Archiv der Kategorie: Vorlesebuch

Schlaft recht schön

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Fünf Tierfamilien werden in diesem Pappbilderbuch für die ganz Kleinen in den Winterschlaf verabschiedet. Bevor sie sich zur Ruhe legen, beobachten wir sie bei den Vorbereitungen für die lange Schlafenszeit:

Eine Marienkäferfamilie trägt mit großem Eifer gemeinsam Reisig und Blätter zusammen und bereitet sich daraus ein gemütliches Bett, bevor wir ihnen zurufen: „Schlaft recht schön, ihr Marienkäfer!“ Die Froschfamilie bettet sich genüsslich auf Seerosenblätter und Familie Eichhörnchen legt sich Wintervorräte aus Zapfen, Beeren und Nüssen an, bevor sie sich im Blätterbett zusammenkuschelt. Eine Igelfamilie macht sich bereit für den Winter, indem für alle Löcher als gemütliches Schlaflager gegraben wird. Noch ein herzhaftes Gähnen, dann kann der Schlaf kommen. Und die Bärenfamilie ist im Wald auf der Suche nach Ästen, die später als Kopfkissen dienen.          Auf der letzten Doppelseite schauen wir auf eine verschneite Winterlandschaft und in die Schlafstätten, in denen die fünf Tierfamilien friedlich schlummern, bis es wieder Frühling wird.

Besonders schön an dieser warmherzigen Gute-Nacht-Geschichte sind die liebevoll gezeichneten Bilder der japanischen Illustratorin Tomoko Ohmura, mit denen kleine Menschenkinder wunderbar in den Schlaf begleitet werden können.

 

Tomoko Ohmura: Schlaft recht schön

Moritz, 2018

ISBN 978 3 89565 364 3

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Raupe Berta hoch im Baum

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Hoch oben im Baum (dieser übrigens ganz unkonventionell mit knallig rosafarbener Rinde)sitzt die türkisfarbene Raupe Berta und widmet sich der Körperpflege – genauer gesagt, sie rasiert sich ihren Haarflaum mit einem elektrischen Rasierapparat (der Strom dazu kommt aus der Steckdose im Baumstamm). Erschreckt durch einen Vogelklecks von noch weiter oben verliert Berta ihren Rasierer und dieser purzelt in die Tiefe. Zwecks der Suche nach dem Rasierapparat klettert Berta abwärts, wobei sie verschiedenen Tieren (auch diese überwiegend wieder in ungewöhnlicher Farbgebung) in den unteren Baum-Etagen begegnet und diese nach dem herabgefallenen Teil befragt. Knapp geben die Tiere auch darüber Auskunft, wollen Berta jedoch viel lieber in Gesprächsthemen zu ihren eigenen Befindlichkeiten verwickeln. Und so berichtet ein pinkfarbener Tausendfüßler mit orangenen Schuhen voller Stolz über seine Fortschritte beim Üben des Schuhschleifen-Bindens, die mit bunten Farbklecksen übersäte orangefarbene Schnecke braucht eine Farbberatung beim Streichen ihres Häuschens, wobei sie sich nebenbei noch über den Verlust ihres Eimers mit der violetten Farbe beklagt, den der herabfallende Rasierer mit sich gerissen hat, der Sprecht fordert Bewunderung für sein Schnitzkunstwerk ein und die Spinne, welche mit dem Flicken ihres Netzes, durch das der Rasierer gefallen ist, beschäftigt ist, versucht die Raupe –erfolglos- in ihr Netz zu locken. Schließlich landet  Berta etwas unsanft unten bei den Baumwurzeln an, wo sich auch der Rasierer wiederfindet. Mit diesem hat sich inzwischen ein Igel eine flotte Frisur verpasst. Und wer beim Lesen und Schauen gut aufgepasst hat, errät nun auch, warum der Igel violette Stacheln hat.

Mit viel Situationskomik nimmt die in flotten Reimen spannend erzählte und farbenfroh bebilderte Geschichte ihren Lauf, wobei eine besondere Dynamik entsteht, die Leser und Vorleser mitreißt und zum Lachen bringt.

 

Raupe Berta hoch im Baum

Dirk Schmidt (Illustration) & Barbara Schmidt (Text)

Kunstmann, 2018

 

Edison

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Hinter den prallvollen Regalen einer zeitlos schönen Buchhandlung gibt es eine geheime Universität – die Universität der Mäuse. Unzählige  Mäusestudenten  lauschen dort hochkonzentriert den wissenschaftlichen Vorträgen ihres Mäuseprofessors.

Eine dieser wissbegierigen Mäuse, Pete, ein etwas schüchterner junger Mäuserich, nimmt all seinen Mut zusammen und bittet nach einer Vorlesung den Professor um dessen Hilfe. Pete ist auf der Suche nach einem Schatz. Einer seiner Vorfahren hat einen geheimnisvollen Zettel hinterlassen, der auf einen Schatz und eine Reise nach Amerika hinweist. Seit langer Zeit ist dieser Zettel nun schon in Familienbesitz und der neugierige Pete will der Sache endlich auf den Grund gehen. Der Professor hilft Pete und sucht in alten Aktenordnern nach entsprechenden Hinweisen. Wie sich herausstellt, hat Petes Vorfahre versucht, mit dem Schiff über den Atlantik nach Amerika zu gelangen, aber das Schiff verunglückte. Glücklicherweise wurden aber alle Passagiere gerettet. Ob aber auch Mäuse zu den geretteten Passagieren zählten? Alles deutet darauf hin, dass der besagte Schatz mit dem Schiff  auf den Meeresgrund gesunken ist. Am liebsten will sich Pete zusammen mit dem Professor sogleich dorthin auf den Weg machen, aber  der Professor  fühlt sich für derartige Forschungsreisen schon zu alt. Aber Pete gibt nicht auf. In der Badewanne unternimmt er erste Tauch-Experimente mit einer von ihm entwickelten Tauchglocke, was beinahe schiefgeht. Jedoch ist der Professor rechtzeitig zur Stelle. Ihm imponiert Petes Forscherdrang und nun will er doch bei der Schatzsuche behilflich sein. Jetzt wird gemeinsam weitergeforscht und so mancher Ansatz nach Missgeschicken wieder verworfen, bis schließlich der Plan eines U-Boot-Baus in die Tat umgesetzt wird. Als blinde Passagiere gehen die beiden Mäuse an Bord eines Schiffes, von dem aus sie an der passenden Stelle mit ihrem selbstgebauten U-Boot über Bord gehen wollen. Von Fischschwärmen umkreist gehen sie auf Tauchgang, bis sie an die Stelle des damals versunkenen Schiffes, welches nun als Wrack auf dem Meeresboden liegt, gelangen. Und dort entdecken sie tatsächlich eine Mäuse-Schatzkiste und darin das Tagebuch eines Erfinders, bei dem die letzten Seiten fehlen. Mit detektivischem Gespür kommen die Mäuse schließlich hinter das Geheimnis seiner Erfindung.

Torben Kuhlmann, der Autor und Illustrator dieser spannenden Mäuse- Abenteuer- und Wissenschafts-Bilderbuchgeschichte, hat schon zuvor große Erfolge mit weiteren Mäuse-Abenteuerbüchern wie „Lindbergh- Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“ (2012) und „Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“ (2016) feiern können. Mit dem neuen Mäuseabenteuer, das diesmal in die Tiefe des Meeres geht, wird er seine Leser bestimmt wieder ähnlich begeistern können. Wie schon in den vorhergehenden Bänden sind diese gefesselt von den wunderbaren Zeichnungen, welche Szenarien aus Mäuseperspektive in atmosphärischer Dichte zeigen, die  verwoben sind mit zahlreichen Details der jeweiligen Zeit und bereichert durch zahlreiche wissenschaftliche Skizzen und Notizen, welche an Aufzeichnungen eines Leonardo da Vinci erinnern.

Dass die Protagonisten niedliche Mäuse sind, macht die Geschichte zugänglicher und geschmeidiger für ein Bilderbuch, für das sich Kinder wie Erwachsene gleichermaßen begeistern können.

 

Torben Kuhlmann: Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes

Verlag NordSüd, 2018

 

Opa Rainer weiß nicht mehr

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Es ist bitter für alle Beteiligten, wenn in Familien  ein Mitglied plötzlich vieles nicht mehr so kann und weiß wie früher. Dann kehren sich Verantwortlichkeiten um und ändern sich so manche Abläufe. Mit der neuen Situation gelassen und achtsam umzugehen, müssen alle erst allmählich lernen.

Früher haben Opa Rainer und Mia Wettläufe auf dem Weg zur Schule gemacht und Opa war immer der Gewinner. Aber nun passiert Opa  so manches Malheur und er weiß oft nicht mehr, wo seine Schuhe sind, was er mit dem Stecker vom Wasserkocher anstellen soll, wie man richtig isst, welcher Tag heute ist oder wer eigentlich all die Leute um ihn herum sind. Nicht einmal den Namen seiner Enkelin Mia weiß Opa mehr.

Dass es wenig Sinn macht, Opa noch verändern zu wollen, sondern dass alle viel mehr Freude aneinander haben können, wenn sie sich Opas neuer Gefühls- und Gedankenwelt anpassen , macht diese einfühlsam erzählte, behutsame und berührende, von humorvollen Illustrationen – in denen Opas Wirrwarr im Kopf durch ihn wild umkreisende, farbgewaltige Pinselstrichspuren verdeutlicht werden – begleitete Bilderbuchgeschichte deutlich. So wird Opa, der nicht mehr weiß, wofür ein Unterhemd da ist und es sich über den Pullover zieht, kurzerhand zum Anführer einer verrückten Unterhemdenbande erklärt und Mia und ihr Bruder machen es einfach Opa mit seiner unkonventionellen Bekleidung nach – man kann ein Unterhemd schließlich auch mal um den Kopf gewickelt als Turban tragen …

Dass Früher eben Früher war und nie mehr so sein wird, dass Schokoladenkekse eben Schokoladenkekse waren und völlig unkompliziert zu essen, sie heute aber für Opa „aufgemacht“ werden, ist ein pragmatischer Erkenntnisgewinn.

Liebevoll und nachsichtig, unterstützt durch detailreiche und ausdrucksstarke Bilder, nähert sich die Geschichte auf kindgerechte Weise einem allgegenwärtigen Familienthema und kann so  unterstützende Hilfe sowie Anlass zum Nachdenken, für Gespräche und gelassen-humorvollen Umgang miteinander sein.

 

Text: Kirsten John

Illustration: Katja Gehrmann

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN: 9 783957 280640

 

Schlaf gut, Max!

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector  (Malkastl.de):

 

Max, der kleine schwarze Kater mit den riesengroßen gelben Augen, ist schon ziemlich müde.

Er hat seine Milch getrunken, seine Zähne geputzt, sich hinter den Ohren gewaschen, dem Goldfisch, seiner Spielkiste und sogar der Hausspinne eine gute Nacht gewünscht. Als er aus dem Fenster schaut und nun auch dem Mond „Gute Nacht!“ sagen will, kann er diesen nirgends entdecken.

So geht Max hinaus in die stille, dunkle Nacht, um den Mond zu suchen, trifft unterwegs auf einen schlafenden Hund, klettert auf einen hohen Baum und über die Hausdächer, auf ein Hochhaus und einen Berg. Als der Wind die Wolken wegbläst, ist auf einmal der helle Mond riesengroß am Nachthimmel zu sehen und flüstert Max etwas zu, das ihn, nachdem er den Rückweg über Dächer, Baum und vorbei am schlafenden Hund genommen hat,  von nun an immer ruhig und zufrieden einschlafen lässt.

Die einfache und klare, liebevolle Sprache und die ebenso klaren, in eine wunderbare Nacht-Farbigkeit getauchten Illustrationen, die sich auf das wesentliche beschränken und dabei eine ganz eigene Bild-Poesie vermitteln, kennzeichnen diese schöne, leise, Zuversicht gebende Bilderbuchgeschichte, die wunderbar in eine gute Nacht geleiten kann.

 

Text und Illustration: Ed Vere

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN: 978 3 95728 129 6

 

 

Zwei für mich, einer für dich

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Wie teilt man gerecht drei Pilze auf, wenn zwei Leute davon essen wollen?

Bär und Wiesel scheinen gute Freunde zu sein, die in einer Art Wald-WG zusammenleben. Aber beim Essen hört der Spaß auf …

Hat eigentlich derjenige das Recht auf die größere Portion, der die Pilze gefunden hat (=der Bär)? Oder derjenige, der aus ihnen ein köstliches Gericht zubereitet, sie in der Pfanne schmoren lässt und kräftig mit Salz, Pfeffer und Petersilie würzt (=das Wiesel)?

Steht dem Bär ein Pilz mehr zu, weil er groß ist und deshalb viel essen muss oder dem kleinen Wiesel, welches noch wachsen muss?

Erhöht das Wissen um das Rezept, die Größe des Hungers, die Tatsache, dass es die eigene Leib- und Magenspeise sei, der lauter knurrende Magen, das vorherige Tischdecken oder die Idee, Pilze essen zu wollen, die Größe der Anrechte an der gemeinsamen Mahlzeit?

Bär und Wiesel können sich nicht einigen, der Streit droht zu eskalieren, die Freundschaft gar daran zu scheitern …

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Fuchs schnappt sich das überzählige Objekt der Begierde und lässt sich den Pilz genüsslich munden. In der Entrüstung über den frechen Pilz-Dieb sind sich Bär und Wiesel plötzlich wieder einig und können endlich dazu übergehen, sich die gemeinsame Mahlzeit schmecken zu lassen.

Aber da bahnt sich schon neuer Konfliktstoff an, als das Wiesel drei Walderdbeeren als Nachtisch serviert …

Liebenswerte detailreiche Zeichnungen begleiten diese entzückende Bilderbuchgeschichte, welche schon die ganz Kleinen zum Nachdenken über Gerechtigkeit und Teilen anregen kann.

 

Text und Illustration: Jörg Mühle

Moritz Verlag, 2018

ISBN: 978 3 89565 357 5

Schnurzpiepegal

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (malkastl.de)

Ein Männerbein links, ein Frauenbein rechts, seines in orange-rot-karierter Hose, ihres mit kräftiger Wade und blau-stöckelbeschuht aus einem mittelblauen Rock mit dunkelblauem Kringelmuster ragend. Zu jedem Bein gesellen sich extravagant aussehende Hunde, der linke ziemlich beleibt und … blau mit Kringeln (!), der rechte schlank und mit … man ahnt es … orange-rotem Karomuster. Ebenso schön-schräg wie das Cover ist diese Bilderbuchgeschichte samt ihrer gegensätzlichen Protagonistenpaare: die pummelige Leonora, deren Herz für Opern schlägt mit ihrem zierlichen orange-rot-karierten Hund Fidelio, der ihr so gar nicht ähnlich sieht und der dünne Joschka mit seiner pfundigen Hündin Pistazia – jedes Paar miteinander eigentlich sehr zufrieden, glücklich und unzertrennlich.

Leonora und Joschka mit ihren Hunden entsprechen also so gar nicht dem gängigen Klischee, welches besagt, dass alle Hunde Ähnlichkeiten mit ihren Herrchen oder Frauchen aufweisen würden. Das ist ihnen aber eigentlich auch egal … oder doch nicht so ganz?

Jedenfalls gefällt es weder Leonora noch Joschka, dass sie sich in der Stadt mit ihren ganz und gar unpassenden Hunden beim Gassi-Gehen zum Gespött der Leute machen.

Dabei wissen die Leute nicht, wie gut sie jeweils miteinander harmonieren: Leonora tanzt zu Opernklängen aus dem alten Grammophon und Fidelio tanzt dazu; Joschka stellt gern Pralinen her und seine Hündin Pistazia mag diese zum Fressen gern, was man ihr auch ansieht.

Leonora und Joschka leben zwar in derselben Stadt nur zwei Straßen voneinander entfernt, aber kennen sich nicht; sie gehen zu unterschiedlichen Zeiten mit ihren Hunden spazieren. Als aber eines Tages Leonoras Grammophonnadel kaputtgeht und sie eher zum Spazierengehen mit Fidelio aufbricht, um sich eine neue zu kaufen, begegnet sie Joschka mit Pistazia. Ihre Blicke begegnen sich ohne Worte und sofort ist klar, was sie tun werden: sie tauschen ihre Hunde, denn blaugekringelt und dick gehört schließlich zu blaugekringelt und dick und orange-rotkariert und dünn gehört schließlich zu orange-rotkariert und dünn – und wie sie es erwarteten, hören die Leute fortan auf mit dem Gespött und alles scheint perfekt zu sein. Aber irgendetwas stimmt dennoch nicht und fortan herrscht vierfache unerklärliche Traurigkeit.

Als sie sich ein zweites Mal beim Spazierengehen begegnen, weil Joschka beim Pralinenmachen zum ersten Mal in seinem Leben die Schokolade anbrannte und er wegen des Topf-Schrubbens erst zwei Stunden später als sonst aufbrach , sich erneut vielsagend ihre Blicke treffen und plötzlich das vier-fache traurige Gefühl wie weggeblasen ist, wissen sie endlich, wie es wirklich perfekt ist und was zu tun ist: zu viert ist alles schöner – sie hören zusammen Musik, singen, lachen und tanzen und machen gemeinsam Pralinen. Dass die Leute schon wieder spotten, weil weder die Hunde noch Herrchen und Frauchen zusammenpassen, ist ihnen nun wirklich SCHNURZPIEPEGAL.

Die herrlich skurrile Bilderbuchgeschichte, welche witzige Illustrationen der kauzigen Charaktere und ihrer Lebensumstände begleiten, ist  ausgesprochen unterhaltsam für alle Altersklassen und gleichzeitig tiefgründig und führt uns überzeugend vor Augen, wie SCHNURZPIEPEGAL Äußerlichkeiten und die Meinung der Leute dazu in Wirklichkeit sind.

 

Schnurzpiepegal

Text und Illustration: Barbara Steinitz

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN 978-3-95728-055-8

 

 

Plötzlich war Lysander da

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Als der Briefträger Post für die dicke Dora, den langen Luis und die kleine Kathinka ins Mauseloch bringt, können sie es erst kaum glauben: Im Brief vom Bürgermeister steht geschrieben, dass jemand bei ihnen einziehen soll. Die Mäuse sind beunruhigt und befürchten, weder genug Platz noch genug Kartoffeln für einen mehr zu haben. Und schon platzt am Abend der neue Mitbewohner, ein roter Lurch namens Lysander, ins beschauliche Leben der kleinen Mäusefamilie. Der Lurch ist recht freundlich, hat jedoch völlig andere Gewohnheiten als die Mäuse, die ein wenig empört sind darüber, dass Lysander alles durcheinanderzubringen scheint. Und ein wenig Angst vor dem Unbekannten ist wohl auch mit im Spiel. So verdächtigt die kleine Kathinka den neuen Gast gar, mit dem Verschwinden ihrer Puppe etwas zu tun zu haben. Als sie aber beobachtet, was Lysander mit seinen mitgebrachten Körnchen und Erde in der Badewanne, die ihm als Platz zugewiesen wurde, anstellt, wird sie zunehmend neugierig. Und siehe da, am nächsten Morgen gibt es eine wunderbare Überraschung, die alle sehr erfreut und sie schneller als gedacht zu einer neuen Familiengemeinschaft zusammenwachsen lässt.

Es ist erstaunlich, wie hervorragend es Antje Damm gelingt, ein komplexes und hochaktuelles Thema – die Konfrontation mit dem Fremden und die damit verbundenen Ängste – in eine auch für jüngere Kinder gut verständliche Bilderbuchform zu bringen und die zu Herzen gehende Geschichte dank einer interessanten Collagetechnik, die große Freude beim Anschauen bereitet und zuweilen den Eindruck vermittelt mitten im Geschehen zu sein, ausdrucksstark und liebenswert zu illustrieren.

Sehr zu empfehlen, wunderbar anzuschauen und bestens geeignet, um über potentielle Vorurteile, aufkommende Ängste, aber auch Möglichkeiten bei der Begegnung und im Umgang mit Neuem und Unbekanntem miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Und plötzlich war Lysander da

Antje Damm

Moritz Verlag

2017

ISBN 978 3 89565 344 5

Kleine Nachteule Aurelia

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Das Drama spielt sich täglich abends in unzähligen Familien ab: die lieben Kleinen wollen nicht ins Bett. So auch Aurelia, welche nicht schlafen gehen will, weil sie überhaupt noch nicht müde ist, in Dorothea Flechsigs neuem Bilderbuch aus dem Glückschuh Verlag.

Aurelia, die wir schon aus dem Bilderbuch „Kleiner Dreckspatz Aurelia – wasch dich doch mal!“ kennen, ist ein kleiner Wirbelwind, wissbegierig, voller Tatendrang und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Auch die anbrechende Nacht kann kleine Abenteurer wie Aurelia kaum stoppen.

Wie schon im ersten Buch thematisiert die Autorin, welche ursprünglich mal Tierforscherin werden wollte, alltägliche Familienthemen und verknüpft diese mit Wissenswertem aus der Natur und Tierwelt. Auch diesmal bekräftigt Aurelias Papa seine Argumente mit tierischen Beispielen, um zu betonen, dass jeder mal schlafen müsse wie dies auch kleine Nachteulen, Fledermäuse, Igel, Erdmännchen, Flamingos tun müssen, um sich von den täglichen Abenteuern zu erholen. Pfiffig, wie Aurelia ist, belässt sie es nicht dabei, sondern will erst einmal ganz genau wissen, wie die genannten Tiere denn eigentlich in den Schlaf finden. Aurelias Papa gibt bereitwillig darüber Auskunft. Und sogleich wird erstmal alles auf Schlaftauglichkeit ausprobiert – zusammengekauert wie eine Eule, kopfüberhängend wie eine Fledermaus, eingerollt wie ein Igel, auf einem Haufen voller Gefährten (in diesem Fall müssen Aurelias Kuscheltiere dafür herhalten) liegend, auf einem Bein wie der Flamingo stehend oder „im Flug“ wie die Mauersegler einzuschlafen. Und weil das ziemlich anstrengend ist, all die verschiedenen Schlafpositionen auszuprobieren, ist Aurelia nun auch entsprechend müde. Zum Einschlafen fehlt nur noch der entscheidende Hinweis von Papa, welcher seiner neugierigen Tochter erklären soll, wie die Gorillas schlafen (nämlich wie wir Menschen aneinandergekuschelt) – und endlich ist es soweit: Beide schlafen gorillamäßig ein.

Die liebenswerte Einschlaf-Geschichte, einfühlsam, detailreich und farbenfroh bebildert von Suse Bauer, ist die ideale Lektüre für kleine Nachteulen und deren Eltern und eignet sich hervorragend, den Nachwuchs mit einem schönen – und nebenbei lehrreichen wie sportlichen – Familienritual in den Schlaf zu begleiten.

 

Kleine Nachteule Aurelia – Schlaf doch mal!

Dorothea Flechsig/ Suse Bauer

Glückschuh Verlag

2018

ISBN: 978-3-943030-60-0

Oje, ein Buch!

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Oje, ein Buch! – Fast ein Ausruf des Entsetzens, den die Smartphone-affine Frau Asperilla da ausstößt, als ihr der kleine Juri freudig das Buchgeschenk von Herrn Schnippel (wer auch immer das sein mag) präsentiert und Frau Asperilla tatsächlich denkt, dass sie angesichts eines scheinbaren Irrtums etwas wiedergutzumachen hätte. Juri, der zwar weiß, dass ein Buchgeschenk niemals ein Fehler sein kann, geht auf das Wiedergutmachungsangebot nur zu gern ein und schlägt dazu das gemeinsame Anschauen des Buches vor. Ganz schön clever, denkt der (Vor)leser und ahnt bereits, dass Frau Asperilla wohl leider zu jenen Zeitgenossen zu gehören scheint, die mit Büchern wenig bis gar nichts anzufangen wissen – ganz im Gegensatz zu Juri. Der kann sich das Gehabe von Frau Asperilla eigentlich nur so erklären, dass sie ihn nur auf den Arm nähme (aber leider ist es bittere Realität), als sie tatsächlich nicht zu wissen scheint, dass sich Bücher nicht von selbst vorlesen, man sich beim Lesen etwas vorstellen muss, es immer von links nach rechts geht und dass man nicht wischen sondern umblättern muss, um zu wissen, wie es weitergeht. Und Bilder werden in Büchern auch nicht größer, wenn man sie zwischen Daumen und Zeigefinger auseinanderzuziehen versucht, muss Frau Asperilla enttäuscht feststellen.

Weil aber Juri für Frau Asperilla ein ausgesprochen geduldiger und kundiger Vorlese-Lehrer ist, von dem man auch so nützliche Sachen übers Vorlesen lernt wie zum Beispiel, dass man doch möglichst krächzen sollte, wenn im Buch ein krächzendes Monster etwas sagt, gewinnt auch sie – zögerlich, aber stetig – Gefallen an dem mysteriösen Medium Buch, wird neugierig wie ein Kind auf dessen Inhalt, fiebert ängstlich mit im Zuge des Geschehens in der Geschichte, als mäusefangende Katzen und Monster darin auftauchen. Und ebenso lernt sie durch Klein-Juris philosophische Erkenntnis (die gleichzeitig in einer Mini-Geschichte in der Geschichte – von zwei Vögeln und einem roten Faden- verdeutlicht wird)  auch, dass die Sichtweise auf die Dinge davon abhängt, von welcher Seite aus man sie anschaut.

Die  Umkehrung von Klischees gelingt hier als interessanter und überraschender  Aspekt des parallelen Erzählens von drei  geschickt miteinander verknüpften Geschichten, welche mit augenzwinkernder Leichtigkeit daherkommen und mit frischen, reduzierten und gleichzeitig aussagestarken Buntstiftzeichnungen bebildert sind.

Wie viel zwischen zwei Menschen, die sich gemeinsam ein Buch anschauen, passieren kann, zeigt das Buch, welches als Anlass zum Nachdenken und Miteinander-Reden für alle großen und kleinen Leseratten ebenso wie für alle Buchmuffel und Smartphone-Junkies sehr zu empfehlen ist, auf geniale Weise.

 

Oje,ein Buch!

Lorenz Pauli/ Miriam Zedelius

Verlag atlantis

2018

ISBN 978-3-7152-8742-1