Archiv der Kategorie: Kunst und Kreativität

Marthas Reise

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Kaum hält man das Buch in den Händen, ist es wahrscheinlich schon Liebe auf den ersten, spätestens aber kurz darauf beim Blättern auf den zweiten Blick:

Umgeben von einem unscheinbar hellgrauen Schutzumschlag schimmert das Bordeauxrot des Covers durch das ausgestanzte Rankenmuster, welches den Blick auf das schwarz-weiß gehaltene Porträt eines zurückhaltend lächelnden Mädchens lenkt. Darunter der bordeauxrote Titelschriftzug in Schreibschrift- Typographie. Vom Vorsatzpapier führt ein Schienenstrang in die Geschichte hinein (und am Ende des Buches wieder aus dieser hinaus).

Das Mädchen winkt ihrer Mutter zum Abschied, bevor sich der Zug mit Martha an Bord in Bewegung setzt. Wohin Marthas Reise führen wird, bleibt zunächst im Unklaren. Man vermutet, dass Martha die Fahrt nicht zum ersten Mal antritt, denn sie liebt diesen Moment, wenn der Zug sich in Bewegung setzt und sie durchs Fenster des Zuges die herbstliche Landschaft vorbeiziehen sieht und ins Tagträumen abdriftet. Martha denkt an ihren Opa, der einmal sagte, dass man alte Bäume nicht verpflanzen solle. Ein riesengroßer Baum erscheint und man beginnt zu ahnen, wie weitverzweigt seine starken Wurzeln reichen, ebenso wie die Wurzeln die wir Menschenmit der Zeit immer stärker werdend  in uns entwickeln. Die Blätter des Baumes sind aus der mit unzähligen Strichen dunkel schraffierten Buchseite gestanzt. Zuerst erscheinen diese weiß und lassen rote Pünktchen von der darauf folgenden Seite hindurchblitzen. Beim Umblättern erscheinen die Blätter auf der nun weißen Seite dunkel, weil die Schraffur der vorherigen Seite durchscheint – ein wunderbarer gestalterischer Effekt. Martha fragt sich, was Opas Wurzeln ausmachen. Sein Häuschen, sein Garten mit Blumen und Bäumen, seine Erinnerungen an Oma sind hier verwurzelt. Und was sind ihre eigenen Wurzeln? Gibt es jemanden, der unser Schicksal strickt wie die frau im Zug ihren bunten Schal, der sich – teils filigran gezeichnet, teils scherenschnittartig – über mehrere Buchseiten zieht –  so wunderschön anzusehen, dass man ins Schwärmen gerät.

Mit verschiedenen  Assoziationen, welche in Marthas Zug-Träumereien entsprechend der ihr begegnenden Menschen, Geräusche und vorbeirauschenden Bilder kommen und gehen und sich in philosophischen Betrachtungen und weiteren beeindruckenden gestalterischen Ideen manifestieren, setzt sich die Reise, an der wir zugleich staunend und nachdenklich teilhaben, fort und endet wiederum mit einer Begrüßung – Marthas Papa wartet bereits am Bahnsteig des Zielbahnhofs.

Die poetisch-träumerische Reise ist voller Denkanstöße zur Reflektion dessen, was das eigene Leben ausmacht und zugleich in künstlerischer und buchgestalterischer Hinsicht eine wahre Freude!

 

Marthas Reise

Text: Christina Laube

Illustration: Mehrdad Zaeri

Knesebeck, 2018

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Wir gehen in eine Ausstellung

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Es geht darum, präzise Antworten auf neugierige Kinderfragen zu finden und damit Schlüsselthemen unserer Zeit wie Themen zeitgenössischer Kunst zu verstehen. Die neue „Mistkäfer“-Buchreihe verspricht mit einem „Neue-Wörter-Leseprogramm“, Fähigkeiten des Kindes, wie etwa lange Wörter und schwierige Konzepte zu erinnern, deutlich zu verbessern. Sogenannte „Lernwörter sollen dabei helfen, grundsätzliche Konzepte zu identifizieren. Es wird empfohlen, „diese Wörter so oft wie möglich mit Ihrem Kind zu lesen. So werden die einzigartigen Meinungen Ihres Kindes allmählich zermürbt und angemessene, zeitgemäße Fähigkeiten des kritischen Denkens entwickelt.“ – Spätestens jetzt wird denjenigen, die es nicht schon vorher wussten, wohl allmählich klar, dass sie mit diesem  kleinen Kunstbüchlein eher keinen netten und gefälligen Kunstbetrachtungs-Ratgeber und schon erst recht kein Kinderbuch in den Händen halten, sondern vielmehr eine herrlich bitterböse Persiflage auf moderne Kunstbetrachtung und den modernen Kunstbetrieb.

Wir begleiten die Kinder Susan und John, welche mit ihrer Mutti eine Kunstausstellung besuchen, amüsieren uns insgeheim über Muttis Bildbetrachtungen und -deutungen und sind zuweilen gleichzeitig ebenso wie die Kinder verunsichert über Muttis schonungslos nüchterne wie frappierende Art, ihre angesichts der betrachteten Werke auftauchenden Fragen zu beantworten und damit überraschend treffend moderne Kunst zu beschreiben und  zu analysieren.

Eher harmlos beginnend mit Muttis Aussagen, dass Schönheit in der Kunst nicht wichtig und Verstehen eher kontraproduktiv sei und sich steigernd mit einer schnippischen Bemerkung auf Johns Einwurf, dass er etwas genauso malen könnte wie der Künstler („Hast du aber nicht.“) werden wir alsbald Zeugen von Muttis sich steigerndem Glück und dazu proportional permanenter  Verwirrung seitens der Kinder angesichts leerer Räume, nackter Körper, existenzieller Satzfragmente, übergroßer Vaginen und Penisse, halbierter Hasen, schreiender Gestalten, Ölflecken und stinkenden Mülls und Muttis profunder Deutungen und Zuschreibungen wie etwa „Das ist der Gestank unserer verrottenden westlichen Zivilisation“ , „Weil Gott tot und alles Sex ist.“ oder „Es ist Zeit für die Objektifizierung des Körpers.“ Zunehmend fühlen wir uns  ähnlich „komisch“ wie Susan und John, woraufhin Mutti nur lapidar bemerkt, dass dies der moderne Zustand sei. Gesellschaftskritisch entlarvend  und sarkastisch auch die Beantwortung der Frage, ob Mutti eine Künstlerin sei: „Ich konnte keine Künstlerin werden, weil ich euch bekommen habe.“

Unpassender –und damit zugleich wunderbar passend!- könnten die begleitenden farbigen Illustrationen gar nicht sein. Wunderbar retro, heiter, gefällig und ziemlich bieder kommen sie unschuldig daher und erinnern ein wenig an die heile Welt aus Zeugen-Jehovas-Heftchen oder Versandhauskatalogen der 60er Jahre.

Miriam und Ezra Elia ist eine genial bissige und eigenwillig komische Kunst-Persiflage gelungen – ein wunderbares Geschenk für  Künstler und Kunstliebhaber mit Sinn für Humor!

 

Wir gehen in eine Ausstellung

von Miriam und Ezra Elia (Text) und Miriam Elia (Illustration)

Kunstmann, 2018

Blauer Hund

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Die als eines der stärksten Bilderbuchgeschichte im Moritz-Programm inzwischen mehrfach aufgelegte  Bilderbuchgeschichte der 1955 in Ägypten geborenen und später im Libanon und in Frankreich lebenden  Autorin und Illustratorin Nadja ist  bereits ein Klassiker und erinnert in der Erzählweise zuweilen an ein Märchen:

Ein geheimnisvoller großer Hund mit blauem Fell und grünen Augen besucht eines Tages das kleine Mädchen Charlotte, als sie spielend mit ihrer Puppe auf der Treppe vorm Hauseingang sitzt. Sie streichelt und füttert den Hund und spielt mit ihm. Von nun an kommt der Hund täglich abends zu Charlotte. Die Mutter jedoch möchte den blauen Streuner nicht im Haus haben und verbietet der Tochter mit ihm zu spielen. Schweren Herzens schickt das Mädchen den Hund weg, als er sie wieder abends am Fenster besucht. Als sich Charlotte aber beim Beerenpflücken im Wald verirrt, ist es der blaue Hund, der sie vor dem Nachtgeist in Gestalt eines schwarzen Panthers beschützt, mit diesem kämpft und am nächsten Morgen wieder sicher zu den besorgten Eltern nach Hause bringt. Aus Dankbarkeit erlauben die Eltern Charlotte nun doch, den Hund zu behalten.

Die Illustrationen zur Geschichte sind ausgesprochen ausdrucksstark und  naturalistisch, wobei der blaue Hund mit seinem unergründlichen und  geheimnisvollen Blick und der ungewöhnliche Farbe an eines der Tierwesen von Franz Marc erinnert, dazu in interessantem und eigenwilligem Kontrast steht. Die kräftigen Farben, allen voran das in vielen Motiven immer wieder auftauchende hell leuchtende Gelb, das Orange, verschiedene Grüntöne und das kräftig satte Blau des Hunde lassen Assoziationen zu expressionistischen Gemälden entstehen und sind wunderschön. Die Kampfszene mit dem Panther könnte zartbesaitete kleine Bilderbuchgucker wegen ihrer arg realistischen Darstellung der scharfen Krallen, funkelnden Augen und blitzenden Fangzähne allerdings auch ein wenig ängstigen – hier muss der Blick vielleicht dann besser nicht allzu lange verweilen.

Mit Spannung und farbgewaltigen Bildern, die sich magisch ins Gedächtnis brennen, schafft  es diese Bilderbuchgeschichte, dass die Kinder mit der tapferen kleinen Protagonistin hoffen und bangen und sich letztlich über den glücklichen Ausgang umso mehr freuen.

 

Blauer Hund

Text und Illustration: Nadja

Moritz Verlag, 3. Auflage der Neuausgabe in verändertem Format, 2013

Die große Holzwerkstatt

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Wir lieben die Bastelbücher von Sabine Lohf! Nahezu unerschöpflich scheint ihre Phantasie, ihre Freude am Basteln und ihr anregender Ideenreichtum zu sein.

In ähnlicher Flexcover-Aufmachung wie die neue Holzwerkstatt stehen bereits „Das große Buch vom Basteln und Spielen“, „Das große Naturbastelbuch“, „Das große Ratzfatz-Bastelbuch“ und „Das neue Weihnachts- Bastelbuch“ in unserem Atelier-Bücherregal und inspirieren unsere Malgruppenkinder immer wieder aufs Neue zu eigenen Werken.

Nun also geht es speziell um den spannenden Werkstoff Holz. Über 150 kreative Ideen rund um den Werkstoff Holz sind in diesem Buch versammelt. So einzigartig wie jedes Holzstück  – ob nun beim Spazieren in der Natur gefunden oder aus der Baumarkt-Reste-Tonne zusammengestellt – sind auch die Dinge, die daraus gebastelt und gebaut werden können. Schon das Suchen geeigneter Stücke kann zum spannenden Abenteuer werden. Ein spezieller „Waldknigge“ erläutert Wissenswertes zum Verhalten im Wald und Sammeln von Holz. Was das besondere Material Holz alles kann, erfahren wir in einem weiteren Kapitel. Die zur Holzbearbeitung geeigneten Werkzeuge und weitere Tipps und Tricks werden zur Einführung ausführlich vorgestellt.

Mit etwas Glück finden sich auf der Erkundungstour durch den Wald Baum- und Wurzelteile, die an Tierkörper erinnern. Mit entsprechenden Nacharbeiten werden mit Hilfe von Farbe, Leim, Knete, Wattebäuschen, Stoffen, Papier, Fäden, kleinen Stöckchen, Rindenteilen, Federn und anderem mehr einheimische oder exotische Tiere wie Igel, Eulen oder Elefanten, Figuren wie Zwerge, Zauberer, Indianer oder Nikoläuse. Was auch immer es ist, alle diese Basteleien strahlen etwas besonders Liebenswertes aus. Mein persönlicher Favorit ist der herzallerliebste Rehbock auf Seite 19, den ich mir zumindest ebenso gut wie die verschmitzt schauende Streifenkatze für das Titelbild vorstellen könnte!

Wie auf einer Bühne können sich nun ganze Szenerien  aus Figuren und Requisiten entwickeln. So treffen Borkengeist und Wildschwein, Rindenkrokodil und Bootspiraten aufeinander und lassen unsere Phantasie spielen und überlegen, was weiter geschieht. Welcher Besuch wohl heute im Zwergen-Baumhaus auftauchen könnte? Und worüber sich wohl die bunten Holzpuppen so angeregt unterhalten?

Auch allerlei weiteres Spielzeug, Dekoratives oder Praktisches für Büro und Haushalt und ideal zum Verschenken, kann aus den Holzfundstücken entstehen – so ein Suppenquirl fürs Hexen-Picknick, Marionetten, Schmuckanhänger, künstlerische Holzskulpturen, Puppentheater-Figuren , lustige Tiere aus Holzklammern, Hampelmänner, Windräder, Lege- oder Würfelspiele, Vogelhäuschen oder Insektenhotels, Advents- und Weihnachtsdekoration und vieles Schöne mehr.

Wie beim Basteln vorzugehen ist, wird leicht verständlich und nachvollziehbar, meist anhand von Fotos für die einzelnen Arbeitsschritte und das benötigte Material und Werkzeug, erklärt. Und doch bleibt genügend Freiraum für eigene Ideen und Abwandlungen. Nichts sieht hier in abschreckender Weise so perfekt aus, dass einen der Mut zum Nachbauen schon im Vorfeld verlassen könnte. Ganz im Gegenteil – wir fühlen uns wunderbar inspiriert.

Eine wahre Fundgrube an tollen Holz-Bastelideen eröffnet sich schon allein beim Anschauen des Buches. Bald darauf kribbelt es in Fingern und Füßen, denn es zieht uns magisch in den nächsten Wald oder Baumarkt, um diesen nach Bastelmaterial zu durchkämmen.

 

Sabine Lohf: Die große Holzwerkstatt

Gerstenberg, 2018

ISBN  9 783836 956154

50 MINDSHOTS

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Zeitlose und aktuelle Lebensthemen unterschiedlicher Bereiche und mit ihnen verknüpfte umgangssprachliche Wendungen und Begriffe, die bestimmte Abläufe oder Gefühlswelten assoziieren, wie beispielsweise IMMER ONLINE, PRESSEFREIHEIT, ZEITNOT, DAS FREIE SPIEL DER KRÄFTE, ALKOHOLISMUS, BURNOUT,  NICHT NEINSAGEN KÖNNEN, SMARTPHONEJUNKIE, HAPPY HOUR, DEADLINE oder CYBERMOBBING fasst der Illustrator Sergio Ingravalle seine grafischen Reflektionen,  sogenannte „ Mindshots“,  in  50 stilistisch reduzierten wie prägnanten, konsequent 4-farbig in schwarz , weiß, rot und grau gestalteten Sinnbildern, die sich weit mehr als jede ausführliche schriftliche Abhandlung ins Gedächtnis brennen, zusammen.

Wer zuweilen glaubt, von BLA, BLA, BLA – Phrasendreschern umzingelt zu sein, wird möglicherweise  ein Gefühl der  inneren  Bestätigung beim Anblick der gewaltigen kreisrunden Sprechblase, die von einem durch eine herannahende Hand vermittelten gezielt gesetzten Nadelstich augenblicklich zu zerplatzen droht, empfinden.

Die drohende Gefahr der SELBSTISOLATION, bei der das Gesicht eines in einem dunklen Käfig hockenden Mediennutzers, das mit dem abgestrahlten Licht  seines Laptop-Bildschirms zu verschmelzen scheint, wird dem Betrachter in eindringlicher Intensität bewusst.

Unter ZEITNOT Leidende wird das innere Bild, gefesselt an den Zeiger einer riesengroßen Uhr mit dem Blick auf das unausweichliche Ertrinken zuzusteuern, so schnell nicht mehr loslassen.

Die Notwendigkeit IMMER ONLINE zu sein hinterfragt der eine oder andere Netzbesessene

beim Anblick der bettlägerigen Figur mit dem Netzzeichen über dem Kopf und bekommt sie so schnell nicht mehr aus dem eigenen Kopf.

Zu ALKOHOLISMUS entwickelt Ingravalle das eindringliche Bild eines überdimensionierten Rotweinglases, in welches eine winzige Figur vom Sprungturm aus zum freien Fall ansetzt.

Wer gegen das NICHT NEIN SAGEN  KÖNNEN ankämpfen will, wird bei einem unfreiwillig gehauchten JA an das  riesengroße NO in der Gehirn-Sprechblase der Silhouette eines Kopfes denken und seinem Gegenüber endlich entgegenschmettern wollen – oder mit diesem inneren Bild endlich auch können.

Ingravalles Mindshots üben mit erstaunlicher Treffsicherheit Gesellschafts- oder Sozialkritik ohne moralinsauer den Zeigefinger zu heben und bringen zum Nachdenken wie Schmunzeln.

 

50 Mindshots

Sergio Ingravalle

Knesebeck, 2018

ISBN 9 783957 282033

 

Charley Harpers Tierwelt

Buchbesprechung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Die weltweit bekannten Tier- und Naturdarstellungen von Charley Harper (1922-2007), dessen Motive bis in die heutige Zeit auf Postkarten und Postern zu sehen sind, charakterisieren eine zuweilen verblüffende, ganz auf Reduktion ausgerichtete und dennoch oder gerade deshalb außerordentlich starke Bildsprache. Aus den verschiedenen Tierspezies destilliert Harper deren  Charakteristik, ihre eigentliche Essenz, vor allem dadurch heraus, dass er sich, alles Überflüssige weglassend, ganz auf ihre jeweilige Körperform und Farbigkeit konzentriert und  mittels interessanten grafischen Effekten aus geometrischen Formen und Mustern in Szene setzt.

Die faszinierenden Porträts von Vögeln, Fischen, Lurchen, Kriech- und Säugetieren –unter diesen häufig Waschbären in vielerlei Variationen, Koalas, Giraffen, Zebras, Tiger, Elefanten und viele mehr- inmitten ihrer minimalistisch stilisierten Umgebung schaffen hochästhetische Bildwelten, die sich ins Gedächtnis des Betrachtenden einbrennen.

Da bilden zum Beispiel zahlreiche Zweipunkt-Marienkäfer –einander zugewandt- einen exakten roten Kreis, aus dem sich ein einzelner Käfer –dieser im Gegensatz zu den anderen mit roten Punkten auf schwarzem Untergrund- von der Masse abhebt und von den anderen abwendet, dennoch aber Bestandteil des Kreises bleibt.

Da leuchten signalgelbe Augenpaare aus dem nachtdunklen Dickicht und richten ihren Blick gleichzeitig auf den Betrachter wie auf ihre Beute, eine Antilope. Dass es die Augen von Raubkatzen sind, ist zweifellos erkennbar, obwohl völlig auf die Konturierung der Körperformen verzichtet wurde.

Da sitzt auf parallel verlaufenden, über den ganzen Bildhintergrund in unterschiedlichen Abständen angeordneten Telefondrähten ein graues Turtel-Taubenpaar –geformt aus Kreisen, Halbkreisen und Dreiecken und doch deutlich als Tauben erkennbar- vor grauem Hintergrund, denen als farblicher Kontrapunkt ein orangeroter Kreis zugesellt worden ist, und  beim Betrachten ist intuitiv spürbar, dass dieser Kreis unbedingt ins Bild gehört.

Die optische Verwirrung, welche sich beim Anblick einer Zebraherde in der afrikanischen Serengeti nicht nur bei deren potentiellen Fressfeinden, sondern auch beim Betrachten von Harpers sowohl grafisch als auch humorvoll kommentierend übersetztem „ Serengeti-Spaghetti“ einstellt, die es nahezu unmöglich macht, einzelne Individuen zu identifizieren, ist eine beeindruckende Erfahrung.

Mit jedem weiteren Motiv versinkt man mehr in Harpers erstaunlichen bildnerischen Kosmos und dessen gleichzeitig schlichte wie mehrschichtige, zuweilen tiefgründige metaphorische Bildsprache.

Einer Hommage an das Lebenswerk des Vaters gleich berührt das Vorwort des Sohnes Brett Harper zu dem 132seitigen Bildband mit über 100 Siebdrucken, welche ergänzt werden durch unterhaltsame, wortwitzige Kommentierungen zu den jeweils abgebildeten Tieren. Zusätzlich geben eine Einführung von Roger Caras sowie ein Interview, welches Charley Harper mit sich selbst führt, interessante Einblicke in Harpers Denk- und Arbeitsweise.

Ein Ehrenplatz im Bücherregal  für diesen wunderbaren Bildband ist bereits reserviert.

 

Charley Harpers Tierwelt

erschienen im Knesebeck Verlag, 2018

ISBN: 978-3-95728-082-4

 

 

Bastel dir die Welt

10 berühmte Wahrzeichen aus Papier

Illustrationen: Rozenn Bothuon

Verlag: moses., 2018

 

Mit dem neuen Bastelbuch „Bastel dir die Welt“  können sich Kinder einen Teil der großen weiten  Welt in die kleine Welt ihres Kinderzimmers holen:

Zehn weltbekannte Bauwerke wie die amerikanische Freiheitsstatue, der Pariser Eiffelturm, der Londoner Big Ben, die spanische Sagrada Familia, die chinesische Mauer, die russische Basiliuskathedrale, die ägyptische Sphinx von Gizeh, die Golden Gate Bridge von San Francisco, das indische Tadsch Mahal und der schiefe Turm von Pisa gilt es aus Papier nachzubauen, wobei die Schwierigkeitsgrade mit eins (z.B. Freiheitsstatue) bis drei (z.B. Basiliuskathedrale) variieren.

Eine gute Idee der Gestalter ist es, dass als Unterlage für die Bauwerke der Schutzumschlag des broschierten Buches, welcher aufgefaltet eine Weltkarte in der stattlichen Größe von 76 x 59 cm ergibt,  dienen kann. Neben den Platzhaltern für die zu bastelnden Monumente sind hier farblich und gestalterisch ansprechende Illustrationen einiger der im jeweiligen Gebiet ansässigen Vertreter der Tier- und Pflanzenwelt zu entdecken. Zu jedem Bauwerk gibt es interessante Informationen zur Geschichte und weiteres Wissenswertes, eine gut verständliche Bastelanleitung in drei Schritten und auf einer weiteren Seite ein Bastelbogen mit den vorgestanzten Bauelementen aus stabilem Papier, welche leicht herausgetrennt werden können. Schön ist auch, dass deren Hintergrundseite  für jedes Bauwerk andersartig farblich bzw. mit Mustern gestaltet wurde. So sind im Basteleifer möglicherweise durcheinandergeratene Elemente schnell wieder dem entsprechenden Bauwerk zuzuordnen.

Als einfach zu bewältigende Aufwärmübung zum Einstieg in die Bastelei eignet sich die  Anfertigung der beiden Spielfiguren Lena und Luis, mit denen man später zusammen auf die Welt-Entdeckungsreise gehen kann. Bei den Drei-Sterne-Bauwerken sollten sich die jüngeren Bastler besser etwas Hilfe von Größeren holen.

Ist alles fertig, haben die Bastler Spaß am gemeinsamen Tun  gehabt, dabei die Welt  etwas näher kennengelernt und es sind zehn tolle dreidimensionale Deko-Objekte  fürs Kinderzimmer entstanden – somit ein rundum gelungenes Projekt!

Kunst mit Torte

Illustration: Thé Tjong-Khing

Verlag: Moritz-Verlag, 2017

 

In seinen Torte-Büchern erzählt Thé Tjong-Khing spannende und abenteuerliche Bildergeschichten ganz ohne Worte. Sehr genaues Hinschauen, immer wieder Vor- und Zurückblättern und pfiffiges Kombinieren sind hier gefragt.

Diesmal geht es um die Welt der Kunst, genauer gesagt um einen Kunstraub, bei dessen Aufklärung wieder die den Torte-Buch-Fans bereits bekannten tierischen Protagonisten helfen. Ein von Frau Hund gemaltes Bild, auf welchem ein Hund mit Torte zu sehen ist, wird aus der Kunstgalerie gestohlen. Dies träumt die  in ihrem von allerlei Kunstbüchern umgebenen Lesesessel eingeschlummerte Künstlerin. Bei der Verfolgung des Räubers streift die tierische Ermittler-Gesellschaft durch Landschaften und Szenarien dem kollektiven Gedächtnis bekannter Gemälde – so von van Gogh, Mondrian, Gauguin, Kandinsky, Beckmann, Munch oder Hokusai. Deren namentliche Zuordnung wird erleichtert durch Vergleichen der den Gemälden entlehnten Motive mit den auf den Vorsatzseiten abgebildeten zahlreichen kleinen Bilder-Piktogrammen,  so dass das kriminalistische Ermitteln geschickt mit kunsthistorischer Wissenserweiterung verknüpft wird.

Den unterschiedlichen Handlungssträngen zu folgen und schließlich mitsamt den Verfolgern den Kunstraub Schritt für Schritt aufzuklären, kann zum kniffligen Vergnügen für alle kunstbegeisterten großen und kleinen Kinder werden.

Schwach oder Stark?

Bilder und Text: Sabine Lohf

Verlag: Moritz, 2017

 

Fünfzig Gegensatzpaare wie schwach und stark, leicht und schwer, Himmel und Erde, unten und oben, rauf und runter, Berg und Tal, Frühling und Herbst, … stellt Sabine Lohf in ihrer immer wieder beeindruckenden Ideenvielfalt in diesem neuen Pappbilderbuch einander gegenüber.

In aufwändigen Fotocollagen, die aus buntem Papier, Pappen, Früchten, Nüssen, Süßigkeiten, Knöpfen, Wollfäden, Federn, Zweigen, Blüten, Watte, Nägeln, Blättern, Zündhölzern, Steinen und vielem mehr inszeniert werden, schafft sie ein Universum der Gegensätze: Hier trifft der starke, aus gelbem Karton gebastelte Leopard mit einer tollen Schärpe aus Leopardenfell als Gewichtheber auf das schwächere Korken-Kaninchen, welches sich sichtlich beeindruckt von der Niederlage beim Kräftemessen mit dem Leopard geschlagen gibt, dort trifft eine Sonne mit Strahlen aus Getreidehalmen auf einen Laternen-Mond, an anderer Stelle wird ein Schneemann aus weißem Zucker gebaut bzw. gestreut und einem schwarzen Raben, den zusätzlich noch eine echte Feder schmückt, gegenübergestellt. Ein im wahren Wortsinn süßes Mädchengesicht, gelegt aus lauter Süßigkeiten, trifft auf eine sauer dreinblickende Eule mit Zitronenscheiben-Augen. Viele bunte Knöpfe stehen einem einzelnen roten Knopf, der als Schweinenase fungiert, gegenüber. Ein wilder Löwe erschreckt ein zahmes Häschen, ein großer Junge hält einen kleinen Nikolaus in seinen Händen, kalte Eiswürfel nebst Pinguin treffen auf heiße Wunderkerzen, eine glänzende Weihnachtskugel auf einen rostigen Türbeschlag oder eine lustige kleine Filz-Fledermaus ist einmal vor und einmal hinter einem Vorhang zu sehen. Und sogar -sehr zur Freude des ChaMALeons- zwei Chamäleons sind dabei – einmal in grauer und einmal in bunter Version!

Es ist nicht nur für die Kleinen -welche hier ganz wie nebenbei beim Sehen, Hören und Staunen ihren Wortschatz erweitern lernen- eine große Freude, in diesem schönen Bilderbuch zu blättern und sich immer wieder von seiner ihm innewohnenden immensen Kreativität, die überdies ausgesprochen inspirierend zum Basteln wirken kann, beeindrucken zu lassen.

Das kreative Weihnachtsbastelbuch

Text und Illustration: Lydia Crook

Verlag: Knesebeck, 2017

 

Vorlagen für weihnachtlichen Bastelspaß aus Papier für die ganze Familie bietet die kreative Weihnachtsbastelbuch-Broschüre von Lydia Crook.

Der rote Einband mit goldgeprägtem Titelschriftzug, ebenso goldener, auf eine Girlande aufgereihter Weihnachtsschmuck und viele filigrane Schneeflockenkristalle stimmen auf das traditionelle Basteln in der Advents-und Weihnachtszeit ein.

Mit der Vorstellung verschiedener Bastel-, Mal- und Spielideen finden Familien viele Anregungen zur kreativen Beschäftigung mit Papier, um daraus Adventskalender und Weihnachtsschmuck zu basteln oder sich mit weihnachtlichen Spielen die Wartezeit bis zum Fest zu verkürzen.

Auf hochwertigem festen Papier sind viele Formen zum Ausschneiden und/oder Ausmalen vorgegeben, aus denen sich schöne Weihnachtsdekorationen wie zum Beispiel ein reichlich geschmückter kleiner Weihnachtsbaum, Papierengel zum Aufstellen oder tolle 3D-Schneeflocken oder ein 3D-Rentier oder eine bewegliche Flexi-Schneeflocke zaubern lassen.

Eine lustige Weihnachtsgeschichte -erzählt von zwei bis vier Mitspielern- kann entstehen, wenn der Spielanleitung gefolgt wird. Wer Memoryspielen mag, findet im Buch eine Spielvorlage zum Ausschneiden. Sehr schön sind auch die Ideen zur Gestaltung von Weihnachtsmotiven aus Fingerabdrücken oder eine recht knifflige Herausforderung der Magische Bildwechsler mit Weihnachtsmotiven.

Weniger originell hingegen erscheinen Vorschläge wie jene, ein Blatt Papier in viele kleine Schnipsel zu zerreißen, in die Luft zu werfen und es schneien zu lassen oder ein (rotes!) Blatt in der Mitte auseinanderzureißen, um es zu Schneebällen zusammenzuknüllen oder einen Weihnachtsbaum mit geschlossenen Augen auszumalen.

Glücklicherweise überwiegen die schöneren Bastel- und Spielideen, so dass das Buch ein passendes Geschenk zur Beschäftigung in der Weihnachtszeit sein kann.