Archiv der Kategorie: erzählendes Sachbuch

Kein Stress!

 

Mit welchen Methoden lassen sich Stress und Angstgefühle reduzieren? Welche Denkmuster sind es, die immer wieder Stresszustände verursachen? Matthew Johnstone, Autor von Bestsellern wie beispielsweise „Mein schwarzer Hund“ oder „Mit dem schwarzen Hund leben“ erläutert dies auf der Grundlage eigener Erfahrungen zusammen mit dem Psychologen Dr.Michael Player , welcher wirksame Techniken zur Stressbewältigung entwickelte, in einem zugleich wissenschaftlich fundierten wie humorvollen knapp 200seitigen, reich illustrierten Ratgeber.

Zu Beginn wird zunächst geklärt, was Stress überhaupt genau ist, welche Anzeichen, Symptome und alltäglichen Auslöser von Stress es gibt und wie Gehirn und Geist als Verarbeiter des Stresses funktionieren. Weiterhin wird gezeigt, wie Angstreaktionen, die Stress auslösen, deaktiviert werden können. Dem Faktor Zeit kommt hinsichtlich von Stressreaktionen eine besondere Bedeutung zu, insofern ebenso dem Erlernen von Prioritätensetzung und Zeitmanagement. Ebenso wird erläutert, wie ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf und Bewegung sowie optimaler Ernährung stressminimierend wirken kann oder wie Beziehungsstress in der Partnerschaft über eine Hinwendung zu fürsorglicher und unterstützender Beziehungsstruktur vermieden bzw. reduziert werden kann. Abschließend erfahren wir, wie wir unser Bestes zum Vorschein bringen, wie wir unsere Potenziale entfalten, uns mit neuer Energie aufladen und Resilienz entwickeln können, um uns wieder lebendig und gut zu fühlen.

Zahlreiche Achtsamkeits- und Entspannungsübungen werden vorgestellt, von denen sich die jeweils individuell Passendsten in den persönlichen Alltag integrieren lassen. Verschiedene „Lektionen“ in Form kleiner Anekdoten aus dem Alltag laden zum Nach- und Weiterdenken ein. Die humorvollen Illustrationen im Comic-Stil unterstreichen den Text und geben hilfreiche optische Unterstützung und Auflockerung.

Für gestresste oder vom Stress bedrohte Menschen kann das verständlich, unterhaltsam und einfühlsam geschriebene Buch ein wertvoller Begleiter und Ratgeber werden.

 

Matthew Johnstone & Dr. Michael Player: Kein Stress!

Kunstmann, 2019

 

Wild & Wise

Welche Lektionen wir von den eher wenig beachteten, weil unscheinbaren, weniger schönen bis hässlichen oder gar giftigen Tieren, Pflanzen und anderen Phänomenen der Natur lernen können, erfahren wir in dem 160seitigen handlichen Büchlein mit dem graphisch ansprechenden türkisfarbenen Cover, auf dem sich drei Schlangen umeinander winden.

Insgesamt 70 solcher „Underdogs der Natur“  werden auf je einer Doppelseite vorgestellt, wobei sich zum Text jeweils eine ganzseitige Illustration als dessen künstlerische Interpretation gesellt. Zwischen den Porträts finden sich darüber hinaus zuweilen im kontrastreichen Gegensatz zum Aussagegehalt des Geschriebenen stehende künstlerisch sehr aufwändig gestaltete Doppelseiten, die philosophisch mehr oder weniger tiefgründige Fragen wie „Was, bitte sehr, wäre die Welt ohne Sauerkraut?“ oder die persönliche Sammlung unnützen Wissens bereichernde Fakten oder Erkenntnisse wie „Kaum jemand verliert ein nettes Wort über das Tollwut-Virus.“ oder „Die Hausmaus kotzt niemals, selbst wenn sie die eigenen Köttel frisst.“ aufwerfen.

Angefangen mit der minder beliebten Küchenschabe, von welcher wir lernen können auf Zeit zu spielen, und die seit 320 Millionen Jahren ziemlich anspruchslos vor sich hin lebt, die sich sogar im Weltraum vermehrt und die einen Atomkrieg locker überleben würde, über die sich nach Liebe und Menschlichkeit sehnende und doch überdurchschnittlich oft als widerlich schleimige Kreatur empfundene und von Hobbygärtnern gehasste Nacktschnecke, die Raffinesse des Tollwut-Virus, die Intelligenz der Wanderratte, die durch die Beine atmende Kellerassel, Gedanken zum faszinierenden Zustand des Vakuums, den leicht entflammbaren Stechginster, den allseits unbeliebten Mix aus Regen und nassem Schnee alias Schneeregen, den sich Aufzucht- und Erziehungspflichten entziehenden cleveren Kuckuck (Merke: „Hast du mal darauf geachtet, wie Kinder sind? Schreckliche Brut. Der Kuckuck ist gar nicht so dumm.“), die Stubenfliege, welche  Informationen um ein Vielfaches schneller als der Mensch verarbeitet, über Bakterien, rätselhafte Flechten, die Kopflaus oder den minderbegabten, depressiven Fasan  bis hin schließlich zum sich selbst als klügstes Lebewesen betrachtenden Mensch werden mit einer reichlichen Portion subtilen Humors aus den Eigenarten der Spezies mehr oder minder hilfreiche Schlussfolgerungen für mehr oder minder ernstgemeinte Lebensweisheiten  gezogen und in Merksätzen zusammengefasst.

Damit werden die mit einer Prise Augenzwinkern gewürzten Tier-, Pflanzen- und Naturporträts zu einer gelungenen, künstlerisch hochwertig illustrierten und recht unterhaltsamen Melange aus Wissenschafts- und Sprachakrobatik plus „Lebenshilfe“.

 

Wild & Wise – Clevere Lektionen von den Underdogs der Natur

Text: Dixe Wills

Illustration: Katie Ponder

Übersetzung aus dem Englischen:  Claudia Arlinghaus

Knesebeck, 2019

Mein Mauerfall

Wer zu Zeiten des Mauerfalls etwa zwischen 10 und 20 Jahre alt war, ist heute, 30 Jahre später, vielleicht Mutter oder Vater eines Jugendlichen dieser Altersgruppe, an die sich auch dieses erzählende Sachbuch über die Zeit vor, während und nach dem Fall der Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten und mitten durch Berlin insbesondere richtet.

Geschrieben hat es Juliane Breinl, die sich schon 2011 mit ihrem Buchdebüt „Die Feuerbälle – Kinderbande im geteilten Deutschland“ der speziellen Problematik eines geteilten Landes widmete und der sich zur Zeit der Wende als damals Achtzehnjährige die Bilder des Mauerfalls vom 9.November 1989 ebenso prägend wie surreal erschienen, hatte sie doch nur fünf Jahre zuvor ihrer Heimatstadt Leipzig gemeinsam mit ihrer Familie über einen Ausreiseantrag scheinbar für immer den Rücken gekehrt, um der Willkür und den Repressalien des DDR-Regimes zu entkommen.

Auf 140 Seiten des broschierten Buches, dessen Inhalt in 4 größere Themenbereiche aufgeteilt ist, werden die damaligen Geschehnisse, begleitet von zahlreichen Fotos, Grafiken und Übersichten, lebendig beschrieben. Den Handlungsrahmen bildet die Schilderung des in der Jetzt-Zeit lebenden zwölfjährigen Ich-Erzählers Theo Schumann, der – allgemein sehr interessiert an historischen Themen und Zusammenhängen und aktuell angeregt durch eine Familienfahrt zum 50.Geburtstag der Mutter und deren Zwillingsschwester, welcher dort gefeiert werden soll, wo die Schwestern aufwuchsen, nämlich in einem direkt an der damaligen deutsch-deutschen Grenze gelegenen DDR-Kaff –  eine Faktensammlung zum Thema Mauerfall erstellt, wobei sich die Sicht auf die damaligen Ereignisse innerfamiliär als durchaus unterschiedlich erweist, was immer wieder zu Streitigkeiten führt. Theo aber ist einer, der Klarheit will und erlangt sie nach und nach immer mehr zusammen mit seinem Lesepublikum, was die Lektüre nicht nur interessant und lehrreich, sondern gleichermaßen sehr unterhaltsam werden lässt.

Dabei kommen unter anderem immer wieder sogenannte „Histeos“  als geschichtserklärende YouTube-Videos eines Rollstuhlfahrers namens Jo zur Sprache, ebenso wie eingestreute persönliche Erinnerungen der Autorin oder Erlebnisberichte von Zeitzeugen, was die Handlung in Kombination mit weiteren Querverweisen auf geschickte Art und Weise in einen zeitgeschichtlichen Zusammenhang setzt. So ergibt sich von Erläuterungen zu den Ursachen und Anfängen des geteilten Deutschlands über  die Schilderung der unterschiedlichen Entwicklung der beiden deutschen Staaten bis hin zur friedlichen Revolution im Osten und der anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Mauerfalls durchaus berechtigt gestellten Frage, ob es noch immer „Ossis“ und „Wessies“ oder eine Mauer in den Köpfen gäbe.

Damit auch diese unsichtbare Mauer in den Köpfen irgendwann zum Einsturz kommt, sind Bücher wie dieses  ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung und das von Juliane Breinl im besonderen ein angenehm persönlich gehaltener,  diskursiv und informativ gezeichneter Abriss zum Thema Mauerfall, welcher nicht nur für die eigentliche Zielgruppe, sondern weit darüber hinaus bereichernd und erhellend ist.

 

Juliane Breinl: Mein Mauerfall

arsEdition, 2019

Das Meer

Tief eintauchen in die interessante und geheimnisvolle Meereswelt können wir mit einem neuen, nur in den Farben Blau, Schwarz und Weiß sehr schön gestalteten Sachbuch, welches Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht.

1332 Millionen Kubikmeter Wasser verteilen sich auf die Ozeane unserer Erde. Wo Pazifik, Atlantik, Indischer, Arktischer und Antarktischer Ozean und weitere Meere zu finden sind und welche Besonderheiten sie jeweils kennzeichnen, wird einführend auf der ersten Doppelseite des 56 Seiten zählenden großformatigen Buches mit vielen illustrierten Abbildungen beschrieben. Danach geht es nach und nach immer eingehender ins Detail mit interessanten Fakten zu Wasser, Wellen, Wind, Sand und vielem mehr rund um maritime Themen. Von Naturphänomenen wie Gezeiten, Tsunamis oder Elmsfeuer über verschiedene Meerestiere und –pflanzen, Arten von Schiffen, Begriffserklärungen und Verkehrsregeln der Seefahrt, Navigation, Fischerei, berühmte Seefahrer, Seemannsbärte bis hin zum Seemannsgarn – hin und wieder unterbrochen von kreativen Anregungen wie zum Papierschiffchen-Bauen, Seemannsknoten-Knüpfen oder Algen-Drucken sowie immer wieder eingestreuten Fakten, humorvollen Hinweisen und Anleitungen für kleine Experimente, um beispielsweise einen Raddampfer zu basteln, einen Eisberg in der heimischen Küche selbst herzustellen oder einen Sturm im Wasserglas zu erzeugen und diesen zu filmen- bilden wir uns lesend und forschend zunehmend zu  angehenden Meeresexperten weiter.

Eine sehr unterhaltsame und anregende Verknüpfung von Sachthemen und Mitmachangeboten für kleine und große wissbegierige Meeresliebhaber ist mit diesem auch gestalterisch hochwertigen Sachbuch gelungen.

 

Das Meer – eintauchen, abtauchen, entdecken

Text: Ricardo Henriques

Illustration: Andre Letria

Übersetzung aus dem Portugiesischen: Lea Hübner

Knesebeck, 2019

Malen, Basteln, Staunen – Bäume/Insekten

In Zeiten des Klimawandels rückt die Bedeutung unserer Umwelt  wieder verstärkt in unseren Blickwinkel – mehr denn je gilt es die Natur zu schätzen und zu schützen.

Kinderbücher, die zum aktiven Wissenserwerb einladen, fördern die Beschäftigung mit Themen des Naturschutzes. Die erfolgreiche Buchreihe „Expedition Natur – Malen, Basteln, Staunen“ vermittelt mit zwei neuen Mitmachbüchern entsprechende Lerninhalte – nun zu den Themen Bäume und Insekten – auf spielerische Art und Weise.

Die als Broschüren im Schulbuch-Format gestalteten Bücher laden auf jeweils 40 Seiten mit für Kinder verständlich erklärten und interessanten Sachinformationen, ansprechend gestalteten detailreichen Illustrationen sowie speziellen Anregungen zum Ausmalen, Ausschneiden und Ausfüllen zur intensiven Auseinandersetzung mit den Themen „Bäume“ und „Insekten“ ein.

Auftaktgebend ist jeweils eine auf die innere Umschlagseite gedruckte tiefgründige Fabel vom Kolibri, der mit einem Wassertropfen in seinem winzigen Schnabel seinen eigenen kleinen Beitrag zur Löschung eines Waldbrandes leistet; verbunden mit der Frage an das lesende Kind, ob es selbst so ein kleiner Kolibri sei, der zum respektvollen Umgang mit der Natur beitragen will – ein schöner einführender Impuls zum Nachdenken.

Um etwas bewirken zu können, ist zunächst umfassende  Information zur Thematik gefragt: Sachwissen über Unterschiede von Tieren und Pflanzen, Aufbau und Eigenheiten der Bäume, ihre Veränderung im Verlauf der Jahreszeiten, Gegenüberstellungen von Blättern und Früchten verschiedener Baumarten können sich die mit dem Baum-Buch beschäftigenden Kinder Schritt für Schritt erarbeiten und über Handlungsimpulse – wie etwa ein Baum-Kunstwerk zu gestalten, die Höhe eines Baumes zu bestimmen oder eine Eiche zu pflanzen – auch selbst aktiv werden.

Entsprechend ähnlich ist auch das Insekten-Buch gestaltet und aufgebaut; hier kann beispielsweise eine große Feuerwanze mit Farbstiften ausgemalt, wissenschaftliche Insektennamen vergeben und eine Schwebfliege mit einer Wespe verglichen werden. Am Beispiel des Marienkäfers wird anschaulich der Lebenszyklus eines Insekts erklärt und illustriert. Welche Insekten es in unserer Umgebung gibt, wo sie wohnen, wovon sie sich ernähren, wie sie zur Pflanzenvermehrung beitragen,  was wir selbst tun können, um Insekten zu schützen und vieles mehr kann hier ausführlich ergründet werden.

So sind auch diese beiden schön gestalteten Sachbuch-Broschüren der Kolibri-Fabel gemäß ein kleiner, aber wichtiger Beitrag dazu, kindgerecht Naturwissen zu vermitteln und die Sensibilität der heranwachsenden Generation für die Belange unserer Erde zu entwickeln.

 

Expedition Natur Malen, Basteln, Staunen – Bäume

und

Expedition Natur Malen, Basteln, Staunen – Insekten

Text: Francois Lasserre

Illustration: Isabelle Simler

Moses. Verlag, 2019

Pilze

Wir erfreuen uns bei einem Waldspaziergang an ihrem Aussehen, wir sammeln sie, wir essen sie, sie begegnen uns in vielfältigen Formen etwa als Schimmel auf dem Käse oder an Hauswänden: Pilze – weder Pflanzen noch Tiere, sondern eine eigene, faszinierende Welt mit vermutlich vielen noch unentdeckten Geheimnissen und Potentialen. Noch bis in die sechziger Jahre wurden sie zu den Pflanzen gezählt, dabei sind sie sogar näher mit den Tieren verwandt, wie man inzwischen weiß. Wie bei gepanzerten Insekten und anderen Gliederfüßern vorkommend, bestehen ihre Zellwände aus Chitin. Und ebenso wie Tiere speichern sie als Energiereserve Glykogen und Fett. Andere tierische Merkmale, wie die Fähigkeit sich zu bewegen, fehlen jedoch.  Pilze stellen neben Flora und Fauna sogar eines der größten Reiche in der Natur dar, wobei noch nicht einmal alle Pilzarten beschrieben worden sind, erst 7 % Prozent der Pilze sind bekannt – welch ein Mysterium! Grund genug, ein Buch ganz den Pilzen zu widmen und ihre Geheimnisse näher zu beleuchten.

Nach Erläuterungen zum Aufbau der Pilze befassen sich weitere Kapitel mit Speise- und Giftpilzen sowie seltenen und gefährdeten Exemplaren. Auffällig ist, dass die Pilze oft sehr lustige oder seltsame Namen tragen, in die spezielle Beobachtungen der Forscher eingeflossen sind. So lesen wir, dass der Name „Hallimasch“ beispielsweise von der rustikalen Redewendung „heil im Arsch“ herrührt, weil er hilfreich bei Hämorrhoiden sei.

Wir erfahren, wie man Pilze im Garten, Keller oder der Garage selber züchten kann, was beim Sammeln im Wald zu beachten ist, welche gefährlichen Doppelgänger von Speisepilzen es gibt, wie Pilze haltbar gemacht werden können sowie leckere Pilzrezepte.

Allerlei Interessantes und Wissenswertes wird  von den Baumpilzen berichtet – mit manchen von ihnen kann man sogar Feuer anzünden oder Blutungen stillen. Auch von den Trüffeln als den teuersten Pilzen ist Interessantes zu erfahren. Mit etwas Geschick kann man seinen Hund zum Trüffelsucher dressieren.

Eine Doppelseite wird allein den Fliegenpilzen gewidmet und erklärt, was es mit sogenannten Hexenringen und Feenkreisen auf sich hat.

Wie Pilze in anderen Kulturen verwendet werden, wie sie als Heilmittel oder bei der Käseherstellung eingesetzt werden, wie sie aus Teig Brot werden lassen, welche Pilze Krankheiten verursachen, was Raubpilze und deren „Jagdtechniken“ sind, Wissenswertes über Flechten, Leuchtpilze, Pilzrekorde, wie Pilze mit Pflanzen oder Tieren Teamwork betreiben und viele weitere interessante Fakten wie Pilze als mögliches „Plastik der Zukunft“ erläutern weitere Doppelseiten. Selbst „unechte Pilze“ wie Stopfpilze, pilzförmige Felsen- oder Wolkenformationen werden thematisiert.

Mit einer Fülle an hochinteressanten Informationen, die erstaunen lassen und wunderbar detailreichen Illustrationen, welche sich nicht nur auf die korrekte Wiedergabe der Pilzanatomie beschränken, sondern darüber hinaus wohldosiert humorvolle künstlerische Extras platzieren, gelingt es auf sehr bereichernde und unterhaltsame  Weise, in die faszinierende Welt der Pilze einzutauchen.

 

Titel: Pilze – Verrückte Fakten über Fliegenpilz, Hefe & Co.

Text: Liliana Fabisinska

Illustration: Asia Gwis

Übersetzung aus dem Polnischen: Thomas Weiler

Knesebeck, 2019

Die Sinne

Verschlungene ornamentale Muster, welche sich bei genauerem Hinschauen als Zellen oder Organellen erweisen, ranken sich vor dunkelrotem Hintergrund um den Buchtitel. In stärkerer Vergrößerung, jetzt in Schwarz-Weiß, erscheinen ähnliche Strukturen kontrastreich im Vorsatzpapier, bevor der Prolog zu diesem bemerkenswerten Wissenschafts-Comic über die Sinne uns in die Handlung führt. Der Autor, Dr. Matteo Farinella, kombiniert auf einzigartige Weise sein illustratorisches Talent mit berufsbedingtem neurowissenschaftlichen Fachwissen zu einer auch für Laien hochinteressanten und ebenso unterhaltsamen Graphic Novel.

Die Protagonistin der Story ist Diane, eine Wissenschaftlerin, die über ihre Arbeit im Labor, VR-bebrillt und gefesselt vom Testen ihres beinahe fertigen Augmented-Virtual-Reality-Systems im Selbstversuch, beinahe den Bezug zur Realität zu verlieren scheint, als sie das Angebot einer Freundin, zu deren benachbarter Party zu kommen, hinausschiebt, um sogleich wieder in ihre virtuelle Welt der Sinne einzutauchen.

Die komplexen Funktionsweisen des Tastens, Schmeckens, Riechens, Hörens und Sehens werden uns über Dianes Erlebnisse in den von ihr selbst kreierten Sinneswelten nahegebracht, in denen sie wie eine Forschungsreisende durch Landschaften aus Nerven, Zellen, Papillen, Botenstoffen und Rezeptoren wandert, dabei Bekanntschaften mit unterschiedlichsten Kreaturen und Strukturen macht, um mit diesen und über diese auch mit uns in Dialog zu treten.

Da doziert eine Riesenmaus über die Unzulänglichkeit des menschlichen Tastsinns, da tauchen Rezeptoren mit professoralem menschlichen Antlitz auf, um sich zu erklären, dort wandert Diane mit einem ritterlichen Begleiter durch überdimensionale Geschmacksknospen oder trifft auf das in Wunderbeeren enthaltene geheimnisvolle Miraculin, welches es schafft, einen vermeintlich süßen Geschmack zu schaffen, indem es sich an Süßrezeptoren in inniger Umarmung anheftet und es so schafft, sie als Antwort auf Säuremoleküle zu aktivieren – was damit illustrativ verdeutlicht wird, dass Dianes Begleiter es nur mit sanfter Gewalt  schafft, die beiden Frischverliebten voneinander zu trennen. An anderer Stelle trifft Diane Kikuma Ikeda, welcher den köstlichen Geschmack Umami jenseits von Süß, Bitter, Sauer oder Salzig in japanischer Algenbrühe entdeckte und damit das Glutamat als deren geheime Ingredienz ausmachen konnte. Mit einem schlappohrigen Hund reist Diane in die phantastische Welt der Gerüche mit einer Fledemaus in jene der Geräusche, ein Vogel erklärt das Prinzip der Verarbeitung von Musik im Gehirn, bevor Diane letztlich mit einem neuen Begleiter die erstaunlichen Mechanismen des Sehens ergründet.

In einem Epilog verfolgen wir Dianes allmähliche Rückkehr aus dem Virtuellen, bei der die kreative Kraft ihres Geistes – höchst anschaulich und unterhaltend in Bilder und Dialoge gefasst- vermag, in die Organellen der fünf Sinne einzutauchen und damit auch unser Verständnis für diese hochkomplexen Zusammenhänge schärft, zurück ins Reale.

Wenn wissenschaftliche Zusammenhänge derart aufbereitet den Weg zu unseren Sinnen finden, ist auch unsere Realität ein stückweit bereichert.

Die Sinne, Illustration & Text: Dr. Matteo Farinella, Kunstmann, 2019

Gäste in meinem Garten

Es ist ein Refugium des Grünens und Blühens, des Zwitscherns, Summens, Brummens, Scharrens  und Gackerns, welches die Autorin mit ihrem Kraft- und Rückzugsort, ihrem geliebten Stadt-Garten, so  plastisch, kenntnisreich, humorvoll und unterhaltsam beschreibt, dass man sich lesend augenblicklich an diesen wunderbaren, energiespendenden Ort versetzt fühlt und sich mit ihr um alle seine Bewohner aus Flora und Fauna zu sorgen beginnt.

Wir erleben mit, wie Regina, die Bienenkönigin samt Hofstaat dort Residenz bezieht und fragen uns, ob sie sich wohl wie erhofft mit den bereits Ansässigen, Hund Erbse und den Hühnern, vertragen  und an den üppig vorhandenen Blüten laben sowie alle mit Stichen verschonen wird. Wir versetzen uns in das Gefühl ihrer Vorfreude im Frühling auf alles, was da jetzt kommen und ans Licht drängen möge, die Freude über die ersten Schneeglöckchen und Schmetterlinge und den Auftritt der Krokusse, der wie ein Fest zelebriert wird. Die Hühner, die Namen tragen wie Ida, Irmchen oder Dorchen, wachsen uns mit jeder erzählten Begebenheit aus ihrem Zusammenleben mit der Gartenbesitzerin ein Stück mehr ans Herz. Wir begeben uns mit ihr mit wachsendem detektivischem Spürsinn auf die Suche nach einem geheimnisvollen Übeltäter, welcher frech Löcher in zarte Pflänzchen knipst, amüsieren uns über die rührend tollpatschige kleine Henne Dorchen, lassen uns von  imaginären Farben und Düften im Überschwang wachsender Blumen und Früchte betören, genießen das Gold des einziehenden Herbstes und die Stille des Winters hautnah mit.

Wer bis jetzt noch kein Sehnen nach einem paradiesischen Garten wie diesem verspürte, wird es spätestens bei der Lektüre dieses wunderbar geschriebenen und farbenfroh illustrierten kleinen Büchleins tun, mit dem man sich am liebsten in eine Hängematte im Grünen zurückziehen und von dieser Idylle träumen möchte.

 

Gäste in meinem Garten – Bienen, Amseln Huhn und Star

Text: Susanne Wiborg

Illustration: Rotraut Susanne Berner

Kunstmann, 2019

 

Die Weisheit des Rotkehlchens

Wenn im Herbst die Schneegänse in wilden Rufen ihre sogenannte Zugunruhe, die von Sehnsucht nach Veränderung geprägt ist, bekunden, weil sie bald gen Süden fliegen, kann das einem Menschen, der diese Rufe bewusst vernimmt, wie eine Botschaft erscheinen:

„Die Schneegänse erinnern uns daran, dass im Laufe des Jahres nicht nur die Jahreszeiten Wechseln, sondern auch Schwierigkeiten sich verändern und wandeln. Mit der Zeit ziehen sie vorüber und nehmen eine neue Gestalt an. Schenkst du den Zeichen dieser neuen und wunderbaren Zeit deine Aufmerksamkeit?“

So kann uns beispielsweise auch der bemerkenswerte Laubenvogel, welcher mit Akribie, Kreativität und Leidenschaft seine Umgebung formt, indem er zur Beeindruckung des Weibchens seine aufwändig gebauten  „Lauben“ mit farbigen Accessoires ausschmückt, lehren, dass wir nicht aufhören sollen, Räume zu erschaffen, die uns glücklich machen.

Oder eine geduldig brütende Henne kann uns möglicherweise offenbaren, dass es an der Zeit sein könnte, sich endlich gedanklich mit einem bestehenden Problem auseinanderzusetzen, statt es beiseitezuschieben und sich mit Ablenkungen zu befassen.

Kraniche, die die Route ihrer Züge erst allmählich von ihren Eltern lernen, bevor sie diese selbständig beherrschen, können uns vergegenwärtigen, dass es mitunter lebenswichtig ist, sich führen zu lassen, nicht ungeduldig zu werden, mit Güte zu lehren und mit Eifer zu lernen.

Das amerikanische Rotkehlchen, auch Wanderdrossel genannt, taucht als Frühlingsbote auf der Nordhalbkugel auf, wenn die Tage wärmer werden und erste Knospen sprießen. Es kann uns ein Zeichen geben, darüber nachzudenken, ob es nicht auch für uns an der Zeit ist, intellektuell und kreativ zu wachsen, den Neubeginn nicht zu verpassen, sondern ihn zu feiern.

In ähnlicher Weise assoziiert die Autorin an 65 Beispielen ihre einfühlsamen Vogelbeobachtungen mit entsprechenden Schlussfolgerungen auf menschliches Tun und gibt – unterteilt in die Kategorien Freude, Kreativität, Geduld, Güte, Widerstandskraft, Austausch, Stärke, Achtsamkeit, Tatkraft und Veränderung – damit vielfältige Denk- und Handlungsanstöße auf unterschiedlichen Ebenen.

Aus jeder ihrer poetischen Zeilen und aus jedem ihrer wunderschönen filigranen Scherenschnitte, die als Illustrationen die Vogelporträts begleiten, spricht Liebe und Dankbarkeit den Vögeln gegenüber, deren Anblick oder Gesang ihr häufig im Leben Mut und Hoffnung schenken konnten. Die zarten, berührenden Worte und Bilder können, wenn man sich ohne Vorbehalte auf die esoterisch anmutende  Sichtweise der Autorin einlässt,  als eine Form von Lebenshilfe auf wunderbare Weise Orientierung  geben und Trost, Kraft und Stärke schenken.

 

Die Weisheit des Rotkehlchens – Was wir von Vögeln für unser Leben lernen können

Text und Illustration: Maude White

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Ulrike Kretschmer

Knesebeck, 2019

Vom magischen Leuchten des Glühwürmchens bei Mitternacht

Wer würde vermuten, dass aus der symbiotischen Beziehung zweier Organismen, gemeint sind hier Algen und Pilze, aus der sich hochinteressante Gebilde wie Flechten formen, ebenso poetische Geschichten formen lassen?

Wer hätte gewusst, dass Wanderdrosseln ein heimliches Doppelleben führen, dass wir von Quallen nur sehr verschwommene Vorstellungen haben, dass Libellen geradezu außerirdische Fähigkeiten besitzen oder dass man mit Glühwürmchen sprechen kann?

Wer würde ahnen, dass es Leute gibt, die den Geruch von Stinktieren lieben oder solche, die Loblieder auf Fliegen singen?

Wer hätte geglaubt, wie spannend Spaziergänge an winterlichen Stränden werden können?

Dass die Natur unzählige kleine Wunder birgt, die es nur aufzuspüren und zu entdecken gilt und uns zum Schwärmen und Staunen bringen können, versteht die vielfach ausgezeichnete amerikanische Naturforscherin und Buchautorin Sy Montgomery ( sehr erfolgreich z.B. mit „Rendezvous mit einem Oktopus“) in 45 kleinen Geschichten aus vier Jahreszeiten derart unterhaltsam, mitreißend, interessant und poetisch zu erzählen, dass es ein freudiges Erlebnis und großes Leseabenteuer ist, mit ihr in die Geheimnisse aus der Tier- und Pflanzenwelt wie in einen spannenden Roman einzutauchen und sich von deren Magie und den wunderschönen begleitenden Illustrationen bezaubern zu lassen.

 

Text: Sy Montgomery

Illustrationen: Tine Pagenberg

Übersetzung: Dr. Cornelia Panzacchi

Knesebeck, 2019