Archiv der Kategorie: erzählendes Sachbuch

Wilde Katzen

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Das in Erd- und Pflanzenfarben interessant komponierte Buchcover mit dem brüllenden Tigerkopfporträt, umrahmt von exotischen Blattpflanzen, und dem auffallenden rostrot-gold-glänzenden Titelschriftzug ist bereits ein bemerkenswerter Blickfang.

Owen Davey, Schöpfer der preisgekrönten Sachbücher „Die Affenbande“ und „Hai Ahoi!“ widmet sein neues Sachbuch über Katzen den eigenen Stubentigern namens Max, Oliver, Henry und Alyssia. Im Buch geht es um deren wilde Verwandte, die Katzen, welche es bereits seit 50 Millionen Jahren gibt, von denen manche wie der imposante Smilodon,  besser bekannt als Säbelzahntiger, schon ausgestorben sind, und andere sich im Laufe der Evolution verändert haben und nun in acht verschiedene Gruppen ( und zwar die Panthera-, die Ozelot-, die Karakal-, die Borneo-, die Luchs-, die Puma-, die Bengal- und schließlich die Hauskatzen-Linie) eingeteilt werden, die in verschiedenen Gegenden der Erde vorkommen und sich in Größe, Aussehen und Lebensweise unterscheiden. Allen gemeinsam jedoch ist ihre elegante Gestalt, ihre Eigenständigkeit, ihr faszinierendes Wesen und ihre interessante Lebensweise, von der viel Wissenswertes im Buch berichtet wird.

Wie und wo die großen (Tiger, Löwe, Leopard & Co.) und kleineren Verwandten (zum Beispiel die possierlich aussehende, aber räuberische Rostkatze) unserer Hauskatzen leben, jagen, sich ernähren, sich tarnen, klettern, ihr Revier verteidigen, welche erstaunlichen Rekorde sie aufstellen und wie sie ihren Nachwuchs aufziehen, welche Legenden sich in verschiedenen Kulturen um sie ranken und welche Arten gefährdet sind -davon erzählt in großformatigen, farblich ansprechenden und gestalterisch bemerkenswerten, hervorragend illustrierten Bildern und interessanten Erläuterungen dieses empfehlenswerte hochwertige Sachbuch.

Titel: Wilde Katzen. Alles über Tiger, Löwe, Leopard

Text/Illustration: Owen Davey

Verlag: Knesebeck

2018

ISBN 978-3-95728-155-5

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Mit anderen Worten

Titel: Mit anderen Worten – Unübersetzbares aus aller Welt

Text: Christopher J. Moore

Illustration: Lan Truong

Übersetzung aus dem Englischen: Karin Weidlich

Verlag: Knesebeck, 2018

 

 

Was ist genau gemeint, wenn  im Arabischen „Katzen nur von Mäusen träumen“, im Persischen „Hand und Herz aufgehen“, im Türkischen man sich ins Meer fallend „an einer Schlange festhalten“ sollte, im Jiddischen von einem „Luftmensch“, im Dänischen von einem Lebensgefühl namens „Hygge“ und im Englischen  von einem Hundeleben -„It´s a Dog´s Life“- die Rede ist? Wer wäre darauf gekommen, dass eine japanische Redewendung, welche im Wortsinn  „die Knie ineinander vermengen“ lässt, ein sehr vertrautes Plaudern umschreibt? Oder dass es für den Stress, den das Sprechen einer fremden Sprache auslöst, im Japanischen eine eigene Redewendung gibt, die die Akrobatik einer in Seitenlage eingenommenen Reismahlzeit beschreibt? Auch das hochchinesische Mandarin kennt vielfältige blumige Metaphern für menschliche Erscheinungsbilder wie etwa „Das Meer inmitten der Länder“ als poetische Entsprechung eines profanen Glatzkopfs. Wo kommt eigentlich die Bezeichnung für einen „Doppelgänger“ oder für das „Drachenfutter“ her und was ist das typisch Deutsche am „Weltschmerz“?

Diese und viele andere, wörtlich eigentlich unübersetzbare Bezeichnungen und Redewendungen aus aller Welt, wurden in diesem ebenso interessanten wie – nicht nur für Linguisten – überaus unterhaltsamen Büchlein zusammengetragen und von schönen  piktogrammartigen farbigen Illustrationen, welche die Bedeutung der Idiome neben der wörtlichen Erklärung zusätzlich offenbaren helfen, wunderbar begleitet. Die Lektüre gleicht einer abenteuerlichen Entdeckungsreise in die Welt der Sprache und damit zu den verschiedensten Kulturen und ist ebenso für Kinder wie für Erwachsene eine große Bereicherung.

Die Romantherapie für Kinder

Autoren: Ella Berthoud & Susan Elderkin mit Traudl Bünger

Übersetzung aus dem Englischen: Katja Bendels und Kirsten Riesselmann

Verlag: Insel Verlag, 2017

ISBN: 978-3-458-17704-3

 

Klassische Bilderbuchhelden wie das Sandmännchen, die Raupe Nimmersatt, Tigerente, Paddington, der kleine Prinz und der buntkarierte Elefant Elmar kreuzen sich auf dem Buchcover  mit dem Buchtitel und weisen möglicherweise damit symbolisch auf das therapeutische Potential von Kinderbüchern hin.

Kann man problembelastete Episoden des kindlichen Lebens -angefangen von A wie Abkapselung, Albträume oder Anerkennungssuche, B wie Behinderung, Bildschirmsucht oder Brüderrivalität bis Z wie Zigarettenrauchen- mit Büchern „therapieren“, sich Geschichten wie Medizin verschreiben lassen? Man sollte es auf jeden Fall versuchen!

Das wie ein Nachschlagewerk aufgebaute, inhaltlich umfangreich und ambitioniert zusammengestellte Buch richtet sich an diejenigen Erwachsenen, die an die heilsame Wirkung von mutmachenden Geschichten glauben und Kindern oder Jugendlichen, die ihnen am Herzen liegen, in schwierigen Lebenslagen die passenden Bücher anbieten wollen.

Auf 372 Seiten werden insgesamt 233 Bücher mal mehr, mal weniger ausführlich vorgestellt – Bücher, die nach Empfinden der Verfasserinnen „Kinder glücklich, gesund und schlau machen“. In alphabetischer Reihenfolge sind verschiedene „Leiden“ oder Lebenslagen von A-Z aufgelistet. Wer zum Beispiel einem Kind, welches mit einem depressiven Elternteil zusammenlebt, mit einer geeigneten Lektüre helfen möchte, findet unter E wie „Elternteil, depressiver“ zwei Buchvorschläge: „Kaputte Suppe“ von Jenny Valentine und „Fünfzehn kopflose Tage“ von David Cousins. Beide Titel sind mit einem „T“ gekennzeichnet, was den Hinweis auf Teenagerliteratur gibt. Leider finden sich in dieser Kategorie keine Buchempfehlungen für jüngere Kinder (diese wären dann mit „B“ für Bilderbücher, „A“ für Leseanfänger oder „J“ für junge Leser gekennzeichnet), was mich verwundert, da es im Bereich der Depressionsthematik  durchaus einige erwähnenswerte Titel für jüngere Leser gäbe. Schade auch, dass einige relevante Suchbegriffe wie zum Beispiel Demenz, mit welcher sich Kinder in ihrem Umfeld doch zunehmend auseinandersetzen müssen, keine Erwähnung finden. Auch zu diesem Thema gäbe es einige sehr gute Titel für verschiedene Altersstufen zu nennen.

Hilfreich und informativ sind jeweils die Kurzbeschreibungen der Buchinhalte, ebenfalls wie die Querverweise auf ähnlich gelagerte Problemfelfer (hier zum Beispiel „Trennung der Eltern“). Graphische Symbole (Buch mit Apfel, Bücherstapel mit Krone und Buch mit Eule) helfen bei der Einordnung der Hinweise.

Zu einigen Suchbegriffen finden sich Ranking-Listen wie beispielsweise „Die zehn besten Bücher, in denen es um Adoption geht“, „Die zehn besten Gute-Nacht-Geschichten für die Kleinsten“ oder „Die zehn besten Bücher, um Kindern zu helfen, Kriege zu verstehen“. Diese strikte, wie eine  In-Stein-gemeißelt-Sein vermittelnde Zuschreibung bereitet mir doch etwas Unbehagen, da sie viele weitere sehr gute und passende Bücher, auch die zum Zeitpunkt des Drucks noch nicht erschienenen oder die von den Autorinnen übersehenen ausschließt. Bescheidener und ansprechender wäre hier doch die Formulierung „Zehn empfehlenswerte Bücher bei …“ gewesen.

Dennoch ist das Buch ein nützliches Nachschlagewerk und ein wertvoller Ratgeber bei der Suche nach einer passenden, hilfreichen, trostgebenden oder glücklichmachenden Geschichte.

Yoga für Kinder

Kartenbox mit 50 Karten

Autoren: Tara Gruber & Lea Kalish

Illustrationen: Sophie Fatus

Verlag: moses. Verlag, 2017

 

Yoga fördert die Gesundheit, das Konzentrationsvermögen und die Beweglichkeit. Von der den Körper und den Geist stärkenden Wirkung von Yogaübungen können alle profitieren, Erwachsene ebenso wie Kinder. Kindern sollte die Yogapraxis dabei nur ein wenig spielerischer vermittelt werden; speziell für sie wurde dieses Kartenset entwickelt.

Es enthält in einer stabilen, orange-grün-farbigen Box 50 ansprechend und kindgerecht gestaltete Karten, deren Format etwas größer als das von Postkarten ist und die recht strapazierfähig und abwischbar sind. Mit ihnen lassen sich verschiedene Yogaprogramme individuell aufbauen.

Eine Leporello-Karte gibt zunächst eine erklärende Übersicht über 9 verschiedene Kategorien -Atemübungen, Spielelemente, Balanceübungen, Standhaltungen, Vor- und Rückbeugen, Übungen zum Drehen und Strecken, Partnerübungen und Übungen zum Loslassen, Ruhen und Vitalisieren- und dazu die wichtigsten Yogi-Tipps.

Die einzelnen Kategorien sind verschiedenfarbig markiert, sodass sie sich immer wieder leicht zuordnen lassen. So gibt es zum Beispiel auf den bläulichvioletten Atem-Karten Anleitungen für den Bären-, Schlangen-, Hasen-, Bienen- oder Elefantenatem. Mit ihrer Hilfe kommt man mit der entsprechenden Atemtechnik je nach dem erwünschten Ziel entweder zu Ruhe und Balance, Ruhe und Langsamkeit, Klärung und Reinigung oder Entspannung und Beruhigung oder sie helfen dabei, neue Energie und Kraft aufzutanken.

Kindgerechte Illustrationen und gut verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur jeweiligen Übung geben dabei auf der Vorder- und Rückseite der Karten Struktur und Orientierung und erfreuen durch eine farblich und grafisch ausgesprochen ansprechende Gestaltung.

Die gelben Yoga-Spielkarten, welche unter anderem Spiele wie „Yogabrezeln“ oder „Naturkinder“ anleiten, stimmen mit passenden Zitaten und Weisheiten auf die Spielübungen ein. Mit den grünen Balance-Karten werden Übungen wie Baum, Held III, Pfeil, Boot oder Brett in Wort und Bild kinderleicht erklärt. Ebenso die Standübungen auf den hellgrünen Karten, die Berg, Tänzer, Dreieck, Held I und Held II heißen oder die Vorbeugeübungen auf den orangenen Karten, welche mit Fels, Gorilla, Schildkröte, herabschauender Hund und Fluss benannt wurden. Türkisfarben kommen die Rückbeugeübungen wie Kobra, Haifisch, Brücke, Fisch oder Delfin und mattgelb die Dehn- und Streckübungen wie Drache, gedrehter Drache, Brezel, Drehung im Liegen und Katze sowie pink die Partnerübungen wie Dach, Aufzug, Rücken-an-Rücken-Stuhl, Doppel-Brezel, Salamander auf dem Fels, Wippe, Doppel-Boot, offenes Herz, Freundliche Krieger und Doppelhund daher. Die lindgrünen Zeit-für-dixch-Karten sorgen mit geeigneten Übungen für neue Energie, Entspannung, Unterstützung, Erdung und Harmonie.

Mit dieser schönen wie hilfreichen Kartenbox sind Eltern, Therapeuten oder Übungsleiter -neben ihrer bereits vorhandenen Yogaerfahrung- bestens vorbereitet und gerüstet, um Kindern auf altersgerechte und originelle Weise die wohltuende Wirkung von Yoga nahebringen zu können.

John F. Kennedy – Zeit zu handeln

Text: Shana Corey

Illustration: R.Gregory Christie

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Elisa Martins

NordSüd Verlag, 2017

 

Am 29.Mai 2017 wird anlässlich des 100.Geburtstags von John F.Kennedy, dem 35.Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gedacht, dessen besonderes Charisma, untrennbar verbunden mit seinen Bemühungen und Verdiensten um die Bürgerrechte, wieder verstärkt in unser aller Blickfeld rücken. So wie uns heute die aktuelle amerikanische Präsidentschaft aus vielerlei Gründen nicht unberührt lässt, war auch Kennedy in einer der bewegtesten Zeiten der Weltgeschichte amtierender Präsident. Diese Zeiten und deren Umstände auch für das kindliche Verständnis in einem Bilderbuch wieder aufleben zu lassen und erklärbar zu machen, ist an sich schon anerkennens- und begrüßenswert; kann ein solches Buch doch verstärkt Anlass dazu geben, miteinander über Fragen von Rassismus, Ausgrenzung und Menschenrechten ins Gespräch zu kommen.

Im farbig illustrierten Buch begleiten wir John F.Kennedy, der bereits als Kind gern Geschichtsbücher las, und im Buch nur kurz John genannt wird, womit wir ihm gewissermaßen auf Augenhöhe begegnen, als einen Menschen, der Geschichte schrieb. Dass diese die Weltgeschichte bewegenden Personen auch ganz normale Menschen wie du und ich sein können, streicht der  durchweg interessant und verständlich geschriebene Text in besonderer Weise heraus.

Wir erleben hier John F.Kennedy als einen Menschen, der sich schon frühzeitig für seine Mitmenschen interessierte und einsetzte – anfänglich am Beispiel der bemerkenswerten Rettung von Schiffbrüchigen unter Einsatz des eigenen Lebens oder als aufstrebender junger Senator, der nebenbei ein vielbeachtetes Buch über Zivilcourage schrieb und sich schließlich 1960 -in den schwierigen Zeiten des Kampfes der schwarzen amerikanischen Bevölkerung um die Bürgerrechte- um das Amt des Präsidenten bewarb, welches er mit nur 42 Jahren dann auch antrat. Im Sinne Abraham Lincolns versprach Kennedy, sich für die Rechte aller Bürger, also auch der schwarzen Bevölkerung, einsetzen zu wollen. Engagiert bemühte er sich gegen die Inhaftierung des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Kennedys Antrittsrede, die inhaltlich die Bürgerrechte hochhob, wurde legendär: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt“, heißt es darin und ist heute nicht minder aktuell.

Wir erfahren weiter, wie intensiv Kennedy an friedlichen Beziehungen zur damaligen Sowjetunion arbeitete, von seiner berühmten „Ich bin ein Berliner“-Rede, aber auch davon, dass er hin und wieder zauderte, wenn es um die Einhaltung seiner Versprechen um die Bürgerrechte ging. Erst ein Jahr nach seinem tragischen Tod -seiner Ermordung im Jahr 1963- wurden die geforderten Rechte schließlich in einem Bürgerrechtsgesetz festgeschrieben, aber auch noch heute, wie wir wissen, nicht vollumfänglich eingehalten.

Dass Geschichte nicht nur aus Worten besteht, sondern wir selbst sie Tag für Tag verändern und damit selbst Geschichtsschreiber werden können, unsere Stimme erheben und für unsere Werte einstehen sollten, ist eine klare und deutliche Botschaft am Buchende, die auch schon Kinder verstehen und verinnerlichen können.

Inhaltlich hat mich, nicht zuletzt auch wegen der für Kinder sehr gut verständlichen Sprache, das Buch sehr beeindruckt, die Illustrationen hingegen überzeugen mich nur bedingt, erzeugen sie doch durch eine zuweilen allzu aufgesetzt wirkende Plakativität und zum Teil wenig nachvollziehbare Proportionalitätsverschiebungen bei mir eine merkwürdige Ambivalenz. Andererseits bestechen einige der Abbildungen gerade durch eine besonders starke Ausdruckskraft und interessante Dynamik und Farbigkeit. Meinen Kindern -und damit der Zielgruppe- haben die Illustrationen jedoch durchweg gut gefallen.

Hanna Nebe-Rector, http://www.malkastl.de

 

In unserer Küche wird gedruckt

Titel/Untertitel: In unserer Küche wird gedruckt – Kreative Kleinauflagen handgemacht

Idee, Illustrationen, Fotografien und Text: Laura Sofie Hantke und Lucas Grassmann

Verlag Herrmann Schmidt, 2016

 

„Ein schönes Buch ist ein Kompliment an seinen Autor – und eine Liebeserklärung an den Leser. Ein schönes Buch entsteht aus dem Inhalt heraus, es ist die materialisierte Antwort auf den Text. Es inszeniert den Inhalt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Es schmeichelt den Augen und den Händen des Lesers. Es macht, dass der Inhalt besser erinnert wird. Im besten Fall macht es Ihr Leben ein kleines bisschen schöner …“ (Creative Report Herbst 2016, Verlag Hermann Schmidt)

Das von Lauras und Lucas Küchen-Druck-Erfahrungen erzählende Büchlein ist ohne Zweifel eins der schönen Bücher in diesem Sinne. Es lässt bereits beim ersten Blättern große Freude aufkommen: wie angenehm es in den Händen liegt, die gute Papierqualität, die Sorgfalt der Bindung, der feine Geruch, die wunderbare Gestaltung und Typografie, die Arrangements ihrer Arbeiten, Fotos und Zeichnungen – ein ästhetischer Genuss!

Ausgesprochen sympathisch stimmen die ersten Seiten auf das Buchthema und dessen Protagonisten ein, bevor es dann auf Seite 40 so richtig zur Sache geht, nämlich die Küche -schon angesichts des Kochens als kreativem Akt und als Treffpunkt für Familie und Freunde das kreative Herz der Wohnung- zur temporären Druckwerkstatt für handgemachte Kleinauflagen von Postkarten, Postern, Etiketten, Notizheften, Buttons, Stickern, Stofftaschen und vielem mehr zu machen.

Laura und Lucas, zwei Gestalter und Illustratoren aus Darmstadt, funktionieren zeitweise ihre Küche zum Kreativ-Atelier um und drucken dort mit einfachen und unkonventionellen Mitteln die verschiedensten schönen Dinge. Weil sie damit inzwischen einige Übung haben und ihre Erfahrungen zu unserem Glück nicht für sich behalten, sondern weitergeben wollen, gibt es dieses schöne Buch.

Bei der von Laura und Lucas vorgestellten sogenannten Kitchen-Litho, von der sie sich von der auf dem Prinzip der Lithografie beruhenden Technik einer Französin namens Emilion inspirieren ließen und diese abwandelten, ausbauten und  weiterentwickelten, verwenden sie überwiegend Materialien, die sich bereits im Haushalt finden lassen wie zum Beispiel Alufolie, Pflanzenöl oder -man lese und staune- Cola. Alufolie wird dabei zur Druckplatte, Pflanzenöl zum Terpentinersatz und Cola zum Druckplatten-Ätzmittel.

Wie das genau funktioniert, wird sehr ausführlich und verständlich sowie ebenso unterhaltsam in allen erforderlichen Einzelschritten und möglichen Pleiten, Pech und Pannen samt der Möglichkeiten ihrer Behebung beschrieben. Beginnend mit der Materialliste, die es gleich doppelt gibt, nämlich erstens grafisch und zweitens als -ungewöhnliche wie schöne Idee!- grünlicher kleiner Spickzettel, der in die Doppelseite mit den zeichnerischen Abbildungen von Glasplatte, Zeichenstiften, Lackierrolle etc. mit eingebunden ist, geht es weiter mit den einzelnen Arbeitsschritten, die ebenfalls mit diesen grünlichen Zetteln, von denen es insgesamt zehn gibt, gespickt sind und auf denen es beispielsweise um das Vorbereiten der Druckplatte, das Drucken selbst, das Trocknen oder das Archivieren geht. Jeder einzelne Schritt wird dabei sehr ausführlich und nachvollziehbar beschrieben und mit hilfreichen Insidertipps ergänzt.

Die vorgestellten Techniken machen sogleich große Lust aufs Ausprobieren und das wunderbar gestaltete Buch zu einem inspirierenden Begleiter für alle Leute mit kreativen Ideen.

Hanna Nebe-Rector, malkastl.de

So geht Kunst

Titel: So geht Kunst: Die heutige Kunstwelt verstehen und vielleicht lieben lernen

Originaltitel: Playing to the Gallery: Helping Contemporary Art in its Struggle to be Understood (Penguin Books LTD)

Text und Illustration: Grayson Perry

Übersetzung aus dem Englischen: Sofia Blind

Verlag: Prestel, 2017

Der 1960 geborene englische Künstler Grayson Perry, 2003 ausgezeichnet mit dem Turner-Preis, sagt augenzwinkernd über sich selbst: „Sogar mich, einen Töpfer und Transvestiten aus Essex, hat die Kunstmafia hereingelassen.“ – So kann Perry also aus dem Nähkästchen plaudern, wenn er in seinem Buch „So geht Kunst“ außerordentlich unterhaltsam die Mechanismen des zeitgenössischen Kunstbetriebs beschreibt und vielfältig aufs Korn nimmt.

Auf 140 Seiten erklärt Perry die breitgefächerten Werte und Bräuche der Kunstwelt, formuliert und beantwortet zugleich all die im Kunstkontext auftauchenden grundsätzlichen Fragen, die sich dem kunstinteressierten und Ausstellungen besuchenden Menschen mehr oder weniger aufdrängen, die sich aber möglicherweise  so mancher nicht laut zu fragen wagt, um nicht als naiv, unwissend oder unzeitgemäß abgestempelt zu werden. Perry hingegen glaubt fest daran, dass quer durch alle sozialen Schichten  Menschen in der Lage sind, Kunst zu verstehen und zu genießen, wozu es eben nur etwas Ermutigung und Übung braucht. Mit praktikablen Tipps zur Kunstrezeption wie dem von ihm empfohlenen Gedankenexperiment, sich den Käufer eines Kunstwerks in einem Gespräch in 100 Jahren vorzustellen, wie er in einer Zukunftsversion der Kunst-und-Krempel-Fernsehsendung das betreffende Werk schätzen lässt, nimmt er dem Kunstrezipienten die Verkrampftheit im Umgang mit Kunst und allem, was als solche bezeichnet wird. Wer wider Erwarten am Ende der Lektüre dennoch von der Kunstwelt überfordert, verunsichert oder unschlüssig beim Kunstkauf sein sollte, für den hält Perry einen genial einfachen „Kunstqualitätsmaßstab“  samt Anleitung („Karte neben Kunstwerk halten, feststellen, an welchem Ort es am passendsten wirken würde, dann Wert ablesen“) bereit, wobei eine Farbskala den geigneten Ort (beispielweise Provinzkunstfestival, Garagenflohmarkt, Eingangshalle eines Oligarchen oder Mutters Gästezimmer) auswählen hilft. Gleichzeitig spricht Perry mit seinen humorvoll-ironischen Anspielungen und Erläuterungen (wobei die begleitenden Comics eine Klasse für sich sind) aber auch alle Künstler als diejenigen, die „in ihren Ateliers vor sich hin klecksen und meißeln“ und ihre Fähigkeit zur Selbtreflexion an.

Sehr vielsagend und erhellend empfinde ich Perrys Begründung zur Titelwahl der englischen Buchausgabe (Playing to the Gallery), die „für die Galerie spielen“ und nicht „einer akademischen Elite in den Hintern kriechen“ meint. Sehr gekonnt spielt auch Perry in seinem -sowohl für Künstler als auch für Kunstbetrachter- unglaublich interessanten wie amüsanten So-geht-Kunst-Buch mit Worten, Einsichten und Bildern, dass dessen Lektüre eine wahre Freude ist.

Das Eichhörnchenjahr

Text und Illustration: Eva Sixt

Verlag: atlantis, 2017

 

Erstaunlich, dass es weltweit fast 300 verschiedene Arten von Hörnchen, die zum Beispiel Riesen-, Baum-  Gleit-, Erd- oder Streifenhörnchen heißen, gibt! Unter den Hörnchen, zu denen auch die Murmeltiere gehören, sind uns die possierlichen Eichhörnchen wohl am bekanntesten. Zwei ihrer Vertreter -ein rotes und ein schwarzes Exemplar- begegnen uns mit keckem Blick auf dem Titelbild dieses lehrreichen, insbesondere den Eichhörnchen gewidmeten Bildersachbuches, das uns das Leben dieser interessanten Tierchen beschreibt, erklärt und näherbringt. Geschrieben und sehr ambitioniert bebildert hat es Eva Sixt, die Biologin und Illustratorin ist und selbst einmal ein junges Eichhörnchen, welches bei einem Sturm aus seinem Kobel gefallen war, großgezogen, langjährig betreut und dabei ausgiebig beobachtet und gezeichnet hat.

Wie Eichhörnchen ein ganzes Jahr verbringen, wie sie sorgfältig ihr Nest bauen, ihre Jungen aufziehen, wie diese das Klettern und Springen lernen, wie sie sich orientieren und wovon sie sich ernähren, wer ihre Feinde sind und was wir für die Eichhörnchen tun können, wird in realitätsnahen, detailreichen Illustrationen und interessanten Beobachtungen anschaulich und kindgerecht beschrieben.

Metropolen

Text & Illustration: Benoit Tardif

Verlag: NordSüd, 2017

 

Bevor wir Bilder malen, reisen wir in die Welt unserer inneren Bilder. Innere Bilder speisen sich aus äußeren Bildern – Bildern von Erlebnissen wie Reisen …

Mit dem Bilderbuch „Metropolen“ können wir uns auf 32 Bildtafeln auf eine bunte Bilderbuch-Weltreise begeben. Metropolen wie London, Paris, New York, Tokio oder Sydney und viele weitere werden überblicksartig auf je einer Doppelseite mit den bekanntesten Sehenswürdigkeiten und Eigenheiten in kräftig bunten Farben und Zeichnungen, die ein wenig an Piktogramme erinnern, charakterisiert. Knappgehaltene Textinformationen weisen auf Besonderheiten hin. So ist zu erfahren, dass es in London häufig regnet, dass der Eiffelturm 324 Meter misst, dass die Amsterdamer Fahrad-Fans sind, dass es überall in Berlin bemalte Bären, in Zürich einen aus Containern gebauten Turm oder in Barcelona eine Eidechsenstatue gibt. Auf den Vorsatzseiten geben farbige Weltkarten einen  Überblick über die geografische Lage der Städte und Länder.

Ein grafisch sehr schön gestaltetes Nachschlagewerk, welches sich zum großen Teil über die Bilder erschließt, das große Lust aufs Welt-Entdecken macht und zugleich eine wunderbare Inspirationsquelle zum Träumen oder Malen ist.

Aus Liebe zu den Pflanzen

Stefano Manusco

Übersetzung aus dem Italienischen: Christine Ammann

Verlag: Antje Kunstmann, 2017

 

Mit dem Buch „Die Intelligenz der Pflanzen“ (Kunstmann 2015) wurde Stefano Manusco, Pflanzenforscherund Professor an der Universität Florenz, bereits dem deutschen Lesepublikum bekannt. Im Vorwort zu seinem neuen Buch „Aus Liebe zu den Pflanzen“ schreibt Manusco, dass er dieses gewissermaßen als Prolog zum vorherigen Buch verstehen wissen will, weil er den Protagonisten dieses Buches sein Verständnis der Pflanzenwelt erst verdankt.

Manusco begreift Planzen als „komplexe Wesen mit kommunikativen Fähigkeiten, raffinierten Verteidigungsmechanismen und sozialen Beziehungen“. Diese Sichtweise begründet sich auch auf jene die Natur ganzheitlich begreifende Menschen, deren interessante Lebenswege im Bezug zur ihnen allen gemeinsamen Liebe zu den Pflanzen im Buch beschrieben werden. Es waren ganz unterschiedliche Menschen, Botaniker, Genetiker, Philosophen, Landwirte oder einfach besondere Pflanzenliebhaber, die an den Pflanzen intensive Forschungen betrieben und dabei zu erstaunlichen Entdeckungen und Erkenntnissen kamen. Manche der vorgestellten Entdecker haben es zu großem Ruhm gebracht, andere hingegen sind wohl nur wenigen Spezialisten bekannt.

Den furiosen Anfang macht Manusco mit der Vorstellung einer wahrlich atemberaubenden Biografie des ehemaligen Sklaven George Washington Carver, der mit einem erstaunlichen Lerneifer und (Über-)Lebensmut gesegnet war und es dank diesem aus eigenem Antrieb und Forscherdrang heraus unter schwierigsten Bedingungen schließlich bis zum Universitätsabschluss brachte und dem revolutionäre Erfindungen auf agrarwissenschaftlichem Gebiet -so zum Beispiel weitreichende Verwendungsmöglichkeiten der Erdnüsse- gelangen.

Weitere Kapitel -immer wieder begleitet von zahlreichen zeitgenössischen Fotos und Zeichnungen-  widmen sich verdiensvollen Pflanzenexperten wie Nikolai Iwanowitsch Wawilow, welcher unter Lenin mit der Vision der Bekämpfung der russischen Hungersnot eine beachtliche Nutzpflanzen-Samenbank aufbaute und letzlich -unter Stalin zu Unrecht verunglimpft und inhaftiert- dieser selbst zum Opfer fiel; oder Ephraim Wales Bull, dem Schöpfer einer außergewöhnlich hochwertigen Traubensorte, die zur wichtigsten Rebsorte des nordamerikanischen Kontinents wurde.

Universalgenies wie Leonardo da Vinci oder Goethe, auf welche Manusco ebenfalls sein Augenmerk richtet, beschäftigten sich neben vielen anderen Dingen ebenfalls mit botanischen Betrachtungen und gelangten dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen, bevor spätere Wissenschaftler mit diesen breitere Aufmerksamkeit erregten. Weitere Persönlichkeiten, denen Manusco einzelne Kapitel widmet, sind Malpighi, Darwin, Federico Delpino, Mendel, Rousseau und letztlich der sich auf der Suche nach der Ursache des Heuschnupfens selbstkasteienden Versuchen unterziehende Charles Harrison Blackley.

Manusco gelingt es überzeugend, mit den dargestellten biografischen Einblicken deren Protagonisten und ihre Lebenswege für unterhaltsame und spannende Lesemomente wieder lebendig werden zu lassen, ihre besonderen Verdienste entsprechend zu würdigen und damit den Funken der Begeisterung für die Pflanzen glaubhaft überspringen zu lassen.