Archiv der Kategorie: Familienbuch

Fell und Feder

Text: Lorenz Pauli

Illustration: KathrinSchärer

Verlag: Atlantis (Orell Füssli), 2017

http://www.atlantis-verlag.ch

 

Wir lieben die Bilderbücher von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer! Ihre Texte und Bilder sind etwas ganz Besonderes: spannend,  einfallsreich, abenteuerlich, humorvoll, herzerwärmend, voller mimischer Feinheiten und Nuancen. Mit Begeisterung haben wir, die Kinder aus den Malgruppen der Kunstwerkstatt MALKASTL und des Ateliers ChaMALeon , uns  bereits viele ihrer ganz besonders schönen Bilderbuchgeschichten vorlesen lassen und uns davon zum Malen inspirieren lassen.

Im neuen Pauli/Schärer-Bilderbuch geht es um die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft – zwischen einem Huhn und einem Hund. Fell und Feder, wie die Beiden heißen, spielen ihre eigene Geschichte in einem Theaterstück. Beide wünschen sich etwas: Das Huhn wünscht sich ein großes Abenteuer und würde am liebsten dabei einen Schatz finden. Der Hund wünscht sich sehnlichst einen Freund, am liebsten einen, der groß und stark und klug ist und der Geschichten erzählen kann.

Fell und Feder wollen einander bei der Erfüllung ihrer Wünsche behilflich sein. Was sie daraufhin miteinander erleben, ist an sich schon Abenteuer genug und -ohne es zunächst selbst so richtig zu merken- eigentlich sind sie dabei schon beste Freunde geworden.

Das Publikum ist begeistert vom Theaterstück, weil es deutlich gespürt hat, dass es im Theater um das wahre Leben geht. Fell und Feder haben gespürt, dass ihre Wünsche schon längst erfüllt worden sind.

Mit wunderbar anrührenden Zeichnungen und weisen Erkenntnissen, die zwischen den Zeilen erspürbar werden, ist dies wieder ein ausgesprochen schönes und kluges Pauli/Schärer-Bilderbuch, das das Zeug zum Klassiker hat.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

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Das kreative Weihnachtsbastelbuch

Text und Illustration: Lydia Crook

Verlag: Knesebeck, 2017

http://www.knesebeck-verlag.de

 

Vorlagen für weihnachtlichen Bastelspaß aus Papier für die ganze Familie bietet die kreative Weihnachtsbastelbuch-Broschüre von Lydia Crook.

Der rote Einband mit goldgeprägtem Titelschriftzug, ebenso goldener, auf eine Girlande aufgereihter Weihnachtsschmuck und viele filigrane Schneeflockenkristalle stimmen auf das traditionelle Basteln in der Advents-und Weihnachtszeit ein.

Mit der Vorstellung verschiedener Bastel-, Mal- und Spielideen finden Familien viele Anregungen zur kreativen Beschäftigung mit Papier, um daraus Adventskalender und Weihnachtsschmuck zu basteln oder sich mit weihnachtlichen Spielen die Wartezeit bis zum Fest zu verkürzen.

Auf hochwertigem festen Papier sind viele Formen zum Ausschneiden und/oder Ausmalen vorgegeben, aus denen sich schöne Weihnachtsdekorationen wie zum Beispiel ein reichlich geschmückter kleiner Weihnachtsbaum, Papierengel zum Aufstellen oder tolle 3D-Schneeflocken oder ein 3D-Rentier oder eine bewegliche Flexi-Schneeflocke zaubern lassen.

Eine lustige Weihnachtsgeschichte -erzählt von zwei bis vier Mitspielern- kann entstehen, wenn der Spielanleitung gefolgt wird. Wer Memoryspielen mag, findet im Buch eine Spielvorlage zum Ausschneiden. Sehr schön sind auch die Ideen zur Gestaltung von Weihnachtsmotiven aus Fingerabdrücken oder eine recht knifflige Herausforderung der Magische Bildwechsler mit Weihnachtsmotiven.

Weniger originell hingegen erscheinen Vorschläge wie jene, ein Blatt Papier in viele kleine Schnipsel zu zerreißen, in die Luft zu werfen und es schneien zu lassen oder ein (rotes!) Blatt in der Mitte auseinanderzureißen, um es zu Schneebällen zusammenzuknüllen oder einen Weihnachtsbaum mit geschlossenen Augen auszumalen.

Glücklicherweise überwiegen die schöneren Bastel- und Spielideen, so dass das Buch ein passendes Geschenk zur Beschäftigung in der Weihnachtszeit sein kann.

 

Hirameki-Party-Tischsets

von Peng+Hu

Verlag Antje Kunstmann, 2017

http://www.kunstmann.de

 

Kritzeln ist etwas Wunderbares, es macht Spaß, es entspannt und fast alle tun es – Kinder kritzeln während öder Unterrichtsstunden in ihre Schulhefte, Erwachsene tun es bei sich endlos hinziehenden Telefonaten …

Die Künstler Peng+Hu sind Meister des Kritzelns. Ihre inspirierende Hirameki-Technik kultiviert das Kritzeln, indem sie Zufallsprodukten wie Farbklecksen oder Flecken durch Hinzuügen weniger Tuschestriche gegenständlichen oder figürlichen Sinn verleiht.

In unförmigen Gebilden lassen sich mit ein wenig Phantasie Vögel, Fische, Blumen, Landschaften, Monster, Fabelwesen und vieles mehr entdecken, welche sich durch prägnante graphische Ergänzungen herauskristallisieren.

Von den bisherigen Hirameki-Büchern haben sich bereits zahlreiche kleine und große Menschen in unseren Malgruppen zu eigenen Kritzelkunstwerken begeistert inspirieren lassen!

Nun gibt es in einem großen Abreißblock mit 36 Blättern den Hirameki-Spaß in Form von Tisch-Sets aus Papier, die sich sowohl als lustige Unterlage für ein Gedeck als auch zur kreativen Beschäftigung im Anschluss an das Essen wunderbar für Kindergeburtstage und alle anderen Partys eignen. So kommt garantiert keine Langeweile auf! Durch Essensreste verursachte Flecken sind hierbei kein Problem, können diese doch gleich mit in die Ideenfindung einbezogen werden.

Wir sind begeistert und freuen uns schon sehr auf die nächste Hirameki-Kritzel-Party!

Ich geb immer auf dich Acht. Gute Nacht!

Text: Regina Schwarz

Illustration: Julia Dürr

Verlag: aracari, 2017

http://www.aracari.ch

 

Wie gut zu wissen, dass da jemand ist, der immer auf einen achgibt! Titelgebend wird die beruhigende Gewissheit zu einer reizenden Gute-Nacht-Geschichte in einem Pappbilderbuch für die Kleinsten von Regina Schwarz und Julia Dürr.

Zwei Freunde, ein rundliches braunes Murmeltier und ein schneeweißer Hase, genannt Murmel und Hasi,  liegen auf ihren Kuschelkissen umgeben von Picknickutensilien auf einer grünen Wiese, wo sie sich in der Sonne aalen und in den Himmel schauen, der wenig später zum dunklen Abendhimmel wird, in dem sie den Mond und funkelnde Sterne entdecken, die hin und wieder zwischen den Wolken aufblitzen. Eng aneinandergekuschelt lauschen sie, wie es ringsumher brummt, summt, trippelt, tippelt, saust, braust und schnauft. Die Urheber der nächtlichen Geräusche – Grashüpfer, Käfer, Igel, Maus und Schmetterling nebst einem Pilz – sind unter einer der Klappen, welche sich auf den rechten Buchseiten befinden, zu entdecken. (Eigentlich würde das schöne Bilderbuch auch ohne diese Klappen funktionieren. Aber ja, Kinder mögen es, wenn es was zu erkunden gibt …)

Hasi verkündet, keine Angst zu haben und seiner Mimik ist anzusehen, dass das nicht so ganz stimmt. Murmel beruhigt liebevoll den kleinen Freund, indem er bestätigt, dass kein Grund zur Angst besteht, denn er sei ja hier bei Hasi und gebe immer auf ihn Acht, wünsche ihm schöne Träume und eine gute Nacht. So schlummern die Beiden bald ein, wie auf der letzten Doppelseite zu sehen ist, die ein friedliches Idyll bietet: Murmel und Hasi neben den ebenfalls schlummernden Wiesentieren. Nur einer, der Käfer, ist noch wach und liest im Schein des Mondes in einem Buch – bestimmt ist es eine Gute-Nacht-Geschichte.

Liebenswerte Illustrationen, in denen pastellige Braun- und Blautöne dominieren, ergänzen den warmherzigen Text, der den kleinen Bilderbuchbetrachter -angekuschelt an seinen großen Beschützer und Vorleser- ruhig und liebevoll in den Schlaf begleitet.

SUPERKAUZ

SUPERKAUZ Meister der Verkleidung

Text: Sean Taylor

Illustration: Jean Jullien

Übersetzung aus dem Englischen: Nadia Budde

Verlag Antje Kunstmann, 2017

 

Supermanlike zischt Superkauz wie eine Sternschnuppe durch den tiefschwarzen Nachthimmel, von dem sich kontrastreich das knallrote Gefieder der kleinen Eule namens Superkauz abhebt.

Superkauz hält sich für einen cleveren Meister der Verkleidung, für den es ein Leichtes ist, sich sein Essen ideenreich zu erbeuten. Einem Mantra gleich wiederholt er immer wieder seine Beschwörungsformel, sobald er ein neues Ziel anvisiert, welches er mittels Verkleidung zu überlisten gedenkt:

„Jeder weiß,

der Kauz hat Grips.

Viele Kauze kennen Tricks.

Doch nur ich, zur Unterscheidung,

bin ein Meister der Verkleidung.“

Nur leider klappt das alles irgendwie nicht so richtig – sehr zur Freude unserer Vorleserunde, welche das niedliche türkisfarbene Häschen, das Superkauz mit einer Karottenverkleidung zu überlisten versucht, lieber am Leben sehen wollen. Auch die Verkleidungen als Mutterschaf zwecks Erbeutung eines Lämmchens oder gar als Vogeltränke zwecks Erbeutung einer leckeren Taube werden nicht vom erzielten Erfolg gekrönt. Erst als sich der kauzige Kauz als Kellner in einer Pizzeria verkleidet auf eine wehrlose Pizza Pikante mit Salamigeschmack stürzt, haut diese zum Glück mal nicht ab und Superkauz kann endlich seinen Hunger stillen.

Herrlich abstrus und eher fern von ernsthaft-lehrreichen Botschaften (außer jener, dass sich Ideenreichtum, Mühe und Beharrlichkeit lohnen kann) bringt dieses Bilderbuch vielmehr zum Lachen und erfreut ebenso durch eine einfache, klare und farbig kontrastreiche, ausdrucksstarke Bildsprache.

Leben

Text: Cynthia Rylant

Illustration: Brendan Wenzel

Übersetzung aus dem Englischen: Thomas Bodmer

Verlag: NordSüd Verlag, 2017

http://www.nord-sued.com

 

Weiß, klar, schnörkellos und doch bedeutungsgeladen erscheint der mittig platzierte Titelschriftzug vor dem nächtlichen Sternenhimmel, unter einem prallen Vollmond,  umrankt von blauschwarzem Blattwerk, in dem sich allerlei Lebendiges versteckt – wie Vögel, Schlange oder Affe, bei näherem Hinschauen erkennbar vor allem an den weißen Augenpaaren – und den Betrachter unmittelbar mit dem Nachdenken darüber konfontiert, was das Leben eigentlich ausmacht: dass es klein anfängt, wächst und sich stetig verändert, dass jedes Lebewesen sein besonderes Elixier – wie der Habicht den Himmel, das Kamel den Sand oder die zischelnde Schlange „dasss Grasss“- auf unserem Lebensraum Erde findet, dass nicht nur die Sonnen-, sondern auch die Schattenseiten zum Leben gehören, dass es zuweilen Durststrecken gibt, die es zu überwinden gilt, dass sich immer wieder neue Wege auftun und vor allem, dass es überall auf der Welt etwas gibt, was einem das Herz öffnet, das man beschützen will oder für das es sich zu leben lohnt.

Wunderbare Illustrationen von farbstarken Landschaften, in denen sich die verschiedensten Tierarten tummeln, begleiten den poetischen, mutmachenden, tröstenden und lebensbejahenden Text in diesem zeitlos schönen Bilderbuch über das Leben, das für Menschen aller Altersstufen eine Quelle der Lebensfreude sein kann.

 

Ich war´s nicht, sagt Robinhund

Illustration und Text: Alice Lima de Faria

Verlag: Mixtvision, 2017

http://www.mixtvision.de

 

Robinhund ist einer, der immer irgendwie aus der Reihe tanzt, der überall aneckt.

Am liebsten spielt Robinhund (… ja, tatsächlich ist es ein niedliches dackelartiges Hundewesen mit großen langen Hasenohren, bekleidet mit einem braunen Pullover) mit dem großen verständigen Bruder (eine größere Ausgabe von Robinhund, bekleidet mit einer braunen Hose), dem er alles erzählen kann, im gemeinsamen selbstgebauten Baumhaus. In den Kindergarten hingegen geht Robinhund weniger gern und meint lapidar, dort wären alle doof. Und wie einer selbsterfüllenden Prophezeiung gemäß passieren dort die Missgeschicke und Zusammenstöße mit den anderen Kindern (diese eher sympathischen Phantasiewesen als Kindern ähnlich) am laufenden Band: Milch verschüttet, Fritzi zu hoch geschaukelt, Onno mit dem Ball getroffen … Hedda, die Kindergärtnerin (mit strenger Miene, grünem Kopf und grünen Haaren) ist immer wieder enttäuscht von Robinhund. Dabei war er das doch alles gar nicht – jedenfalls nicht mit Absicht!

Die eigenwilligen, einerseits reduzierten und großflächigen, andererseits mimisch einzigartig differenzierten, tiefe Gefühle preisgebenden Illustrationen der norwegisch-schwedischen Bilderbuchdebütantin sind geradezu herzerwärmend und erzählen liebevoll, einfühlsam und authentisch alltägliche Begebenheiten aus dem Kindergartenalltag, mit denen sich von ähnlichen Sorgen geplagte Kinder unmittelbar identifizieren können.

Die Romantherapie für Kinder

Autoren: Ella Berthoud & Susan Elderkin mit Traudl Bünger

Übersetzung aus dem Englischen: Katja Bendels und Kirsten Riesselmann

Verlag: Insel Verlag, 2017

ISBN: 978-3-458-17704-3

 

Klassische Bilderbuchhelden wie das Sandmännchen, die Raupe Nimmersatt, Tigerente, Paddington, der kleine Prinz und der buntkarierte Elefant Elmar kreuzen sich auf dem Buchcover  mit dem Buchtitel und weisen möglicherweise damit symbolisch auf das therapeutische Potential von Kinderbüchern hin.

Kann man problembelastete Episoden des kindlichen Lebens -angefangen von A wie Abkapselung, Albträume oder Anerkennungssuche, B wie Behinderung, Bildschirmsucht oder Brüderrivalität bis Z wie Zigarettenrauchen- mit Büchern „therapieren“, sich Geschichten wie Medizin verschreiben lassen? Man sollte es auf jeden Fall versuchen!

Das wie ein Nachschlagewerk aufgebaute, inhaltlich umfangreich und ambitioniert zusammengestellte Buch richtet sich an diejenigen Erwachsenen, die an die heilsame Wirkung von mutmachenden Geschichten glauben und Kindern oder Jugendlichen, die ihnen am Herzen liegen, in schwierigen Lebenslagen die passenden Bücher anbieten wollen.

Auf 372 Seiten werden insgesamt 233 Bücher mal mehr, mal weniger ausführlich vorgestellt – Bücher, die nach Empfinden der Verfasserinnen „Kinder glücklich, gesund und schlau machen“. In alphabetischer Reihenfolge sind verschiedene „Leiden“ oder Lebenslagen von A-Z aufgelistet. Wer zum Beispiel einem Kind, welches mit einem depressiven Elternteil zusammenlebt, mit einer geeigneten Lektüre helfen möchte, findet unter E wie „Elternteil, depressiver“ zwei Buchvorschläge: „Kaputte Suppe“ von Jenny Valentine und „Fünfzehn kopflose Tage“ von David Cousins. Beide Titel sind mit einem „T“ gekennzeichnet, was den Hinweis auf Teenagerliteratur gibt. Leider finden sich in dieser Kategorie keine Buchempfehlungen für jüngere Kinder (diese wären dann mit „B“ für Bilderbücher, „A“ für Leseanfänger oder „J“ für junge Leser gekennzeichnet), was mich verwundert, da es im Bereich der Depressionsthematik  durchaus einige erwähnenswerte Titel für jüngere Leser gäbe. Schade auch, dass einige relevante Suchbegriffe wie zum Beispiel Demenz, mit welcher sich Kinder in ihrem Umfeld doch zunehmend auseinandersetzen müssen, keine Erwähnung finden. Auch zu diesem Thema gäbe es einige sehr gute Titel für verschiedene Altersstufen zu nennen.

Hilfreich und informativ sind jeweils die Kurzbeschreibungen der Buchinhalte, ebenfalls wie die Querverweise auf ähnlich gelagerte Problemfelfer (hier zum Beispiel „Trennung der Eltern“). Graphische Symbole (Buch mit Apfel, Bücherstapel mit Krone und Buch mit Eule) helfen bei der Einordnung der Hinweise.

Zu einigen Suchbegriffen finden sich Ranking-Listen wie beispielsweise „Die zehn besten Bücher, in denen es um Adoption geht“, „Die zehn besten Gute-Nacht-Geschichten für die Kleinsten“ oder „Die zehn besten Bücher, um Kindern zu helfen, Kriege zu verstehen“. Diese strikte, wie eine  In-Stein-gemeißelt-Sein vermittelnde Zuschreibung bereitet mir doch etwas Unbehagen, da sie viele weitere sehr gute und passende Bücher, auch die zum Zeitpunkt des Drucks noch nicht erschienenen oder die von den Autorinnen übersehenen ausschließt. Bescheidener und ansprechender wäre hier doch die Formulierung „Zehn empfehlenswerte Bücher bei …“ gewesen.

Dennoch ist das Buch ein nützliches Nachschlagewerk und ein wertvoller Ratgeber bei der Suche nach einer passenden, hilfreichen, trostgebenden oder glücklichmachenden Geschichte.

Der verrückte Erfinderschuppen

Band 1: Der Limonaden-Sprudler

Band 2: Der Looping-Dreher

Text: Lena Hach

Illustration: Daniela Kulot

Verlag: Mixtvision, 2017

 

Limonaden-Sprudler und Looping-Dreher sind die den ersten beiden Bänden einer neuen Kinderbuchserie titelgebenden Erfindungen des  Erfindertrios Tilda, Walter und Fred, welche in Gesellschaft der quirligen Pudeldame Odetta in ihrem Erfinderschuppen im Garten von Tildas patenter Oma allerlei Geniales austüfteln, immer kritisch beäugt von ihren unsympathischen Widersachern, dem Dicken und dem Dünnen.

Sehr unterhaltsam, spannungsreich und voller Situationskomik wird aus der Sicht des Ich-Erzählers Fred, dessen Mama ihn liebevoll Fred das Frettchen nennt, im ersten Band beschrieben, wie die drei Freunde ihre neueste Erfindung, einen Limonaden-Sprudler, planen, entwickeln und in der Praxis erproben, was mit einiger Turbulenz und nicht wenigen Verwicklungen, Überraschungen und Pannen einhergeht. Da fliegt schon mal eben das Schuppendach in die Luft oder wird Badewasser zu Limonade und Ursache einer folgenreichen Killerbienen-Invasion. Also müssen neue Erfindungen her, um die katastrophalen Folgen, wie die Schließung des Schwimmbads und damit drohende Ferien-Langeweile, abzumildern. In Form eines Schaukel-Looping-Drehers, der nächsten Erfindung, um welche es im 2.Band geht, wird dies einfallsreich und zielstrebig in Angriff genommen, was erwartungsgemäß wiederum nicht ohne Komplikationen, wie beispielsweise durch die Luft fliegende Babys, vonstatten geht. Der Dicke und der Dünne, zwei kauzige Herren aus der Nachbarschaft, hecken zudem fiese Pläne aus, um den Erfindungserfolg zu torpedieren. Nun wird es noch gefährlicher für Baby Nelli, um die sich die Kinder neben ihren Erfindungen auch noch kümmern müssen.

Die kurzen Kapitel portionieren die Geschichte in amüsante (Vor-)Lesehäppchen, die immer wieder Appetit auf mehr machen und somit bestes Lesefutter ergeben. Eine schöne Ergänzung zur kindgerecht erzählten, aber auch erwachsenen Vor- und Mitlesern große Freude bereitenden Handlung sind die zahlreichen lustigen Illustrationen von Daniela Kulot, der es hervorragend gelingt, die Turbulenz der Ereignisse in Bilder zu fassen.

So witzig und spannend sind diese beiden ersten Bände, dass sie auf viele weitere Abenteuer der sympathischen Buchhelden hoffen lassen.

Wo die Geschichten wohnen

Text: Oliver Jeffers

Illustration: Sam Winston

Übersetzung aus dem Englischen: Brigitte Jakobeit

Verlag: mixtvision, 2017

http://www.mixtvision-verlag.de

 

Wer das dunkelrote Buchcover mit dem darauf abgebildeten leuchtend roten Buch, auf welchem eine ins Ferne blickende blaue Mädchengestalt sitzt, zum ersten Mal sieht, beginnt beinahe automatisch zu dem goldenen Schloss zu greifen. So plastisch ist der Eindruck, dass man sich zu vergewissern versucht, ob es nicht vielleicht doch ein reales Schloss, in das man einen realen Schlüssel stecken kann, ist. Und schon bewegen sich die Überlegungen des Betrachters zum Gehalt dessen, was man mit der Symbolik eines Schlosses in besonderer Weise wertschätzen wollte: die in den Büchern wohnenden Geschichten, welche wir uns einerseits „erschließen“ können und die uns andererseits als Schlüssel selbst die Tore zur Welt öffnen, die uns  Freude oder Trost geben, Mut machen und in den Schlaf begleiten – die Geschichten, die uns wachsen lassen und ein Leben lang prägen.

Wie wunderbar, wenn schon ein Buchcover derart zum Philosophieren einladen kann! Hervorragend sind ebenso die Vorsatzseiten gestaltet: sie bestehen aus in scheinbar endloser Folge und in sehr kleiner Schrift abgedruckten Titeln von Geschichten, die uns allen bekannt sind wie der Zauberer von Oz, die Schatzinsel, die drei Musketiere, Robinson Crusoe, Schneeweißchen und Rosenrot oder Rapunzel und zahlreiche mehr sowie der Nennung der jeweiligen Verfasser.

Die Widmungen mit den ihnen zugeordneten erhellenden oder berührenden Zitaten (diese natürlich aus Büchern!) öffnen gleichsam neue Welten. Die dazu korrespondierende fotorealistische Darstellung eines geöffneten Tintenfasses, einer Schreibfeder und eines vergilbten noch unbeschriebenen Papierbogens weckt vielfältige weitere Assoziationen.

Und dann, wie wunderschön federleicht gezeichnet und beschrieben, die Vorstellung des nun auf einem Floß sitzenden und lesenden kleinen Buchmädchens: „Ich bin ein Kind der Bücher. Ich komme aus einer Welt voller Geschichten.“ Ihre ins Wasser reichenden Beine umspielt eine Gischt aus Buchstaben, die sich erst zu einem Geschichtenanfang formt, um sich dann ins Unendliche und Unleserliche zu verlieren: „Es war einmal ein Kind, das Bücher liebte …“ Und dann, die nächste Doppelseite, bei der wir angesichts des wogenden Meeres aus Buchstaben und Textpassagen, auf denen das Mädchen auf ihrem fragilen Floß segelt, beinahe den Atem anhalten vor Erstaunen. Worte werden in der Folge zu Wegen, türmen sich zu Buchstabengebirgen auf, auf welche das Mädchen mit ihrem Begleiter, einem kleinen Jungen, klettert, sie formen sich zu Höhlen, Zauberwäldern aus Büchern, werden mal zu Ungeheuern in verwunschenen Schlössern, mal zu Traumwolken und schließlich zur ganzen Welt – derjenigen, die aus Geschichten gebaut ist, in der jeder willkommen ist, weil Phantasie frei ist.

Eine derart schöne, poetische, berührende und künstlerisch hervorragend gestaltete Liebeserklärung an die Welt der Bücher und Geschichten – wahrhaft ein Schatz für Kinder wie Erwachsene-  ist mir bisher noch nicht begegnet.