Archiv der Kategorie: Kinderbuch

Schnurzpiepegal

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (malkastl.de)

Ein Männerbein links, ein Frauenbein rechts, seines in orange-rot-karierter Hose, ihres mit kräftiger Wade und blau-stöckelbeschuht aus einem mittelblauen Rock mit dunkelblauem Kringelmuster ragend. Zu jedem Bein gesellen sich extravagant aussehende Hunde, der linke ziemlich beleibt und … blau mit Kringeln (!), der rechte schlank und mit … man ahnt es … orange-rotem Karomuster. Ebenso schön-schräg wie das Cover ist diese Bilderbuchgeschichte samt ihrer gegensätzlichen Protagonistenpaare: die pummelige Leonora, deren Herz für Opern schlägt mit ihrem zierlichen orange-rot-karierten Hund Fidelio, der ihr so gar nicht ähnlich sieht und der dünne Joschka mit seiner pfundigen Hündin Pistazia – jedes Paar miteinander eigentlich sehr zufrieden, glücklich und unzertrennlich.

Leonora und Joschka mit ihren Hunden entsprechen also so gar nicht dem gängigen Klischee, welches besagt, dass alle Hunde Ähnlichkeiten mit ihren Herrchen oder Frauchen aufweisen würden. Das ist ihnen aber eigentlich auch egal … oder doch nicht so ganz?

Jedenfalls gefällt es weder Leonora noch Joschka, dass sie sich in der Stadt mit ihren ganz und gar unpassenden Hunden beim Gassi-Gehen zum Gespött der Leute machen.

Dabei wissen die Leute nicht, wie gut sie jeweils miteinander harmonieren: Leonora tanzt zu Opernklängen aus dem alten Grammophon und Fidelio tanzt dazu; Joschka stellt gern Pralinen her und seine Hündin Pistazia mag diese zum Fressen gern, was man ihr auch ansieht.

Leonora und Joschka leben zwar in derselben Stadt nur zwei Straßen voneinander entfernt, aber kennen sich nicht; sie gehen zu unterschiedlichen Zeiten mit ihren Hunden spazieren. Als aber eines Tages Leonoras Grammophonnadel kaputtgeht und sie eher zum Spazierengehen mit Fidelio aufbricht, um sich eine neue zu kaufen, begegnet sie Joschka mit Pistazia. Ihre Blicke begegnen sich ohne Worte und sofort ist klar, was sie tun werden: sie tauschen ihre Hunde, denn blaugekringelt und dick gehört schließlich zu blaugekringelt und dick und orange-rotkariert und dünn gehört schließlich zu orange-rotkariert und dünn – und wie sie es erwarteten, hören die Leute fortan auf mit dem Gespött und alles scheint perfekt zu sein. Aber irgendetwas stimmt dennoch nicht und fortan herrscht vierfache unerklärliche Traurigkeit.

Als sie sich ein zweites Mal beim Spazierengehen begegnen, weil Joschka beim Pralinenmachen zum ersten Mal in seinem Leben die Schokolade anbrannte und er wegen des Topf-Schrubbens erst zwei Stunden später als sonst aufbrach , sich erneut vielsagend ihre Blicke treffen und plötzlich das vier-fache traurige Gefühl wie weggeblasen ist, wissen sie endlich, wie es wirklich perfekt ist und was zu tun ist: zu viert ist alles schöner – sie hören zusammen Musik, singen, lachen und tanzen und machen gemeinsam Pralinen. Dass die Leute schon wieder spotten, weil weder die Hunde noch Herrchen und Frauchen zusammenpassen, ist ihnen nun wirklich SCHNURZPIEPEGAL.

Die herrlich skurrile Bilderbuchgeschichte, welche witzige Illustrationen der kauzigen Charaktere und ihrer Lebensumstände begleiten, ist  ausgesprochen unterhaltsam für alle Altersklassen und gleichzeitig tiefgründig und führt uns überzeugend vor Augen, wie SCHNURZPIEPEGAL Äußerlichkeiten und die Meinung der Leute dazu in Wirklichkeit sind.

 

Schnurzpiepegal

Text und Illustration: Barbara Steinitz

Verlag: Knesebeck, 2018

ISBN 978-3-95728-055-8

 

 

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Alle Welt

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de):

Das 2013 erstmals im Moritz-Verlag erschienene und mehrfach ausgezeichnete Landkartenbuch ist 2018 in einer erweiterten Neuauflage erschienen. Mit Karten von Ägypten, Dänemark, Estland, Vietnam, Türkei, Taiwan, Ungarn, Ukraine, Slowakei, Argentinien, Kongo, Korea, Kuba, Portugal, Norwegen, Litauen, Lettland, Georgien, Iran und Irland sind zu den vorherigen 42 Länderkarten 20 neue hinzugekommen, so dass in der jetzt vorliegenden Auflage insgesamt 62 Länder der Welt  vorgestellt werden.

Die vordere Umschlag-Doppelseite des großformatigen Buches (27,5 x 37,5 cm) dient gleichzeitig als Weltkarte und Inhaltsverzeichnis, so dass die einzelnen Länder schnell gefunden werden können.

Die hinteren Umschlagseiten sowie deren vorhergehende Doppelseite bilden die Flaggen der Welt ab, auch jene, deren zugehörige Länder (noch) nicht im Buch vorgestellt werden.

Auf den Seiten 6 und 7 gibt die Weltkarte eine Übersicht über Kontinente und Weltmeere, bevor auf der nächsten Doppelseite eine Europa-Karte und daran anschließend 28 Karten europäischer Länder von Island bis Griechenland folgen. Die Asien-Übersichtskarte auf den Seiten 64 und 65 ist den 14 vorgestellten asiatischen Ländern von Russland bis Vietnam vorangestellt. Analog geht es weiter mit 9 afrikanischen, 4 nord- und mittelamerikanischen und 5 südamerikanischen Ländern, gefolgt von Ozeanien (mit Australien, Neuseeland und Fidschi), der Arktis und schließlich Antarktis.

Auf einzigartige Weise, geprägt vom unverwechselbaren Illustrationsstil des polnischen Künstlerpaares Aleksandra und Daniel Mizielinsky, werden die einzelnen Länder je auf einer Doppelseite in Form einer Landkarte, in welche sich neben Informationen zur Hauptstadt, Sprache, Einwohnerzahl und Fläche des Landes die größeren Städte und vor allem zahlreiche zeichnerische Elemente als Informationen über Flora und Fauna, Flüsse, Seen, angrenzende Meere, Inseln und Gebirge, Sehenswürdigkeiten, landestypische Sitten und Gebräuche, Berühmtheiten sowie kulinarische Besonderheiten einfügen. Eine unermessliche Fülle an interessanten und wissenswerten, liebevoll gezeichneten Details zu vielen Ländern dieser Erde erschließt sich allein durch das Betrachten der sympathischen Illustrationen.

Betrachten wir Dänemark als eines der neu hinzugekommenen Länder auf den Seiten 14 und 15: Wer sich die Illustrationen genauer anschaut, erfährt eine Unmenge über das liebenswerte nordeuropäische Land wie zum Beispiel, dass es dort für die gemütliche Stimmung unter lieben Menschen sogar ein eigenes Wort, nämlich „Hygge“,  gibt, dass dort Kinder etwa  Emil oder Freja genannt werden, dass dort ein Kobold namens Nisse als guter Hausgeist erscheint, viele Häuser mit Dächern aus Seegras gedeckt werden, wo die Reste alter Wikingerdörfer zu finden sind, dass Niels Bohr in Dänemark die Struktur der Atome erforschte, dort ein Gericht namens Leverpostej verspeist wird oder wo das berühmte Legoland besichtigt werden kann.

Es ist ein großartiges Erlebnis und Abenteuer für Kinder ebenso wie für Erwachsene, sich mit dem Buch zu beschäftigen, damit in Gedanken die Welt bereisen zu können, beim Betrachten Wissenswertes zu erfahren und zu entdecken, mit seiner Hilfe Reisen vor- oder nachbereiten zu können und sich dabei an den einzigartigen Illustrationen zu erfreuen.

Unbedingt zu empfehlen für jedes Familien-Buchregal!

 

Alle Welt. Das Landkartenbuch. Erweiterte Neuausgabe

Aleksandra und Daniel Mizielinski

Moritz Verlag, 2018

Übersetzung aus dem Polnischen: Thomas Weiler

ISBN 978 3 89565 370 4

 

 

Gärtnern in Beet, Topf & Kasten

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, malkastl.de

Um ein Guckloch auf dem Buchcover, in das man von oben in einen Blumentopf schauen und eine sattgrüne kleine Pflanze beim Wachsen beobachten kann, gruppieren sich  Blumen, Früchte, kleine Tiere und Gartenwerkzeuge. Die 96 Seiten festen Papiers des Kinder-Gartenbuchs aus der Reihe „Expedition Natur“ werden mit einer Spiralbindung zusammengehalten und mit einem grünen Gummibändchen verschlossen – gleich auf den ersten Blick präsentiert es sich somit als ein praktisches und gestalterisch schönes Arbeitsbuch.

Die meisten Kinder sind gern draußen, buddeln mit Begeisterung in der Erde und wollen ihrem Forscherdrang in der Natur nachgehen, womit Gärtnern für sie eine ideale Beschäftigung ist und bei entsprechender Sorgfalt in der Pflege von Pflanzen mit bunten Blumen und leckeren Früchten reich belohnt werden kann. Das nötige Know-how liefert das speziell für Kinder geschriebene Buch über das Gärtnern in der Stadt und auf dem Land.

Zunächst werden die nötigen Gärtner-Geräte vorgestellt und ein Überblick über die verschiedenen gärtnerischen Tätigkeiten, welche in den einzelnen Monaten anfallen, gegeben sowie Grundwissen über die Bedürfnisse von Pflanzen vermittelt, bevor es ans eigentliche Gärtnern, beginnend mit der Samenaussaat, geht. Ist aus dem Samenkorn ein kleines Pflänzchen gewachsen, kommt es auf die richtige Pflege an, wozu auch die richtige Bodenpflege gehört.

Für unterschiedliche Interessen werden verschiedene spannende Gartenprojekte in den einzelnen Kapiteln Schritt für Schritt, gut verständlich und mit vielen begleitenden Fotos und Zeichnungen vorgestellt. So wird detailreich erklärt, wie Kartoffeln im Topf wachsen, wie gepflanzt, ein- und umgetopft wird, wie Pflanzen vermehrt werden können, wie richtig gegossen und gedüngt wird, wie Kräuterbeete und Beerengärtchen, Pizza- Ritter- oder Indianerbeete angelegt werden oder Bienen-Rastplätze entstehen können und vieles mehr. Sogar Rezepte zum Verarbeiten der eigenen Ernte und kreative Spiel- und Basteltipps, wie beispielsweise zur Herstellung und Verwendung von Pflanzenfarben, fehlen dabei nicht.

Wie viel Freude es machen kann, sich um Pflanzen zu kümmern, wird mit dem Buch, das bei der Lektüre augenblicklich Lust aufs Gärtnern macht, überzeugend, verständlich und unterhaltsam dargestellt.

 

Titel: Gärtnern in Beet, Topf & Kasten – Das Gärtnerbuch für Kinder

Autor: Bärbel Oftring

Verlag: moses.

Erscheinungsjahr: 2018

ISBN: 978-3-89777-965-5

 

Plötzlich war Lysander da

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Als der Briefträger Post für die dicke Dora, den langen Luis und die kleine Kathinka ins Mauseloch bringt, können sie es erst kaum glauben: Im Brief vom Bürgermeister steht geschrieben, dass jemand bei ihnen einziehen soll. Die Mäuse sind beunruhigt und befürchten, weder genug Platz noch genug Kartoffeln für einen mehr zu haben. Und schon platzt am Abend der neue Mitbewohner, ein roter Lurch namens Lysander, ins beschauliche Leben der kleinen Mäusefamilie. Der Lurch ist recht freundlich, hat jedoch völlig andere Gewohnheiten als die Mäuse, die ein wenig empört sind darüber, dass Lysander alles durcheinanderzubringen scheint. Und ein wenig Angst vor dem Unbekannten ist wohl auch mit im Spiel. So verdächtigt die kleine Kathinka den neuen Gast gar, mit dem Verschwinden ihrer Puppe etwas zu tun zu haben. Als sie aber beobachtet, was Lysander mit seinen mitgebrachten Körnchen und Erde in der Badewanne, die ihm als Platz zugewiesen wurde, anstellt, wird sie zunehmend neugierig. Und siehe da, am nächsten Morgen gibt es eine wunderbare Überraschung, die alle sehr erfreut und sie schneller als gedacht zu einer neuen Familiengemeinschaft zusammenwachsen lässt.

Es ist erstaunlich, wie hervorragend es Antje Damm gelingt, ein komplexes und hochaktuelles Thema – die Konfrontation mit dem Fremden und die damit verbundenen Ängste – in eine auch für jüngere Kinder gut verständliche Bilderbuchform zu bringen und die zu Herzen gehende Geschichte dank einer interessanten Collagetechnik, die große Freude beim Anschauen bereitet und zuweilen den Eindruck vermittelt mitten im Geschehen zu sein, ausdrucksstark und liebenswert zu illustrieren.

Sehr zu empfehlen, wunderbar anzuschauen und bestens geeignet, um über potentielle Vorurteile, aufkommende Ängste, aber auch Möglichkeiten bei der Begegnung und im Umgang mit Neuem und Unbekanntem miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Und plötzlich war Lysander da

Antje Damm

Moritz Verlag

2017

ISBN 978 3 89565 344 5

Kleine Nachteule Aurelia

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Das Drama spielt sich täglich abends in unzähligen Familien ab: die lieben Kleinen wollen nicht ins Bett. So auch Aurelia, welche nicht schlafen gehen will, weil sie überhaupt noch nicht müde ist, in Dorothea Flechsigs neuem Bilderbuch aus dem Glückschuh Verlag.

Aurelia, die wir schon aus dem Bilderbuch „Kleiner Dreckspatz Aurelia – wasch dich doch mal!“ kennen, ist ein kleiner Wirbelwind, wissbegierig, voller Tatendrang und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Auch die anbrechende Nacht kann kleine Abenteurer wie Aurelia kaum stoppen.

Wie schon im ersten Buch thematisiert die Autorin, welche ursprünglich mal Tierforscherin werden wollte, alltägliche Familienthemen und verknüpft diese mit Wissenswertem aus der Natur und Tierwelt. Auch diesmal bekräftigt Aurelias Papa seine Argumente mit tierischen Beispielen, um zu betonen, dass jeder mal schlafen müsse wie dies auch kleine Nachteulen, Fledermäuse, Igel, Erdmännchen, Flamingos tun müssen, um sich von den täglichen Abenteuern zu erholen. Pfiffig, wie Aurelia ist, belässt sie es nicht dabei, sondern will erst einmal ganz genau wissen, wie die genannten Tiere denn eigentlich in den Schlaf finden. Aurelias Papa gibt bereitwillig darüber Auskunft. Und sogleich wird erstmal alles auf Schlaftauglichkeit ausprobiert – zusammengekauert wie eine Eule, kopfüberhängend wie eine Fledermaus, eingerollt wie ein Igel, auf einem Haufen voller Gefährten (in diesem Fall müssen Aurelias Kuscheltiere dafür herhalten) liegend, auf einem Bein wie der Flamingo stehend oder „im Flug“ wie die Mauersegler einzuschlafen. Und weil das ziemlich anstrengend ist, all die verschiedenen Schlafpositionen auszuprobieren, ist Aurelia nun auch entsprechend müde. Zum Einschlafen fehlt nur noch der entscheidende Hinweis von Papa, welcher seiner neugierigen Tochter erklären soll, wie die Gorillas schlafen (nämlich wie wir Menschen aneinandergekuschelt) – und endlich ist es soweit: Beide schlafen gorillamäßig ein.

Die liebenswerte Einschlaf-Geschichte, einfühlsam, detailreich und farbenfroh bebildert von Suse Bauer, ist die ideale Lektüre für kleine Nachteulen und deren Eltern und eignet sich hervorragend, den Nachwuchs mit einem schönen – und nebenbei lehrreichen wie sportlichen – Familienritual in den Schlaf zu begleiten.

 

Kleine Nachteule Aurelia – Schlaf doch mal!

Dorothea Flechsig/ Suse Bauer

Glückschuh Verlag

2018

ISBN: 978-3-943030-60-0

Oje, ein Buch!

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Oje, ein Buch! – Fast ein Ausruf des Entsetzens, den die Smartphone-affine Frau Asperilla da ausstößt, als ihr der kleine Juri freudig das Buchgeschenk von Herrn Schnippel (wer auch immer das sein mag) präsentiert und Frau Asperilla tatsächlich denkt, dass sie angesichts eines scheinbaren Irrtums etwas wiedergutzumachen hätte. Juri, der zwar weiß, dass ein Buchgeschenk niemals ein Fehler sein kann, geht auf das Wiedergutmachungsangebot nur zu gern ein und schlägt dazu das gemeinsame Anschauen des Buches vor. Ganz schön clever, denkt der (Vor)leser und ahnt bereits, dass Frau Asperilla wohl leider zu jenen Zeitgenossen zu gehören scheint, die mit Büchern wenig bis gar nichts anzufangen wissen – ganz im Gegensatz zu Juri. Der kann sich das Gehabe von Frau Asperilla eigentlich nur so erklären, dass sie ihn nur auf den Arm nähme (aber leider ist es bittere Realität), als sie tatsächlich nicht zu wissen scheint, dass sich Bücher nicht von selbst vorlesen, man sich beim Lesen etwas vorstellen muss, es immer von links nach rechts geht und dass man nicht wischen sondern umblättern muss, um zu wissen, wie es weitergeht. Und Bilder werden in Büchern auch nicht größer, wenn man sie zwischen Daumen und Zeigefinger auseinanderzuziehen versucht, muss Frau Asperilla enttäuscht feststellen.

Weil aber Juri für Frau Asperilla ein ausgesprochen geduldiger und kundiger Vorlese-Lehrer ist, von dem man auch so nützliche Sachen übers Vorlesen lernt wie zum Beispiel, dass man doch möglichst krächzen sollte, wenn im Buch ein krächzendes Monster etwas sagt, gewinnt auch sie – zögerlich, aber stetig – Gefallen an dem mysteriösen Medium Buch, wird neugierig wie ein Kind auf dessen Inhalt, fiebert ängstlich mit im Zuge des Geschehens in der Geschichte, als mäusefangende Katzen und Monster darin auftauchen. Und ebenso lernt sie durch Klein-Juris philosophische Erkenntnis (die gleichzeitig in einer Mini-Geschichte in der Geschichte – von zwei Vögeln und einem roten Faden- verdeutlicht wird)  auch, dass die Sichtweise auf die Dinge davon abhängt, von welcher Seite aus man sie anschaut.

Die  Umkehrung von Klischees gelingt hier als interessanter und überraschender  Aspekt des parallelen Erzählens von drei  geschickt miteinander verknüpften Geschichten, welche mit augenzwinkernder Leichtigkeit daherkommen und mit frischen, reduzierten und gleichzeitig aussagestarken Buntstiftzeichnungen bebildert sind.

Wie viel zwischen zwei Menschen, die sich gemeinsam ein Buch anschauen, passieren kann, zeigt das Buch, welches als Anlass zum Nachdenken und Miteinander-Reden für alle großen und kleinen Leseratten ebenso wie für alle Buchmuffel und Smartphone-Junkies sehr zu empfehlen ist, auf geniale Weise.

 

Oje,ein Buch!

Lorenz Pauli/ Miriam Zedelius

Verlag atlantis

2018

ISBN 978-3-7152-8742-1

Ein Hund namens Kominek

Buchvorstellung von Hanna Nebe-Rector, Malkastl.de

Zu Beginn der Geschichte lebt Kominek, ein zotteliger kleiner schwarzer Hund,  zusammen mit dem alten Tadeusz zurückgezogen auf einem Bauernhof-Schrottplatz am Stadtrand von Przemysl, eines polnischen Örtchens am Fuße der Karpaten. Die meiste Zeit sind Kominek und Tadeusz, die eine anrührende Freundschaft verbindet, allein. Nur gelegentlich kommt der Briefträger Janusz mit der Post und Essenseinkäufen vorbei, ansonsten besteht das Leben aus Ruhe und vertrauter Zweisamkeit. Kominek macht es sich mit Vorliebe auf den Sitzen der alten Schrottautos gemütlich und lauscht der Musik aus deren Radios, während Tadeusz an diesen schraubt und bastelt.

Doch eines Tages wird die friedliche Idylle jäh zerrissen, als der alte Tadeusz stirbt und für Kominek nichts mehr so ist wie es war. Nun beginnt sich Janusz der Postbote verantwortlich für den tieftrauernden Hund, dem er bisher in respektvoller Distanz begegnete, zu fühlen und wagt erste zaghafte Annäherungsversuche. Als Janusz bemerkt, dass der Hund musikalisch ist, bringt er seine alte Klarinette aus längst vergangenen Zeiten als Orchestermusiker mit und beginnt für Kominek zu spielen. Spätestens an diesem Punkt ist die neue freundschaft besiegelt und Janusz glaubt seinen Augen kaum, als er entdeckt, dass der Hund nicht nur gern Musik hört, sondern sich dazu auch tanzend bewegt. Eine Idee beginnt zu reifen.

So kommt es, dass die Beiden Abschied von Przemysl nehmen, um als Straßenmusiker durch die Lande zu ziehen und überall ihr Publikum verzaubern. Und zu guter Letzt eröffnet sich für Kominek und Janusz sogar eine vielversprechende Zukunft in Amerika.

Die poetische Geschichte rund um die Freundschaft zwischen Mensch und Tier, liebevoll illustriert in zahlreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen in einem wunderbaren Retro-Stil, bleibt noch lange im Gedächtnis und zaubert ein wohlig wärmendes Gefühl in die Herzen der Leser aller Altersstufen.

 

Buchtitel: Ein Hund namens Kominek

Hardcover, 118 Seiten

Text: Antje Bones

Illustration: Jasmin Schäfer

Verlag: Knesebeck

2018

ISBN 978-3-95728-9

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Smon Smon

Illustration, Text und Buchgestaltung: Sonja Danowski

Verlag: NordSued, 2018

 

Die Berliner Bilderbuchkünstlerin Sonja Danowski entführt uns in die phantastische Welt des Planeten Gon Gon, wo das entzückende kleine Smon Smon lebt und lässt uns an einem Tag seines einesteils beschaulichen und andererseits abenteuerlichen Lebens teilhaben.

Das Smon Smon hat sein letztes Ron Ron neben sein Won Won an ein Lon Lon gehängt, um in einem Ton Ton davonzuschwimmen zu den großen Pon Pons, wo Lon Lons und Ron Rons wachsen. Als das Smon Smon in ein tiefes, dunkles Zon Zon fällt, helfen ihm Klon Klons und zum Dank hilft das Smon Smon den Klon Klons mit den schweren Ston Stons. Als das Smon Smon in einem weichen Pon Pon schlummernd mit diesem in die Höhe wächst, hilft ihm zum Glück ein vorbeifliegendes Flon Flon aus der misslichen Lage. Das Smon Smon schenkt dem Flon Flon dafür sein Ton Ton mit dem Lon Lon und trifft zu guter Letzt auf ein zweites Smon Smon, mit dem es sich zufrieden in die Won Wons kuschelt.

Alles klar? Keine Sorge – beim Betrachten der traumhaften Illustrationen erschließt sich nicht nur recht schnell, was Ron Rons, Won Wons oder Lon Lons sind, sondern es entwickelt sich nach anfänglicher kurzer Verwirrung ob der ungewöhnlichen Begrifflichkeiten eine große Freude daran, deren Bedeutung zu entschlüsseln und dabei in eine phantastische Bildwelt einzutauchen. Wunderschön!

Da bist du ja!

Da bist du ja! Die Liebe, der Anfang – allüberall

Text: Lorenz Pauli

Illustration: Kathrin Schärer

Verlag: atlantis, 2017 (3.Auflage)

 

Liebevoll blicken sich die beiden Bilderbuchhelden –deren Zugehörigkeit zu bestimmten Tierspezies wie etwa Hund oder Schwein nur bedingt definierbar, doch ebenso unerheblich ist- direkt in die Augen und scheinen in diesen vertrauensvollen Blick alles legen zu wollen, was nur selten mit Worten hinreichend auszudrücken ist: das Gefühl tiefster Zuneigung, der Liebe.

Das Große und das Kleine, wie die beiden namen-, geschlechts- und alterslosen und damit universellen hinreißenden Wesen im Buch genannt werden, haben sich ziemlich lieb, das sieht und merkt man sofort. Gemeinsam sinnieren sie über den Anfang dieser (Liebes-)geschichte ihrer innigen Freundschaft und Verbundenheit – wie es plötzlich „RUMMMMMS“ machte, und die Liebe kam und das Große dachte, dass diese so groß wäre, dass sie niemals Platz in ihm hätte und wie das Kleine damals spürte, dass es hier bei dem Großen genau richtig wäre und dieses Gefühl voller Poesie auszudrücken versucht. Dass das Kleine mag, dass das Große nicht alles mag, dass alles einen Anfang, aber nicht alles ein Ende haben muss, dass es ein gemeinsames Ziel gibt, nämlich jenes, immer wieder ein kleines Stückchen Anfang zu finden, dass die Liebe nicht aufhören muss, wenn sich einer verändert, sondern das, was sich nie ändert, wie ein Kirschkern sei, aus dem ein Baum wachsen kann.

Poetisches, Tiefgründiges und Philosophisches schwingt hier federleicht inmitten liebevoll gezeichneter Szenarien, in denen das Große und das Kleine durchs Universum schweben, sich herzzerreißende Blicke zuwerfen, ihre Nähe genießen, Schabernack treiben, den Mond bestaunen und in Baumkronen hockend philosophieren.

Herzerwärmender, anrührender, umwerfender und liebevoller kann man die Liebe kaum beschreiben – ein Bilderbuch, in welches man sich augenblicklich verlieben muss!

 

Pernix

Titel: Pernix. Die Abenteuer eines kleinen Sauriers

Text und Illustration: Dieter Wiesmüller

Verlag: Atlantis (Orell Füssli), 2017

 

Pernix kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie schnell, behänd oder hurtig – Eigenschaften, die den Bilderbuchhelden Pernix, ein flinker kleiner Saurier, auszeichnen und ihm helfen, sich in seinem Lebensraum Urzeitwald zu behaupten.

Ein Stück weit können wir beobachtend Pernix durch seinen Lebensraum und seine alltäglichen Erlebnisse begleiten. Ganz allein -alle seine Geschwister sind inzwischen Opfer größerer Tiere geworden- muss er sich, oft getrieben von Hunger und immer auf der Hut vor gefährlichen Feinden, durchschlagen. Wir erleben Pernix beim Jagen, bei der Begegnung mit anderen großen und kleinen Sauriern wie den Schnabelzahn-Flugsauriern Rips, Raps und Rops, beeindruckenden Riesensauriern, dem Jäger Torvus oder dem furchteinflößenden Raubsaurier Horridus und schließlich mit seiner neuen Saurierfreundin Viva, die so genauso aussieht wie er. Mit Viva ist Pernix nicht mehr allein, gemeinsam gehen sie auf Futtersuche und gründen schließlich ihre eigene kleine Saurierfamilie.

In ausdrucksstarken, farbintensiven Bildern können wir staunend in die beeindruckende Flora und Fauna einer längst vergangenen Zeit eintauchen.

Begrüßenswert ist, dass mit zusätzlichen Begleitmaterialien zum Buch, die unter einem am Buchende angegebenen Link kostenlos zum Download angeboten werden, weitere interessante Informationen zu den Tieren des Urzeitwaldes zur Verfügung stehen.