Silberfunken

Maras Papa war lange weg. Sie weiß nicht, ob sie sich über seine Rückkehr so richtig freuen kann, denn sie weiß, dass er jetzt ganz anders ist als vor seiner Hirnverletzung. Danach sagte Maras Papa erstmal gar nichts mehr, später sprach er Mara mit einem falschen Namen an. Das Bild, was Mara ihrem Papa als Willkommensgruß gemalt hat, beachtet er kaum. Und Mama hat auch kaum noch Zeit für Mara, weil sie jetzt alles allein machen muss und immerzu arbeitet. Dieses Jahr wird Maras Papa auch nicht mehr den Kindergeburtstagsclown spielen wie sonst immer. Als er es dann doch tut und alle ihn auslachen, weil er so seltsam spricht, schämt sich Mara. Es gibt diesmal auch keinen Sommerurlaub, kein lustiges Spielen mit Papa, wie sonst. Mara ist wütend und sagt schlimme Sachen zu Papa, wofür sie Hausarrest bekommt. Mit Nachbar Sergio aber kann sie reden. Er stellt Mara nicht so viele Fragen oder sagt ihr, wie sie sein soll, sondern nur, dass er sie gut verstehen kann, weil er auch oft traurig ist und erzählt  von seiner Tochter, deren Schicksal ähnlich wie das ihres Papas ist. Sergio berichtet von traurigen, aber auch schönen Momenten mit der Tochter und Mara erzählt ihm von ihrem Papa, wie er früher war und wie er heute ist. Als Mara Sergio eine Zeichnung zeigt, die ihre Gefühle verdeutlicht, versteht er ganz genau, wie es ihr geht. Eines Tages entdeckt Mara silberne Funken in seinen Augen und weiß plötzlich, dass Papa zwar manchmal etwas schräg ist, aber immer ihr Papa sein wird.

Mit einfühlsamer Sprache und sehr schönen berührenden Zeichnungen greift das Bilderbuch ein schwieriges Thema auf, das nichts verniedlicht oder beschönigt, sondern zeigt, womit Betroffene sich in einer solchen Situation auseinandersetzen müssen: mit Überforderung, Gereiztheit, Wut, Trauer oder Gefühlen der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Gefühle, die nicht einfach wegdiskutiert werden können oder mit guten Ratschlägen einfach verschwinden. Es zeigt aber auch, dass sich die heftigen Gefühle mit der Zeit relativieren und Gespräche mit verständnisvollen Menschen dabei sehr helfen und manches leichter machen können.

Das Bilderbuch kann kleinen und großen Menschen mit ähnlichen familiären Schicksalsschlägen eine wertvolle Hilfe sein, um miteinander über ambivalente Gefühle ins Gespräch zu kommen, Verständnis füreinander zu entwickeln und die Situation insgesamt besser verarbeiten zu können.

Silberfunken

Plötzlich ist alles anders

Text: Juliana Campas

Illustration: Daniela Costa

Verlag aracari, 2020

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