Archiv der Kategorie: Bücher

Professor Astrokatz – Reise durch den Körper

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Nach seinen bisherigen spannenden  und abenteuerlichen Ausflügen ins Universum („Professor Astrokatz –Universum ohne Grenzen“) und in die Welt der Physik („Professor Astrokatz – Physik ohne Grenzen“) entführt uns der superschlaue Kater Professor Astrokatz diesmal auf eine Forschungsreise durch den menschlichen Körper. Zusammen mit seinen Freunden Evi, Gilbert, Martha, Astromaus, Felicity und dem menschlichen „Gehilfen“ Dr. Dominic Walliman erklärt er uns dessen hochkomplexe Funktionsweise und Anatomie.

Beginnend mit einführenden Erläuterungen der Grundkategorien des Lebens und einem systematischen Überblick über unsere unterschiedlichen Bestandteile und Organsysteme geht die Forschungsreise immer weiter ins Detail bis hinein in mikroskopisch kleine Bestandteile der Zellen, so dass wir Hochinteressantes über unseren Körper und sein Skelett, seine Muskeln, das Wunderwerk Haut, die Sinnesorgane Nase, Ohren und Augen, das Gehirn und seine Funktionen, die Körperorgane das Nerven-, Hormon- und Immunsystem und die Fortpflanzung erfahren. Weitere Themengebiete befassen sich mit den Wachstumsprozessen, der Genetik, der gesunden Ernährung, der Medizin, dem Leben mit Beeinträchtigungen und spannenden Ausblicken in die Zukunft und deren mögliche Technologien.

Das alles geschieht mit Hilfe von vielen knallig bunten Illustrationen, in denen sich Professor Astrokatz und seine Freunde voller Tatendrang und Wissbegier durch den menschlichen Körper bewegen, derart lebendig, anschaulich und faszinierend, dass die Forschungsreise niemals langweilig oder zu trocken rüberkommt: Sie mikroskopieren, beleuchten Knochen oder Muskeln mit ihren Taschenlampen oder heben sie wie schwere Gewichte in die Höhe, hangeln sich wie in einem Dickicht über die Kopfhaut von Haar zu Haar, springen munter von Zahn zu Zahn, arbeiten sich unerschrocken durch grünen Nasenschleim und Gehörgänge hindurch, klettern sportlich über die Netzhaut, durch Neuronennetze oder Bronchialbäume, schwimmen munter an Blutkörperchen vorbei und in Herzkammern hinein, wandern lustig durch Magen und Darmzotten, bauen Mauern aus Kohlenhydraten, versuchen sich als Küchenhelfer, ärztliche Assistenten oder Cyborg-Entwickler, dass es eine wahre Freude ist.

Wenn schwierige wissenschaftliche Sachverhalte und Zusammenhänge derart anschaulich,  unterhaltsam und interessant vermittelt werden, kann das Lernen riesengroßen Spaß machen!

 

Text: Dr. Dominic Wallmann

Illustration: Ben Newman

Übersetzung aus dem Englischen: Sylvia Prahl

NordSüd, 2018

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Schlaft recht schön

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Fünf Tierfamilien werden in diesem Pappbilderbuch für die ganz Kleinen in den Winterschlaf verabschiedet. Bevor sie sich zur Ruhe legen, beobachten wir sie bei den Vorbereitungen für die lange Schlafenszeit:

Eine Marienkäferfamilie trägt mit großem Eifer gemeinsam Reisig und Blätter zusammen und bereitet sich daraus ein gemütliches Bett, bevor wir ihnen zurufen: „Schlaft recht schön, ihr Marienkäfer!“ Die Froschfamilie bettet sich genüsslich auf Seerosenblätter und Familie Eichhörnchen legt sich Wintervorräte aus Zapfen, Beeren und Nüssen an, bevor sie sich im Blätterbett zusammenkuschelt. Eine Igelfamilie macht sich bereit für den Winter, indem für alle Löcher als gemütliches Schlaflager gegraben wird. Noch ein herzhaftes Gähnen, dann kann der Schlaf kommen. Und die Bärenfamilie ist im Wald auf der Suche nach Ästen, die später als Kopfkissen dienen.          Auf der letzten Doppelseite schauen wir auf eine verschneite Winterlandschaft und in die Schlafstätten, in denen die fünf Tierfamilien friedlich schlummern, bis es wieder Frühling wird.

Besonders schön an dieser warmherzigen Gute-Nacht-Geschichte sind die liebevoll gezeichneten Bilder der japanischen Illustratorin Tomoko Ohmura, mit denen kleine Menschenkinder wunderbar in den Schlaf begleitet werden können.

 

Tomoko Ohmura: Schlaft recht schön

Moritz, 2018

ISBN 978 3 89565 364 3

Raupe Berta hoch im Baum

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Hoch oben im Baum (dieser übrigens ganz unkonventionell mit knallig rosafarbener Rinde)sitzt die türkisfarbene Raupe Berta und widmet sich der Körperpflege – genauer gesagt, sie rasiert sich ihren Haarflaum mit einem elektrischen Rasierapparat (der Strom dazu kommt aus der Steckdose im Baumstamm). Erschreckt durch einen Vogelklecks von noch weiter oben verliert Berta ihren Rasierer und dieser purzelt in die Tiefe. Zwecks der Suche nach dem Rasierapparat klettert Berta abwärts, wobei sie verschiedenen Tieren (auch diese überwiegend wieder in ungewöhnlicher Farbgebung) in den unteren Baum-Etagen begegnet und diese nach dem herabgefallenen Teil befragt. Knapp geben die Tiere auch darüber Auskunft, wollen Berta jedoch viel lieber in Gesprächsthemen zu ihren eigenen Befindlichkeiten verwickeln. Und so berichtet ein pinkfarbener Tausendfüßler mit orangenen Schuhen voller Stolz über seine Fortschritte beim Üben des Schuhschleifen-Bindens, die mit bunten Farbklecksen übersäte orangefarbene Schnecke braucht eine Farbberatung beim Streichen ihres Häuschens, wobei sie sich nebenbei noch über den Verlust ihres Eimers mit der violetten Farbe beklagt, den der herabfallende Rasierer mit sich gerissen hat, der Sprecht fordert Bewunderung für sein Schnitzkunstwerk ein und die Spinne, welche mit dem Flicken ihres Netzes, durch das der Rasierer gefallen ist, beschäftigt ist, versucht die Raupe –erfolglos- in ihr Netz zu locken. Schließlich landet  Berta etwas unsanft unten bei den Baumwurzeln an, wo sich auch der Rasierer wiederfindet. Mit diesem hat sich inzwischen ein Igel eine flotte Frisur verpasst. Und wer beim Lesen und Schauen gut aufgepasst hat, errät nun auch, warum der Igel violette Stacheln hat.

Mit viel Situationskomik nimmt die in flotten Reimen spannend erzählte und farbenfroh bebilderte Geschichte ihren Lauf, wobei eine besondere Dynamik entsteht, die Leser und Vorleser mitreißt und zum Lachen bringt.

 

Raupe Berta hoch im Baum

Dirk Schmidt (Illustration) & Barbara Schmidt (Text)

Kunstmann, 2018

 

Edison

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Hinter den prallvollen Regalen einer zeitlos schönen Buchhandlung gibt es eine geheime Universität – die Universität der Mäuse. Unzählige  Mäusestudenten  lauschen dort hochkonzentriert den wissenschaftlichen Vorträgen ihres Mäuseprofessors.

Eine dieser wissbegierigen Mäuse, Pete, ein etwas schüchterner junger Mäuserich, nimmt all seinen Mut zusammen und bittet nach einer Vorlesung den Professor um dessen Hilfe. Pete ist auf der Suche nach einem Schatz. Einer seiner Vorfahren hat einen geheimnisvollen Zettel hinterlassen, der auf einen Schatz und eine Reise nach Amerika hinweist. Seit langer Zeit ist dieser Zettel nun schon in Familienbesitz und der neugierige Pete will der Sache endlich auf den Grund gehen. Der Professor hilft Pete und sucht in alten Aktenordnern nach entsprechenden Hinweisen. Wie sich herausstellt, hat Petes Vorfahre versucht, mit dem Schiff über den Atlantik nach Amerika zu gelangen, aber das Schiff verunglückte. Glücklicherweise wurden aber alle Passagiere gerettet. Ob aber auch Mäuse zu den geretteten Passagieren zählten? Alles deutet darauf hin, dass der besagte Schatz mit dem Schiff  auf den Meeresgrund gesunken ist. Am liebsten will sich Pete zusammen mit dem Professor sogleich dorthin auf den Weg machen, aber  der Professor  fühlt sich für derartige Forschungsreisen schon zu alt. Aber Pete gibt nicht auf. In der Badewanne unternimmt er erste Tauch-Experimente mit einer von ihm entwickelten Tauchglocke, was beinahe schiefgeht. Jedoch ist der Professor rechtzeitig zur Stelle. Ihm imponiert Petes Forscherdrang und nun will er doch bei der Schatzsuche behilflich sein. Jetzt wird gemeinsam weitergeforscht und so mancher Ansatz nach Missgeschicken wieder verworfen, bis schließlich der Plan eines U-Boot-Baus in die Tat umgesetzt wird. Als blinde Passagiere gehen die beiden Mäuse an Bord eines Schiffes, von dem aus sie an der passenden Stelle mit ihrem selbstgebauten U-Boot über Bord gehen wollen. Von Fischschwärmen umkreist gehen sie auf Tauchgang, bis sie an die Stelle des damals versunkenen Schiffes, welches nun als Wrack auf dem Meeresboden liegt, gelangen. Und dort entdecken sie tatsächlich eine Mäuse-Schatzkiste und darin das Tagebuch eines Erfinders, bei dem die letzten Seiten fehlen. Mit detektivischem Gespür kommen die Mäuse schließlich hinter das Geheimnis seiner Erfindung.

Torben Kuhlmann, der Autor und Illustrator dieser spannenden Mäuse- Abenteuer- und Wissenschafts-Bilderbuchgeschichte, hat schon zuvor große Erfolge mit weiteren Mäuse-Abenteuerbüchern wie „Lindbergh- Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“ (2012) und „Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“ (2016) feiern können. Mit dem neuen Mäuseabenteuer, das diesmal in die Tiefe des Meeres geht, wird er seine Leser bestimmt wieder ähnlich begeistern können. Wie schon in den vorhergehenden Bänden sind diese gefesselt von den wunderbaren Zeichnungen, welche Szenarien aus Mäuseperspektive in atmosphärischer Dichte zeigen, die  verwoben sind mit zahlreichen Details der jeweiligen Zeit und bereichert durch zahlreiche wissenschaftliche Skizzen und Notizen, welche an Aufzeichnungen eines Leonardo da Vinci erinnern.

Dass die Protagonisten niedliche Mäuse sind, macht die Geschichte zugänglicher und geschmeidiger für ein Bilderbuch, für das sich Kinder wie Erwachsene gleichermaßen begeistern können.

 

Torben Kuhlmann: Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes

Verlag NordSüd, 2018

 

Die große Holzwerkstatt

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Wir lieben die Bastelbücher von Sabine Lohf! Nahezu unerschöpflich scheint ihre Phantasie, ihre Freude am Basteln und ihr anregender Ideenreichtum zu sein.

In ähnlicher Flexcover-Aufmachung wie die neue Holzwerkstatt stehen bereits „Das große Buch vom Basteln und Spielen“, „Das große Naturbastelbuch“, „Das große Ratzfatz-Bastelbuch“ und „Das neue Weihnachts- Bastelbuch“ in unserem Atelier-Bücherregal und inspirieren unsere Malgruppenkinder immer wieder aufs Neue zu eigenen Werken.

Nun also geht es speziell um den spannenden Werkstoff Holz. Über 150 kreative Ideen rund um den Werkstoff Holz sind in diesem Buch versammelt. So einzigartig wie jedes Holzstück  – ob nun beim Spazieren in der Natur gefunden oder aus der Baumarkt-Reste-Tonne zusammengestellt – sind auch die Dinge, die daraus gebastelt und gebaut werden können. Schon das Suchen geeigneter Stücke kann zum spannenden Abenteuer werden. Ein spezieller „Waldknigge“ erläutert Wissenswertes zum Verhalten im Wald und Sammeln von Holz. Was das besondere Material Holz alles kann, erfahren wir in einem weiteren Kapitel. Die zur Holzbearbeitung geeigneten Werkzeuge und weitere Tipps und Tricks werden zur Einführung ausführlich vorgestellt.

Mit etwas Glück finden sich auf der Erkundungstour durch den Wald Baum- und Wurzelteile, die an Tierkörper erinnern. Mit entsprechenden Nacharbeiten werden mit Hilfe von Farbe, Leim, Knete, Wattebäuschen, Stoffen, Papier, Fäden, kleinen Stöckchen, Rindenteilen, Federn und anderem mehr einheimische oder exotische Tiere wie Igel, Eulen oder Elefanten, Figuren wie Zwerge, Zauberer, Indianer oder Nikoläuse. Was auch immer es ist, alle diese Basteleien strahlen etwas besonders Liebenswertes aus. Mein persönlicher Favorit ist der herzallerliebste Rehbock auf Seite 19, den ich mir zumindest ebenso gut wie die verschmitzt schauende Streifenkatze für das Titelbild vorstellen könnte!

Wie auf einer Bühne können sich nun ganze Szenerien  aus Figuren und Requisiten entwickeln. So treffen Borkengeist und Wildschwein, Rindenkrokodil und Bootspiraten aufeinander und lassen unsere Phantasie spielen und überlegen, was weiter geschieht. Welcher Besuch wohl heute im Zwergen-Baumhaus auftauchen könnte? Und worüber sich wohl die bunten Holzpuppen so angeregt unterhalten?

Auch allerlei weiteres Spielzeug, Dekoratives oder Praktisches für Büro und Haushalt und ideal zum Verschenken, kann aus den Holzfundstücken entstehen – so ein Suppenquirl fürs Hexen-Picknick, Marionetten, Schmuckanhänger, künstlerische Holzskulpturen, Puppentheater-Figuren , lustige Tiere aus Holzklammern, Hampelmänner, Windräder, Lege- oder Würfelspiele, Vogelhäuschen oder Insektenhotels, Advents- und Weihnachtsdekoration und vieles Schöne mehr.

Wie beim Basteln vorzugehen ist, wird leicht verständlich und nachvollziehbar, meist anhand von Fotos für die einzelnen Arbeitsschritte und das benötigte Material und Werkzeug, erklärt. Und doch bleibt genügend Freiraum für eigene Ideen und Abwandlungen. Nichts sieht hier in abschreckender Weise so perfekt aus, dass einen der Mut zum Nachbauen schon im Vorfeld verlassen könnte. Ganz im Gegenteil – wir fühlen uns wunderbar inspiriert.

Eine wahre Fundgrube an tollen Holz-Bastelideen eröffnet sich schon allein beim Anschauen des Buches. Bald darauf kribbelt es in Fingern und Füßen, denn es zieht uns magisch in den nächsten Wald oder Baumarkt, um diesen nach Bastelmaterial zu durchkämmen.

 

Sabine Lohf: Die große Holzwerkstatt

Gerstenberg, 2018

ISBN  9 783836 956154

Opa Rainer weiß nicht mehr

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Es ist bitter für alle Beteiligten, wenn in Familien  ein Mitglied plötzlich vieles nicht mehr so kann und weiß wie früher. Dann kehren sich Verantwortlichkeiten um und ändern sich so manche Abläufe. Mit der neuen Situation gelassen und achtsam umzugehen, müssen alle erst allmählich lernen.

Früher haben Opa Rainer und Mia Wettläufe auf dem Weg zur Schule gemacht und Opa war immer der Gewinner. Aber nun passiert Opa  so manches Malheur und er weiß oft nicht mehr, wo seine Schuhe sind, was er mit dem Stecker vom Wasserkocher anstellen soll, wie man richtig isst, welcher Tag heute ist oder wer eigentlich all die Leute um ihn herum sind. Nicht einmal den Namen seiner Enkelin Mia weiß Opa mehr.

Dass es wenig Sinn macht, Opa noch verändern zu wollen, sondern dass alle viel mehr Freude aneinander haben können, wenn sie sich Opas neuer Gefühls- und Gedankenwelt anpassen , macht diese einfühlsam erzählte, behutsame und berührende, von humorvollen Illustrationen – in denen Opas Wirrwarr im Kopf durch ihn wild umkreisende, farbgewaltige Pinselstrichspuren verdeutlicht werden – begleitete Bilderbuchgeschichte deutlich. So wird Opa, der nicht mehr weiß, wofür ein Unterhemd da ist und es sich über den Pullover zieht, kurzerhand zum Anführer einer verrückten Unterhemdenbande erklärt und Mia und ihr Bruder machen es einfach Opa mit seiner unkonventionellen Bekleidung nach – man kann ein Unterhemd schließlich auch mal um den Kopf gewickelt als Turban tragen …

Dass Früher eben Früher war und nie mehr so sein wird, dass Schokoladenkekse eben Schokoladenkekse waren und völlig unkompliziert zu essen, sie heute aber für Opa „aufgemacht“ werden, ist ein pragmatischer Erkenntnisgewinn.

Liebevoll und nachsichtig, unterstützt durch detailreiche und ausdrucksstarke Bilder, nähert sich die Geschichte auf kindgerechte Weise einem allgegenwärtigen Familienthema und kann so  unterstützende Hilfe sowie Anlass zum Nachdenken, für Gespräche und gelassen-humorvollen Umgang miteinander sein.

 

Text: Kirsten John

Illustration: Katja Gehrmann

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN: 9 783957 280640

 

50 MINDSHOTS

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Zeitlose und aktuelle Lebensthemen unterschiedlicher Bereiche und mit ihnen verknüpfte umgangssprachliche Wendungen und Begriffe, die bestimmte Abläufe oder Gefühlswelten assoziieren, wie beispielsweise IMMER ONLINE, PRESSEFREIHEIT, ZEITNOT, DAS FREIE SPIEL DER KRÄFTE, ALKOHOLISMUS, BURNOUT,  NICHT NEINSAGEN KÖNNEN, SMARTPHONEJUNKIE, HAPPY HOUR, DEADLINE oder CYBERMOBBING fasst der Illustrator Sergio Ingravalle seine grafischen Reflektionen,  sogenannte „ Mindshots“,  in  50 stilistisch reduzierten wie prägnanten, konsequent 4-farbig in schwarz , weiß, rot und grau gestalteten Sinnbildern, die sich weit mehr als jede ausführliche schriftliche Abhandlung ins Gedächtnis brennen, zusammen.

Wer zuweilen glaubt, von BLA, BLA, BLA – Phrasendreschern umzingelt zu sein, wird möglicherweise  ein Gefühl der  inneren  Bestätigung beim Anblick der gewaltigen kreisrunden Sprechblase, die von einem durch eine herannahende Hand vermittelten gezielt gesetzten Nadelstich augenblicklich zu zerplatzen droht, empfinden.

Die drohende Gefahr der SELBSTISOLATION, bei der das Gesicht eines in einem dunklen Käfig hockenden Mediennutzers, das mit dem abgestrahlten Licht  seines Laptop-Bildschirms zu verschmelzen scheint, wird dem Betrachter in eindringlicher Intensität bewusst.

Unter ZEITNOT Leidende wird das innere Bild, gefesselt an den Zeiger einer riesengroßen Uhr mit dem Blick auf das unausweichliche Ertrinken zuzusteuern, so schnell nicht mehr loslassen.

Die Notwendigkeit IMMER ONLINE zu sein hinterfragt der eine oder andere Netzbesessene

beim Anblick der bettlägerigen Figur mit dem Netzzeichen über dem Kopf und bekommt sie so schnell nicht mehr aus dem eigenen Kopf.

Zu ALKOHOLISMUS entwickelt Ingravalle das eindringliche Bild eines überdimensionierten Rotweinglases, in welches eine winzige Figur vom Sprungturm aus zum freien Fall ansetzt.

Wer gegen das NICHT NEIN SAGEN  KÖNNEN ankämpfen will, wird bei einem unfreiwillig gehauchten JA an das  riesengroße NO in der Gehirn-Sprechblase der Silhouette eines Kopfes denken und seinem Gegenüber endlich entgegenschmettern wollen – oder mit diesem inneren Bild endlich auch können.

Ingravalles Mindshots üben mit erstaunlicher Treffsicherheit Gesellschafts- oder Sozialkritik ohne moralinsauer den Zeigefinger zu heben und bringen zum Nachdenken wie Schmunzeln.

 

50 Mindshots

Sergio Ingravalle

Knesebeck, 2018

ISBN 9 783957 282033

 

Wir feiern durch das ganze Jahr

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Gerade jetzt, im schönen goldenen Oktober, gibt es viel zu feiern – wie das Erntedankfest, an dem die Nachbarn und Freunde zum Erntedankessen eingeladen werden oder Gärten, Plätze und Kirchenräume mit kunstvoll gelegten Mandalas aus Früchten, Blüten, Samen und bunten Herbstblättern geschmückt werden.

Warum der dritte Oktober unser Nationalfeiertag geworden ist oder auf welchem geschichtlichen Hintergrund das jüdische Laubhüttenfest beruht, weiß bestimmt noch nicht jedes Kind und vielleicht auch nicht jeder Erwachsene.

Das rauchige Aroma von in der Glut gegarten Kartoffeln verbreitet sich allerorts mit den herbstlichen Kartoffelfeuern.

In den Weinanbaugebieten, in denen jetzt die Weinlese in vollem Gange ist, werden üppige Weinfeste ausgerichtet, bei denen man saisonal Köstliches wie Zwiebelkuchen und dazu Federweißer genießen kann.

In den evangelisch geprägten Bundesländern wird Ende Oktober der Reformationstag -in Sachsen gibt es in den Tagen zuvor köstliche Reformationsbrötchen in den Bäckereien -und zeitgleich in vielen anderen Gebieten seit einigen Jahren verstärkt das amerikanisch geprägte Halloween-Gruselfest, welches das Licht lustig oder schaurig geschnitzter Kürbislaternen begleitet, gefeiert.

Feste und Bräuche des Jahreslaufs wie diese und zahlreiche bekannte, weniger oder nur regional bekannte oder auch einige aus anderen Kulturen  – wie Ostern, Pfingsten, Nikolaustag, Martinsumzüge, Weihnachten, Dreikönigstag, Muttertag, Sommersonnenwende, Allerheiligenfest, Martinsfest, Buß- und Bettag, Silvester, Neujahr, Ramadan oder Chanukka, Walpurgisnacht, Rosenmontagsumzüge, Raunächte und Perchtenläufe, Lichterfeste und vieles mehr-  werden in diesem wunderschönen, sehr aufwändig gestalteten Familien- Hausbuch leicht verständlich, unterhaltsam und sehr informativ vorgestellt. Neben den ausführlichen Beschreibungen der Abläufe gibt es interessante Erläuterungen zu deren geschichtlichen Hintergründen. Zusätzlich werden jeweils dazu passende Rezepte oder Spiel- und Bastelideen als Anregung zum Nachmachen beschrieben.

Eine Fülle an ausgesprochen liebevoll gestalteten Illustrationen, die durch zeichnerische Darstellungen kindlicher Figuren und zahlreiche  interessante und phantasievolle drucktechnische Details auffallen und die entsprechend der jeweiligen Jahreszeit in einer charakteristischen Farbigkeit imponieren, verbinden sich mit dem Text zu einer Einheit.

Eine wahre Fundgrube für Familien, Kindergärten, Schulen und alle an Festen und Bräuchen Interessierten und ebenso Nachschlagewerk wie Schatzkiste zum Immer-wieder-Hineinschauen und Inspirieren-Lassen.

 

Wir feiern durch das ganze Jahr – Das Hausbuch der Feste und Bräuche

Text: Ilka Sokolowski

Illustration: Sophie Schmid

Verlag Gerstenberg, 2018

ISBN 978-3-8369-5906-3

Schlaf gut, Max!

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector  (Malkastl.de):

 

Max, der kleine schwarze Kater mit den riesengroßen gelben Augen, ist schon ziemlich müde.

Er hat seine Milch getrunken, seine Zähne geputzt, sich hinter den Ohren gewaschen, dem Goldfisch, seiner Spielkiste und sogar der Hausspinne eine gute Nacht gewünscht. Als er aus dem Fenster schaut und nun auch dem Mond „Gute Nacht!“ sagen will, kann er diesen nirgends entdecken.

So geht Max hinaus in die stille, dunkle Nacht, um den Mond zu suchen, trifft unterwegs auf einen schlafenden Hund, klettert auf einen hohen Baum und über die Hausdächer, auf ein Hochhaus und einen Berg. Als der Wind die Wolken wegbläst, ist auf einmal der helle Mond riesengroß am Nachthimmel zu sehen und flüstert Max etwas zu, das ihn, nachdem er den Rückweg über Dächer, Baum und vorbei am schlafenden Hund genommen hat,  von nun an immer ruhig und zufrieden einschlafen lässt.

Die einfache und klare, liebevolle Sprache und die ebenso klaren, in eine wunderbare Nacht-Farbigkeit getauchten Illustrationen, die sich auf das wesentliche beschränken und dabei eine ganz eigene Bild-Poesie vermitteln, kennzeichnen diese schöne, leise, Zuversicht gebende Bilderbuchgeschichte, die wunderbar in eine gute Nacht geleiten kann.

 

Text und Illustration: Ed Vere

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN: 978 3 95728 129 6

 

 

Zwei für mich, einer für dich

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Wie teilt man gerecht drei Pilze auf, wenn zwei Leute davon essen wollen?

Bär und Wiesel scheinen gute Freunde zu sein, die in einer Art Wald-WG zusammenleben. Aber beim Essen hört der Spaß auf …

Hat eigentlich derjenige das Recht auf die größere Portion, der die Pilze gefunden hat (=der Bär)? Oder derjenige, der aus ihnen ein köstliches Gericht zubereitet, sie in der Pfanne schmoren lässt und kräftig mit Salz, Pfeffer und Petersilie würzt (=das Wiesel)?

Steht dem Bär ein Pilz mehr zu, weil er groß ist und deshalb viel essen muss oder dem kleinen Wiesel, welches noch wachsen muss?

Erhöht das Wissen um das Rezept, die Größe des Hungers, die Tatsache, dass es die eigene Leib- und Magenspeise sei, der lauter knurrende Magen, das vorherige Tischdecken oder die Idee, Pilze essen zu wollen, die Größe der Anrechte an der gemeinsamen Mahlzeit?

Bär und Wiesel können sich nicht einigen, der Streit droht zu eskalieren, die Freundschaft gar daran zu scheitern …

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Fuchs schnappt sich das überzählige Objekt der Begierde und lässt sich den Pilz genüsslich munden. In der Entrüstung über den frechen Pilz-Dieb sind sich Bär und Wiesel plötzlich wieder einig und können endlich dazu übergehen, sich die gemeinsame Mahlzeit schmecken zu lassen.

Aber da bahnt sich schon neuer Konfliktstoff an, als das Wiesel drei Walderdbeeren als Nachtisch serviert …

Liebenswerte detailreiche Zeichnungen begleiten diese entzückende Bilderbuchgeschichte, welche schon die ganz Kleinen zum Nachdenken über Gerechtigkeit und Teilen anregen kann.

 

Text und Illustration: Jörg Mühle

Moritz Verlag, 2018

ISBN: 978 3 89565 357 5