Archiv der Kategorie: Kinderbuch

Einmal Katze sein

Wer Katzen beobachtet, kommt früher oder später zu der Erkenntnis, dass so ein Katzenleben einfach wunderbar sein muss und man hin und wieder gern einmal selbst in ihre Rolle schlüpfen würde.

Mit zwanzig  ausdrucksstarken Porträts und einer weiteren Charakterstudie in Blau-Grün auf dem Buchcover setzt Mies van Hout Katzen in den verschiedensten Farben, Formen, Mustern und Stimmungen in Szene und erfasst mit schnellem, präzisem Strich in bunten Bildern die verschiedenen Facetten ihres eigenwilligen Wesens.

Mal abenteuerlustig, mal übermütig, geschmeidig, verspielt, verschmust, aufmerksam, mürrisch, gewitzt, neugierig, chaotisch, gelangweilt, schläfrig, entspannt, wütend, beleidigt, mutig, ängstlich, verwegen, listig, verträumt und noch so vieles mehr können Katzen sein –  Liebhaber der beliebten Stubentiger wissen ihre Vielseitigkeit zu schätzen.

Den phantasievollen Katzenbildnissen begegnen -mal mehr und mal weniger poetische – Gedichte verschiedener niederländischer Autoren, die vom Hang zur Behaglichkeit, vom Jagdfieber, der Lebensfreude, von der Konzentrationsfähigkeit und Geduld, der Wetterfühligkeit, dem Schmusebedürfnis, der Gourmethaftigkeit, von der Abneigung gegen Silvesterböller  der Katzen und darüber hinaus von Übergewicht, Katzenklappen, Wollknäuelspielen, Katzenkämpfen, Begegnungen mit Schnecken und Spiegelbildern, Katzennamen, Flöhen und Haaren und weitere Begebenheiten aus dem Leben der Katzen erzählen.

Nicht nur kleine und große Katzenfans werden das Bilderbuch lieben, immer wieder darin blättern und sich vom Wesen der Katzen inspirieren lassen wollen.

 

Illustrationen: Mies van Hout

Gedichte von Bette Westera, Koos Meinderts, Sjoerd Kuyper, Hans & Monique Hagen

Übersetzung: Rolf Erdorf

aracari, 2019

 

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Ein Haus für Harry

Harry, ein etwas übergewichtiger Stubenkater, hat die Welt da draußen bisher immer nur vom sicheren Fensterplatz aus beobachtet und noch nie draußen gespielt. Das freundliche Angebot des Schmetterlings Vera zum gemeinsamen Fangenspielen ist sehr verlockend – also spaziert Harry kurzentschlossen durch das geöffnete Fenster übers Dach nach draußen, immer Vera hinterher, doch die ist nicht zu erwischen und Stunden später plötzlich verschwunden. Nun realisiert Harry, dass er sich verirrt hat und läuft panisch durch die Straßen der unbekannten Stadt, um nach Hause zurückzufinden, bis ihm ganz schwindlig wird. Harry braucht erstmal einen Unterschlupf, den er zunächst in einem Pappkarton findet – bis dieser im Regen aufweicht. Weitere Behausungen für Harry finden sich auf einem Baum (bis der Ast abbricht), unter einem Auto (bis es wegfährt), in einer Hundehütte (bis der rechtmäßige Bewohner ihn davonjagt)und schließlich in einer Mülltonne. In den benachbarten Mülltonnen haben Straßenkatzen ihr Zuhause gefunden. Ihnen erzählt Harry von Vera, die ihm den Weg zurück zu seinem Zuhause zeigen könnte. Die Straßenkatzen kennen Vera und begleiten Harry zum Park, wo Vera wohnt. Nach erneutem gemeinsamen Fangenspielen mit Vera und der ganzen Katzenbande (die ihm Spieleifer gar nicht merkt, dass schon überall auf Plakaten mit Vermisstenanzeigen nach Harry gesucht wird), geht es zurück zu Harrys Haus, wo er freudig begrüßt wird. Harry verabschiedet sich von seinen neuen Freunden und verspricht, morgen wieder zum Spielen rauszukommen.

Begleitet von lustigen Illustrationen erzählt die vergnügliche und spannende Bilderbuchgeschichte von den Abenteuern der Freiheit und davon, wie schön es ist, ein Zuhause und gute Freunde zu haben.

 

Text und Illustration: Leo Timmers

Übersetzung aus dem Niederländischen: Rolf Erdorf

Aracari Verlag, 2019

Neon Leon

Erst mit einiger Verspätung (aber besser spät als nie) sind wir auf ein weiteres schönes Chamäleon-Bilderbuch, welches in unserer Sammlung natürlich nicht fehlen darf, aufmerksam geworden.

Es erzählt von Leon, einem besonderen Chamäleon, welches – während sich dessen Gefährten ganz nach Chamäleonart in der zur Umgebung passenden Farbe zeigen – stetig in einem knalligen Orange präsentiert und damit ziemlich auffällt. Leon wird nicht grün wie die anderen Chamäleons im Blätterdschungel, er wird nicht sandgelb in der Wüste und auch in den grauen felsigen Bergen bleibt Leon neon-orange und ist darüber selbst nicht glücklich. In der Nacht strahlt Leon derart neon-hell, dass die anderen Chamäleons schon ganz ärgerlich werden, weil sie durch Neon-Leons Strahlen nicht gut einschlafen können. Und auch Leon wird immer trauriger über seine farbliche Eigenart. Weil er sich an keinen Ort anpassen kann, sucht Leon nun  einen Ort, der zu ihm passt. Ob er ihn wohl bei den leuchtend orangenen Vögeln findet? Leider nein – die Vögel flattern davon in den strahlend blauen Himmel, vor dem der nun wieder alleingelassene Leon sich besonders kontrastreich abhebt,  verzagt den Kopf hängen lässt und wir mit ihm mitleiden. Ein bisschen lässt er sich aufmuntern, als wir ihm zuflüstern, dass alles gut wird.

Und das wird es: Dort, wo alle Blumen leuchtend orange sind, strahlt Leon schon recht glücklich, weil er endlich einen Ort gefunden hat, an den er passt.

Und noch glücklicher beginnt Leon zu strahlen, als er an dem Ort, an den er passt, jemanden trifft, zu dem er passt – ein zweites orange leuchtendes Chamäleon!

Wunderbar ausdrucksstarke und farbenfrohe Illustrationen komplettieren die liebenswerte Bilderbuchgeschichte, in der die kleinen Leser immer wieder direkt angesprochen werden, um Leon aufzumuntern und ihm beizustehen, beispielsweise indem sie ihm eine gute Nacht wünschen, ihm zuflüstern, dass alles gut wird, mit ihm zählend nach einem geeigneten Ort suchen und sich zu guter Letzt erleichtert mit Leon freuen, dass er mit seinem neuen Freund glücklich neon-orange um die Wette strahlen kann.

 

Text: Jane Clark

Illustration: Britta Teckentrup

annette betz, 2017

Rabe, Buntspecht, Pinguin

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Bereits sieben Titel dieser schönen Buchreihe aus dem Gerstenberg-Verlag  sind schon erschienen, unter ihnen solche, die sich der Pflanzenwelt widmen wie „Lavendel, Lilie, Löwenzahn“ oder solche, die uns die Tierwelt näherbringen wie „Fliege, Falter, Honigbiene“. Der neue achte Band widmet sich nun der interessanten Welt der Vögel. Von den weltweit vorkommenden etwa 10 000 Vogelarten werden im Buch knapp 80 vorgestellt, stellvertretend für diese stehen titelgebend Rabe, Buntspecht und Pinguin.

Bevor es an die Vorstellung der einzelnen Vogelarten geht, befasst sich eine einleitende Vogelkunde zunächst allgemein mit dem Bau des Vogelkörpers und seiner Federn sowie der unterschiedlichen Arten des Fliegens. Auf den darauf folgenden 59 Tafeln werden in zwei Teilen die einzelnen Vögel behandelt. Der erste Teil mit den Tafeln 1-23 widmet sich den Sperlingsvögeln, während der zweite Teil mit den Tafeln 24-59 schlicht mit „Andere Vögel“ überschrieben wurde, von denen es wiederum 19 verschiedene Unterarten, beispielsweise die Kuckucksvögel, die Spechtvögel, die Greifvögel oder die Papageien gibt.

Zu den Sperlingsvögeln zählen nicht nur die Sperlinge im engeren Sinne, sondern auch Meisen, Rotkehlchen, Raben, Schwalben, Finken, Nachtigallen und einige andere mehr. Eine große Gruppe unter ihnen ist die der sogenannten Singvögel und wir erfahren, dass sie ihr stärker entwickelter Kehlkopf zum „Singen“  befähigt. Ihr Gesang, mit dem sie ihr Revier markieren, wird bei der Vorstellung der einzelnen Vögel näher beschrieben. So zwitschert die Blaumeise ein „Tü-ti-ti-tirr“, piept der Haussperling ein „Tschip-tschip“, singt die Amsel ein „Tik-tik-tik-tik-tik“, während der Buchfink ein „Hüitt-hüitt-hüitt“ pfeift oder aber ein lautes  „Pink“ ruft.

Neben den zarten, detailreichen Illustrationen aus Tusche und Aquarellfarben gibt es zu jedem Vogel Informationen zum lateinischen Namen, zur Körperlänge und Flügelspannweite, zur Lebensweise sowie zu jeweiligen spezifischen Besonderheiten. So erfahren wir zum Beispiel, dass Blaumeisen mitunter in Briefkästen nisten, dass Sperlinge keine Zugvögel sind, aber in Schwärmen leben, dass Stieglitze ihren Namen dem Lautbild ihres Rufes „Stiglit-stiglit“ zu verdanken haben, dass Kolkraben die weltweit größten Singvögel sind, dass das australische Prachtstaffelschwanz-Männchen sein auserwähltes Weibchen mit selbstgepflückten gelben Blüten zu beeindrucken versucht, dass Buntspechte mit bis zu 20 Schlägen pro Sekunde auf Holz trommeln, dass die Rufe des Uhus bis zu 5 km weit zu hören sind, dass das Nest eines Kolibris in eine halbe Nussschale passt oder dass der hellrote Ara ein Vegetarier ist.

Ein wunderschön gestaltetes und sehr interessantes Nachschlagewerk für alle, die noch weitaus mehr  über Vögel als dass diese fliegen können und Eier legen, wissen wollen.

 

Rabe, Buntspecht, Pinguin

Die Welt der Vögel

von Virginie Aladjadi (Text) und Emmanuelle Tchoukriel (Illustration)

Gerstenberg, 2019

 

Am Sonntag, als das Ei aufging

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Drei  Vorlese- oder auch wegen extra großer Schrift Selbst-Lese-Geschichten vom wunderbaren  Autoren-Illustratoren-Duo Lorenz Pauli und Kathrin Schärer sind unter dem Spannung versprechenden Titel, welcher inhaltlich die erste und letzte Geschichte miteinander verbindet, in einem handlichen Büchlein mit blauem Einband versammelt. Die  ebenfalls Spannung aufbauende Coverillustration zeigt die Protagonisten der Geschichten – Bär, Igel, Vogel, Katze und Hamster – von hinten auf einem sich vom Gewicht des Bären bereits verbiegenden Holzgatter sitzend, über ihnen wie ein Mond am Himmel ein überdimensionales Ei  kurz vor dem Aufplatzen – und verrät hier schon einiges  darüber, was in den Geschichten eine nicht unbedeutende Rolle spielen wird: Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt und hinsichtlich schwer vereinbarer Gegensätze  vielleicht auch ein wenig Konfliktpotential. Während Bär und Igel in ein liebevolles Gespräch oder Katze und Vogel in ihre Gedanken vertieft zu sein scheinen, wendet sich der Hamster, gleichsam einladend zur Lektüre, dem Lesepublikum zu.

Die erste Geschichte („Nach dem Fest“) lässt uns an den philosophischen Betrachtungen der liebevoll verbundenen Freunde Bär und Igel teilhaben. Ein schönes Fest (wahrscheinlich das Geburtstagsfest des Bären) liegt hinter ihnen, alle anderen Gäste sind schon gegangen. Etwas Melancholie liegt in der Luft, als der Bär über den Lauf der Dinge sinniert, dass jetzt die Nacht komme und dann ein neuer Tag, und was dann?  Aus dem Dialog der beiden Freunde entspinnt sich, während sie  in ihre Überlegungen versunken nebenbei mit allerlei Früchten wie Hagebutten, Beeren und Eicheln spielen, ein Gedankenspiel, bei dem sie von Wochentagen zu Monaten und Jahreszeiten kommen, bis sie darüber sinnieren, dass es im nächsten Dezember, in 365 Tagen, wieder ein solches Fest geben werde, auf das sie sich jetzt schon freuen. Und besser, als so lange warten zu müssen, ist erst einmal Winterschlaf zu halten. Bevor sie sich ihren Träumen hingeben, vergewissert sich der Igel noch, dass in den Träumen des Bären ein Platz für ihn ist. Wie rührend!

Die zweite Geschichte („Wanda will weg“)erzählt von einem pfiffigen und abenteuerlustigen Hamster, der einen (Einkaufs-) Zettel gefunden hat, diesen als Einladungsschreiben seines Onkels deklariert, seine Sachen packt und auf Reisen geht. Unterwegs erweist sich der Zettel dank Wandas Gewitztheit als überaus nützliches Requisit, das vor Gefahren schützt und für Essen sorgt und  letztendlich sogar dabei hilft, einen neuen Freund zu finden.

Die dritte Geschichte („Eine schlimme Geschichte“), in welcher ein Vogel ein riesiges Ei ausbrütet und das darin befindliche Wesen liebevoll aufzieht, bis es dieses Wesen wegen makabrer Verhaltensweisen , aber  noch immer in Liebe entlässt,  ist, wie der Titel schon vermuten lässt, keine mit rundum glücklichem Ausgang und dennoch -möglicherweise – glücklich machend, weil das Ende der Geschichte gleichzeitig der Anfang einer neuen Geschichte, einer die wir uns selbst ausdenken sollen.

Liebenswerte Illustrationen, welche die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten auf einzigartige Weise vermitteln, begleiten die drei Bilderbuchgeschichten, die viel zu schön und vielschichtig sind, um sie nur ein einziges Mal oder allein zu lesen.

 

Am Sonntag, als das Ei aufging

Drei Geschichten von Lorenz Pauli (Text) und Kathrin Schärer (Illustration)

Atlantis (Orell Füssli), 2019

Als die Tiere im Wald noch nackig waren

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Dass es sich bei diesem entzückenden Bilderbuch  mehr um eine mit einem gehörigen Augenzwinkern (vor-) zu lesende Geschichte und eher weniger auf zoologische Wissensvermittlung gerichtete Kinderliteratur handelt, wird schnell auch den ganz Kleinen klar, wenn sie hören und sehen, dass die Tiere des Waldes früher alle nackig waren und – ohne Fell oder Gefieder – genau das taten, was Waldtiere eben normalerweise so  machen: sich in der Sonne bräunen lassen oder Federballspielen zum Beispiel. Wenn man sich dazu noch die urkomischen Illustrationen der haar- und federlosen Tiere näher betrachtet, ist das Kichern schon auf der ersten Doppelseite garantiert.

In Anbetracht des nahenden Herbstes und der darauf unvermeidlich folgenden Kälte des Winters probieren die Tiere allerlei Möglichkeiten aus, sich zu wärmen – etwa durch kräftiges Schütteln einen Baum zu entlauben, um sich dann in den entstehenden Blätterhaufen zu kuscheln oder sich gemeinsam in Eules  Schal- oder Sonnentuch zu wickeln. Dumm nur, dass man dann nicht mehr so gut Federballspielen kann …

Was also tun? Der Biber weiß zum Glück Rat, denn er betreibt unweit des Waldes eine kleine Schneiderei und hat noch einige Stoffe übrig.  Nun dürfen sich die Tiere alle  etwas aussuchen, aus dem der Biber wärmende Kleider schneidert: für den Igel einen gelben Stoff mit Streifen, für den Tiger lange spitze Stacheln, für den Frosch eine Federboa, etwas Grünes für die Eule, etwas Flauschiges für die Schlange, etwas Enges für den Bären und etwas Weißes für die Schnecke. Doch bald stellt sich die neue Kleidung als ziemlich unpraktisch heraus. Die kluge Eule aber findet die Lösung und lädt zu einer lustigen Kleidertauschparty ein, auf der solange nach Herzenslust getauscht wird, bis alle letztendlich zufrieden sind. Nun wissen wir endlich des Rätsels Lösung, wie die Tiere zu ihren Fellen kamen und darüber hinaus endlich auch, was sie sonst noch so heimlich tun, wenn keiner hinschaut. Und als besonderes Sahnehäubchen gibt es noch eine kleine Überraschung am Buchende: dort findet sich ein eingelegter Anziehpuppen-Bastelbogen zum Ausschneiden, mit dem man nackige Bären und Tiger lustig einkleiden kann, vielfach kombinierbar im Schuppen- oder Streifenlook und für darunter sogar wahlweise eine Herzchen- oder eine Leopardenmuster-Unterhose. Das sorgt für zusätzlichen Spaß und bringt auf viele weitere kreative Ideen für Tiger- oder Bärenmode mit entsprechenden Accesoires.

Ein ziemlich witziges und  originelles, rundum gelungenes Bilderbuch, an dem Kleine und auch Größere große Freude haben und immer wieder neue lustige Details entdecken können.

 

Elfe Marie Opiela

Als die Tiere im Wald noch nackig waren

annette betz, 2019

Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Zusammen mit Professor Albert, einem rundlichen, weißhaarigen und -bärtigen , Einstein nicht unähnlichem Wissenschaftler entdecken wir bzw.  stellvertretend für uns,  aufgeweckte Kinder wie neugierig gebliebene Erwachsene gleichermaßen, ein wissbegieriges kleines Mädchen mit Pferdeschwanz-Frisur begeben wir uns auf eine spannende Entdeckungsreise in die erstaunliche Welt der Quantenphysik. Ohne diese nämlich wären Erfindungen, denen wir mittlerweile wie selbstverständlich in unserem Alltag begegnen, wie Smartphone und Computer, Röntgenaufnahmen, LED-Lampen, Lasergeräte, Mikrowellen- oder Induktionsherde nicht möglich gewesen oder künftige Entwicklungen wie Nanoroboter oder Teleportation nicht vorstellbar.

Zur Einführung in die faszinierende Thematik werden Modelle verschiedener Kulturen zum Weltverständnis vorgestellt. Mit Newton und Galilei begann eine wissenschaftliche Betrachtung der Rätsel der Welt. Newtons Gravitationsgesetz zum Beispiel konnte nun wissenschaftlich erklären, warum Dinge zu Boden fallen oder Planeten um die Sonne kreisen und seine drei Bewegungsgesetze begründen, wie und warum sich Dinge bewegen. So lassen sich mit Naturgesetzen fast alle Erscheinungen mathematisch erklären. Die Forschungen von Max Planck, der Quanten als unteilbare Energiepakete beschrieb, ließen erahnen, dass die Welt noch ganz anderen Gesetzen gehorcht, als bisher vermutet wurde. Über Rückblicke auf die Geheimnisse des Lichts und dessen merkwürdiges Verhalten erfolgt eine Annäherung an die Quantentheorie.

Der Aufbau der Atome und Moleküle und das Periodensystem der Elemente werden, begleitet von zahlreichen, hervorragend gestalteten farbigen Abbildungen, ebenso erklärt wie atomare Spektren, erste Vorstellungen vom quantisierten Atom, das Doppelspaltexperiment, der eigenartige Versuchsaufbau mit Schrödingers Katze, Heisenbergs Unschärferelation, das Geheimnis der Antimaterie, Quantenverschränkung, Radioaktivität, Tunneleffekt und Teilchenbeschleuniger – und zwar erfreulicherweise so, dass auch physikalische Laien etwas damit anfangen können, erhellende Aha-Effekte erleben und vielleicht sogar ein wenig  mehr Begeisterung für Physik entwickeln können.

 

Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik

Sheddad Kaid-Salah Ferron/Eduard Altarriba

Knesebeck, 2019

Alles war See

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Eine Frau und ein Mann leben in scheinbar idyllischer Beschauligkeit  und liebevoller gegenseitiger Achtsamkeit zusammen mit ihren Tieren – Hühner, Katze, Hund, Tauben, Schafe und Kaninchen – in einem alten kleinen Haus, welches sie lieben, hegen und pflegen ebenso wie ihre Tiere und den umgebenden Garten. Eigentlich ist es an der Zeit, den Blumenkohl zu pflanzen, aber draußen tobt der Sturm …

Alle, der Mann und die Frau und ihre Tiere, müssen im schützenden Haus bleiben. Als der Sturm vorüber ist, merken sie, dass das Hausdach repariert werden muss und sie machen sich an die Arbeit. Sie schmieden Pläne für ein neues Haus unten am See und setzen sie alsbald in die Tat um, der Blumenkohl muss weiter warten. Als das nächste Unwetter mit sintflutartigem Regen alles unter Wasser setzt, beschließen sie, das neue Haus ganz oben auf den Berg zu versetzen und schaffen das scheinbar Unmögliche mit vereinten Kräften, selbst die Tiere helfen mit. Doch auch da steigt das Wasser bedrohlich an, so dass sie wieder einen Umbau beschließen. Mehr und mehr nimmt das Haus die Gestalt eines Schiffes an – einer Art Arche Noah, die nun auch die aus Wald und Feld vor dem Wasser flüchtenden Tiere aufnimmt.

Als alles um sie herum zum See wird, löst sich das Haus-Schiff vom Berg und schwimmt davon, hin zu neuen Ufern und zu einem neuen Anfang in einer neuen mediterran aussehenden Heimat , in der sie wieder glücklich zu sein scheinen  und glauben, dass alles gut werden wird und wo sie beschließen, dem Schiff noch Flügel zu bauen – und so der Blumenkohl weiter warten muss.

Die wie eine biblische Metapher anmutende poetische Geschichte wird begleitet von wunderbaren Bildern, die teilweise recht humorvoll und in hervorragender künstlerischer Qualität noch weitaus mehr als der Text erzählen und die märchenhafte Handlung illustrieren.  Die nahende Bedrohung durch Naturgewalten (automatisch drängt sich hier ein Bezug zum Klimawandel auf) wird weder verharmlost, noch wird je die Hoffnung auf neue Lösungen aufgegeben. Die treibende Kraft dabei aber, trotz aller Widrigkeiten nie mutlos zu werden oder gar aufzugeben, scheint allein eine allumfassende Liebe zu sein.

Alles war See

Text: Lorenz Pauli

Illustration: Sonja Bougaeva

atlantis, 2019

 

Dornröschen

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

 

Es gibt Bücher, die möchte man wie kleine Kostbarkeiten behandeln – das Märchenbilderbuch „Dornröschen“ von Christina Laube und Mehrdad Zaeri ist so eines.

Wie schon das vorangegangene „Aschenputtel“ (Knesebeck, 2016) ist das frei nach den Gebrüdern Grimm nacherzählte Märchen vom Dornröschen begleitet von atemberaubend schönen Scherenschnitten und silhouettenartigen Illustrationen, welche wunderbar mit dem Text und der Buchgestaltung samt Schutzumschlag korrespondieren und beim Umblättern der Buchseiten eindrucksvolle Spiele mit Licht und Schatten ermöglichen.

Die Dimension des rauschenden Festes, welches das Königspaar zur großen Freude über die Geburt der langersehnten Tochter ausrichtet, wird augenblicklich deutlich durch die unzähligen Silhouetten emporgereckter Hände, die im Überschwang des Feierns Hüte, Blumen und Girlanden in die Höhe werfen. Auch zwölf Feen – diese in unterschiedlichen Erscheinungsformen nebeneinander aufgereiht in einem Scherenschnitt – sind zum Fest geladen und beschenken allesamt das gefeierte Kind mit guten Wünschen. Die dreizehnte Fee aber wird wegen des fehlenden dreizehnten goldenen Tellers ausgeladen. Dennoch erscheint sie zum Fest und verkündet aus Wut über den Affront ihren unheilvollen Fluch, den die letzte der guten Feen nur noch etwas abmildern, aber nicht aufheben kann: Im Alter von 15 Jahren soll sich die Königstochter an einer Spindel stechen und mitsamt dem ganzen Hofstaat in einen hundertjährigen Schlaf fallen.

Ausdrucksstark ist das Bild der unzähligen aufgetürmten Spinnräder, welche der König in seiner verständlichen Sorge um die Königstochter vernichten lassen will. Eines jedoch übersah der König und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Die um das in den Schlaf versunkene Königshaus bedrohlich wuchernde Dornenhecke wird fühl- und greifbar in den nun folgenden Scherenschnitten (die sich beim Blättern jedoch leider recht schnell mal ineinander verhaken – hier ist Fingerspitzengefühl beim Entwirren des filigranen Geflechts gefragt oder aber vorsorglich ein Blatt Papier zum Dazwischenlegen). Mit den Jahren wird das Ereignis zur Legende. Nach hundert Jahren aber -wieder einmal ist ein Königssohn (auf einem prächtigen Scherenschnitt-Ross) unterwegs zum Dornröschen-Schloss – tut sich ein Meer von duftenden Rosen vor dem Prinzen auf und macht den Weg frei zur schlafenden Prinzessin, welche durch seinen Kuss erwacht und mit ihr das ganze Königreich. Und wieder wird ein rauschendes Fest gefeiert.

Ein Fest für die Sinne ist auch diese märchenhaft schöne Bilderbuch-Kostbarkeit, die beim Betrachten ein ästhetisches Erlebnis verspricht.

 

Dornröschen

von Christina Laube und Mehrdad Zaeri

Knesebeck, 2019

Fredy flunkert

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de)

Dass dem gängigen Sprichwort gemäß Lügen kurze Beine haben, wird im Untertitel dieses Bilderbuchs zum Thema Flunkern in „Lügen haben lange Hälse“ umgedeutet – der langen Lama-Hälse wegen.

Lama Fredy, der Buchheld, immer „gut drauf“ und „voll cool“, flunkert, dass die Funken fliegen. Zum Beispiel, als er seinem Freund und Mitbewohner Fauli, dem Faultier, voller Stolz berichtet, dass das Konzert mit seiner Lama-Rockband „The Dalai Lamas“ ein voller Erfolg und komplett ausverkauft gewesen wäre und er nun einen Plattenvertrag in der Tasche hätte. Oder dass er als Schuhverkäufer auf dem Markt ebenfalls überaus erfolgreich war. Oder dass er mit drei hübschen Lama-Damen zum Essen verabredet wäre. All das findet Fauli ziemlich seltsam, als er erfährt, dass das Rockkonzert ein Flop war oder entdeckt, dass sich im Wandschrank die unverkauften Schuhe stapeln. Die Vermutung, dass wohl auch die Verabredung mit den drei Lama-Damen, die Fredy seinem Freund nach dessen Bericht über ein bevorstehendes romantisches Picknick mit Faultierdame Lola entgegengesetzt hat, frei erfunden oder zumindest reichlich übertrieben war, liegt nahe. Nach Faultier-Art ist Fauli das tiefer gehende Nachdenken darüber allerdings meist auch etwas zu anstrengend. Als Fredy dann aber auch noch von seinem Ufo-Flug berichtet, wird es selbst dem trägen Fauli zu viel und er zieht wütend aus und bei der neuen Freundin Lola ein, ohne zu ahnen, dass Fredy diesmal die Wahrheit gesagt hat. Die Erkenntnis, dass es trügerisch ist, mehr gemocht zu werden, wenn man erfolgreich ist, stellt sich alsbald ein und mit großem Lama-Ehrenwort verspricht Fredy seinem Freund Fauli, ihn nie mehr anflunkern zu wollen.

Die Gegensätzlichkeiten der beiden tierischen Charaktere und die Folgen ihres Tuns werden schlüssig und humorvoll in Wort und Bild herausgearbeitet, wenn auch die Story insgesamt etwas zu sehr konstruiert und vordergründig auf Coolness getrimmt wirkt. Im Vor-und Nachsatz sind interessante „coole Facts“ über Lamas und Faultiere nachzulesen, welche in der eigentlichen Bilderbuchgeschichte dann nur in Ansätzen aufgegriffen werden. Das Potential für weitere lustige Bilderbuch-Stories mit den beiden trotz ihrer Schwächen sympathischen Buchhelden ist auf jeden Fall vorhanden.

Idee, Text, Illustrationen: Jaqueline Kauer

Idee, Text, Buchgestaltung: Daniel Kauer

Kalea Books, 2018