Archiv der Kategorie: erzählendes Sachbuch

Professor Astrokatz – Reise durch den Körper

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Nach seinen bisherigen spannenden  und abenteuerlichen Ausflügen ins Universum („Professor Astrokatz –Universum ohne Grenzen“) und in die Welt der Physik („Professor Astrokatz – Physik ohne Grenzen“) entführt uns der superschlaue Kater Professor Astrokatz diesmal auf eine Forschungsreise durch den menschlichen Körper. Zusammen mit seinen Freunden Evi, Gilbert, Martha, Astromaus, Felicity und dem menschlichen „Gehilfen“ Dr. Dominic Walliman erklärt er uns dessen hochkomplexe Funktionsweise und Anatomie.

Beginnend mit einführenden Erläuterungen der Grundkategorien des Lebens und einem systematischen Überblick über unsere unterschiedlichen Bestandteile und Organsysteme geht die Forschungsreise immer weiter ins Detail bis hinein in mikroskopisch kleine Bestandteile der Zellen, so dass wir Hochinteressantes über unseren Körper und sein Skelett, seine Muskeln, das Wunderwerk Haut, die Sinnesorgane Nase, Ohren und Augen, das Gehirn und seine Funktionen, die Körperorgane das Nerven-, Hormon- und Immunsystem und die Fortpflanzung erfahren. Weitere Themengebiete befassen sich mit den Wachstumsprozessen, der Genetik, der gesunden Ernährung, der Medizin, dem Leben mit Beeinträchtigungen und spannenden Ausblicken in die Zukunft und deren mögliche Technologien.

Das alles geschieht mit Hilfe von vielen knallig bunten Illustrationen, in denen sich Professor Astrokatz und seine Freunde voller Tatendrang und Wissbegier durch den menschlichen Körper bewegen, derart lebendig, anschaulich und faszinierend, dass die Forschungsreise niemals langweilig oder zu trocken rüberkommt: Sie mikroskopieren, beleuchten Knochen oder Muskeln mit ihren Taschenlampen oder heben sie wie schwere Gewichte in die Höhe, hangeln sich wie in einem Dickicht über die Kopfhaut von Haar zu Haar, springen munter von Zahn zu Zahn, arbeiten sich unerschrocken durch grünen Nasenschleim und Gehörgänge hindurch, klettern sportlich über die Netzhaut, durch Neuronennetze oder Bronchialbäume, schwimmen munter an Blutkörperchen vorbei und in Herzkammern hinein, wandern lustig durch Magen und Darmzotten, bauen Mauern aus Kohlenhydraten, versuchen sich als Küchenhelfer, ärztliche Assistenten oder Cyborg-Entwickler, dass es eine wahre Freude ist.

Wenn schwierige wissenschaftliche Sachverhalte und Zusammenhänge derart anschaulich,  unterhaltsam und interessant vermittelt werden, kann das Lernen riesengroßen Spaß machen!

 

Text: Dr. Dominic Wallmann

Illustration: Ben Newman

Übersetzung aus dem Englischen: Sylvia Prahl

NordSüd, 2018

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Wir feiern durch das ganze Jahr

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Gerade jetzt, im schönen goldenen Oktober, gibt es viel zu feiern – wie das Erntedankfest, an dem die Nachbarn und Freunde zum Erntedankessen eingeladen werden oder Gärten, Plätze und Kirchenräume mit kunstvoll gelegten Mandalas aus Früchten, Blüten, Samen und bunten Herbstblättern geschmückt werden.

Warum der dritte Oktober unser Nationalfeiertag geworden ist oder auf welchem geschichtlichen Hintergrund das jüdische Laubhüttenfest beruht, weiß bestimmt noch nicht jedes Kind und vielleicht auch nicht jeder Erwachsene.

Das rauchige Aroma von in der Glut gegarten Kartoffeln verbreitet sich allerorts mit den herbstlichen Kartoffelfeuern.

In den Weinanbaugebieten, in denen jetzt die Weinlese in vollem Gange ist, werden üppige Weinfeste ausgerichtet, bei denen man saisonal Köstliches wie Zwiebelkuchen und dazu Federweißer genießen kann.

In den evangelisch geprägten Bundesländern wird Ende Oktober der Reformationstag -in Sachsen gibt es in den Tagen zuvor köstliche Reformationsbrötchen in den Bäckereien -und zeitgleich in vielen anderen Gebieten seit einigen Jahren verstärkt das amerikanisch geprägte Halloween-Gruselfest, welches das Licht lustig oder schaurig geschnitzter Kürbislaternen begleitet, gefeiert.

Feste und Bräuche des Jahreslaufs wie diese und zahlreiche bekannte, weniger oder nur regional bekannte oder auch einige aus anderen Kulturen  – wie Ostern, Pfingsten, Nikolaustag, Martinsumzüge, Weihnachten, Dreikönigstag, Muttertag, Sommersonnenwende, Allerheiligenfest, Martinsfest, Buß- und Bettag, Silvester, Neujahr, Ramadan oder Chanukka, Walpurgisnacht, Rosenmontagsumzüge, Raunächte und Perchtenläufe, Lichterfeste und vieles mehr-  werden in diesem wunderschönen, sehr aufwändig gestalteten Familien- Hausbuch leicht verständlich, unterhaltsam und sehr informativ vorgestellt. Neben den ausführlichen Beschreibungen der Abläufe gibt es interessante Erläuterungen zu deren geschichtlichen Hintergründen. Zusätzlich werden jeweils dazu passende Rezepte oder Spiel- und Bastelideen als Anregung zum Nachmachen beschrieben.

Eine Fülle an ausgesprochen liebevoll gestalteten Illustrationen, die durch zeichnerische Darstellungen kindlicher Figuren und zahlreiche  interessante und phantasievolle drucktechnische Details auffallen und die entsprechend der jeweiligen Jahreszeit in einer charakteristischen Farbigkeit imponieren, verbinden sich mit dem Text zu einer Einheit.

Eine wahre Fundgrube für Familien, Kindergärten, Schulen und alle an Festen und Bräuchen Interessierten und ebenso Nachschlagewerk wie Schatzkiste zum Immer-wieder-Hineinschauen und Inspirieren-Lassen.

 

Wir feiern durch das ganze Jahr – Das Hausbuch der Feste und Bräuche

Text: Ilka Sokolowski

Illustration: Sophie Schmid

Verlag Gerstenberg, 2018

ISBN 978-3-8369-5906-3

Alle Welt

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de):

Das 2013 erstmals im Moritz-Verlag erschienene und mehrfach ausgezeichnete Landkartenbuch ist 2018 in einer erweiterten Neuauflage erschienen. Mit Karten von Ägypten, Dänemark, Estland, Vietnam, Türkei, Taiwan, Ungarn, Ukraine, Slowakei, Argentinien, Kongo, Korea, Kuba, Portugal, Norwegen, Litauen, Lettland, Georgien, Iran und Irland sind zu den vorherigen 42 Länderkarten 20 neue hinzugekommen, so dass in der jetzt vorliegenden Auflage insgesamt 62 Länder der Welt  vorgestellt werden.

Die vordere Umschlag-Doppelseite des großformatigen Buches (27,5 x 37,5 cm) dient gleichzeitig als Weltkarte und Inhaltsverzeichnis, so dass die einzelnen Länder schnell gefunden werden können.

Die hinteren Umschlagseiten sowie deren vorhergehende Doppelseite bilden die Flaggen der Welt ab, auch jene, deren zugehörige Länder (noch) nicht im Buch vorgestellt werden.

Auf den Seiten 6 und 7 gibt die Weltkarte eine Übersicht über Kontinente und Weltmeere, bevor auf der nächsten Doppelseite eine Europa-Karte und daran anschließend 28 Karten europäischer Länder von Island bis Griechenland folgen. Die Asien-Übersichtskarte auf den Seiten 64 und 65 ist den 14 vorgestellten asiatischen Ländern von Russland bis Vietnam vorangestellt. Analog geht es weiter mit 9 afrikanischen, 4 nord- und mittelamerikanischen und 5 südamerikanischen Ländern, gefolgt von Ozeanien (mit Australien, Neuseeland und Fidschi), der Arktis und schließlich Antarktis.

Auf einzigartige Weise, geprägt vom unverwechselbaren Illustrationsstil des polnischen Künstlerpaares Aleksandra und Daniel Mizielinsky, werden die einzelnen Länder je auf einer Doppelseite in Form einer Landkarte, in welche sich neben Informationen zur Hauptstadt, Sprache, Einwohnerzahl und Fläche des Landes die größeren Städte und vor allem zahlreiche zeichnerische Elemente als Informationen über Flora und Fauna, Flüsse, Seen, angrenzende Meere, Inseln und Gebirge, Sehenswürdigkeiten, landestypische Sitten und Gebräuche, Berühmtheiten sowie kulinarische Besonderheiten einfügen. Eine unermessliche Fülle an interessanten und wissenswerten, liebevoll gezeichneten Details zu vielen Ländern dieser Erde erschließt sich allein durch das Betrachten der sympathischen Illustrationen.

Betrachten wir Dänemark als eines der neu hinzugekommenen Länder auf den Seiten 14 und 15: Wer sich die Illustrationen genauer anschaut, erfährt eine Unmenge über das liebenswerte nordeuropäische Land wie zum Beispiel, dass es dort für die gemütliche Stimmung unter lieben Menschen sogar ein eigenes Wort, nämlich „Hygge“,  gibt, dass dort Kinder etwa  Emil oder Freja genannt werden, dass dort ein Kobold namens Nisse als guter Hausgeist erscheint, viele Häuser mit Dächern aus Seegras gedeckt werden, wo die Reste alter Wikingerdörfer zu finden sind, dass Niels Bohr in Dänemark die Struktur der Atome erforschte, dort ein Gericht namens Leverpostej verspeist wird oder wo das berühmte Legoland besichtigt werden kann.

Es ist ein großartiges Erlebnis und Abenteuer für Kinder ebenso wie für Erwachsene, sich mit dem Buch zu beschäftigen, damit in Gedanken die Welt bereisen zu können, beim Betrachten Wissenswertes zu erfahren und zu entdecken, mit seiner Hilfe Reisen vor- oder nachbereiten zu können und sich dabei an den einzigartigen Illustrationen zu erfreuen.

Unbedingt zu empfehlen für jedes Familien-Buchregal!

 

Alle Welt. Das Landkartenbuch. Erweiterte Neuausgabe

Aleksandra und Daniel Mizielinski

Moritz Verlag, 2018

Übersetzung aus dem Polnischen: Thomas Weiler

ISBN 978 3 89565 370 4

 

 

Gärtnern in Beet, Topf & Kasten

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, malkastl.de

Um ein Guckloch auf dem Buchcover, in das man von oben in einen Blumentopf schauen und eine sattgrüne kleine Pflanze beim Wachsen beobachten kann, gruppieren sich  Blumen, Früchte, kleine Tiere und Gartenwerkzeuge. Die 96 Seiten festen Papiers des Kinder-Gartenbuchs aus der Reihe „Expedition Natur“ werden mit einer Spiralbindung zusammengehalten und mit einem grünen Gummibändchen verschlossen – gleich auf den ersten Blick präsentiert es sich somit als ein praktisches und gestalterisch schönes Arbeitsbuch.

Die meisten Kinder sind gern draußen, buddeln mit Begeisterung in der Erde und wollen ihrem Forscherdrang in der Natur nachgehen, womit Gärtnern für sie eine ideale Beschäftigung ist und bei entsprechender Sorgfalt in der Pflege von Pflanzen mit bunten Blumen und leckeren Früchten reich belohnt werden kann. Das nötige Know-how liefert das speziell für Kinder geschriebene Buch über das Gärtnern in der Stadt und auf dem Land.

Zunächst werden die nötigen Gärtner-Geräte vorgestellt und ein Überblick über die verschiedenen gärtnerischen Tätigkeiten, welche in den einzelnen Monaten anfallen, gegeben sowie Grundwissen über die Bedürfnisse von Pflanzen vermittelt, bevor es ans eigentliche Gärtnern, beginnend mit der Samenaussaat, geht. Ist aus dem Samenkorn ein kleines Pflänzchen gewachsen, kommt es auf die richtige Pflege an, wozu auch die richtige Bodenpflege gehört.

Für unterschiedliche Interessen werden verschiedene spannende Gartenprojekte in den einzelnen Kapiteln Schritt für Schritt, gut verständlich und mit vielen begleitenden Fotos und Zeichnungen vorgestellt. So wird detailreich erklärt, wie Kartoffeln im Topf wachsen, wie gepflanzt, ein- und umgetopft wird, wie Pflanzen vermehrt werden können, wie richtig gegossen und gedüngt wird, wie Kräuterbeete und Beerengärtchen, Pizza- Ritter- oder Indianerbeete angelegt werden oder Bienen-Rastplätze entstehen können und vieles mehr. Sogar Rezepte zum Verarbeiten der eigenen Ernte und kreative Spiel- und Basteltipps, wie beispielsweise zur Herstellung und Verwendung von Pflanzenfarben, fehlen dabei nicht.

Wie viel Freude es machen kann, sich um Pflanzen zu kümmern, wird mit dem Buch, das bei der Lektüre augenblicklich Lust aufs Gärtnern macht, überzeugend, verständlich und unterhaltsam dargestellt.

 

Titel: Gärtnern in Beet, Topf & Kasten – Das Gärtnerbuch für Kinder

Autor: Bärbel Oftring

Verlag: moses.

Erscheinungsjahr: 2018

ISBN: 978-3-89777-965-5

 

Wilde Katzen

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Das in Erd- und Pflanzenfarben interessant komponierte Buchcover mit dem brüllenden Tigerkopfporträt, umrahmt von exotischen Blattpflanzen, und dem auffallenden rostrot-gold-glänzenden Titelschriftzug ist bereits ein bemerkenswerter Blickfang.

Owen Davey, Schöpfer der preisgekrönten Sachbücher „Die Affenbande“ und „Hai Ahoi!“ widmet sein neues Sachbuch über Katzen den eigenen Stubentigern namens Max, Oliver, Henry und Alyssia. Im Buch geht es um deren wilde Verwandte, die Katzen, welche es bereits seit 50 Millionen Jahren gibt, von denen manche wie der imposante Smilodon,  besser bekannt als Säbelzahntiger, schon ausgestorben sind, und andere sich im Laufe der Evolution verändert haben und nun in acht verschiedene Gruppen ( und zwar die Panthera-, die Ozelot-, die Karakal-, die Borneo-, die Luchs-, die Puma-, die Bengal- und schließlich die Hauskatzen-Linie) eingeteilt werden, die in verschiedenen Gegenden der Erde vorkommen und sich in Größe, Aussehen und Lebensweise unterscheiden. Allen gemeinsam jedoch ist ihre elegante Gestalt, ihre Eigenständigkeit, ihr faszinierendes Wesen und ihre interessante Lebensweise, von der viel Wissenswertes im Buch berichtet wird.

Wie und wo die großen (Tiger, Löwe, Leopard & Co.) und kleineren Verwandten (zum Beispiel die possierlich aussehende, aber räuberische Rostkatze) unserer Hauskatzen leben, jagen, sich ernähren, sich tarnen, klettern, ihr Revier verteidigen, welche erstaunlichen Rekorde sie aufstellen und wie sie ihren Nachwuchs aufziehen, welche Legenden sich in verschiedenen Kulturen um sie ranken und welche Arten gefährdet sind -davon erzählt in großformatigen, farblich ansprechenden und gestalterisch bemerkenswerten, hervorragend illustrierten Bildern und interessanten Erläuterungen dieses empfehlenswerte hochwertige Sachbuch.

Titel: Wilde Katzen. Alles über Tiger, Löwe, Leopard

Text/Illustration: Owen Davey

Verlag: Knesebeck

2018

ISBN 978-3-95728-155-5

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Mit anderen Worten

Titel: Mit anderen Worten – Unübersetzbares aus aller Welt

Text: Christopher J. Moore

Illustration: Lan Truong

Übersetzung aus dem Englischen: Karin Weidlich

Verlag: Knesebeck, 2018

 

 

Was ist genau gemeint, wenn  im Arabischen „Katzen nur von Mäusen träumen“, im Persischen „Hand und Herz aufgehen“, im Türkischen man sich ins Meer fallend „an einer Schlange festhalten“ sollte, im Jiddischen von einem „Luftmensch“, im Dänischen von einem Lebensgefühl namens „Hygge“ und im Englischen  von einem Hundeleben -„It´s a Dog´s Life“- die Rede ist? Wer wäre darauf gekommen, dass eine japanische Redewendung, welche im Wortsinn  „die Knie ineinander vermengen“ lässt, ein sehr vertrautes Plaudern umschreibt? Oder dass es für den Stress, den das Sprechen einer fremden Sprache auslöst, im Japanischen eine eigene Redewendung gibt, die die Akrobatik einer in Seitenlage eingenommenen Reismahlzeit beschreibt? Auch das hochchinesische Mandarin kennt vielfältige blumige Metaphern für menschliche Erscheinungsbilder wie etwa „Das Meer inmitten der Länder“ als poetische Entsprechung eines profanen Glatzkopfs. Wo kommt eigentlich die Bezeichnung für einen „Doppelgänger“ oder für das „Drachenfutter“ her und was ist das typisch Deutsche am „Weltschmerz“?

Diese und viele andere, wörtlich eigentlich unübersetzbare Bezeichnungen und Redewendungen aus aller Welt, wurden in diesem ebenso interessanten wie – nicht nur für Linguisten – überaus unterhaltsamen Büchlein zusammengetragen und von schönen  piktogrammartigen farbigen Illustrationen, welche die Bedeutung der Idiome neben der wörtlichen Erklärung zusätzlich offenbaren helfen, wunderbar begleitet. Die Lektüre gleicht einer abenteuerlichen Entdeckungsreise in die Welt der Sprache und damit zu den verschiedensten Kulturen und ist ebenso für Kinder wie für Erwachsene eine große Bereicherung.

Die Romantherapie für Kinder

Autoren: Ella Berthoud & Susan Elderkin mit Traudl Bünger

Übersetzung aus dem Englischen: Katja Bendels und Kirsten Riesselmann

Verlag: Insel Verlag, 2017

ISBN: 978-3-458-17704-3

 

Klassische Bilderbuchhelden wie das Sandmännchen, die Raupe Nimmersatt, Tigerente, Paddington, der kleine Prinz und der buntkarierte Elefant Elmar kreuzen sich auf dem Buchcover  mit dem Buchtitel und weisen möglicherweise damit symbolisch auf das therapeutische Potential von Kinderbüchern hin.

Kann man problembelastete Episoden des kindlichen Lebens -angefangen von A wie Abkapselung, Albträume oder Anerkennungssuche, B wie Behinderung, Bildschirmsucht oder Brüderrivalität bis Z wie Zigarettenrauchen- mit Büchern „therapieren“, sich Geschichten wie Medizin verschreiben lassen? Man sollte es auf jeden Fall versuchen!

Das wie ein Nachschlagewerk aufgebaute, inhaltlich umfangreich und ambitioniert zusammengestellte Buch richtet sich an diejenigen Erwachsenen, die an die heilsame Wirkung von mutmachenden Geschichten glauben und Kindern oder Jugendlichen, die ihnen am Herzen liegen, in schwierigen Lebenslagen die passenden Bücher anbieten wollen.

Auf 372 Seiten werden insgesamt 233 Bücher mal mehr, mal weniger ausführlich vorgestellt – Bücher, die nach Empfinden der Verfasserinnen „Kinder glücklich, gesund und schlau machen“. In alphabetischer Reihenfolge sind verschiedene „Leiden“ oder Lebenslagen von A-Z aufgelistet. Wer zum Beispiel einem Kind, welches mit einem depressiven Elternteil zusammenlebt, mit einer geeigneten Lektüre helfen möchte, findet unter E wie „Elternteil, depressiver“ zwei Buchvorschläge: „Kaputte Suppe“ von Jenny Valentine und „Fünfzehn kopflose Tage“ von David Cousins. Beide Titel sind mit einem „T“ gekennzeichnet, was den Hinweis auf Teenagerliteratur gibt. Leider finden sich in dieser Kategorie keine Buchempfehlungen für jüngere Kinder (diese wären dann mit „B“ für Bilderbücher, „A“ für Leseanfänger oder „J“ für junge Leser gekennzeichnet), was mich verwundert, da es im Bereich der Depressionsthematik  durchaus einige erwähnenswerte Titel für jüngere Leser gäbe. Schade auch, dass einige relevante Suchbegriffe wie zum Beispiel Demenz, mit welcher sich Kinder in ihrem Umfeld doch zunehmend auseinandersetzen müssen, keine Erwähnung finden. Auch zu diesem Thema gäbe es einige sehr gute Titel für verschiedene Altersstufen zu nennen.

Hilfreich und informativ sind jeweils die Kurzbeschreibungen der Buchinhalte, ebenfalls wie die Querverweise auf ähnlich gelagerte Problemfelfer (hier zum Beispiel „Trennung der Eltern“). Graphische Symbole (Buch mit Apfel, Bücherstapel mit Krone und Buch mit Eule) helfen bei der Einordnung der Hinweise.

Zu einigen Suchbegriffen finden sich Ranking-Listen wie beispielsweise „Die zehn besten Bücher, in denen es um Adoption geht“, „Die zehn besten Gute-Nacht-Geschichten für die Kleinsten“ oder „Die zehn besten Bücher, um Kindern zu helfen, Kriege zu verstehen“. Diese strikte, wie eine  In-Stein-gemeißelt-Sein vermittelnde Zuschreibung bereitet mir doch etwas Unbehagen, da sie viele weitere sehr gute und passende Bücher, auch die zum Zeitpunkt des Drucks noch nicht erschienenen oder die von den Autorinnen übersehenen ausschließt. Bescheidener und ansprechender wäre hier doch die Formulierung „Zehn empfehlenswerte Bücher bei …“ gewesen.

Dennoch ist das Buch ein nützliches Nachschlagewerk und ein wertvoller Ratgeber bei der Suche nach einer passenden, hilfreichen, trostgebenden oder glücklichmachenden Geschichte.

Yoga für Kinder

Kartenbox mit 50 Karten

Autoren: Tara Gruber & Lea Kalish

Illustrationen: Sophie Fatus

Verlag: moses. Verlag, 2017

 

Yoga fördert die Gesundheit, das Konzentrationsvermögen und die Beweglichkeit. Von der den Körper und den Geist stärkenden Wirkung von Yogaübungen können alle profitieren, Erwachsene ebenso wie Kinder. Kindern sollte die Yogapraxis dabei nur ein wenig spielerischer vermittelt werden; speziell für sie wurde dieses Kartenset entwickelt.

Es enthält in einer stabilen, orange-grün-farbigen Box 50 ansprechend und kindgerecht gestaltete Karten, deren Format etwas größer als das von Postkarten ist und die recht strapazierfähig und abwischbar sind. Mit ihnen lassen sich verschiedene Yogaprogramme individuell aufbauen.

Eine Leporello-Karte gibt zunächst eine erklärende Übersicht über 9 verschiedene Kategorien -Atemübungen, Spielelemente, Balanceübungen, Standhaltungen, Vor- und Rückbeugen, Übungen zum Drehen und Strecken, Partnerübungen und Übungen zum Loslassen, Ruhen und Vitalisieren- und dazu die wichtigsten Yogi-Tipps.

Die einzelnen Kategorien sind verschiedenfarbig markiert, sodass sie sich immer wieder leicht zuordnen lassen. So gibt es zum Beispiel auf den bläulichvioletten Atem-Karten Anleitungen für den Bären-, Schlangen-, Hasen-, Bienen- oder Elefantenatem. Mit ihrer Hilfe kommt man mit der entsprechenden Atemtechnik je nach dem erwünschten Ziel entweder zu Ruhe und Balance, Ruhe und Langsamkeit, Klärung und Reinigung oder Entspannung und Beruhigung oder sie helfen dabei, neue Energie und Kraft aufzutanken.

Kindgerechte Illustrationen und gut verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur jeweiligen Übung geben dabei auf der Vorder- und Rückseite der Karten Struktur und Orientierung und erfreuen durch eine farblich und grafisch ausgesprochen ansprechende Gestaltung.

Die gelben Yoga-Spielkarten, welche unter anderem Spiele wie „Yogabrezeln“ oder „Naturkinder“ anleiten, stimmen mit passenden Zitaten und Weisheiten auf die Spielübungen ein. Mit den grünen Balance-Karten werden Übungen wie Baum, Held III, Pfeil, Boot oder Brett in Wort und Bild kinderleicht erklärt. Ebenso die Standübungen auf den hellgrünen Karten, die Berg, Tänzer, Dreieck, Held I und Held II heißen oder die Vorbeugeübungen auf den orangenen Karten, welche mit Fels, Gorilla, Schildkröte, herabschauender Hund und Fluss benannt wurden. Türkisfarben kommen die Rückbeugeübungen wie Kobra, Haifisch, Brücke, Fisch oder Delfin und mattgelb die Dehn- und Streckübungen wie Drache, gedrehter Drache, Brezel, Drehung im Liegen und Katze sowie pink die Partnerübungen wie Dach, Aufzug, Rücken-an-Rücken-Stuhl, Doppel-Brezel, Salamander auf dem Fels, Wippe, Doppel-Boot, offenes Herz, Freundliche Krieger und Doppelhund daher. Die lindgrünen Zeit-für-dixch-Karten sorgen mit geeigneten Übungen für neue Energie, Entspannung, Unterstützung, Erdung und Harmonie.

Mit dieser schönen wie hilfreichen Kartenbox sind Eltern, Therapeuten oder Übungsleiter -neben ihrer bereits vorhandenen Yogaerfahrung- bestens vorbereitet und gerüstet, um Kindern auf altersgerechte und originelle Weise die wohltuende Wirkung von Yoga nahebringen zu können.

John F. Kennedy – Zeit zu handeln

Text: Shana Corey

Illustration: R.Gregory Christie

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Elisa Martins

NordSüd Verlag, 2017

 

Am 29.Mai 2017 wird anlässlich des 100.Geburtstags von John F.Kennedy, dem 35.Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gedacht, dessen besonderes Charisma, untrennbar verbunden mit seinen Bemühungen und Verdiensten um die Bürgerrechte, wieder verstärkt in unser aller Blickfeld rücken. So wie uns heute die aktuelle amerikanische Präsidentschaft aus vielerlei Gründen nicht unberührt lässt, war auch Kennedy in einer der bewegtesten Zeiten der Weltgeschichte amtierender Präsident. Diese Zeiten und deren Umstände auch für das kindliche Verständnis in einem Bilderbuch wieder aufleben zu lassen und erklärbar zu machen, ist an sich schon anerkennens- und begrüßenswert; kann ein solches Buch doch verstärkt Anlass dazu geben, miteinander über Fragen von Rassismus, Ausgrenzung und Menschenrechten ins Gespräch zu kommen.

Im farbig illustrierten Buch begleiten wir John F.Kennedy, der bereits als Kind gern Geschichtsbücher las, und im Buch nur kurz John genannt wird, womit wir ihm gewissermaßen auf Augenhöhe begegnen, als einen Menschen, der Geschichte schrieb. Dass diese die Weltgeschichte bewegenden Personen auch ganz normale Menschen wie du und ich sein können, streicht der  durchweg interessant und verständlich geschriebene Text in besonderer Weise heraus.

Wir erleben hier John F.Kennedy als einen Menschen, der sich schon frühzeitig für seine Mitmenschen interessierte und einsetzte – anfänglich am Beispiel der bemerkenswerten Rettung von Schiffbrüchigen unter Einsatz des eigenen Lebens oder als aufstrebender junger Senator, der nebenbei ein vielbeachtetes Buch über Zivilcourage schrieb und sich schließlich 1960 -in den schwierigen Zeiten des Kampfes der schwarzen amerikanischen Bevölkerung um die Bürgerrechte- um das Amt des Präsidenten bewarb, welches er mit nur 42 Jahren dann auch antrat. Im Sinne Abraham Lincolns versprach Kennedy, sich für die Rechte aller Bürger, also auch der schwarzen Bevölkerung, einsetzen zu wollen. Engagiert bemühte er sich gegen die Inhaftierung des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Kennedys Antrittsrede, die inhaltlich die Bürgerrechte hochhob, wurde legendär: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt“, heißt es darin und ist heute nicht minder aktuell.

Wir erfahren weiter, wie intensiv Kennedy an friedlichen Beziehungen zur damaligen Sowjetunion arbeitete, von seiner berühmten „Ich bin ein Berliner“-Rede, aber auch davon, dass er hin und wieder zauderte, wenn es um die Einhaltung seiner Versprechen um die Bürgerrechte ging. Erst ein Jahr nach seinem tragischen Tod -seiner Ermordung im Jahr 1963- wurden die geforderten Rechte schließlich in einem Bürgerrechtsgesetz festgeschrieben, aber auch noch heute, wie wir wissen, nicht vollumfänglich eingehalten.

Dass Geschichte nicht nur aus Worten besteht, sondern wir selbst sie Tag für Tag verändern und damit selbst Geschichtsschreiber werden können, unsere Stimme erheben und für unsere Werte einstehen sollten, ist eine klare und deutliche Botschaft am Buchende, die auch schon Kinder verstehen und verinnerlichen können.

Inhaltlich hat mich, nicht zuletzt auch wegen der für Kinder sehr gut verständlichen Sprache, das Buch sehr beeindruckt, die Illustrationen hingegen überzeugen mich nur bedingt, erzeugen sie doch durch eine zuweilen allzu aufgesetzt wirkende Plakativität und zum Teil wenig nachvollziehbare Proportionalitätsverschiebungen bei mir eine merkwürdige Ambivalenz. Andererseits bestechen einige der Abbildungen gerade durch eine besonders starke Ausdruckskraft und interessante Dynamik und Farbigkeit. Meinen Kindern -und damit der Zielgruppe- haben die Illustrationen jedoch durchweg gut gefallen.

Hanna Nebe-Rector, http://www.malkastl.de

 

In unserer Küche wird gedruckt

Titel/Untertitel: In unserer Küche wird gedruckt – Kreative Kleinauflagen handgemacht

Idee, Illustrationen, Fotografien und Text: Laura Sofie Hantke und Lucas Grassmann

Verlag Herrmann Schmidt, 2016

 

„Ein schönes Buch ist ein Kompliment an seinen Autor – und eine Liebeserklärung an den Leser. Ein schönes Buch entsteht aus dem Inhalt heraus, es ist die materialisierte Antwort auf den Text. Es inszeniert den Inhalt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Es schmeichelt den Augen und den Händen des Lesers. Es macht, dass der Inhalt besser erinnert wird. Im besten Fall macht es Ihr Leben ein kleines bisschen schöner …“ (Creative Report Herbst 2016, Verlag Hermann Schmidt)

Das von Lauras und Lucas Küchen-Druck-Erfahrungen erzählende Büchlein ist ohne Zweifel eins der schönen Bücher in diesem Sinne. Es lässt bereits beim ersten Blättern große Freude aufkommen: wie angenehm es in den Händen liegt, die gute Papierqualität, die Sorgfalt der Bindung, der feine Geruch, die wunderbare Gestaltung und Typografie, die Arrangements ihrer Arbeiten, Fotos und Zeichnungen – ein ästhetischer Genuss!

Ausgesprochen sympathisch stimmen die ersten Seiten auf das Buchthema und dessen Protagonisten ein, bevor es dann auf Seite 40 so richtig zur Sache geht, nämlich die Küche -schon angesichts des Kochens als kreativem Akt und als Treffpunkt für Familie und Freunde das kreative Herz der Wohnung- zur temporären Druckwerkstatt für handgemachte Kleinauflagen von Postkarten, Postern, Etiketten, Notizheften, Buttons, Stickern, Stofftaschen und vielem mehr zu machen.

Laura und Lucas, zwei Gestalter und Illustratoren aus Darmstadt, funktionieren zeitweise ihre Küche zum Kreativ-Atelier um und drucken dort mit einfachen und unkonventionellen Mitteln die verschiedensten schönen Dinge. Weil sie damit inzwischen einige Übung haben und ihre Erfahrungen zu unserem Glück nicht für sich behalten, sondern weitergeben wollen, gibt es dieses schöne Buch.

Bei der von Laura und Lucas vorgestellten sogenannten Kitchen-Litho, von der sie sich von der auf dem Prinzip der Lithografie beruhenden Technik einer Französin namens Emilion inspirieren ließen und diese abwandelten, ausbauten und  weiterentwickelten, verwenden sie überwiegend Materialien, die sich bereits im Haushalt finden lassen wie zum Beispiel Alufolie, Pflanzenöl oder -man lese und staune- Cola. Alufolie wird dabei zur Druckplatte, Pflanzenöl zum Terpentinersatz und Cola zum Druckplatten-Ätzmittel.

Wie das genau funktioniert, wird sehr ausführlich und verständlich sowie ebenso unterhaltsam in allen erforderlichen Einzelschritten und möglichen Pleiten, Pech und Pannen samt der Möglichkeiten ihrer Behebung beschrieben. Beginnend mit der Materialliste, die es gleich doppelt gibt, nämlich erstens grafisch und zweitens als -ungewöhnliche wie schöne Idee!- grünlicher kleiner Spickzettel, der in die Doppelseite mit den zeichnerischen Abbildungen von Glasplatte, Zeichenstiften, Lackierrolle etc. mit eingebunden ist, geht es weiter mit den einzelnen Arbeitsschritten, die ebenfalls mit diesen grünlichen Zetteln, von denen es insgesamt zehn gibt, gespickt sind und auf denen es beispielsweise um das Vorbereiten der Druckplatte, das Drucken selbst, das Trocknen oder das Archivieren geht. Jeder einzelne Schritt wird dabei sehr ausführlich und nachvollziehbar beschrieben und mit hilfreichen Insidertipps ergänzt.

Die vorgestellten Techniken machen sogleich große Lust aufs Ausprobieren und das wunderbar gestaltete Buch zu einem inspirierenden Begleiter für alle Leute mit kreativen Ideen.

Hanna Nebe-Rector, malkastl.de