Archiv der Kategorie: Fotografie

Greta, Lotti & Bauer Hansen

Text & Bilder: Carsten Eichler

Verlag: Knesebeck, 2017

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Greta und Lotti, die Kühe von Bauer Hansen, sind keine gewöhnlichen Kühe. Frühmorgens beginnen sie den Weidetag mit einer Gymnastikstunde. Im Gegensatz zu seinen sportlichen und auch sonst überdurchschnittlich begabten Kühen ist dem Bauer Hansen die Energie etwas abhanden gekommen. Den Grund dafür gesteht der Bauer seinen Kühen beim gemeinsamen Morgentee und Kartenspiel auf der Dachterasse: Er, der von der Küste stammt, sehne sich nach dem Meer, wohin er wegen der vielen Arbeit auf dem Bauernhof, gar nicht mehr komme. Im Tüftlerschuppen der  erfinderisch und handwerklich begabten schwesterlichen Kühe werden alsbald geheime Pläne geschmiedet und in die Tat umgesetzt – es wird eine Woche lang gesägt, gehämmert und geschraubt, was das Zeug hält, bis schließlich ein fertiges Flugzeug einsatzbereit auf dem Bauernhof steht. Beladen mit Liegestühlen, Rucksäcken, Proviant sowie den drei Passagieren hebt das Fluggerät mit Raketenantrieb Richtung Meer ab, wo man gemeinsam einen ganzen Tag lang Sandburgen baut, picknickt, Drachen steigen sowie die Seele baumeln lässt – bevor es beglückt und voller neuer Energie zum heimischen Bauernhof zurückgeht.

Vor allem besticht die ungewöhnliche, turbulente und amüsante Bilderbuchgeschichte durch die Gestaltung der Szenerien mit aufwändigen Arrangements und Figuren aus Knete, Silikon und Draht im Stil der britischen Aardman-Studio-Helden Wallace & Groomit. Mit sichtbarer Liebe zum Detail und Einfallsreichtum werden die Protagonisten um in  mühevoller Kleinarbeit gebastelte Häuser, Landschaften, Mobiliar und Werkzeuge gruppiert. Einige Szenerien erscheinen ganzseitig, andere wie eingeklebte Erinnerungsfotos in einem Familienalbum.

Zum Glück hat der Erfinder dieser sympathischen Charaktere „nicht mehr alle Nadeln an der Tanne“ (wie er in seiner doppelseitigen Danksagung an alle Mitwirkenden mehrfach betont) , so dass er uns hoffentlich auch weiterhin mit  neuen lustigen Abenteuern von Greta, Lotti und Bauer Hansen beglücken kann.

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Knallbunt & unsichtbar

Titel: Knallbunt & unsichtbar. Farbenpracht und Tarnung in der Tierwelt

Fotografie: Konrad Wothe

Text: Martin Rasper

Verlag: Knesebeck, 2016

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Der wunderschöne Bildband mit zahlreichen faszinierenden Bildern des Zoologen, Verhaltensforschers und Tierfotografen Konrad Wothe mit  Texten von Martin Rasper, dem es gelingt, komplexe Themen verständlich, interessant und unterhaltsam in Worte zu fassen, widmet sich thematisch der Betrachtung einer Gegensätzlichkeit: auf der einen Seite der nahezu verschwenderischen Farbenpracht vieler Tiere in Gestalt bunter Papageien, Schmetterlinge, Frösche  oder Echsen und andererseits der nicht minder verblüffenden Unscheinbarkeit kunstvoll getarnter Lebensformen wie beispielsweise die mit Zweigen leicht zu verwechselnden Stabheuschrecken oder die wie flechtenüberzogene Baumrinde aussehenden Blattschwanzgeckos aus Madagaskar.

Das grünlastige Buchcover bildet einen ebenso grünen Gecko mit gelborangen, roten und blauen Farbsprengseln auf dem Körper ab und gibt einen Vorgeschmack auf die 191 Buchseiten mit vielen meisterhaft eingefangenen, farbig opulenten Tierporträts, welche dem Betrachter das ganze Wunderwerk der Natur, welches die Evolution hervorgebracht hat und dessen Farbpalette schier unerschöpflich zu sein scheint, beeindruckend vor Augen führt. Nicht nur exotische Tiere stehen dabei im Fokus, sondern auch heimische Tierarten wie Eisvogel, Tagpfauenauge, Biene oder Fuchs.

In einführenden Worten zur Farbvielfalt der Tiere, wird auf die farbliche Entwicklung und deren Bedeutung für die einzelnen Arten eingegangen, was in den folgenden vier größeren Kapiteln, unterteilt in Insekten, Spinnen & Krebse, Vögel, Säugetiere, Amphibien & Reptilien noch hochinteressant vertieft wird. Wunderbare Fotografien, teilweise in beeindruckenden Nahaufnahmen -so zum Beispiel Schmetterlingsflügel, deren samtene Oberfläche einen Impuls des Darüberstreichenwollens wecken, farbschillernde Vogelfedern in beinahe mikroskopischer Genauigkeit oder ein wie ein grünrotes Mosaikkunstwerk anmutender Chamäleonschwanz- laden zum staunenden Schwelgen in Farben und Formen ein.

Nicht nur für Naturliebhaber, sondern auch für Künstler und Augenmenschen kann dieser phantastische Bildband eine erquickende Quelle der Inspiration sein.

Was macht das Blättertier denn hier

Ideen und Fotografien: Eva Häberle

Text: Thomas Gsella

Verlag: Knesebeck, 2016

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Einem eher unerfreulichen Zufall sind die daraus erwachsenen umso erfreulicheren Ideen der Fotojournalistin Eva Häberle, phantasievolle Tierbilder aus Naturmaterialien zu kreieren, zu verdanken. Weil sie zu einem vereinbarten Treffen an einem englischen Bahnhof versehentlich nicht abgeholt wurde, begann sie aus Langeweile am Bahnsteig Formen aus Blättern zu legen, wobei ihr erstes Tierbild, eine Eule, entstand, von der sie wohl dermaßen inspiriert gewesen sein muss, um dieser zahlreiche weitere Tierporträts folgen zu lassen. Vielleicht war sie derjenigen Eule im Buch auf der Seite 100 ähnlich oder gar dieselbe. Zwei große Eulenaugen aus leuchtend gelben Herbstblumen, dazu ein umgedrehtes Blatt als Schnabel, zwei kleinere Blätter  die Ohren bildend und viele weitere das Federkleid – das ist unverkennbar eine Eule, die Platz auf einem Zweiglein genommen hat und mich nun erwartungsvoll mit Blumenaugen anblickt, die mich gleich dem das Eulenbildnis begleitende Gedicht sonderbar benommen zu machen scheinen.

Auf dem Titelbild ist ein -ebenfalls überwiegend aus Blättern arrangiertes- Chamäleon zu sehen, dessen Auge die Kappe einer Eichel bildet. Zunge, Schwanz und Beine formen Teile von Farnen – genial einfach, aber darauf muss man erstmal kommen!

Fünfzig erstaunliche Tierbildcollagen dieser Art, denen sich -quasi wie auf den Leib geschrieben- ebensoviele wunderbar wortwitzige und freche Gedichte von Thomas Gsella, dem ehemaligen Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic, zugesellen, sind in dem quadratischen, kleinen, feinen Büchlein zu bewundern. Unter ihnen die beeindruckende Mangold-Mücke, welche sich als ungebetener Gast und Mit-Esser auf einem Grillfest hocherfreut über viele nackte Arme, Beine, Bäuche und prallgefüllte Venenschläuche zeigt -wie köstlich! Oder das an Kitschpotential kaum zu übertreffende Arrangement aus zu einem Katzenbildnis (unglaublich gelungen dabei die Mimik der mürrischen Katze) drapierter vollaufgeblühter rosa Pfingstrosen, gebettet auf bordeauxfarbenen samtigen Stoff – wie herrlich! Wunderbar auch die ins Bild und den Text geflossene Wehmut der „Tee“-trinkenden Fischer im Gedenken an ihr einst wegen trunkener Unachtsamkeit gesunkenen Bootes, welches nun als (Pilz-)Wrack am Meeresboden liegend zum Hort von (Hirtentäschel-)Korallen wird, mittels zweier dasjenige umschwimmenden (Frühlingszwiebel-)Tintenfischen stimmungsvoll in Szene gesetzt – wie poetisch!

Genial auch der hochmütige Pusteblumen-Pudel nebst tiefgründigem Begleittext, das Wortspiel um den Blätter-Schmetterlings- Generationenkonflikt, der (nicht ganz jugendfreie) Rinden-Fuchs, der Orang-Utan aus Kiefernadeln, der Chrysanthemen-Chicoree-Kakadu und, und, und … beinahe unmöglich, hier Favoriten zu finden.

Die ideenreichen Bilder und Texte bilden eine sich gegenseitig verstärkende Einheit, aus der fünfzigfacher Genuss für Geist und Auge erwächst.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de