Archiv der Kategorie: Kunst und Kreativität

Schwach oder Stark?

Bilder und Text: Sabine Lohf

Verlag: Moritz, 2017

http://www.moritzverlag.de

http://www.sabine-lohf.de

 

Fünfzig Gegensatzpaare wie schwach und stark, leicht und schwer, Himmel und Erde, unten und oben, rauf und runter, Berg und Tal, Frühling und Herbst, … stellt Sabine Lohf in ihrer immer wieder beeindruckenden Ideenvielfalt in diesem neuen Pappbilderbuch einander gegenüber.

In aufwändigen Fotocollagen, die aus buntem Papier, Pappen, Früchten, Nüssen, Süßigkeiten, Knöpfen, Wollfäden, Federn, Zweigen, Blüten, Watte, Nägeln, Blättern, Zündhölzern, Steinen und vielem mehr inszeniert werden, schafft sie ein Universum der Gegensätze: Hier trifft der starke, aus gelbem Karton gebastelte Leopard mit einer tollen Schärpe aus Leopardenfell als Gewichtheber auf das schwächere Korken-Kaninchen, welches sich sichtlich beeindruckt von der Niederlage beim Kräftemessen mit dem Leopard geschlagen gibt, dort trifft eine Sonne mit Strahlen aus Getreidehalmen auf einen Laternen-Mond, an anderer Stelle wird ein Schneemann aus weißem Zucker gebaut bzw. gestreut und einem schwarzen Raben, den zusätzlich noch eine echte Feder schmückt, gegenübergestellt. Ein im wahren Wortsinn süßes Mädchengesicht, gelegt aus lauter Süßigkeiten, trifft auf eine sauer dreinblickende Eule mit Zitronenscheiben-Augen. Viele bunte Knöpfe stehen einem einzelnen roten Knopf, der als Schweinenase fungiert, gegenüber. Ein wilder Löwe erschreckt ein zahmes Häschen, ein großer Junge hält einen kleinen Nikolaus in seinen Händen, kalte Eiswürfel nebst Pinguin treffen auf heiße Wunderkerzen, eine glänzende Weihnachtskugel auf einen rostigen Türbeschlag oder eine lustige kleine Filz-Fledermaus ist einmal vor und einmal hinter einem Vorhang zu sehen. Und sogar -sehr zur Freude des ChaMALeons- zwei Chamäleons sind dabei – einmal in grauer und einmal in bunter Version!

Es ist nicht nur für die Kleinen -welche hier ganz wie nebenbei beim Sehen, Hören und Staunen ihren Wortschatz erweitern lernen- eine große Freude, in diesem schönen Bilderbuch zu blättern und sich immer wieder von seiner ihm innewohnenden immensen Kreativität, die überdies ausgesprochen inspirierend zum Basteln wirken kann, beeindrucken zu lassen.

Hanna Nebe-Rector, http://www.MALKASTL.de

 

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Das kreative Weihnachtsbastelbuch

Text und Illustration: Lydia Crook

Verlag: Knesebeck, 2017

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Vorlagen für weihnachtlichen Bastelspaß aus Papier für die ganze Familie bietet die kreative Weihnachtsbastelbuch-Broschüre von Lydia Crook.

Der rote Einband mit goldgeprägtem Titelschriftzug, ebenso goldener, auf eine Girlande aufgereihter Weihnachtsschmuck und viele filigrane Schneeflockenkristalle stimmen auf das traditionelle Basteln in der Advents-und Weihnachtszeit ein.

Mit der Vorstellung verschiedener Bastel-, Mal- und Spielideen finden Familien viele Anregungen zur kreativen Beschäftigung mit Papier, um daraus Adventskalender und Weihnachtsschmuck zu basteln oder sich mit weihnachtlichen Spielen die Wartezeit bis zum Fest zu verkürzen.

Auf hochwertigem festen Papier sind viele Formen zum Ausschneiden und/oder Ausmalen vorgegeben, aus denen sich schöne Weihnachtsdekorationen wie zum Beispiel ein reichlich geschmückter kleiner Weihnachtsbaum, Papierengel zum Aufstellen oder tolle 3D-Schneeflocken oder ein 3D-Rentier oder eine bewegliche Flexi-Schneeflocke zaubern lassen.

Eine lustige Weihnachtsgeschichte -erzählt von zwei bis vier Mitspielern- kann entstehen, wenn der Spielanleitung gefolgt wird. Wer Memoryspielen mag, findet im Buch eine Spielvorlage zum Ausschneiden. Sehr schön sind auch die Ideen zur Gestaltung von Weihnachtsmotiven aus Fingerabdrücken oder eine recht knifflige Herausforderung der Magische Bildwechsler mit Weihnachtsmotiven.

Weniger originell hingegen erscheinen Vorschläge wie jene, ein Blatt Papier in viele kleine Schnipsel zu zerreißen, in die Luft zu werfen und es schneien zu lassen oder ein (rotes!) Blatt in der Mitte auseinanderzureißen, um es zu Schneebällen zusammenzuknüllen oder einen Weihnachtsbaum mit geschlossenen Augen auszumalen.

Glücklicherweise überwiegen die schöneren Bastel- und Spielideen, so dass das Buch ein passendes Geschenk zur Beschäftigung in der Weihnachtszeit sein kann.

 

Monet. Auf den Spuren des Lichts

Text: Salva Rubio

Illustration: EFA

Übersetzung aus dem Französischen: Anja Kootz

Verlag: Knesebeck, 2017

http://www.knesebeck-verlag.de

 

Monets bewegtes Künstlerleben, welches von zunehmender Rebellion gegen die etablierte akademische Malerei, beständigen finanziellen Nöten, zahlreichen Umzügen und stets von der künstlerischen Suche nach der Spontanität des Augenblicks  und der Bedeutung des Lichts in der Malerei gerägt war, wird in dieser bemerkenswerten Graphic Novel eindrucksvoll beschrieben und phantastisch bebildert.

Beginnend zu einem Zeitpunkt, als sich Monet in seinen späten Lebensjahren einer Augenoperation -einhergehend mit der panischen Angst, das Augenlicht zu verlieren und nicht mehr malen zu können- unterziehen musste, über seine prägenden Erinnerungen an Kindheit, Jugend und Erwachsenendasein, seine individuelle künstlerische Entwicklung als herausragender Vertreter einer Gruppe der Impressionistenbewegung, seine ambivalenten Beziehungen zu den Künstlern seiner Zeit, seine Liebe zu zwei Frauen und zu seinen Kindern bis hin zur Erfüllung eines Lebenstraumes in seinem geliebten Seerosengarten und Ort des Lichts in Giverny.

Es ist eine teils historisch korrekte und teils fiktive Verarbeitung des Lebens von Monet, in dem dessen bekannteste Bilder  als Bildmotive der Graphic Novel in Szene gesetzt werden und den Betrachter tief eintauchen lassen in die Gedankenwelt und die Lebensträume des Künstlers.

Hirameki-Party-Tischsets

von Peng+Hu

Verlag Antje Kunstmann, 2017

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Kritzeln ist etwas Wunderbares, es macht Spaß, es entspannt und fast alle tun es – Kinder kritzeln während öder Unterrichtsstunden in ihre Schulhefte, Erwachsene tun es bei sich endlos hinziehenden Telefonaten …

Die Künstler Peng+Hu sind Meister des Kritzelns. Ihre inspirierende Hirameki-Technik kultiviert das Kritzeln, indem sie Zufallsprodukten wie Farbklecksen oder Flecken durch Hinzuügen weniger Tuschestriche gegenständlichen oder figürlichen Sinn verleiht.

In unförmigen Gebilden lassen sich mit ein wenig Phantasie Vögel, Fische, Blumen, Landschaften, Monster, Fabelwesen und vieles mehr entdecken, welche sich durch prägnante graphische Ergänzungen herauskristallisieren.

Von den bisherigen Hirameki-Büchern haben sich bereits zahlreiche kleine und große Menschen in unseren Malgruppen zu eigenen Kritzelkunstwerken begeistert inspirieren lassen!

Nun gibt es in einem großen Abreißblock mit 36 Blättern den Hirameki-Spaß in Form von Tisch-Sets aus Papier, die sich sowohl als lustige Unterlage für ein Gedeck als auch zur kreativen Beschäftigung im Anschluss an das Essen wunderbar für Kindergeburtstage und alle anderen Partys eignen. So kommt garantiert keine Langeweile auf! Durch Essensreste verursachte Flecken sind hierbei kein Problem, können diese doch gleich mit in die Ideenfindung einbezogen werden.

Wir sind begeistert und freuen uns schon sehr auf die nächste Hirameki-Kritzel-Party!

Frida Kahlo und ihre Tiere

Text: Monica Brown

Illustration: John Parra

Übersetzung aus dem Englischen: Elisa Martins

Verlag: NordSüd, 2017

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Das Leben der wunderbaren mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo wird in diesem bemerkenswerten Bilderbuch nachgezeichnet.

Frida wird als neugieriges kleines Mädchen aus der Casa Azul, welches gern malt, sich mit Vorliebe in bunten traditionellen Gewändern kleidet und sich mit zahlreichen Tieren umgibt, porträtiert. Fridas Haustiere, zwei Affen, ein Papagei, drei Hunde, zwei Truthähne, ein Adler, eine schwarze Katze und ein Rehkitz -allen hat sie liebevoll Namen gegeben- inspirieren das Mädchen immer wieder aufs Neue zum Malen und Zeichnen ihrer typischen farbenfrohen und üppigen ornamentalen Bilder, mit denen sie später berühmt wird.

Die behütete Kindheit der wissbegierigen und lebhaften Frida mit einem Vater, der auf Fridas besonderen Blick auf die Welt verständnisvoll durch förderliche Zuwendung eingeht, die Episoden einer schweren Kinderkrankheit, in denen das Mädchen dank ihrer blühenden Phantasie dennoch stets fröhlich und kreativ bleibt, Fridas Lernfreude, ihr Unabhängigkeitsdrang, ihr Gefühl von Ungebundensein an einengende Konventionen und  schließlich Fridas schwerer schicksalhafter Verkehrsunfall im Alter von 18 Jahren werden auf kindgerechte Weise thematisiert. Selbst die Folgen des Unfalls, die sie zunehmend ans Bett fesseln, können den unbändigen Willen Fridas, zu malen und nicht zu verzagen, brechen. Das Porträt überzeugt mit kindgerechter Sprache und beeindruckenden Illustrationen, die sich am Stil und der Bildsprache Frida Kahlos orientieren. Am Buchende finden sich ergänzende biografische Informationen.

Der strahlende Optimismus, das temperamentvolle Wesen, die Freude am kreativen Schaffen, die innige Liebe zu den Tieren und zum Leben werden eindrucksvoll herausgearbeitet und erklären die besondere Magie der Kunst von Frida Kahlo, womit das Buch einen schönen Impuls zur weiteren Beschäftigung mit der Künstlerin und ihren eindrucksvollen Bildern gibt.

 

Klappers Reise

Titel: Klappers Reise oder Wo, bitte, geht´s nach Afrika?

Text und Fotos: Tina Birgitta Lauffer

Puppen und Bühne: Robert Mädge

Verlag: Monika Fuchs, 2017

http://www.verlag-monikafuchs.de

http://www.tijo-kinderbuch.de

 

Klapper, der kleine Jungstorch, kann zwar recht laut mit seinem Schnabel klappern, was ihm auch seinen Namen verlieh, ist jedoch sonst ein wenig verträumt und ängstlich. Mit dem Fliegenlernen lässt sich Klapper Zeit, glaubt er doch, dass ihn seine Flügel noch nicht tragen können. Als ihn seine beiden flugbegeisterten Geschwister jedoch verspotten, zum Sammelplatz ausfliegen und allein im Nest zurücklassen, packt Klapper der Ehrgeiz und mutig wagt er erste Flugversuche. Weil das Fliegen so aufregend ist, fliegt er immer weiter und weiter. Als Klapper ins Nest zurückkehrt, sind die anderen Störche schon alle auf die Reise ins Winterquartier gen Afrika aufgebrochen. Oh weh, wo geht es denn eigentlich nach Afrika? Ratsuchend wendet sich der kleine Storch auf der Suche nach seiner Familie an verschiedene Tiere, denen er auf seinem weiten Weg über Wälder, Wiesen, Felder, Berge, Seen, Städte und Dörfer begegnet. Dank der vielen guten Tipps der freundlichen Tiere gelingt es Klapper über einige Umwege tatsächlich bis nach Afrika und dort schließlich zu den anderen Störchen zu finden. Ganz stolz sind nun Klappers Geschwister auf ihren mutigen kleinen Bruder, der die weite Reise ganz allein geschafft hat.

Die entzückende und überdies auch lustige und lehrreiche neue Abenteuer-Bilderbuchgeschichte der überaus kreativen Autorin, Illustratorin, Komponistin, Liedermacherin, Bauchrednerin und Puppenspielerin Tina Birgitta Lauffer ist liebevoll erzählt und reizend bebildert mit Bühnenszenerien aus dem gleichnamigen Puppenspiel, zu welchem es neben dem broschierten kleinen Büchlein auf einer CD obendrein noch die eingängige und ohrwurmverdächtige Begleitmusik gibt, ebenso wie die Musik zu den vorangegangenen Büchern und Puppenspielen der Autorin wie „Der Schneemann und der Hase“ und „Nilas und die Piraten“ – ein rundum gelungenes Gesamtpaket, das kleinen wie größeren Kindern große Freude macht!

Ich bin Doodle Cat

Text: Kat Patrick

Illustration: Lauren Marriott

Übersetzung aus dem Englischen: Ilse Layer

Verlag: aracari, 2017

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Die knallrote Kritzelkatze Doodle Cat ist ein gutgelauntes und verspieltes Energiebündel, die von sich behauptet, nur Dinge zu kennen, die sie liebt: Tanzen, Lärm, sich im Meer treiben lassen, Pupsen, allerlei Kleingetier und vieles mehr, ja sogar ihre Entwurmungstabletten liebt sie (… allerdings nur, um damit zu spielen!) – und nicht zuletzt natürlich Malen und Kritzeln.

Die lustigen Kritzeleien von Doodle Cat -darunter herrlich komisch eine illustre Katzenparade, bestehend aus 33 sehr unterschiedlichen kunterbunten Exemplaren ihrer Art- sind in diesem inspirierenden Bilderbuch versammelt, welches immer wieder zum Schauen einlädt, garantiert gute Laune macht und dazu anregt, es Doodle Cat gleichzutun und alle Dinge zu malen, die wir lieben.

Das feministische Mach-Mit-Buch

Illustration und Text: Gemma Correll

Übersetzung aus dem Englischen: Ruth Keen

Verlag: Antje Kunstmann, 2017

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Wenn Feminismus und Frauenpower Spaß machen soll, dann auf jeden Fall mit dem neuen Mal- und Kritzelbuch von Gemma Correll!

Das Cover des äußerst amüsanten kleinen Kreativbüchleins versammelt auf scharzem Grund umherfliegende Attribute der Weiblichkeit in Pink und Weiß. Tampons, Bikinioberteile, zweckentfremdete Menstruationstassen und andere diverse Utensilien, die sonst wohl auf Titelbildern eher unterrepräsentiert sind, machen neugierig auf den Buchinhalt. Und der hat es in sich: Weiblicher Widerstand gegen Frauenverachtung und Sexismus kann sich hier lustvoll und augenzwinkernd über kreative Inspirationen anbahnen, formieren und abarbeiten lassen. Sei es mit einem Kritzel-ABC des Feminismus, Menstruationsobjekte, die respektlos zu stylischen Hütchen für kleine Haustiere und anderen sinnvollen Accesoires umfunktioniert werden, herrlich albernen Kondomdesigns, Suchbildern, Ausmal-Kämpfen gegen Werbe-Verarsche, feministischen Playlists, T-Shirt-Parolen oder Verdienstorden zum Selbermachen, Buchstabenrätseln, Labyrinthen, Männernippeln, Wutseiten, Sexspielzeug zum Ausmalen, Bastelbögen und weiteren Kuriositäten rund um die feministische Lebenswelt – hier kann frau mal richtig kreativ-subversiv Dampf ablassen und Lachfältchen kultivieren.

Ich male mir ein seltsames Tier

Text: Sarah Neuman

Illustration: Renate Habinger

Verlag: NordSüd Verlag, 2017

http://www.nord-sued.com

 

Bunte Tupfen, Linien und Kreise dominieren das Titelbild. Alles erscheint irgendwie unfertig und experimentell. Das Mädchen -jenes, welches aus lauter Langeweile und Frust beschließt, sich selbst ein seltsames Tier zu malen- sieht selbst ein wenig seltsam, ja beinahe tierisch aus mit seinen spitzen Ohren und einem hinter dem Röckchen hervorblitzenden Schwänzchen.

Skizzenhafte Alltagsszenen bestimmen die ersten beiden Doppelseiten: durch den Regen marschierende Kuscheltiere samt Schirm in Begleitung ihrer Besitzerin, Kleider, Schuhe und Spieltiere auf der Wäscheleine, Putzutensilien, Bügelbrett, Waschmaschine, Klammern und Bügelbrett offenbaren einen minder spannenden Tag – fast möchte man meinen, hier die Lebenswirklichkeit einer gestressten Hausfrau zu entdecken.

Sodann beschließt die kleine, nun mit einem Riesenbuntstift ausgerüstete kleine „Hausfrau“ aus jenem Alltagseinerlei auszubrechen, indem sie sich in Begleitung ihrer Kuschelkameraden forsch ans Werk macht, um ein „seltsames Tier“ zu malen. Beginnend mit vielen bunten Kreisen, die nach und nach mit Augen, Mündern und Ohren versehen und damit zu Gesichtern werden und später Körperformen bekommen, bis sich ein elefantenartiges Wesen beim Kritzeln, Tupfen und Malen herauskristallisiert, das nun zum Spielen aufgefordert werden kann.

Schließlich dankt das Mädchen nicht nur dem Tier, sondern sich selbst: „Ich sage danke zu ihm und sage danke zu mir, denn ohne mich wäre das Tier ja nicht hier.“

Ein bemerkenswert schöner Gedanke, sich bei sich selbst für das gemalte Bild zu bedanken …

Und wir -die Kinder meiner Malgruppen und ich- bedanken uns für diese schöne, verspielt-fröhliche und anregende Bilderbuchgeschichte in Reimen, welche auf phantasievolle und unaufdringliche Weise zum Malen inspiriert, mit dem man auf dem beigelegten Malbogen oder anderswo sogleich beginnen möchte.

Hanna Nebe-Rector  – http://www.MALKASTL.de

 

Spielplatz

Text und Illustrationen: Mies van Hout

Verlag: aracari, 2017

http://www.aracari.ch

 

Die Buchstaben jenes titelgebenden Wortes mit der magischen Anziehungskraft werden auf dem Buchcover zum Tummelplatz seiner Protagonisten: So trägt das S ein Hirschgeweih und über seine Windungen krabbeln Ameisen, auf dem P hält ein Pinguin und auf dem I eine mürrisch dreinblickende rote Katze mit Hut Ausschau, im A hat sich ein Krokodil der Form des Buchstabens angepasst oder auf dem Z baumelt ein kleines Mädchen mit den Beinen.

Die Vorsatzseiten erfordern labyrinthischen Spürsinn. Wo geht´s denn hier zum Spielplatz? Mädchen, Junge und Katze mit Hut scheinen es sehr eilig zu haben, so schnell wie möglich dorthin zu gelangen. Kleine rote Pfeile weisen ihnen den Weg, welcher auf weißen Kreidelinien auf einer roten Phantasieblumenwiese beginnt. Gemeinsam mit dem Steinbock, der sich der Gruppe anschließt, geht es weiter durch türkisfarbene Baumlandschaften, wo gerade munterer Betrieb unter den dort nistenden Vögeln herrscht – eine kleine Welt für sich, die es zu entdecken gilt. Aber vorsichtig, man will ja nicht beim Brüten stören! Über den Krokodilfluss geht die aufregende Reise über die Buchseiten mit Hilfe von Brettern und Ästen weiter. Jetzt nur nicht hineinfallen – die aus dem Wasser  äugenden Krokodile scheinen schon auf schnelle Beute zu warten … Geschafft! In der Brombeerhecke wird´s dann recht stachelig, doch zusammen mit weiteren neuen Weggefährten wird auch diese Hürde erfolgreich überwunden. Da, ein Ameisenhaufen! Und schon ist man um ein paar klitzekleine Begleiter reicher. Nun gilt es noch, von Wolke zu Wolke springend, einen Abgrund zu überwinden, einen riesigen Berg zu erklimmen und abwärts zu rutschen und gleich noch einmal, weil´s solchen Spaß macht, den Weg durch eine finstere Höhle zu finden, ohne das große Ungeheuer zu wecken ( … was nicht gelingt, aber so ungeheuerlich ist dasspinnenartige bunte Wesen zum Glück dann doch nicht …) und dann … endlich! … ist man am Ziel seiner Träume! Was – das soll jetzt alles sein? Ein farbloser, bescheidener Spielplatz, bestehend aus einer mickrigen Schaukel und einem kleinen Klettertier verspricht nur mäßige Spielfreude angesichts der inzwischen zur großen Gruppe angewachsenen vorfreudigen Reisegesellschaft. Kurze Enttäuschung und lange Gesichter … Aber egal – der Weg ist das Ziel und der führt schließlich auch wieder zurück!

Ganz bezaubernd führt Mies van Hout ihre Buchhelden und die Augen der Betrachter durch phantasievolle Landschaften, in denen Kleckse und wässrig verlaufende Farbfelder mit hauchzarten Tuschelinien korrespondieren und traumhafte Schauplätze voller Abenteuer entstehen lassen, die zum Träumen, Schauen und Mitmachen einladen.