Archiv der Kategorie: Sachbuch

Komm doch, lieber Frühling!

Noch ist es kalt und grau und windig draußen, doch die ersten Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge und sonstigen pflanzlichen Farbtupfer spitzen schon den nahenden Frühling verkündend aus der Erde.

Wer den Frühling herbeisehnt, kann sich diesen schon jetzt ins Zimmer zaubern – zum Beispiel mit tollen Basteleien aus dem neuen Buch von Sabine Lohf, von der bereits viele wunderbare Bastelbücher, die sich von anderen vor allem durch ihre besondere Originalität und immer wieder verblüffenden Einfallsreichtum unterscheiden, erschienen sind. Hier wimmelt es von gebastelten Frühlingsblumen, Bienen, Schmetterlingen, Vögeln, Käfern und anderen kleinen Tieren, welche im Frühling aus ihren Verstecken kommen.

Den jahreszeitlichen Abläufen in der Natur folgend beginnt das Buch mit der Schneeschmelze, welche mittels Blüten, Eis und Folie wunderschön als Landschaft arrangiert wird. Angesichts dieser Landschaft bietet sich ein dazu passendes Getränk in Form von Gänseblümchen-Bowle mit Blüten-Eiswürfeln, die aus einem mit Sonnengesicht verzierten Strohhalm geschlürft werden kann, an. Dazu kann der Winter singend, zaubernd, mit einem Osterfeuer oder mit Bastel-Spielen verjagt werden. Weiter geht es mit dem launigen April, in dem passend zum wechselnden Wetter eine Wetteruhr oder ein Wetterfrosch aus Zweigen gebastelt werden kann. Aus Freude über die ersten Frühlingsboten kann eine Girlande mit Frühlingsmotiven entstehen. Wie das geht und welche Materialien verwendet werden können, wird kinderleicht und Schritt für Schritt beschrieben und in zahlreichen Abbildungen liebevoll in Szene gesetzt.

Lustige Gartenzwerge, dekorative Blüten aus Papier, Grasfiguren, ein entzückender Miniaturgarten in einer ausrangierten Obstkiste, ein originelles Froschfangspiel, reizende Osteraccesoires, niedliche Vogelkinder und vieles mehr laden zum Nachbasteln ein.

Ein abschließendes Wort an die erwachsenen Mitbastler ermuntert Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, sich gemeinsam mit den Kindern direkt in die Natur auf die Suche nach geeignetem Bastelmaterial zu begeben, über gemeinsame Naturbeobachtungen ins Gespräch zu kommen, mithilfe der inspirierenden Bastelvorschläge eigene Kreationen zu schaffen und damit zu spielen.

Ein Buch voller wunderbarer Anregungen für viele schöne gemeinsame (Bastel-)Stunden!

 

Komm doch, lieber Frühling!

Idee, Konzept, Text , Fotos & Gestaltung: Sabine Lohf

Gerstenberg, 2020

Verlorene Arten

Gerade jetzt, in einer Zeit, in der wir auf der Erde von einer Vielzahl von Tieren umgeben sind, die es infolge von Klimaveränderungen und zunehmender Zerstörung ihrer Lebensräume möglicherweise in naher Zukunft nicht mehr geben wird, betrachten wir ein Buch über verlorene Arten mit anderen Augen, zumal wir Menschen oft nicht ganz unbeteiligt am Verschwinden dieser Tiere sind.

Die britische Tierärztin und Autorin Jess French hat zusammen mit dem Illustrator Daniel Long ein  gestalterisch wie  inhaltlich bemerkenswertes Bilderbuch-Kompendium solcher ausgestorbenen Tiere geschaffen.

Ein riesiger Vertreter dieser verschwundenen Spezies, ein Mammut, dominiert das Titelbild und scheint uns aus dem Jenseits zu beobachten und direkt in die Augen zu blicken.

Auf der ersten Seite des farben- und detailreich bebilderten Sachbuchs begegnen wir einem Velociraptor und einem Protoceratops, der eine ein gefährlicher Fleisch- und der andere ein friedlicher Pflanzenfresser, beide bereits vor 70 Millionen Jahren ausgestorben, in einer Szene, wie sie sich damals zugetragen haben könnte. Ob sie tatsächlich so oder ein wenig anders ausgesehen haben, obliegt mehr oder weniger der Phantasie der Nachwelt-Geborenen oder hier des Illustrators, da die Erkenntnisse über den Körperbau dieser Tiere auf Fossilien-Funden basieren, wie die Autorin in einführenden Worten zum Buch erläutert.

Bei den vor etwa 4000 Jahren ausgestorbenen Wollmammuts wissen wir schon wesentlich mehr über deren exaktes Aussehen, weil darüber Funde verstorbener ganzer Exemplare im Eis Sibiriens und Alaskas Auskunft geben können.

Erst in der jüngeren Vergangenheit hingegen gelten die chinesischen Flussdelfine als ausgestorben, nachdem ihre Bestände durch widrige Umweltbedingungen, Schiffsverkehr und Fischerei zunehmend zahlenmäßig zurückgingen, bis kein einziges dieser ausgesprochen freundlich aussehenden Tiere mehr übrigblieb.

Auch der extrem scheue, früher in Taiwan lebende chinesische Nebelparder, dem wohl sein wunderschönes Fell und die Zerstörung seiner Lebensräume zum Verhängnis wurde, gilt seit 2013 als ausgestorben, nachdem trotz mehrjähriger Suche keine lebenden Exemplare mehr gesichtet wurden.

Unbekannt hingegen ist die Zeit des Aussterbens eines gepanzerten, mit Warzen bedeckten kleinen Sauriers, dem Kumbarrasaurus. Weitere zu unterschiedlichen Zeiten ausgestorbene Tiere wie die über drei Meter großen straußenähnlichen, aber flügellosen Riesenmoas, tasmanische Beutelwölfe, Magenbrüterfrösche, Spinosaurier, Koalalemuren, Dodos, Säbelzahnkatzen und viele andere bis hin zur bekannten einsamen Riesenschildkröte namens „Lonesome George“ werden vorgestellt und die unterschiedlichen Ursachen ihres Verschwindens beleuchtet – ein hochinteressanter und nachdenklich stimmender Einblick in die manchmal unausweichlichen, manchmal aber auch zu beeinflussenden Geschehnisse, die evolutionäre Veränderungen bewirken können.

 

Verlorene Arten

Text: Jess French

Illustration: Daniel Long

Knesebeck, 2019

 

Kein Stress!

 

Mit welchen Methoden lassen sich Stress und Angstgefühle reduzieren? Welche Denkmuster sind es, die immer wieder Stresszustände verursachen? Matthew Johnstone, Autor von Bestsellern wie beispielsweise „Mein schwarzer Hund“ oder „Mit dem schwarzen Hund leben“ erläutert dies auf der Grundlage eigener Erfahrungen zusammen mit dem Psychologen Dr.Michael Player , welcher wirksame Techniken zur Stressbewältigung entwickelte, in einem zugleich wissenschaftlich fundierten wie humorvollen knapp 200seitigen, reich illustrierten Ratgeber.

Zu Beginn wird zunächst geklärt, was Stress überhaupt genau ist, welche Anzeichen, Symptome und alltäglichen Auslöser von Stress es gibt und wie Gehirn und Geist als Verarbeiter des Stresses funktionieren. Weiterhin wird gezeigt, wie Angstreaktionen, die Stress auslösen, deaktiviert werden können. Dem Faktor Zeit kommt hinsichtlich von Stressreaktionen eine besondere Bedeutung zu, insofern ebenso dem Erlernen von Prioritätensetzung und Zeitmanagement. Ebenso wird erläutert, wie ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf und Bewegung sowie optimaler Ernährung stressminimierend wirken kann oder wie Beziehungsstress in der Partnerschaft über eine Hinwendung zu fürsorglicher und unterstützender Beziehungsstruktur vermieden bzw. reduziert werden kann. Abschließend erfahren wir, wie wir unser Bestes zum Vorschein bringen, wie wir unsere Potenziale entfalten, uns mit neuer Energie aufladen und Resilienz entwickeln können, um uns wieder lebendig und gut zu fühlen.

Zahlreiche Achtsamkeits- und Entspannungsübungen werden vorgestellt, von denen sich die jeweils individuell Passendsten in den persönlichen Alltag integrieren lassen. Verschiedene „Lektionen“ in Form kleiner Anekdoten aus dem Alltag laden zum Nach- und Weiterdenken ein. Die humorvollen Illustrationen im Comic-Stil unterstreichen den Text und geben hilfreiche optische Unterstützung und Auflockerung.

Für gestresste oder vom Stress bedrohte Menschen kann das verständlich, unterhaltsam und einfühlsam geschriebene Buch ein wertvoller Begleiter und Ratgeber werden.

 

Matthew Johnstone & Dr. Michael Player: Kein Stress!

Kunstmann, 2019

 

Wild & Wise

Welche Lektionen wir von den eher wenig beachteten, weil unscheinbaren, weniger schönen bis hässlichen oder gar giftigen Tieren, Pflanzen und anderen Phänomenen der Natur lernen können, erfahren wir in dem 160seitigen handlichen Büchlein mit dem graphisch ansprechenden türkisfarbenen Cover, auf dem sich drei Schlangen umeinander winden.

Insgesamt 70 solcher „Underdogs der Natur“  werden auf je einer Doppelseite vorgestellt, wobei sich zum Text jeweils eine ganzseitige Illustration als dessen künstlerische Interpretation gesellt. Zwischen den Porträts finden sich darüber hinaus zuweilen im kontrastreichen Gegensatz zum Aussagegehalt des Geschriebenen stehende künstlerisch sehr aufwändig gestaltete Doppelseiten, die philosophisch mehr oder weniger tiefgründige Fragen wie „Was, bitte sehr, wäre die Welt ohne Sauerkraut?“ oder die persönliche Sammlung unnützen Wissens bereichernde Fakten oder Erkenntnisse wie „Kaum jemand verliert ein nettes Wort über das Tollwut-Virus.“ oder „Die Hausmaus kotzt niemals, selbst wenn sie die eigenen Köttel frisst.“ aufwerfen.

Angefangen mit der minder beliebten Küchenschabe, von welcher wir lernen können auf Zeit zu spielen, und die seit 320 Millionen Jahren ziemlich anspruchslos vor sich hin lebt, die sich sogar im Weltraum vermehrt und die einen Atomkrieg locker überleben würde, über die sich nach Liebe und Menschlichkeit sehnende und doch überdurchschnittlich oft als widerlich schleimige Kreatur empfundene und von Hobbygärtnern gehasste Nacktschnecke, die Raffinesse des Tollwut-Virus, die Intelligenz der Wanderratte, die durch die Beine atmende Kellerassel, Gedanken zum faszinierenden Zustand des Vakuums, den leicht entflammbaren Stechginster, den allseits unbeliebten Mix aus Regen und nassem Schnee alias Schneeregen, den sich Aufzucht- und Erziehungspflichten entziehenden cleveren Kuckuck (Merke: „Hast du mal darauf geachtet, wie Kinder sind? Schreckliche Brut. Der Kuckuck ist gar nicht so dumm.“), die Stubenfliege, welche  Informationen um ein Vielfaches schneller als der Mensch verarbeitet, über Bakterien, rätselhafte Flechten, die Kopflaus oder den minderbegabten, depressiven Fasan  bis hin schließlich zum sich selbst als klügstes Lebewesen betrachtenden Mensch werden mit einer reichlichen Portion subtilen Humors aus den Eigenarten der Spezies mehr oder minder hilfreiche Schlussfolgerungen für mehr oder minder ernstgemeinte Lebensweisheiten  gezogen und in Merksätzen zusammengefasst.

Damit werden die mit einer Prise Augenzwinkern gewürzten Tier-, Pflanzen- und Naturporträts zu einer gelungenen, künstlerisch hochwertig illustrierten und recht unterhaltsamen Melange aus Wissenschafts- und Sprachakrobatik plus „Lebenshilfe“.

 

Wild & Wise – Clevere Lektionen von den Underdogs der Natur

Text: Dixe Wills

Illustration: Katie Ponder

Übersetzung aus dem Englischen:  Claudia Arlinghaus

Knesebeck, 2019

Mein Mauerfall

Wer zu Zeiten des Mauerfalls etwa zwischen 10 und 20 Jahre alt war, ist heute, 30 Jahre später, vielleicht Mutter oder Vater eines Jugendlichen dieser Altersgruppe, an die sich auch dieses erzählende Sachbuch über die Zeit vor, während und nach dem Fall der Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten und mitten durch Berlin insbesondere richtet.

Geschrieben hat es Juliane Breinl, die sich schon 2011 mit ihrem Buchdebüt „Die Feuerbälle – Kinderbande im geteilten Deutschland“ der speziellen Problematik eines geteilten Landes widmete und der sich zur Zeit der Wende als damals Achtzehnjährige die Bilder des Mauerfalls vom 9.November 1989 ebenso prägend wie surreal erschienen, hatte sie doch nur fünf Jahre zuvor ihrer Heimatstadt Leipzig gemeinsam mit ihrer Familie über einen Ausreiseantrag scheinbar für immer den Rücken gekehrt, um der Willkür und den Repressalien des DDR-Regimes zu entkommen.

Auf 140 Seiten des broschierten Buches, dessen Inhalt in 4 größere Themenbereiche aufgeteilt ist, werden die damaligen Geschehnisse, begleitet von zahlreichen Fotos, Grafiken und Übersichten, lebendig beschrieben. Den Handlungsrahmen bildet die Schilderung des in der Jetzt-Zeit lebenden zwölfjährigen Ich-Erzählers Theo Schumann, der – allgemein sehr interessiert an historischen Themen und Zusammenhängen und aktuell angeregt durch eine Familienfahrt zum 50.Geburtstag der Mutter und deren Zwillingsschwester, welcher dort gefeiert werden soll, wo die Schwestern aufwuchsen, nämlich in einem direkt an der damaligen deutsch-deutschen Grenze gelegenen DDR-Kaff –  eine Faktensammlung zum Thema Mauerfall erstellt, wobei sich die Sicht auf die damaligen Ereignisse innerfamiliär als durchaus unterschiedlich erweist, was immer wieder zu Streitigkeiten führt. Theo aber ist einer, der Klarheit will und erlangt sie nach und nach immer mehr zusammen mit seinem Lesepublikum, was die Lektüre nicht nur interessant und lehrreich, sondern gleichermaßen sehr unterhaltsam werden lässt.

Dabei kommen unter anderem immer wieder sogenannte „Histeos“  als geschichtserklärende YouTube-Videos eines Rollstuhlfahrers namens Jo zur Sprache, ebenso wie eingestreute persönliche Erinnerungen der Autorin oder Erlebnisberichte von Zeitzeugen, was die Handlung in Kombination mit weiteren Querverweisen auf geschickte Art und Weise in einen zeitgeschichtlichen Zusammenhang setzt. So ergibt sich von Erläuterungen zu den Ursachen und Anfängen des geteilten Deutschlands über  die Schilderung der unterschiedlichen Entwicklung der beiden deutschen Staaten bis hin zur friedlichen Revolution im Osten und der anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Mauerfalls durchaus berechtigt gestellten Frage, ob es noch immer „Ossis“ und „Wessies“ oder eine Mauer in den Köpfen gäbe.

Damit auch diese unsichtbare Mauer in den Köpfen irgendwann zum Einsturz kommt, sind Bücher wie dieses  ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung und das von Juliane Breinl im besonderen ein angenehm persönlich gehaltener,  diskursiv und informativ gezeichneter Abriss zum Thema Mauerfall, welcher nicht nur für die eigentliche Zielgruppe, sondern weit darüber hinaus bereichernd und erhellend ist.

 

Juliane Breinl: Mein Mauerfall

arsEdition, 2019

Das Meer

Tief eintauchen in die interessante und geheimnisvolle Meereswelt können wir mit einem neuen, nur in den Farben Blau, Schwarz und Weiß sehr schön gestalteten Sachbuch, welches Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht.

1332 Millionen Kubikmeter Wasser verteilen sich auf die Ozeane unserer Erde. Wo Pazifik, Atlantik, Indischer, Arktischer und Antarktischer Ozean und weitere Meere zu finden sind und welche Besonderheiten sie jeweils kennzeichnen, wird einführend auf der ersten Doppelseite des 56 Seiten zählenden großformatigen Buches mit vielen illustrierten Abbildungen beschrieben. Danach geht es nach und nach immer eingehender ins Detail mit interessanten Fakten zu Wasser, Wellen, Wind, Sand und vielem mehr rund um maritime Themen. Von Naturphänomenen wie Gezeiten, Tsunamis oder Elmsfeuer über verschiedene Meerestiere und –pflanzen, Arten von Schiffen, Begriffserklärungen und Verkehrsregeln der Seefahrt, Navigation, Fischerei, berühmte Seefahrer, Seemannsbärte bis hin zum Seemannsgarn – hin und wieder unterbrochen von kreativen Anregungen wie zum Papierschiffchen-Bauen, Seemannsknoten-Knüpfen oder Algen-Drucken sowie immer wieder eingestreuten Fakten, humorvollen Hinweisen und Anleitungen für kleine Experimente, um beispielsweise einen Raddampfer zu basteln, einen Eisberg in der heimischen Küche selbst herzustellen oder einen Sturm im Wasserglas zu erzeugen und diesen zu filmen- bilden wir uns lesend und forschend zunehmend zu  angehenden Meeresexperten weiter.

Eine sehr unterhaltsame und anregende Verknüpfung von Sachthemen und Mitmachangeboten für kleine und große wissbegierige Meeresliebhaber ist mit diesem auch gestalterisch hochwertigen Sachbuch gelungen.

 

Das Meer – eintauchen, abtauchen, entdecken

Text: Ricardo Henriques

Illustration: Andre Letria

Übersetzung aus dem Portugiesischen: Lea Hübner

Knesebeck, 2019

Malen, Basteln, Staunen – Bäume/Insekten

In Zeiten des Klimawandels rückt die Bedeutung unserer Umwelt  wieder verstärkt in unseren Blickwinkel – mehr denn je gilt es die Natur zu schätzen und zu schützen.

Kinderbücher, die zum aktiven Wissenserwerb einladen, fördern die Beschäftigung mit Themen des Naturschutzes. Die erfolgreiche Buchreihe „Expedition Natur – Malen, Basteln, Staunen“ vermittelt mit zwei neuen Mitmachbüchern entsprechende Lerninhalte – nun zu den Themen Bäume und Insekten – auf spielerische Art und Weise.

Die als Broschüren im Schulbuch-Format gestalteten Bücher laden auf jeweils 40 Seiten mit für Kinder verständlich erklärten und interessanten Sachinformationen, ansprechend gestalteten detailreichen Illustrationen sowie speziellen Anregungen zum Ausmalen, Ausschneiden und Ausfüllen zur intensiven Auseinandersetzung mit den Themen „Bäume“ und „Insekten“ ein.

Auftaktgebend ist jeweils eine auf die innere Umschlagseite gedruckte tiefgründige Fabel vom Kolibri, der mit einem Wassertropfen in seinem winzigen Schnabel seinen eigenen kleinen Beitrag zur Löschung eines Waldbrandes leistet; verbunden mit der Frage an das lesende Kind, ob es selbst so ein kleiner Kolibri sei, der zum respektvollen Umgang mit der Natur beitragen will – ein schöner einführender Impuls zum Nachdenken.

Um etwas bewirken zu können, ist zunächst umfassende  Information zur Thematik gefragt: Sachwissen über Unterschiede von Tieren und Pflanzen, Aufbau und Eigenheiten der Bäume, ihre Veränderung im Verlauf der Jahreszeiten, Gegenüberstellungen von Blättern und Früchten verschiedener Baumarten können sich die mit dem Baum-Buch beschäftigenden Kinder Schritt für Schritt erarbeiten und über Handlungsimpulse – wie etwa ein Baum-Kunstwerk zu gestalten, die Höhe eines Baumes zu bestimmen oder eine Eiche zu pflanzen – auch selbst aktiv werden.

Entsprechend ähnlich ist auch das Insekten-Buch gestaltet und aufgebaut; hier kann beispielsweise eine große Feuerwanze mit Farbstiften ausgemalt, wissenschaftliche Insektennamen vergeben und eine Schwebfliege mit einer Wespe verglichen werden. Am Beispiel des Marienkäfers wird anschaulich der Lebenszyklus eines Insekts erklärt und illustriert. Welche Insekten es in unserer Umgebung gibt, wo sie wohnen, wovon sie sich ernähren, wie sie zur Pflanzenvermehrung beitragen,  was wir selbst tun können, um Insekten zu schützen und vieles mehr kann hier ausführlich ergründet werden.

So sind auch diese beiden schön gestalteten Sachbuch-Broschüren der Kolibri-Fabel gemäß ein kleiner, aber wichtiger Beitrag dazu, kindgerecht Naturwissen zu vermitteln und die Sensibilität der heranwachsenden Generation für die Belange unserer Erde zu entwickeln.

 

Expedition Natur Malen, Basteln, Staunen – Bäume

und

Expedition Natur Malen, Basteln, Staunen – Insekten

Text: Francois Lasserre

Illustration: Isabelle Simler

Moses. Verlag, 2019

Pilze

Wir erfreuen uns bei einem Waldspaziergang an ihrem Aussehen, wir sammeln sie, wir essen sie, sie begegnen uns in vielfältigen Formen etwa als Schimmel auf dem Käse oder an Hauswänden: Pilze – weder Pflanzen noch Tiere, sondern eine eigene, faszinierende Welt mit vermutlich vielen noch unentdeckten Geheimnissen und Potentialen. Noch bis in die sechziger Jahre wurden sie zu den Pflanzen gezählt, dabei sind sie sogar näher mit den Tieren verwandt, wie man inzwischen weiß. Wie bei gepanzerten Insekten und anderen Gliederfüßern vorkommend, bestehen ihre Zellwände aus Chitin. Und ebenso wie Tiere speichern sie als Energiereserve Glykogen und Fett. Andere tierische Merkmale, wie die Fähigkeit sich zu bewegen, fehlen jedoch.  Pilze stellen neben Flora und Fauna sogar eines der größten Reiche in der Natur dar, wobei noch nicht einmal alle Pilzarten beschrieben worden sind, erst 7 % Prozent der Pilze sind bekannt – welch ein Mysterium! Grund genug, ein Buch ganz den Pilzen zu widmen und ihre Geheimnisse näher zu beleuchten.

Nach Erläuterungen zum Aufbau der Pilze befassen sich weitere Kapitel mit Speise- und Giftpilzen sowie seltenen und gefährdeten Exemplaren. Auffällig ist, dass die Pilze oft sehr lustige oder seltsame Namen tragen, in die spezielle Beobachtungen der Forscher eingeflossen sind. So lesen wir, dass der Name „Hallimasch“ beispielsweise von der rustikalen Redewendung „heil im Arsch“ herrührt, weil er hilfreich bei Hämorrhoiden sei.

Wir erfahren, wie man Pilze im Garten, Keller oder der Garage selber züchten kann, was beim Sammeln im Wald zu beachten ist, welche gefährlichen Doppelgänger von Speisepilzen es gibt, wie Pilze haltbar gemacht werden können sowie leckere Pilzrezepte.

Allerlei Interessantes und Wissenswertes wird  von den Baumpilzen berichtet – mit manchen von ihnen kann man sogar Feuer anzünden oder Blutungen stillen. Auch von den Trüffeln als den teuersten Pilzen ist Interessantes zu erfahren. Mit etwas Geschick kann man seinen Hund zum Trüffelsucher dressieren.

Eine Doppelseite wird allein den Fliegenpilzen gewidmet und erklärt, was es mit sogenannten Hexenringen und Feenkreisen auf sich hat.

Wie Pilze in anderen Kulturen verwendet werden, wie sie als Heilmittel oder bei der Käseherstellung eingesetzt werden, wie sie aus Teig Brot werden lassen, welche Pilze Krankheiten verursachen, was Raubpilze und deren „Jagdtechniken“ sind, Wissenswertes über Flechten, Leuchtpilze, Pilzrekorde, wie Pilze mit Pflanzen oder Tieren Teamwork betreiben und viele weitere interessante Fakten wie Pilze als mögliches „Plastik der Zukunft“ erläutern weitere Doppelseiten. Selbst „unechte Pilze“ wie Stopfpilze, pilzförmige Felsen- oder Wolkenformationen werden thematisiert.

Mit einer Fülle an hochinteressanten Informationen, die erstaunen lassen und wunderbar detailreichen Illustrationen, welche sich nicht nur auf die korrekte Wiedergabe der Pilzanatomie beschränken, sondern darüber hinaus wohldosiert humorvolle künstlerische Extras platzieren, gelingt es auf sehr bereichernde und unterhaltsame  Weise, in die faszinierende Welt der Pilze einzutauchen.

 

Titel: Pilze – Verrückte Fakten über Fliegenpilz, Hefe & Co.

Text: Liliana Fabisinska

Illustration: Asia Gwis

Übersetzung aus dem Polnischen: Thomas Weiler

Knesebeck, 2019

Vom magischen Leuchten des Glühwürmchens bei Mitternacht

Wer würde vermuten, dass aus der symbiotischen Beziehung zweier Organismen, gemeint sind hier Algen und Pilze, aus der sich hochinteressante Gebilde wie Flechten formen, ebenso poetische Geschichten formen lassen?

Wer hätte gewusst, dass Wanderdrosseln ein heimliches Doppelleben führen, dass wir von Quallen nur sehr verschwommene Vorstellungen haben, dass Libellen geradezu außerirdische Fähigkeiten besitzen oder dass man mit Glühwürmchen sprechen kann?

Wer würde ahnen, dass es Leute gibt, die den Geruch von Stinktieren lieben oder solche, die Loblieder auf Fliegen singen?

Wer hätte geglaubt, wie spannend Spaziergänge an winterlichen Stränden werden können?

Dass die Natur unzählige kleine Wunder birgt, die es nur aufzuspüren und zu entdecken gilt und uns zum Schwärmen und Staunen bringen können, versteht die vielfach ausgezeichnete amerikanische Naturforscherin und Buchautorin Sy Montgomery ( sehr erfolgreich z.B. mit „Rendezvous mit einem Oktopus“) in 45 kleinen Geschichten aus vier Jahreszeiten derart unterhaltsam, mitreißend, interessant und poetisch zu erzählen, dass es ein freudiges Erlebnis und großes Leseabenteuer ist, mit ihr in die Geheimnisse aus der Tier- und Pflanzenwelt wie in einen spannenden Roman einzutauchen und sich von deren Magie und den wunderschönen begleitenden Illustrationen bezaubern zu lassen.

 

Text: Sy Montgomery

Illustrationen: Tine Pagenberg

Übersetzung: Dr. Cornelia Panzacchi

Knesebeck, 2019

Rabe, Buntspecht, Pinguin

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Bereits sieben Titel dieser schönen Buchreihe aus dem Gerstenberg-Verlag  sind schon erschienen, unter ihnen solche, die sich der Pflanzenwelt widmen wie „Lavendel, Lilie, Löwenzahn“ oder solche, die uns die Tierwelt näherbringen wie „Fliege, Falter, Honigbiene“. Der neue achte Band widmet sich nun der interessanten Welt der Vögel. Von den weltweit vorkommenden etwa 10 000 Vogelarten werden im Buch knapp 80 vorgestellt, stellvertretend für diese stehen titelgebend Rabe, Buntspecht und Pinguin.

Bevor es an die Vorstellung der einzelnen Vogelarten geht, befasst sich eine einleitende Vogelkunde zunächst allgemein mit dem Bau des Vogelkörpers und seiner Federn sowie der unterschiedlichen Arten des Fliegens. Auf den darauf folgenden 59 Tafeln werden in zwei Teilen die einzelnen Vögel behandelt. Der erste Teil mit den Tafeln 1-23 widmet sich den Sperlingsvögeln, während der zweite Teil mit den Tafeln 24-59 schlicht mit „Andere Vögel“ überschrieben wurde, von denen es wiederum 19 verschiedene Unterarten, beispielsweise die Kuckucksvögel, die Spechtvögel, die Greifvögel oder die Papageien gibt.

Zu den Sperlingsvögeln zählen nicht nur die Sperlinge im engeren Sinne, sondern auch Meisen, Rotkehlchen, Raben, Schwalben, Finken, Nachtigallen und einige andere mehr. Eine große Gruppe unter ihnen ist die der sogenannten Singvögel und wir erfahren, dass sie ihr stärker entwickelter Kehlkopf zum „Singen“  befähigt. Ihr Gesang, mit dem sie ihr Revier markieren, wird bei der Vorstellung der einzelnen Vögel näher beschrieben. So zwitschert die Blaumeise ein „Tü-ti-ti-tirr“, piept der Haussperling ein „Tschip-tschip“, singt die Amsel ein „Tik-tik-tik-tik-tik“, während der Buchfink ein „Hüitt-hüitt-hüitt“ pfeift oder aber ein lautes  „Pink“ ruft.

Neben den zarten, detailreichen Illustrationen aus Tusche und Aquarellfarben gibt es zu jedem Vogel Informationen zum lateinischen Namen, zur Körperlänge und Flügelspannweite, zur Lebensweise sowie zu jeweiligen spezifischen Besonderheiten. So erfahren wir zum Beispiel, dass Blaumeisen mitunter in Briefkästen nisten, dass Sperlinge keine Zugvögel sind, aber in Schwärmen leben, dass Stieglitze ihren Namen dem Lautbild ihres Rufes „Stiglit-stiglit“ zu verdanken haben, dass Kolkraben die weltweit größten Singvögel sind, dass das australische Prachtstaffelschwanz-Männchen sein auserwähltes Weibchen mit selbstgepflückten gelben Blüten zu beeindrucken versucht, dass Buntspechte mit bis zu 20 Schlägen pro Sekunde auf Holz trommeln, dass die Rufe des Uhus bis zu 5 km weit zu hören sind, dass das Nest eines Kolibris in eine halbe Nussschale passt oder dass der hellrote Ara ein Vegetarier ist.

Ein wunderschön gestaltetes und sehr interessantes Nachschlagewerk für alle, die noch weitaus mehr  über Vögel als dass diese fliegen können und Eier legen, wissen wollen.

 

Rabe, Buntspecht, Pinguin

Die Welt der Vögel

von Virginie Aladjadi (Text) und Emmanuelle Tchoukriel (Illustration)

Gerstenberg, 2019