Archiv der Kategorie: Humor

Wir gehen in eine Ausstellung

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Es geht darum, präzise Antworten auf neugierige Kinderfragen zu finden und damit Schlüsselthemen unserer Zeit wie Themen zeitgenössischer Kunst zu verstehen. Die neue „Mistkäfer“-Buchreihe verspricht mit einem „Neue-Wörter-Leseprogramm“, Fähigkeiten des Kindes, wie etwa lange Wörter und schwierige Konzepte zu erinnern, deutlich zu verbessern. Sogenannte „Lernwörter sollen dabei helfen, grundsätzliche Konzepte zu identifizieren. Es wird empfohlen, „diese Wörter so oft wie möglich mit Ihrem Kind zu lesen. So werden die einzigartigen Meinungen Ihres Kindes allmählich zermürbt und angemessene, zeitgemäße Fähigkeiten des kritischen Denkens entwickelt.“ – Spätestens jetzt wird denjenigen, die es nicht schon vorher wussten, wohl allmählich klar, dass sie mit diesem  kleinen Kunstbüchlein eher keinen netten und gefälligen Kunstbetrachtungs-Ratgeber und schon erst recht kein Kinderbuch in den Händen halten, sondern vielmehr eine herrlich bitterböse Persiflage auf moderne Kunstbetrachtung und den modernen Kunstbetrieb.

Wir begleiten die Kinder Susan und John, welche mit ihrer Mutti eine Kunstausstellung besuchen, amüsieren uns insgeheim über Muttis Bildbetrachtungen und -deutungen und sind zuweilen gleichzeitig ebenso wie die Kinder verunsichert über Muttis schonungslos nüchterne wie frappierende Art, ihre angesichts der betrachteten Werke auftauchenden Fragen zu beantworten und damit überraschend treffend moderne Kunst zu beschreiben und  zu analysieren.

Eher harmlos beginnend mit Muttis Aussagen, dass Schönheit in der Kunst nicht wichtig und Verstehen eher kontraproduktiv sei und sich steigernd mit einer schnippischen Bemerkung auf Johns Einwurf, dass er etwas genauso malen könnte wie der Künstler („Hast du aber nicht.“) werden wir alsbald Zeugen von Muttis sich steigerndem Glück und dazu proportional permanenter  Verwirrung seitens der Kinder angesichts leerer Räume, nackter Körper, existenzieller Satzfragmente, übergroßer Vaginen und Penisse, halbierter Hasen, schreiender Gestalten, Ölflecken und stinkenden Mülls und Muttis profunder Deutungen und Zuschreibungen wie etwa „Das ist der Gestank unserer verrottenden westlichen Zivilisation“ , „Weil Gott tot und alles Sex ist.“ oder „Es ist Zeit für die Objektifizierung des Körpers.“ Zunehmend fühlen wir uns  ähnlich „komisch“ wie Susan und John, woraufhin Mutti nur lapidar bemerkt, dass dies der moderne Zustand sei. Gesellschaftskritisch entlarvend  und sarkastisch auch die Beantwortung der Frage, ob Mutti eine Künstlerin sei: „Ich konnte keine Künstlerin werden, weil ich euch bekommen habe.“

Unpassender –und damit zugleich wunderbar passend!- könnten die begleitenden farbigen Illustrationen gar nicht sein. Wunderbar retro, heiter, gefällig und ziemlich bieder kommen sie unschuldig daher und erinnern ein wenig an die heile Welt aus Zeugen-Jehovas-Heftchen oder Versandhauskatalogen der 60er Jahre.

Miriam und Ezra Elia ist eine genial bissige und eigenwillig komische Kunst-Persiflage gelungen – ein wunderbares Geschenk für  Künstler und Kunstliebhaber mit Sinn für Humor!

 

Wir gehen in eine Ausstellung

von Miriam und Ezra Elia (Text) und Miriam Elia (Illustration)

Kunstmann, 2018

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Das feministische Mach-Mit-Buch

Illustration und Text: Gemma Correll

Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Keen

Verlag: Antje Kunstmann, 2017

 

Wenn Feminismus und Frauenpower Spaß machen soll, dann auf jeden Fall mit dem neuen Mal- und Kritzelbuch von Gemma Correll!

Das Cover des äußerst amüsanten kleinen Kreativbüchleins versammelt auf scharzem Grund umherfliegende Attribute der Weiblichkeit in Pink und Weiß. Tampons, Bikinioberteile, zweckentfremdete Menstruationstassen und andere diverse Utensilien, die sonst wohl auf Titelbildern eher unterrepräsentiert sind, machen neugierig auf den Buchinhalt. Und der hat es in sich: Weiblicher Widerstand gegen Frauenverachtung und Sexismus kann sich hier lustvoll und augenzwinkernd über kreative Inspirationen anbahnen, formieren und abarbeiten lassen. Sei es mit einem Kritzel-ABC des Feminismus, Menstruationsobjekte, die respektlos zu stylischen Hütchen für kleine Haustiere und anderen sinnvollen Accesoires umfunktioniert werden, herrlich albernen Kondomdesigns, Suchbildern, Ausmal-Kämpfen gegen Werbe-Verarsche, feministischen Playlists, T-Shirt-Parolen oder Verdienstorden zum Selbermachen, Buchstabenrätseln, Labyrinthen, Männernippeln, Wutseiten, Sexspielzeug zum Ausmalen, Bastelbögen und weiteren Kuriositäten rund um die feministische Lebenswelt – hier kann frau mal richtig kreativ-subversiv Dampf ablassen und Lachfältchen kultivieren.

Für Bücherfreunde

Illustration & Text: Sempé

Verlag: Diogenes, 2017

 

Bücherfreunde werden es lieben: Sempé´s beste Cartoons über Schriftsteller, Buchhändler, Leser und den Literaturbetrieb in einem kleinen handlichen Büchlein, welches sich bequem in der Hand-, Akten-, Reise- oder sonstiger Tasche transportieren lässt, um die Freude darüber mit anderen Buchbesessenen zu teilen oder es an solche zu verschenken.

Sei es der im elegant geschwungenen S-Sessel kontemplativ versinkende Buchnarr, der vorfreudig seiner Lektüre einen eigenen Platz vorhält, die gespannte Erwartung feinsinniger blumenkleidgewandeter Damen mittleren Alters im Schreibseminar während der Erläuterung der klassischen Hammelkeule-Schreibübung, das desillusionistische Zwiegespräch des leidgeprüften Autorinnen-Ehegatten auf der Haustreppe mit einem männlichen Vertrauten (während im oberen Stockwerk die Gattin dem Finale entgegenschreibt und nach heimlicher Leseprobe nicht vermuten lässt, in ihrem Werk der ehelichen Liebe ein literarisches Denkmal zu setzen), die sich offenbarende Dramatik angesichts der drohenden Blockade einer literarischen Mission, die schelmischen  bis bitterbösen Notizen des schreibenden Philosophen zu alltäglichen Missgeschicken der Angetrauten unter dem Arbeitstitel „Kleine Glücksmomente“, die eigenwillige Poesie einer Bahnhofsdurchsage zur Buchmesse, die Paradoxie der modernen Hausfrau in ihrer Hochtechnologie-Küche im Moment des Studiums eines  „Kalbsfrikassee nach Großmutterart“ – Kochrezeptes und noch viele weitere phantastische Cartoons im Buch-Kontext – sie alle halten der Buchwelt aus verschiedenen Perspektiven einen ironisch-charmanten Spiegel vor und sind dabei einfach umwerfend komisch in ihrer stilsicheren Einzigartigkeit und treffsicheren Menschenkenntnis.

Der siebente Bruder oder Das Herz im Marmeladenglas

Text und Illustration: Øyvind Torseter

Übersetzung aus dem Norwegischen: Maike Dörries

Verlag: Gerstenberg, 2017

 

Ein König hatte sieben Söhne; sechs von ihnen waren in die Welt gezogen und sollten dem zu Hause verbliebenen Bruder eine Prinzessin als Braut von der Reise mitbringen, doch es kam anders. Sie kehrten nicht nach Hause zurück, denn ein furchterregender Troll hatte die Königssöhne samt ihrer Bräute in Steine verwandelt. Nun machte sich also der zurückgebliebene siebente Bruder auf den Weg, um die Vermissten zu suchen …

Was zunächst wie ein herkömmliches Märchen beginnt, wird zu einer recht skurrilen Comicgeschichte. Der Prinz mit der seltsamen Physiognomie eines Gesichts, das hauptsächlich aus Nase besteht, begibt sich mit einem klapprigen Gaul, mit welchem er unterwegs den Leser sehr erheiternde Zwiegespräche führt, nach seinen Brüdern suchend auf den Weg, auf dem das illustre Paar seltsame Dinge wie ein herumliegendes Saxophon oder einen Elefanten mit in einem Baumstumpf eingeklemmten Rüssel findet. Das Saxophon wird mitgenommen – wer weiß, wofür es noch nützlich sein könnte – und ganz nach Märchenmanier verspricht auch der befreite Elefant zukünftige Hilfe in Notlagen. Nach der Begegnung mit einem rüpelhaften Wolf, dem sie trickreich einen Hinweis zum Fundort der Trollhöhle und hilfreiche Tipps zum Umgang mit dem Troll -nämlich dessen Herz zu vernichten- entlocken, ist das erstrebte Ziel bald gefunden. Der lässige Gaul zieht es vor, draußen Wache zu schieben, während der Prinz zu allem entschlossen die Höhle inspiziert. Dort befindet sich neben den versteinerten Brüdern und Prinzessinnen ein lebendiges weibliches Wesen, welches vom Troll gefangengehalten wird und sich sogleich freundlich anbietet, dem Prinzen noch schnell die Höhle zu zeigen, bevor sein letztes Stündlein geschlagen hat. Überdies weiß sie zu berichten, dass sich das Herz des Trolls, welches es zu vernichten gilt, nicht in der Trollbrust, sondern in einem Marmeladenglas befände. Wo dieses zu finden ist, wäre nun noch gemeinsam zu ergründen. Nun kommen Elefant und Saxophon ins Spiel …

Wie zu erwarten, findet letztlich alles ein märchenhaftes Happy End. Wunderbar erfrischend ist vor allem Torseters zeichnerisches Fabulieren, mit dem sich dem Leser noch weit mehr als über die textlichen Informationen aus den Sprechblasen erschließt und das auch beim wiederholten Betrachten -dessen man angesichts der Einzigartigkeit der Bilder nimmermüde wird – immer wieder Neues, teils herrlich Absurdes in unzähligen zeichnerischen Details zutage bringt.

Ein ungewöhnliches, intelligentes, tiefgründiges und vor allem sehr unterhaltsames Märchen-Vergnügen!

Die tollkühnen Schafe in ihrer fliegenden Kiste

Text: Peter Bentley

Illustration: David Roberts

Übersetzung aus dem Englischen: Salah Naoura

Verlag: Knesebeck, 2017

 

Man sollte sich die Freude nicht entgehen lassen, diese mit feinem Humor und lustigen Illustrationen bestückte, rasant und spannend erzählte Bilderbuchgeschichte in Reimen wirklich VORZULESEN!

Am Ort des Geschehens, einer Schafweide inmitten von grasgrünen Hügeln, geht es zunächst ruhig und beschaulich zu. Eine Gruppe von 8 Schafen -jedes von ihnen ein Charakterkopf vom stattlichen Widder bis zum obligatorischen schwarzen Schaf, dem Kleinsten- tut in Seelenruhe das, was sie wahrscheinlich tagtäglich und am liebsten tut: Grasen.

Ein unerwarteter Höllenlärm, verursacht von einem brummenden, fliegenden und wohl nie zuvor gesehenen Etwas, unterbricht die friedliche Idylle und lässt die Schafe namens Lamm-Bert, Olga, Morten, Mabs, Bart, Ben und Babs und den alten Herrn Rammbock zuerst verdutzt aufblicken und dann neugierig dessen Ursache auf den Grund gehen: Ein Wettflug mit allerlei Gästen, Brimborium und Blaskapellenmusik findet auf der Nachbarwiese statt! Erstaunt verfolgen die Schafe das Geschehen und bald entdecken sie etwas abseits des Spektakels ein unbewachtes gelbes Flugzeug. Das wäre doch mal was, einfach so davonzufliegen …

Gedacht, getan, … zumindest ein Probesitzen muss dann schon sein. Doch in der Enge drückt eines der Schafe versehentlich auf den Startknopf. „Alarm! rief ein Herr. Eine Bande Betrüger in weißen Pullovern entführt meinen Flieger!“ – und schon geht sie los, die unverhoffte Weltreise! Alsbald wird in der atemberaubenden Geschwindigkeit eines Actionfilms  zuerst wild in Frankreich getanzt, dann in Spanien ein Stierkampf verfolgt, bevor man in Gizeh beim Picknicken von hungrigen Mumien gestört wird, in Tibet Schneegras kostet, welches sich als Haarpracht eines Yetis entpuppt, in Indien beinahe im Kochtopf landet und in Florida eine Schiffspartie auf einem Krokodilrücken erlebt.

Nach all diesen spannenden und aufregenden Abenteuern vermissen die Schafe dann aber doch irgendwann die sonst gewohnte Beschaulichkeit, das Rumstehen auf der Weide, das Kauen und die Stille. So kehren sie glücklich zurück auf ihre Weide und grasen weiter, als wäre nichts geschehen.

Als ich diese schräge Bilderbuchgeschichte, in die ich mich sofort verliebte, erstmals in einer meiner Kindermalgruppen mit entsprechender Begeisterung und Emphase vortrug, sich meine jungen Zuhörer sogleich vor Lachen kringelten und anschließend ebenso lustige Schafe in Fliegern malten, bestätigte mir dies einmal wieder meine Vermutung über das vielfältig inspirierende Potential, das guten Geschichten  innewohnt.

Hanna Nebe-Rector, malkastl.de

 

Hier kommt keiner durch!

Text: Isabel Minhos Martins

Illustration: Bernardo P.Cavalho

Übersetzung aus dem Portugiesischen: Franziska Hauffe

Verlag: Klett Kinderbuch, 2016

 

Die Eingangszenerie auf dem Titelbild zeigt gleich unmissverständlich, was Sache ist: „Hier kommt keiner durch!“, brüllt energisch der General hoch zu Ross (namens Ramba-Zamba) in Phantasieuniform, welcher zu gern Held in einem Kinderbuch wäre, wie man bald erfahren wird. Und vor lauter Bestimmereifer sind sein Gesicht und vor allem die lange Nase bereits tiefrot angelaufen.

An wen sich die autoritäre Botschaft richtet, ist die illustre Gesellschaft, die auf den Vorsatzpapierseiten in kindlich-naiven Tuschestiftkritzeleien vorgestellt wird. Hier erscheinen -sogar namentlich- zahlreiche kleine und große Menschen wie die Fußballjungen Marc, Silvio, Hassan und Rafaelin, ein Paar mit Fahrrädern, ein Polizist, die Sträflinge Uli und Sepp, Herr Albino, ein Musiker und viele, viele andere mehr nebst einigen Tieren wie beispielsweise Hund Fiffi, die im Folgenden nach und nach Teil der erzählten Bildergeschichte werden.

Zunächst beginnt diese auf beinahe leeren Buchseiten, auf diese sich zuerst zaghaft von links oben ein kleines Hündchen (Fiffi) wagt. In der Mitte vor der vom General postulierten Grenze zur rechten Buchseite, hat sich ein bewaffneter stoischer Aufpasser postiert, scheinbar fest entschlossen, hier niemanden durchkommen zu lassen, warum auch immer. Der Grund ist über Sprechblasen auszumachen: Sein General hat sich das Recht herausgenommen, die rechte Buchseite weiß zu belassen, so dass er in die Geschichte hineinkommen kann, wann immer er es möchte. „Aber das ist doch verrückt“, ereifert sich ein Mann, vielleicht Fiffis Herrchen, dessen Name laut der Vorsatzpapier-Aufstellung Niklas lautet. Zunehmend wird die linke Buchseite bevölkert, die rechte hingegen bleibt aus den bekannten Gründen weiß. Alle reden durcheinander, begreifen das absurde Verbot nicht, Aufruhr scheint sich anzubahnen. Vorgetragene Argumente werden rigoros abgeschmettert. Doch dann …

… BOING, BOING, BOING, … hüpft ein kleiner roter Ball aus der Menge heraus in die Verbotszone. Aus dem Wirrwarr von eben wird ein gemeinschaftlich erschrockenes Starren nach rechts. Zwei Jungen, Lionel und Cristiano, rennen los, Fiffi bellend hinterher. Auslöser allgemeiner Grenzüberschreitung! Dem Aufpasser geht die Herrschaft über die Lage verloren, er ergibt sich dem Willen der aufrührerischen Menge, deren Held er nun wird und die lautstark gegen seine drohende Verhaftung zu protestieren beginnt. Selbst Ramba-Zamba, das Pferd des Generals, widersetzt sich seinem Herrn und galoppiert auf die andere Buchseite.Die Massen stürmen nach rechts, bis nur noch unzählige herumliegende verlorene Dinge als Überbleibsel von der soeben stattgefundenen Revolte künden, die der grummelnde Oberaufpasser nun einsammelt, bevor er konstatiert, die Geschichte verlassen zu wollen. (Denn wer will schon Held in einem Kinderbuch sein?)

Wer beim Anschauen dieses witzigen grenzüberschreitenden Wimmelbilderbuchs, in welchem sich auch nach häufigerem Anschauen immer wieder Neues entdecken lässt, nicht aktuelle oder historische Parallelen assoziieren will oder kann, wird dennoch Freude daran haben, denn es zeigt augenzwinkernd und überzeugend, dass ein wenig Renitenz und Hinterfragen scheinbarer Allgemeingültigkeiten im wahrsten Sinne befreiend und beflügelnd wirken kann.

Was sitzt im Wald und winkt?

Text: Moni Port

Illustration: Jörg Mühle

Verlag: Klett Kinderbuch, 2016

 

„Huhu!“ scheint der freundlich winkende Uhu uns zuzurufen, womit sich die erste titelgebende Frage „Was sitzt im Wald und winkt?“ aus dem neuen urkomischen Quatschfragen-Rätselbüchlein von Jörg Mühle und Moni Port bereits wie von selbst beantwortet hat.

Oder: „Was ist lila und bedient im Restaurant?“ Natürlich die Obergine!

Oder: „Was ist weiß und tanzt im Wald ums Feuer?“ Ganz klar, ein Rumpelpilzchen!

Und weil´s so schön ist, noch eins: „Was ist grün, glücklich und springt von Grashalm zu Grashalm?“ Das kann nur eine Freuschrecke sein!

Wie die Freuschrecken freuen wir uns nun, dass das erfolgreiche Vorgängerbüchlein „Was sitzt am Strand und redet undeutlich?“ (=die Nuschel!) einen nicht minder lustigen Nachfolger mit neuen Rätselfragen, deren Antwortfindung mit Unterstützung der herrlich originellen Illustrationen nicht allzu schwer ist und überdies einen Riesenspaß macht, bekommen hat.

Jede der 19 Doppelseiten widmet sich in Text und Bild einer der 19 Rätselfragen. Auf der linken Buchseite wird vor verschiedenfarbigem Hintergrund die Frage gestellt; die passende Antwort findet sich gleich darunter in einem auf den Kopf gestellten weißen Schriftzug, welchen man zur Erhöhung der Schwierigkeit und Steigerung der Spannung insbesondere in Gruppen zunächst noch kurz mit der Hand abdecken kann. Ein Blick auf die  rechte Buchseite mit einer der jeweiligen Rätselfrage zugeordneten illustrativen Verbildlichung lässt die Antwort meistens nicht lange ausbleiben. Die gemeinsame Suche danach ist sehr lustig!

Die letzte Doppelseite ermuntert zu eigenen Text- und Bildideen – was wir nach der gemeinsamen allseits erheiternden Buchlektüre in unserer Kindermalgruppe mit  Stiften, Pinseln und Farben nur allzu gern sogleich in die Tat umgesetzt haben.

 

Schlinkepütz, das Monster mit Verspätung

Text: Susanne Kreller

Illustration: SaBine Büchner

Verlag: Carlsen, 2016

 

Ein länglich-ovales Wesen mit großen Stauneaugen, Wuschelfrisur, breitem Grinsemund und daraus hervorstehenden Zähnen, Segelohren und hellblauem Fell mit einem zart durchscheinendem Leopardenmuster, mit an Zuckerstangen erinnernden blau-lila-gestreiften  Ärmchen und Beinchen und ebensolchen fühlerartigen Kopfantennen sowie spärlich bekleidet mit einer orange-gelb-gestreiften Krawatte  – das ist Schlinkepütz, das sympathische kleine Monster, welches wir bereits aus der -übrigens sehr empfehlenswerten- GECKO-Bilderbuchzeitschrift kennen und ins Herz geschlossen haben.

Nun hat der Carlsen-Verlag zu unserer großen Freude die Schlinkepütz-Geschichten zu einem Buch gemacht. Lustige Begebenheiten aus dem Leben des liebenswert-tollpatschigen kleinen Monsters werden in 6 Kapiteln auf 80 Buchseiten vorgestellt, wobei lustige pastellbunte Zeichnungen die mitunter zu Lachsalven führenden Texte begleiten.

Schlinkepütz, der gern Filme mit Häuptling Apfelstrudel anschaut, sich im Triangelspiel übt, Briefmarken sammelt, sich nur ab und zu die Zähne putzt, oft nicht grüßt, zuweilen lauthals rülpst und manchmal ältere Damen in der Straßenbahn erschreckt, begegnet uns in diesen Geschichten als ein Monster, welches arge Probleme mit der Pünktlichkeit hat, im Frühling der Putzwut verfällt, im November -dem Geburtsmonat aller Monster- mit seinen witzigbunten Monsterkumpels eine Geburtstagsparty mit anfänglichen Hindernissen feiert, von einem hartnäckigen Ohrwurm befallen wird und sich als Briefträger oder Monster-Babysitter zu bewähren versucht.

Das (Vor-)Lesen und Anschauen der urkomischen Bildergeschichten ist für alle Beteiligten immer wieder mit großem Spaß verbunden und hat unsere Kindermalgruppen bereits zum Malen vieler toller Schlinkepütz-Bilder inspiriert.

 

Mach dieses Buch fertig immer und überall

Text  und Illustration: Keri Smith

Übersetzung: Heike Bräutigam und Julia Solz

Verlag: Antje Kunstmann, 2016

 

Der unmissverständlichen wie doppelsinnigen Aufforderung, dieses Buch fertigzumachen, kann dank der handlichen, nur 10×16 cm messenden Kleinformatausgabe, nun endlich auch immer und überall Folge geleistet werden!

Es passt wie ein kleines Notizbuch in jede Jacken- oder Handtasche, um es je nach Belieben -auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit, auf Reisen, beim ziellosen Bummeln, beim Wandern oder wo auch immer- zur Hand nehmen zu können und seine Seiten mit individuellem Sinn oder Unsinn zu füllen.

Mit dem Eintragen des eigenen Namens in mehreren Versionen wie weiß, blass, unleserlich, winzig, groß oder rückwärts kann das vergnügliche und (selbst-)bewusstseinserweiternde Abenteuer beginnen, sollte der der anfängliche Warnhinweis zu den mit seinem Gebrauch einhergehenden Gefahren und Nebenwirkungen wie etwa Nässe, Schmutz, Farbkleckse oder gar Wesens- und Lebensspannungsveränderungen leichtsinnigerweise bagatellisiert oder missachtet werden.

Als kleine Auflockerungsübung und zum Verschaffen eines ersten Überblicks über die den Benutzer erwartenden Aufgaben dürfen -do it yourself- alle Seitenzahlen eingetragen werden, je nach Beginn der Zählung sind das mindestens 140. Dabei lässt die wunderbar unhierarchische Aufstellung der benötigten Materialien wie unter anderem Geistesblitze, Klebstoff, Spucke, Müll, Farbe, Tränen, Bindfaden, Überraschungen, Kaffee, Gefühle, Schere, Zufall und Grips eine Ahnung aufkommen, in welche Richtung das Konzept gehen will und kann.

Die diffuse Erwartung konkretisiert sich beim Studium der künftigen Beschäftigungmöglichkeiten, die mit mehr oder weniger scheinbar obskuren Vorschlägen wie Fahrpläne abzumalen, Buchseiten mit spitzen Gegenständen zu malträtieren oder nach vorherigem Bekritzeln zu fluten, Seiten herauszureißen und sie anderen in die Taschen zu stecken, Straßennamen zu sammeln, Linien zu ziehen, Gerüche und klebriges Zeug einzufangen und im Buch festzuhalten sowie immer wieder mit eingestreuten Aufforderungen, über eigene Fertigmachmethoden nachzudenken und diese nachweislich mit Datum und Unterschrift zu dokumentieren zu einem stetig wachsenden Sammelsurium persönlicher Befindlichkeiten werden könnten. – Das mutet seltsam an. Ist es auch. Oder doch nicht? Vielleicht ist das unscheinbare Büchlein ein hochwirksames Medikament mit unerwarteten Nebenwirkungen, die erstaunliche kreative Energien freisetzen und den Konsumenten desselben von sich selbst überraschen lassen? – Einfach mal ausprobieren!

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

Was macht das Blättertier denn hier

Ideen und Fotografien: Eva Häberle

Text: Thomas Gsella

Verlag: Knesebeck, 2016

 

Einem eher unerfreulichen Zufall sind die daraus erwachsenen umso erfreulicheren Ideen der Fotojournalistin Eva Häberle, phantasievolle Tierbilder aus Naturmaterialien zu kreieren, zu verdanken. Weil sie zu einem vereinbarten Treffen an einem englischen Bahnhof versehentlich nicht abgeholt wurde, begann sie aus Langeweile am Bahnsteig Formen aus Blättern zu legen, wobei ihr erstes Tierbild, eine Eule, entstand, von der sie wohl dermaßen inspiriert gewesen sein muss, um dieser zahlreiche weitere Tierporträts folgen zu lassen. Vielleicht war sie derjenigen Eule im Buch auf der Seite 100 ähnlich oder gar dieselbe. Zwei große Eulenaugen aus leuchtend gelben Herbstblumen, dazu ein umgedrehtes Blatt als Schnabel, zwei kleinere Blätter  die Ohren bildend und viele weitere das Federkleid – das ist unverkennbar eine Eule, die Platz auf einem Zweiglein genommen hat und mich nun erwartungsvoll mit Blumenaugen anblickt, die mich gleich dem das Eulenbildnis begleitende Gedicht sonderbar benommen zu machen scheinen.

Auf dem Titelbild ist ein -ebenfalls überwiegend aus Blättern arrangiertes- Chamäleon zu sehen, dessen Auge die Kappe einer Eichel bildet. Zunge, Schwanz und Beine formen Teile von Farnen – genial einfach, aber darauf muss man erstmal kommen!

Fünfzig erstaunliche Tierbildcollagen dieser Art, denen sich -quasi wie auf den Leib geschrieben- ebensoviele wunderbar wortwitzige und freche Gedichte von Thomas Gsella, dem ehemaligen Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic, zugesellen, sind in dem quadratischen, kleinen, feinen Büchlein zu bewundern. Unter ihnen die beeindruckende Mangold-Mücke, welche sich als ungebetener Gast und Mit-Esser auf einem Grillfest hocherfreut über viele nackte Arme, Beine, Bäuche und prallgefüllte Venenschläuche zeigt -wie köstlich! Oder das an Kitschpotential kaum zu übertreffende Arrangement aus zu einem Katzenbildnis (unglaublich gelungen dabei die Mimik der mürrischen Katze) drapierter vollaufgeblühter rosa Pfingstrosen, gebettet auf bordeauxfarbenen samtigen Stoff – wie herrlich! Wunderbar auch die ins Bild und den Text geflossene Wehmut der „Tee“-trinkenden Fischer im Gedenken an ihr einst wegen trunkener Unachtsamkeit gesunkenen Bootes, welches nun als (Pilz-)Wrack am Meeresboden liegend zum Hort von (Hirtentäschel-)Korallen wird, mittels zweier dasjenige umschwimmenden (Frühlingszwiebel-)Tintenfischen stimmungsvoll in Szene gesetzt – wie poetisch!

Genial auch der hochmütige Pusteblumen-Pudel nebst tiefgründigem Begleittext, das Wortspiel um den Blätter-Schmetterlings- Generationenkonflikt, der (nicht ganz jugendfreie) Rinden-Fuchs, der Orang-Utan aus Kiefernadeln, der Chrysanthemen-Chicoree-Kakadu und, und, und … beinahe unmöglich, hier Favoriten zu finden.

Die ideenreichen Bilder und Texte bilden eine sich gegenseitig verstärkende Einheit, aus der fünfzigfacher Genuss für Geist und Auge erwächst.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de