Archiv der Kategorie: Bücher

Der kleine Bagger

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Zahlreiche Kinder, kleine und große, versammeln sich während der Leipziger Buchmesse im März 2018 in gespannter Erwartung schon vorzeitig am Reprodukt-Verlagsstand, um die als Comiclesung mit Zeichenworkshop angekündigte Buchvorstellung nicht zu verpassen.

Mir bietet sich ein Bild von -in den bereits zuvor ausgeteilten druckfrischen Buchexemplaren- blätternden kleinen und großen Menschen, die offensichtliche Freude am Buchinhalt haben und wohl schon im Vorfeld versucht sind, den Inhalt der auf 38 Seiten über viele bunte Bilder erzählten Baustellengeschichte zu erfassen. Auf dem hellblauen Cover des Buches postieren sich bunte Baufahrzeuge mit Gesichtern -im Bildregister am Buchende als Raupenbagger Baga, Radbagger Armando und  Walzenfahrzeug Zdenek beschrieben- und lassen sogleich Erinnerungen an die Bob-der-Baumeister-Euphorie meiner inzwischen längst dem Bilderbuchalter entwachsenen drei Söhne aufkommen.

Der kleine Bagger Baga steht vor einem Problem, denn ein großer Steinbrocken liegt vor seiner Tür und es gelingt Baga trotz aller Bemühungen nicht, diesen wegzubaggern. Und unter dem nächsten, kleineren, Stein, den Baga wegzubaggern versucht, liegt eine Spinne. Und Baga graust es vor Spinnen! Als es aber darum geht, seinen neuen Freunden, den großen Baufahrzeugen vom Bauplatz, auf dem der kleine Bagger Baga sogar zeitweise mitarbeiten darf, aus einer misslichen Lage, an der Baga nicht ganz unschuldig ist, zu helfen, überwindet der pfiffige kleine Bagger sogar seine Spinnenphobie und merkt dabei, dass es manchmal sogar ganz nützlich sein kann, klein zu sein.

Inzwischen hat die Veranstaltung begonnen. Mit Spannung folgen die Kinderaugen und –ohren der mit Verve zelebrierten Comiclesung von Stephan Lomp und Mathias Wieland, bei der beat-box-mäßig reichlich gedröhnt, gescheppert, gebuddelt und gebaggert –und auf Seiten des Publikums ebenso viel gelacht-  und voller Konzentration der spannenden Baustellenstory gelauscht wird. Im Anschluss an die Lesung werden am Flipchart nützliche Tipps und Tricks zum Comiczeichnen verraten, die mit Buntstiften auf Zeichenblättern gleich praktisch umgesetzt werden dürfen.

Für das mitgenommene Buchexemplar wünsche ich mir noch zahlreiche kleine und große Betrachter, die ebenso wie die Lesungsgäste Spaß am gemeinsamen Erkunden dieser abenteuerlichen Buch-Baustellen-Welt rund um den kleinen Bagger Baga haben werden.

Der kleine Bagger – Abenteuer auf der Baustelle

von Stephan Lomp

Verlag REPRODUKT, 2018

ISBN978-3-95640-154-1

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Plötzlich war Lysander da

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Als der Briefträger Post für die dicke Dora, den langen Luis und die kleine Kathinka ins Mauseloch bringt, können sie es erst kaum glauben: Im Brief vom Bürgermeister steht geschrieben, dass jemand bei ihnen einziehen soll. Die Mäuse sind beunruhigt und befürchten, weder genug Platz noch genug Kartoffeln für einen mehr zu haben. Und schon platzt am Abend der neue Mitbewohner, ein roter Lurch namens Lysander, ins beschauliche Leben der kleinen Mäusefamilie. Der Lurch ist recht freundlich, hat jedoch völlig andere Gewohnheiten als die Mäuse, die ein wenig empört sind darüber, dass Lysander alles durcheinanderzubringen scheint. Und ein wenig Angst vor dem Unbekannten ist wohl auch mit im Spiel. So verdächtigt die kleine Kathinka den neuen Gast gar, mit dem Verschwinden ihrer Puppe etwas zu tun zu haben. Als sie aber beobachtet, was Lysander mit seinen mitgebrachten Körnchen und Erde in der Badewanne, die ihm als Platz zugewiesen wurde, anstellt, wird sie zunehmend neugierig. Und siehe da, am nächsten Morgen gibt es eine wunderbare Überraschung, die alle sehr erfreut und sie schneller als gedacht zu einer neuen Familiengemeinschaft zusammenwachsen lässt.

Es ist erstaunlich, wie hervorragend es Antje Damm gelingt, ein komplexes und hochaktuelles Thema – die Konfrontation mit dem Fremden und die damit verbundenen Ängste – in eine auch für jüngere Kinder gut verständliche Bilderbuchform zu bringen und die zu Herzen gehende Geschichte dank einer interessanten Collagetechnik, die große Freude beim Anschauen bereitet und zuweilen den Eindruck vermittelt mitten im Geschehen zu sein, ausdrucksstark und liebenswert zu illustrieren.

Sehr zu empfehlen, wunderbar anzuschauen und bestens geeignet, um über potentielle Vorurteile, aufkommende Ängste, aber auch Möglichkeiten bei der Begegnung und im Umgang mit Neuem und Unbekanntem miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Und plötzlich war Lysander da

Antje Damm

Moritz Verlag

2017

ISBN 978 3 89565 344 5

Kleine Nachteule Aurelia

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Das Drama spielt sich täglich abends in unzähligen Familien ab: die lieben Kleinen wollen nicht ins Bett. So auch Aurelia, welche nicht schlafen gehen will, weil sie überhaupt noch nicht müde ist, in Dorothea Flechsigs neuem Bilderbuch aus dem Glückschuh Verlag.

Aurelia, die wir schon aus dem Bilderbuch „Kleiner Dreckspatz Aurelia – wasch dich doch mal!“ kennen, ist ein kleiner Wirbelwind, wissbegierig, voller Tatendrang und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Auch die anbrechende Nacht kann kleine Abenteurer wie Aurelia kaum stoppen.

Wie schon im ersten Buch thematisiert die Autorin, welche ursprünglich mal Tierforscherin werden wollte, alltägliche Familienthemen und verknüpft diese mit Wissenswertem aus der Natur und Tierwelt. Auch diesmal bekräftigt Aurelias Papa seine Argumente mit tierischen Beispielen, um zu betonen, dass jeder mal schlafen müsse wie dies auch kleine Nachteulen, Fledermäuse, Igel, Erdmännchen, Flamingos tun müssen, um sich von den täglichen Abenteuern zu erholen. Pfiffig, wie Aurelia ist, belässt sie es nicht dabei, sondern will erst einmal ganz genau wissen, wie die genannten Tiere denn eigentlich in den Schlaf finden. Aurelias Papa gibt bereitwillig darüber Auskunft. Und sogleich wird erstmal alles auf Schlaftauglichkeit ausprobiert – zusammengekauert wie eine Eule, kopfüberhängend wie eine Fledermaus, eingerollt wie ein Igel, auf einem Haufen voller Gefährten (in diesem Fall müssen Aurelias Kuscheltiere dafür herhalten) liegend, auf einem Bein wie der Flamingo stehend oder „im Flug“ wie die Mauersegler einzuschlafen. Und weil das ziemlich anstrengend ist, all die verschiedenen Schlafpositionen auszuprobieren, ist Aurelia nun auch entsprechend müde. Zum Einschlafen fehlt nur noch der entscheidende Hinweis von Papa, welcher seiner neugierigen Tochter erklären soll, wie die Gorillas schlafen (nämlich wie wir Menschen aneinandergekuschelt) – und endlich ist es soweit: Beide schlafen gorillamäßig ein.

Die liebenswerte Einschlaf-Geschichte, einfühlsam, detailreich und farbenfroh bebildert von Suse Bauer, ist die ideale Lektüre für kleine Nachteulen und deren Eltern und eignet sich hervorragend, den Nachwuchs mit einem schönen – und nebenbei lehrreichen wie sportlichen – Familienritual in den Schlaf zu begleiten.

 

Kleine Nachteule Aurelia – Schlaf doch mal!

Dorothea Flechsig/ Suse Bauer

Glückschuh Verlag

2018

ISBN: 978-3-943030-60-0

Oje, ein Buch!

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Oje, ein Buch! – Fast ein Ausruf des Entsetzens, den die Smartphone-affine Frau Asperilla da ausstößt, als ihr der kleine Juri freudig das Buchgeschenk von Herrn Schnippel (wer auch immer das sein mag) präsentiert und Frau Asperilla tatsächlich denkt, dass sie angesichts eines scheinbaren Irrtums etwas wiedergutzumachen hätte. Juri, der zwar weiß, dass ein Buchgeschenk niemals ein Fehler sein kann, geht auf das Wiedergutmachungsangebot nur zu gern ein und schlägt dazu das gemeinsame Anschauen des Buches vor. Ganz schön clever, denkt der (Vor)leser und ahnt bereits, dass Frau Asperilla wohl leider zu jenen Zeitgenossen zu gehören scheint, die mit Büchern wenig bis gar nichts anzufangen wissen – ganz im Gegensatz zu Juri. Der kann sich das Gehabe von Frau Asperilla eigentlich nur so erklären, dass sie ihn nur auf den Arm nähme (aber leider ist es bittere Realität), als sie tatsächlich nicht zu wissen scheint, dass sich Bücher nicht von selbst vorlesen, man sich beim Lesen etwas vorstellen muss, es immer von links nach rechts geht und dass man nicht wischen sondern umblättern muss, um zu wissen, wie es weitergeht. Und Bilder werden in Büchern auch nicht größer, wenn man sie zwischen Daumen und Zeigefinger auseinanderzuziehen versucht, muss Frau Asperilla enttäuscht feststellen.

Weil aber Juri für Frau Asperilla ein ausgesprochen geduldiger und kundiger Vorlese-Lehrer ist, von dem man auch so nützliche Sachen übers Vorlesen lernt wie zum Beispiel, dass man doch möglichst krächzen sollte, wenn im Buch ein krächzendes Monster etwas sagt, gewinnt auch sie – zögerlich, aber stetig – Gefallen an dem mysteriösen Medium Buch, wird neugierig wie ein Kind auf dessen Inhalt, fiebert ängstlich mit im Zuge des Geschehens in der Geschichte, als mäusefangende Katzen und Monster darin auftauchen. Und ebenso lernt sie durch Klein-Juris philosophische Erkenntnis (die gleichzeitig in einer Mini-Geschichte in der Geschichte – von zwei Vögeln und einem roten Faden- verdeutlicht wird)  auch, dass die Sichtweise auf die Dinge davon abhängt, von welcher Seite aus man sie anschaut.

Die  Umkehrung von Klischees gelingt hier als interessanter und überraschender  Aspekt des parallelen Erzählens von drei  geschickt miteinander verknüpften Geschichten, welche mit augenzwinkernder Leichtigkeit daherkommen und mit frischen, reduzierten und gleichzeitig aussagestarken Buntstiftzeichnungen bebildert sind.

Wie viel zwischen zwei Menschen, die sich gemeinsam ein Buch anschauen, passieren kann, zeigt das Buch, welches als Anlass zum Nachdenken und Miteinander-Reden für alle großen und kleinen Leseratten ebenso wie für alle Buchmuffel und Smartphone-Junkies sehr zu empfehlen ist, auf geniale Weise.

 

Oje,ein Buch!

Lorenz Pauli/ Miriam Zedelius

Verlag atlantis

2018

ISBN 978-3-7152-8742-1

Wilde Katzen

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Das in Erd- und Pflanzenfarben interessant komponierte Buchcover mit dem brüllenden Tigerkopfporträt, umrahmt von exotischen Blattpflanzen, und dem auffallenden rostrot-gold-glänzenden Titelschriftzug ist bereits ein bemerkenswerter Blickfang.

Owen Davey, Schöpfer der preisgekrönten Sachbücher „Die Affenbande“ und „Hai Ahoi!“ widmet sein neues Sachbuch über Katzen den eigenen Stubentigern namens Max, Oliver, Henry und Alyssia. Im Buch geht es um deren wilde Verwandte, die Katzen, welche es bereits seit 50 Millionen Jahren gibt, von denen manche wie der imposante Smilodon,  besser bekannt als Säbelzahntiger, schon ausgestorben sind, und andere sich im Laufe der Evolution verändert haben und nun in acht verschiedene Gruppen ( und zwar die Panthera-, die Ozelot-, die Karakal-, die Borneo-, die Luchs-, die Puma-, die Bengal- und schließlich die Hauskatzen-Linie) eingeteilt werden, die in verschiedenen Gegenden der Erde vorkommen und sich in Größe, Aussehen und Lebensweise unterscheiden. Allen gemeinsam jedoch ist ihre elegante Gestalt, ihre Eigenständigkeit, ihr faszinierendes Wesen und ihre interessante Lebensweise, von der viel Wissenswertes im Buch berichtet wird.

Wie und wo die großen (Tiger, Löwe, Leopard & Co.) und kleineren Verwandten (zum Beispiel die possierlich aussehende, aber räuberische Rostkatze) unserer Hauskatzen leben, jagen, sich ernähren, sich tarnen, klettern, ihr Revier verteidigen, welche erstaunlichen Rekorde sie aufstellen und wie sie ihren Nachwuchs aufziehen, welche Legenden sich in verschiedenen Kulturen um sie ranken und welche Arten gefährdet sind -davon erzählt in großformatigen, farblich ansprechenden und gestalterisch bemerkenswerten, hervorragend illustrierten Bildern und interessanten Erläuterungen dieses empfehlenswerte hochwertige Sachbuch.

Titel: Wilde Katzen. Alles über Tiger, Löwe, Leopard

Text/Illustration: Owen Davey

Verlag: Knesebeck

2018

ISBN 978-3-95728-155-5

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Ein Hund namens Kominek

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Zu Beginn der Geschichte lebt Kominek, ein zotteliger kleiner schwarzer Hund,  zusammen mit dem alten Tadeusz zurückgezogen auf einem Bauernhof-Schrottplatz am Stadtrand von Przemysl, eines polnischen Örtchens am Fuße der Karpaten. Die meiste Zeit sind Kominek und Tadeusz, die eine anrührende Freundschaft verbindet, allein. Nur gelegentlich kommt der Briefträger Janusz mit der Post und Essenseinkäufen vorbei, ansonsten besteht das Leben aus Ruhe und vertrauter Zweisamkeit. Kominek macht es sich mit Vorliebe auf den Sitzen der alten Schrottautos gemütlich und lauscht der Musik aus deren Radios, während Tadeusz an diesen schraubt und bastelt.

Doch eines Tages wird die friedliche Idylle jäh zerrissen, als der alte Tadeusz stirbt und für Kominek nichts mehr so ist wie es war. Nun beginnt sich Janusz der Postbote verantwortlich für den tieftrauernden Hund, dem er bisher in respektvoller Distanz begegnete, zu fühlen und wagt erste zaghafte Annäherungsversuche. Als Janusz bemerkt, dass der Hund musikalisch ist, bringt er seine alte Klarinette aus längst vergangenen Zeiten als Orchestermusiker mit und beginnt für Kominek zu spielen. Spätestens an diesem Punkt ist die neue freundschaft besiegelt und Janusz glaubt seinen Augen kaum, als er entdeckt, dass der Hund nicht nur gern Musik hört, sondern sich dazu auch tanzend bewegt. Eine Idee beginnt zu reifen.

So kommt es, dass die Beiden Abschied von Przemysl nehmen, um als Straßenmusiker durch die Lande zu ziehen und überall ihr Publikum verzaubern. Und zu guter Letzt eröffnet sich für Kominek und Janusz sogar eine vielversprechende Zukunft in Amerika.

Die poetische Geschichte rund um die Freundschaft zwischen Mensch und Tier, liebevoll illustriert in zahlreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen in einem wunderbaren Retro-Stil, bleibt noch lange im Gedächtnis und zaubert ein wohlig wärmendes Gefühl in die Herzen der Leser aller Altersstufen.

 

Buchtitel: Ein Hund namens Kominek

Hardcover, 118 Seiten

Text: Antje Bones

Illustration: Jasmin Schäfer

Verlag: Knesebeck

2018

ISBN 978-3-95728-9

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