergrund die Frage gestellt; die passende Antwort findet sich gleich darunter in einem auf den Kopf gestellten weißen Schriftzug, welchen man zur Erhöhung der Schwierigkeit und Steigerung der Spannung insbesondere in Gruppen zunächst noch kurz mit der Hand abdecken kann. Ein Blick auf die  rechte Buchseite mit einer der jeweiligen Rätselfrage zugeordneten illustrativen Verbildlichung lässt die Antwort meistens nicht lange ausbleiben. Die gemeinsame Suche danach ist sehr lustig!

Die letzte Doppelseite ermuntert zu eigenen Text- und Bildideen – was wir nach der gemeinsamen allseits erheiternden Buchlektüre in unserer Kindermalgruppe mit  Stiften, Pinseln und Farben nur allzu gern sogleich in die Tat umgesetzt haben.

 

Der schwarze Hund

Der schwarze Hund

Wie man Depressionen überwindet und Angehörige und Freunde dabei helfen können

Text und Illustration: Matthew Johnstone

Übersetzung aus dem Englischen: Nils Thomas Lindquist und Sabine Müller

Verlag: Antje Kunstmann, 2016

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In Matthew Johnstons Zeichnungen zum Buch „Der schwarze Hund“, welches aktuell in einer limitierten kleinformatigen Sonderausgabe -resultierend aus seinen beiden sich zu Standardwerken  entwickelten Bilderbüchern über Depressionen „Mein schwarzer Hund“ und „Mit dem schwarzen Hund leben- erschienen ist, übermittelt das in Hundegestalt verkörperte Bild die Symptomatik einer klassischen klinischen Depression und macht so für Betroffene und deren Angehörige auf eine verblüffend einfache, einfühlsame und humorvolle Weise deutlich, was diese Erkrankung bedeutet und wie man mit ihr umgehen kann. Aufschlussreiche Vor- und Nachbemerkungen des Autors, seiner Partnerin und von Medizinern ergänzen die Ausgabe ebenso hilfreich wie das Aufzeigen eines Plans B im Falle von Verschlimmerungen, einer Übersicht der professionellen Hilfsangebote, Literaturhinweise und weiterführender hilfreicher Webseiten.

Der große schwarze Hund geistert seit vielen Jahren durch dasLeben des Protagonisten, eines Mannes mittleren Alters. Sobald der Hund auftaucht, spürt der Mann eine lähmende Leere, macht, dass er sich älter fühlt als er ist und auch so aussieht, dass sein Appetit verlorengeht, sein Selbstvertrauen schwindet, die Konzentration nachlässt und jegliche Unternehmung zum Kraftakt wird.

„Wenn man einen schwarzen Hund hat, fühlt man sich nicht nur ein bisschen niedergeschlagen, traurig oder melancholisch. Im schlimmsten Fall fühlt man überhaupt nichts mehr.“

Mit diesem Satz beschreibt Johnstone die Dramatik der Situation Betroffener und verdeutlicht sie zeichnerisch mit der von einem Eisblock umhüllten Gestalt des Mannes, die der schwarze Hund umkreist.

So wie es viele verschiedene schwarze Hunderassen gibt, so vielgestaltig sind die  Formen von Depressionen – alle sind jedoch mit dem Auftreten mehr oder weniger negativer Stimmungen und Gedanken und dem Verlust der Lebensfreude verbunden, im schlimmsten Fall mit einer gesteigerten Gefahr von Suizidalität.

Angehörige und Freunde stehen oft ratlos dem Erkrankten gegenüber, der trotz  gutgemeinter Bemühungen und aufmunternder Worte weiter in seinem Stimmungstief versinkt. Dass Ermunterungen wie  „Das Wetter ist doch so schön …“ oder, schlimmer noch, „Lass dich doch nicht so hängen …“ wenig hilfreich bis kontraproduktiv sind, ist ihnen nicht bewusst. Dass die Betroffenen unter Umständen dringend professioneller Hilfe bedürfen, oft ebenfalls nicht. Mit zunehmender Dauer des beidseitigen Missverständnisses geraten Ehen, Freundschaften, Arbeitsplätze und im schlimmsten Falle das Leben in die Gefahr des Verlustes. Zuerst einmal braucht es also eine Diagnostik.

In schwerwiegenden Fällen kann die professionelle Hilfe medikamentös in Form von Antidepressiva (im Buch „Schwarzer-Hund-Blocker“) erfolgen, ergänzt von psychotherapeutischen Verfahren, welche vor allem mit psychoedukativen Methoden die Auseinandersetzung mit der Problematik und deren Verarbeitung unterstützt, womit sich Einstellung und Verhalten gegenüber der Erkrankung ändern und neuer Mut gefasst werden kann. Wichtig ist dabei die Vermittlung des Gefühls, nicht allein mit dem Problem zu sein.

Bücher wie „Der schwarze Hund“ können in diesem Prozess eine wertvolle Hilfe sein. Sehr plastisch und  voller Humor erfasst der Autor anhand seiner comicartigen Zeichnungen die vielfältigen Alltagssituationen und  zeigt Lösungsmöglichkeiten  auf, indem er beschreibt, wie er mit dem schwarzen Hund zu leben gelernt, ihn gezähmt und an die Leine gelegt hat. So gelingt ihm mit der Kraft der Bilder mehr, als tausend Worte manchmal zu schaffen vermögen.

Das Stinktier

Text: Mac Barnett

Illustration: Patrick McDonnell

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Barbara Küper

Verlag: Tulipan, 2016

http://www.tulipan-verlag.de

 

Stinktiere zählen vermutlich nicht zu den beliebtesten Buchhelden. Völlig zu Unrecht!

Von der Begegnung mit einem besonders goldigen und reichlich hartnäckigen Exemplar dieser Art erzählt aus der Sicht eines korrekt anmutenden Herrn mittleren Alters eine ebenso liebenswerte wie amüsante Comicgeschichte der mehrfach ausgezeichneten N-Y-T-Bilderbuch- Bestseller- Autoren/Illustratoren MacBarnett und PatrickMcDonnell.

Eines Tages sitzt aus unerfindlichen Gründen ein Stinktier vor der Haustür jenes Herrn mit Frack und roter Fliege, der aus der Zeit gefallen zu scheint und blickt diesen recht zutraulich und erwartungsvoll an. Der verdutzte Herr scheint etwas ratlos angesichts des unüblichen wie unerwarteten Gastes. Als jedoch das Stinktier ihn mit stoischer Beharrlichkeit auf Schritt und Tritt – ins Cafe´, durch die Stadt, auf den Rummelplatz, in die Oper … – zu verfolgen beginnt, findet er das höchst seltsam, wenn nicht gar lächerlich. Zunehmend ergreift den Herrn eine gewisse Panik, so dass er versucht, den lästigen Verfolger abzuschütteln, was ihm mit großem Aufwand nach anfänglichen Misserfolgen schließlich gelingt.

Doch die erhoffte Erleichterung -zunächst noch mit einer üppigen Party freudig gefeiert- stellt sich auf Dauer nicht ein. Im Gegenteil – immer öfter drängen sich dem Herrn Gedanken an das Stinktier auf. Fast lässt sich vermuten, dass es ihm tatsächlich zu fehlen beginne. Nun ist er es, der das Stinktier verfolgt …

Wunderbar harmoniert der knapp gehaltene, „very british“ anmutende Text mit den überwiegend in Schwarz, Weiß und Rot (korrespondierend zu Frack, weißem Hemd und roter Fliege des Herrn das schwarz-weiß-gestreifte putzige Tierchen mit überdimensionaler roter Knollennase) gezeichneten witzig-hintergründigen Comics, die dem Leser/Betrachter in herzerwärmender Weise so manche Abgründe und Stolpersteine der menschlichen Psyche bildhaft vor Augen führen, worüber sich trefflich philosophieren lässt.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de